Die Tásah Zut'hedsh und die Arx Pallida,

Stammsitz des altehrwürdigen kem´schen
Hauses der Familie Pâestumai

Tasah Zuthedsh Tasah Stramin

[Tásah Strámin] [Tásah Zut'hedsh]


Übersicht über den Zentral-
bereich der Arx Pallida.
Blau die Villa,
rot die Wirtschaftsgebäude.
Über die Geschichte des Hauses Pâestumai und seiner Mitglieder wurde zu einem früheren Zeitpunkt schon berichtet. Heute steht die prächtige Residenz der Familie im wunderschönen Frencaal im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Etwas mehr als einen halben Tagesritt von der Capitale in nordöstlicher Richtung entfernt, liegt das kleine beschauliche Dörfchen Zut´hedsh. Von einer wehrhaft aussehenden Pallisade umgeben, welche nur durch zwei beschlagene Tore zu passieren ist, stellt Zut`hedsh einen weitaus respektableren Weiler dar, als dies manch anderes Dorf in Kemi tut. Das Dorf selbst ist schon ganz durch die nahe Residenz geprägt, welche nur eine halbe Sanduhr später über eine extra angelegte Nebenstraße zu erreichen ist. Zahlreiche Häuser, einige mehr als nur die öffentlichen Gebäude, sind aus Stein erbaut und säumen die Straßen. In ihnen wohnen Bauern und Handwerkerinnen, welche fast alle im Dienste des Hauses Pâestumai stehen. So findet sich für die knapp siebzig Seelen, welche hier wohnen, eine erstaunlich hohe Anzahl von unterschiedlichen Handwerksberufen: Ein Grob- und ein Feinschmied, eine Schreiberin, welcher hier im Auftrag des Sahs ni Zut´hedsh Dienst tut, eine Kürschnerin, eine Färberin, ein Schneider, zwei Baumeister und viele andere, die sich andernorts in dieser Vielfalt nicht halten könnten. Doch das Haus Pâestumai hat ständig einen Bedarf an qualifizierten Handwerkern und Handwerkerinnen, und Zut´hedsh ist für viele Waren, welche von den Plantagen der Familie aus Djerniako und Frencaal kommen, Zwischenstation, bevor sie weiter nach Khefu transportiert werden. Dort werden sie dann anschließend in die unterschiedlichen Länder des Kontinentes verschifft. Hier wird vor allem der auf den Plantagen getrocknete Tabak weiter verarbeitet und mit dem über die Grenzen des Káhet ni Kemi bekannten "Gülden Hedsch" Deckblatt versehen. Neben einer Vielfalt an Handwerk ist auch eine erstaunliche Vielfalt an Völkern zu sehen. So haben sich hier zwei kleine Zwergensippen und auch eine Familie tulamidischer Herkunft niederglassen. Die Zwerge sind für die Minen der PâestMorga zuständig, so daß meist nur die Hälfte der Sippenmitglieder im Dorf ist, während die anderen unterwegs sind. Die Tulamiden überwachen und erweitern vor allem die komplizierte Be- und Entwässerungstechnik, mit der ein unkontrolliertes Überfulten der zahlreichen Plantagen und Ackerflächen des Hauses verhindert wird.
Das einst kleine Dörfchen Zut´Hedsch ist mittlerweile ganz und gar auf die Belange der Familie ausgerichtet und es heißt, daß nicht wenige dort einen passablen Dolch oder gar Schwereres "unter dem Bett" verbergen, um sich im Zweifel nicht nur wortstark für die Familie einzusetzen.

