
....Obzwar in dieser Hinsicht Unklarheiten vorliegen, muß doch angenommen werden, daß sich vor unbestimmbarer Zeit Kemi-Fischer an der Mündung des Pjásob niedergelassen haben. Damals prägten nur wenige riedgedeckte Pfahlbauten und einige Pirogen die sandigen Ufer des Flußdeltas. Die Dschungel befanden sich in weitgehend unversehrtem Zustand und boten den ungezählten Waldmenschenstämmen Herberge, dieweil tief im Herzen der immergrünen Wälder das machtvolle Reich Ujak gedieh. Zu dem Zeitpunkt, als Admiral Sanin der Jüngere das Südkap umrundete, mußten weite Teile der Kemi-Küste ein solches Bild geboten haben.
Die Fischer führten ein friedliches und ungestörtes Dasein, bis im Jahre 2 S.G. , als das Kernland bereits der absoluten Erschließung zustrebte und die junge Provinz Trahelien dem mächtigen Kaiserreich im Norden untertan war, eine kleine Südlandhandelscompagnie aus Havena ein Auge auf die Pjásobmündung warf. Diese Handelsgesellschaft, die den hochtrabenden Namen "Fürstlich albernisch' Südtlandtcompagnie" trug und dem Kauffahrer Tom Aelfwinger unterstand, einigte sich mit den hier ansässigen Fischern und errichtete einen kleinen Handelsposten am linken Flußufer. Der Bau eines kleinen Anlegehafens und mehrerer Lagerschuppen fielen in diese Zeit.
Während im kem'schen Kernland große Städte, wie das prachtvolle
Khefu und das hehre Ynbeth zusehends erblühten, ließen sich am Pjásob auch Siedler aus dem Norden, vornehmlich aus dem Albernischen, nieder und schufen sich eine neue Existenz. Friedensverträge gewährleisteten ein gutes Einvernehmen mit den großen Waldmenschenstämmen, so daß auch keine Schwierigkeiten auftraten, als die Siedler mit Feuer und Axt daran gingen, die Küstenstreifen abzuholzen, um ergiebiges Nutzland zu gewinnen. Durch die Vermischung der Mittelländer mit den einheimischen Kemi wurde eine zunehmende Prosperität der Siedlung sichergestellt, die nun den Namen Bennainhafen erhielt, zu Ehren des überaus beliebten Albernischen Landesfürsten. Im Jahre 7 S.G. entschloß sich Tom Aelfwinger, inzwischen wahrhaft angetan vom wundersamen Südland, seinen Wohnsitz nach Bennainhafen zu verlegen, und der Handelsherr ließ ein prachtvolles Anwesen im Norden
der Stadt anlegen.
Der Handel mit edlen Hölzern, mohischen Schnitzereien, exotischer Fellware und Hirse entwickelte sich prächtig und einige Zeit darauf sagte sich Nisut Peri III Setepen, gepriesen sei ihr Name, von den despotischen Mittelländern los und führte Kemi zur Eigenständigkeit. Zeitgleich mit Erlangen der Unabhängigkeit strebte die Monarchin, Boron möge sie uns ewig erhalten, nach der Einverleibung von umliegenden Ländereien, um weiteren Boden zu gewinnen. Hôt-Alem wurde genommen und bald darauf auch Bennainhafen, ein willkommener Stützpunkt für die vorstoßenden Legionen der Schwarzen Armee. Die Nisut einigte sich zur allgemeinen Überraschung in friedlicher Weise mit den mittelländischen Siedlern und erhob nur geringfügige Tribute, forderte aber die absolute Loyalität zum aufstrebenden Káhet. Wenig später, im zwölften Jahr nach der Nisut Thronbesteigung, begann sich der Al'Anfanische Rabe in die Lüfte zu erheben. Tar Honak, Patriarch der verruchten Pestbeule des Südens, hob ein gewaltiges Heer aus und trachtete, das kleine Königreich an sich zu reißen. Diese erschreckenden Entwicklungen veranlaßten Aelfwinger und den Großteil der Siedler die Flucht nach Norden anzutreten. Nur eine Handvoll Bennainhafener blieben ihrer neuen Heimat treu. Kemi wurde von den Al'Anfanern im Handstreich genommen, die Königin entfloh den Häschern der Usurpatoren in den Norden. Bennainhafen wurde von den vorrückenden Boronsknechten weitgehend verschont, der Handelsposten jedoch in Brand gesteckt, Aelfwingers Landhaus geplündert und kurzerhand in eine Festung umfunktioniert. Ein Banner al'anfanischer Söldlinge blieb als Besatzungstruppe zurück, im Hafen der Ansiedlung war beständig eine vollbemannte Trireme der Golgari-Klasse stationiert, zumal dem Kriegsschiff von hier aus der direkte Zugang zu Khefu offenlag. Auf der Insel in der Pjásobmündung wurde ein großer Wachturm errichtet, an seiner Seite ein Tempel zum Ruhme Borons, des Herrn der toten Legionen. Die Al'Anfaner erkannten die günstige Lage Bennainhafens wohl, und die ersten Siedler aus der Namenlosen ließen nicht lange auf sich warten. Im ehemaligen Anwesen des Aelfwinger machte sich der dekadente al'anfanische Handelsfürst Arion Calvar Paligan breit. Den wenigen verbliebenen Familien aus dem Norden und den Fischern wurde jedoch nur wenig Leid zugefügt.