Ansicht vom Boronsflügel (rechts) her
auf den Haupteingang
Empfangshalle im Nord-Süd Flügel
.
Arx Pallida selbst ist - ausgenommen die Bauwerke der Alleinseligmachenden Heiligen Boron-Staatskirche - eines der gleichzeitig ältesten, größten und prächtigsten Bauwerke im ganzen Reich. Größtenteils von Zerstörung verschont geblieben - was jedoch zahlreiche Plünderungen nicht ausschließt - blieb so bis heute vieles von der ursprünglichen Bausubstanz erhalten. Inmitten weitläufiger Seen, von großzügigen Anlagen umgeben, liegt das Hauptgebäude, welches nahezu vollständig aus Tiik-Tok-Holz erbaut wurde. Ein Holz Deres, welches üblicher Weise wegen seiner Leichtigkeit und Beständigkeit gegenüber Witterungseinflüssen im Schiffsbau verwendet wird. Einzig die Fundamente und wenigen Kellerräume, welche das Anwesen besitzt, sind aus Basaltgestein erbaut. Das Dach war einst mit Holzschindeln gedeckt, doch diese wurden jetzt durch Schiefer ersetzt. Ein kostspieliges Vergnügen in einem Reich, wo jegliches Baugestein knapp ist und der Import teuer. Gemessen an seiner Bewohnerzahl, ist das Hauptgebäude von gigantischem Ausmaß. Zwei im rechten Winkel zueinander stehende Flügel von jeweils etwa dreißig Schritt Länge werden durch einen Mittelbau verbunden. Ein Flügel ist in Süd-Nord-Richtung und der andere - folglich - in West-Ost-Richtung erbaut. Ein octogonaler Bau - der sogenannte "Boronflügel" - befindet sich am nördlichen Ende des einen Flügels. Der Boronflügel wurde nach umfangreichen Renovierungsarbeiten erst kürzlich wieder eröffnet. In ihm befinden sich die Wohn- und Schlafgemächer der Familienangehörigen.

Die Tsaterrasse
.
An der westlichen Seite des Boronflügels befindet sich die überdachte Tsaterrasse, von der aus man einen wunderbaren Ausblick auf den großen Lotussee hat, welcher im "Sommer" einen betörenden Duft verströmt. Um das äußerst lästige stechende Viehzeug bei Dämmerung und Nachts fern zu halten, kann die ganze Terrasse mit einem feinen Hehefliegennetz verschlossen werden, welches feinster Webkunst des Alten Reiches entspricht. Die Schnitzarbeiten an der Holzkonstruktion, welche die Überdachung trägt, ist altkem´schen Ursprungs, obwohl man rasch auf die Arbeit eines tulamidischen Meisters schließen würde. Es werden Naturdarstellungen von der Vielfalt Tsas Schöpfung in Fauna und Flora gezeigt, welche ihresgleichen im Reich suchen. Der Boden besteht aus grauem Marmor, welcher im Nargo-Gebirge im östlichen Tárethon gebrochen wurde. Er zählt zu einem der ältesten und ursprünglichen Teile des Hauptgebäudes. Das Dach der Tsaterrasse wird von Ausschnitten des südaventurischen Sternenhimmels verziert. In Zeiten, da mehr Betriebsamkeit auf Arx Pallida herrschte, wurden hier auf der Tsaterrasse zahlreiche Abende mit kulturellem Programm kem'scher darstellender Kunst veranstaltet. Heute, da die Familienmitglieder über das ganze Reich verstreut wohnen, ist die Betriebsamkeit von einst Geschichte, und nur noch selten findet man hier einen Hausbewohner bei der Lektüre.
Der gen Norden ausgerichtete Flügel, welcher im Boronsflügel endet, ist nahezu ausschließlich dem privaten Gebrauch der Familie vorbehalten. Hier befinden sich Arbeits- und Salonräume und einige Gemächer privater Dienerschaft.

Blick auf die Glasfront
des großen Festsaals.
Der in West-Ost-Richtung verlaufende Flügel dagegen ist offiziellen Anlässen vorbehalten. In ihm befinden sich neben der großen Eingangshalle, der große Festsaal am westlichen Ende, sowie Audienz- und Aufenthaltsräume. Der große Festsaal ist der einzige Raum, bei dem sich einst der Luxus von Glasfenstern gegönnt wurde. Und das gleich in einer großen Front nahezu über die ganze Länge bestehend aus mehreren Elementen, die im Bedarfsfall geöffnet werden können, um eine frische Brise in den Raum hinein zu lassen. Der Boden des Festsaales besteht aus einem tulamidischen Mosaik, das bereits einige Generationen vor Tanîth Pâestumai gelegt wurde. Es zeigt neben Darstellungen aus dem fernen Kalifat auch Bilder der alten kem'schen Geschichte. Jeder ruhmreichen Dynastie ist ein Kapitel gewidmet und die Taten und Errungenschaften des Volkes der Kemi sind in idealisierter Weise dargestellt. Die Decke wird von Schildpattarbeiten geziert.

Das Grabhaus auf dem Anwesen mit den
Familiengrüften der letzten Generationen.
In diesem Flügel befinden sich auch fünf geräumige Gästezimmer, von denen vier keine Ansprüche an Luxus und Behaglichkeit unerfüllt lassen. Das fünfte jedoch ist ganz auf die asketischen Bedürfnisse der Angehörigen der Alleinseeligmachenden Heiligen Boron- und Staatskirche ausgerichtet.
Östlich vom Hauptgebäude gelegen befinden sich zahlreiche weitere, steinerne Gebäude, in denen sich Lagerräume und Unterkünfte von Arbeitern befinden, welche auf der Plantage beschäftigt sind. Jene Plantage schließt sich unmittelbar an Arx Pallida an. Dort werden die berühmten Pferde des Hauses Pâestumai gezüchtet, welche als einzige Rasse in der Lage sind, das unerträglich schwüle Klima des Reiches auch unter größerer Belastung zu ertragen. Wer hier arbeitet und wohnt, hat es um ein Vielfaches besser, als jene bedauernswerten Kollegen, die für einen Hungerlohn anderenorts schuften. Die gesamte Villa ist von weitläufigen Parkanlagen umgeben, an die sich im Westen und Süden schließlich die Koppeln der Pferdezucht mit den dazugehörigen Gehöften anschließt. Überwiegend wurden die Grünanlagen ihrem natürlichen Wuchs überlassen, doch in der unmittelbaren Nähe der Villa findet man auch sorgfältig gepflegte Anlagen mit Beeten in denen sich exotische - hier eher wenig beeindruckende - Pflanzen finden lassen.
Auf dem gesamten Anwesen finden sich zahlreiche Wachen und Bedienstete, die ab und an auch so aussehen, als ob ihnen der Gebrauch eines Säbels nicht fremd wäre. Tatsächlich verbergen sich hinter zahlreichen Aufsehern ehemalige Söldner, die den Befehlston gewöhnt sind und sich heute, oft mit ihren Frauen sesshaft geworden, ihr Brot auf den Plantagen verdienen. Da sie in weiser Voraussicht gut bezahlt werden, dürften sie im Zweifel auch bereit sein, ihr Leben bei der Verteidigung des Anwesens aufs Spiel zu setzen. Einige von ihnen leben bereits in der zweiten Generation auf dem Anwesen.
Die Dienerschaft und die Wachen Arx Pallidas sind sorgfältig ausgesucht und auch wenn sie nicht selten unter der Tyrannei Tanîths leiden, über nahezu jeden Verdacht erhaben. So befinden sich im Innern Arx Pallidas auf zahlreichen Gängen Geheimfächer, in denen sich leichte Armbrüste, die mit vergifteten Pfeilen bestückt werden können, und befinden. Fast jeder Diener ist in der Lage und im Notfall, wenn es um das eigene Leben geht, auch bereit, Eindringlinge damit zu treffen. Doch der letzte (einzelne) Eindringling wurde vor 48 Götterläufen gesehen und verließ das Anwesen mit sechs Bolzen im Körper, die Hand immer noch in der gleichen Haltung, mit der er nach der kleinen Elfenbeinstatue in einem der Räume griff...