Kurz darauf wütete eine fürchterliche Sieche in Bennainhafen und ließ beinahe ein halbes hundert Menschen in Borons Hallen eingehen. Peraine strafte die Knechte des Boron mit unheilvoller Pestilenz, denn unter den Opfern befanden sich ausschließlich Al'Anfaner. Eine Epoche des Wohlstandes war in den Tagen der Okkupation zu verzeichnen, und die zurückgebliebenen Siedler bereuten den Umstand nicht, vordem den Gefahren wacker ins Auge gesehen zu haben. Dieser Zustand änderte sich drastisch, als der Krieg Honaks mit dem Kalifat einsetzte. Eine Gruppe von novadischen Freischärlern, die zu den Gründern der unlängst im Norden errichteten Siedlung Mehenev zählten, scheiterte in dem leichtfertigen Bestreben, die al'anfanische Garnison in Bennainhafen erstürmen zu wollen. Der ganze Haß der Boronssöldner richtet sich fortan gegen die "aufrührerischen Trahelier", und die Siedlung am Pjásob wurde zum Schauplatz traviaungefälliger Metzeleien.
Die Schwarze Armee erhob sich schließlich gegen die gottlose Usurpation und zwang den Al'Anfanischen Raben in erbitterten Gefechten schließlich zum Rückzug. Honak, der zu dieser Zeit in den Krieg mit dem Khomkalifat verwickelt war, vermochte das Aufbegehren des kem'schen Volkes nicht zu vereiteln. Die siegreiche 7. Armee marschierte auch durch Bennainhafen und befreite die Siedlung vom Joch der Usurpation. Paligan beteuerte eiligst seine Loyalität zu den neuen Machthabern und erhielt das Recht, den ehemaligen Sitz des Aelfwinger weiter zu verwalten, um die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt zu erhalten. An die Seite des Al'Anfaners wurde der Kolonialgubernator Selim de Gerissant gestellt, dessen Sohn zugleich das Kommando über die hiesigen Ordnungskräfte erhielt. Die Siedlung erhielt nun den Kemi-Namen Djáset, was schlicht und ergreifend 'die Wunderschöne' heißt. Die nordländischen Siedler, die "ihre Stadt" zusehends wieder mit Leben erfüllten, verballhornten den fremdländischen Ausdruck vielfach zu Pjáset. Während nun Paligan immerfort in Prunk und Protzigkeit schwelgte, ging der vormalige Wohlstand der Djáseter zugrunde, auch der Gubernator stand dieser Entwicklung machtlos gegenüber.