Die Bewohnerinnen und Bewohner des Anwesens

Heute leben nicht mehr allzu viele Familienmitglieder ständig auf der Arx Pallida. Zum einen wohnt seit dem Tod des alten Tanith Pâestumai dessen Neffe, Tanîth Pasqua Pâestumai d.J., zusammen mit seiner Gemahlin, die aus dem einflussreichen Grangorer Handelshaus Hortemann stammt, und zwei seiner drei Kinder auf dem Anwesen. Seiner Erhabenen Hochwürden Boronîan Varzim Pâestumai Gemahlin weilt hier des öfteren, wenn ihr das bunte Treiben im Stadthaus der Kapitale zu viel wird. Somit ist auch ihr Gemahl mehr als zuvor auf dem Familiensitz. Letzterem ist aber der "Prunk" der Villa zu üppig, so dass ihn mehr die Familienbande hierher ziehen als die Abgeschiedenheit und Ruhe vom hektischen Treiben der Kapitale.
Auch einer der Brüder Tanîth Pasqua d.J., Ned'jem Pâestumai und seine Frau, Carilya Shêpses'Nuut, wohnen zusammen mit ihren Kindern und einigen Angehörigen auf Arx Pallida. Sie kümmern sich in erster Linie um die berühmte Pferdezucht des Hauses. Fast ständig weilen einige Verwandte der Familie Pâestumai oder Freunde aus dem Haus Morganor als Gäste auf dem Familiensitz.
Ned'jem Carilyia Shepses'tá ist eine junge großgewachsene Kemi, welche als eine der engsten Handelsvertrauten des Hausherrn auf dem Anwesen lebt und arbeitet. Sie ist schlank, hat lange schwarze Haare und ihre mandelförmigen, braunen Augen strahlen jeden Gesprächspartner an. Doch sollte man sich nicht durch ihr liebreizendes Äußeres täuschen lassen, denn so manches Handelsgeschäft hat sie nicht nur auf höchst phexgefällige Weise zum Vorteil des Hauses Pâestumai abgeschlossen.
Zusammen mit etwa zwei Dutzend Dienern, den rund 50 Plantagenarbeitern, teilweise mit ihren Familien, und einer unterschiedlichen großen Zahl an Bittstellern und Klienten, ist Arx Pallida alles andere als ein ruhiger Ort. Wer hier arbeitet, kann sich glücklich schätzen, nicht das Los seiner Kollegen teilen zu müssen, die andernorts für einen Hungerlohn auf den Feldern schuften. Wer hier als Bittsteller hinkommt und ein gerechtes Anliegen vorbringt, dem wird geholfen werden. Doch nicht minder schwer fallen Tadel und Strafen aus, wenn man das Vertrauen der Familie enttäuscht oder gar missbraucht hat. Gerüchten zufolge, haben manche Arx Pallida als gerettete Familienväter verlassen. Andere verließen das Anwesen nie mehr...
Es erfordert viel Erfahrung, Geduld und Aufwand, die Belange des riesigen Anwesens zu koordinieren. Seit seinem halben Leben macht dies der Majordomus der Familie, Tut'set Shêpses Naaks'anamun. Seine Familie befindet sich seit vier Generationen im Dienste der Pâestumai. Kaum ein anderer - nicht Familienangehörige - hat jemals soviel Vertrauen und Einfluss in dem altehrwürdigen Haus genossen, wie er. Seine Familie ist aufs engste mit seinen Patronen verbunden. Abhängig von Rang und Einfluss tun Angehörige der Shêpses Naaks'anamun Dienst in den Schreibstuben der Handelsgesellschaft, als Verwalter oder arbeiten als einfache Tagelöhner auf den Plantagen. Mittlerweile ist Tut'Set über siebzig Götterläufe alt und nach dem Tot des alten Familienpatriarchen scheint es so, als ob er seine Aufgaben bald an seinen ältesten Sohn, Nerhegep Shêpses Naaks'anamun, übertragen wird. Dann soll eine jüngere Generation fortan die Geschicke des Anwesens leiten.
Ständig befinden sich zwei Angehörige der morganor'schen Kriegerkaste auf dem Anwesen, dazu tut ein Milizionär Dienst im nahen Zut'hedsh. Hinter vorgehaltener Hand wird aber gemunkelt, dass sich das Haus Pâestumai nicht mit solch einer geringen Bewachung in einem teilweise so unsicherem Gebiet zufrieden gibt. Die Anzahl der von Zeit zu Zeit zusätzlich anwesenden Wachen ist ein eindeutiges Indiz dafür, welch hohen Ranges die jeweiligen Bewohner Arx Pallidas sind.

Geheimnisse des Anwesens

Arx Pallida ist ein Ort, an den nur wenige Besucher gemeinen Standes kommen, die nicht mit dem Haus Pâestumai verbunden sind. Meist sind es Klienten, (Hoch-)Adlige des Reiches, einflussreiche Geschäftspartner aus allen Damen Länder oder Botschafter verbündeter Reiche. Kaum jemandem von ihnen erhält die Gelegenheit, die privaten Gemächer im Ost-West-Flügel zu betreten. So wundert es nicht, dass sich zahlreiche Gerüchte um diesen Bereich ranken, mehr noch als um das ganze Anwesen. Von Geheimkammern, in denen sich der Reichtum der Familie in Gold und Juwelen verbergen soll, oder von Archiven, in denen kompromittierende Dokumente über die Höchsten dieses und anderer Reiche vorhanden sein sollen. Natürlich gibt es auch das Gerücht, dass sich außer der Einrichtung, gar keine Reichtümer mehr auf Arx Pallida befinden sollen. Der Mythos von der Mächtigkeit und Allgegenwärtigkeit der Familie wird tunlichstgeschürt, verschafft er doch - neben Neidern - auch einen gehörigen Respekt, der sich bei (Geschäfts-) Verhandlungen manchmal als nützlich erweist. Viele der genannten Geheimnisse in all ihren Ausführungen muss in den Bereich von Fabeln und Phantasien verbannt werden. Einiges aber sicherlich auch nicht.

Version 32 S.G. (Mai 2004)

von René Böcker und Sven Liebing

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