Im Jahre 16 S.G. schließlich trat Selim de Gerissant im Rahmen der durchgehenden Reichsreform zurück
und überließ seine Stellung dem Auelfen Thalarion Mondglanz, der die Lande von Táyarret fürders im Range eines Barons (später nach dem Kemi-Dialekt auch Akîb geheißen) verwalten sollte. Dem neuen Landesherrn schien die Fremdartigkeit des Südlandes zuerst Schwierigkeiten zu bereiten, aber er war gleichwohl von Beginn weg bestrebt, die Djáseter aus der Armut zu befreien. In großangelegten Kampagnen wurden die fruchtbaren Küstenstreifen urbar gemacht, eine Verbindung zu Mehenev im Norden geschaffen und die baufälligen Behausungen der Djáseter Bürger zunehmend durch solide Wohnbauten
ersetzt, was gewiß baldigst wieder auf den alten Weg geführt hätte, wäre der Siedlung am Pjásob im Frühjahr des Jahres 17 S.G. nicht ein unsägliches Unglück widerfahren. Der Handelsherr Paligan, der nach wie vor seinem Geckentum nachhing, war mit dem "Nachtschatten", einem der berüchtigtsten Skavenhändlerringe des Südens einen folgenschweren Vertrag eingegangen. Unbemerkt schafften die unseligen Sklavenjäger fortan als Landarbeiter getarnte Söldlinge ins Anwesen des al'anfanischen Prunkfürsten. Ein erfolgloser Versuch, die dunkelhäutigen Bewohner des weiten Waldlandes gegen den Akîb aufzuwiegeln, ließ im wachsamen Bewußtsein des Landesherrn bereits erste düstere Ahnungen von dem dräuenden Unheil keimen. Aber der goldlüsterne al'anfanische Mordbube konnte mangels Beweisen nicht überführt werden, statt dessen sponn selbiger unaufhaltsam sein perfides Netz von Intrigen und Konspirationen. Im Firunmond des Jahres 17 S.G. fuhr Tod und Verderben unvermittelt auf die Stadt am Pjásob hernieder. Der Akîb wurde meuchlings unschädlich gemacht, ehrlose Söldnerrotten fielen über die wehrlosen Bürger her und sagten ein blutiges Regiment an, daß es selbst die Götter grauste.
Die Krone ließ sich solcherlei Umtriebe nicht bieten und zog eiligst ein Truppenkontingent unter dem damaligen Marquis Boronîan Varzim Pâestumai zusammen, welches unverzüglich gen Norden marschierte, um dem unverfrorenen Treiben der Sklavenjäger Einhalt zu gebieten. Paligan aber hatte indes der Stadt am Pjásobdelta vollends den Garaus gemacht. Die Kriegstrireme "Boronssieg" hatte die Siedlung mit Hylailer Feuer eingedeckt, dessen unbändigem Wüten nachhaltig die gesamte Stadt zum Opfer fiel. Soweit hätte Paligans Leichtsinn nicht reichen sollen, denn zu Beginn des Phexmondes vergolt die kem'sche Streitmacht, allesamt Veteranen aus dem Unabhängigkeitskrieg, die unter dem Kommando von namhaften Akîbs standen, dem al'anfanischen Söldneraufgebot seine Schandtaten tausendfach. Eine gewaltige Schlacht wurde weiland am Pjásob geschlagen, die wohl manchem tapferen Recken die Reise übers lichtlose Nirgendmeer antreten ließ, aber letztendlich die mordhungrige Soldateska des Paligan darniederwarf, der Rädelsführer wurde nach Khefu abgeführt, wo ihn am UAT. 17 seine verdiente Strafe ereilte. Dieses unvorhersehbare Ereignis hatte die Djáseter ihrer gesamten Existenzgrundlagen beraubt. Mittellos, wie sie nunmehr dastanden, vertrauten sie sich dem Akîb an, der mittlerweile wieder vollends genesen war (mit göttlicher Hilfe, so geht das Gerücht) und mit aller Kraft daran ging, die gänzlich eingeäscherte Stadt wieder herzurichten. Großartige Spendenaktionen und der ungebrochene Wille der Siedler verhalfen den zügig voranschreitenden Aufbauarbeiten zu zunehmendem Erfolg. Obwohl die "Nachtschatten" mehrmals feige Sabotageakte verübten und gar vor Mord nicht zurückschreckten und obtrotz mehrmaligen Bauleiterwechsels, erhob sich aus der Asche der gebrandschatzten Stadt zusehends ein neues Djáset. Voll der feierlichen Freude verkündete Akîb Mondglanz schließlich im FIN 19 S.G. nach ganzen zwei Jahren Bauzeit: "Djáset steht wieder!"

Aus der Präambel des folgenden Bandes der CHRONICA TAYARRETICA:
"... zu meinem Entsetzen mußte ich feststellen, daß der letzte Band der 'Chronica Tayarretica' in den Wirren des Aufstandes zu Djáset im Jahre 22 S.G. vernichtet wurde. Nachdem in der Bibliothek des Akîbs nur noch der lederne Einband der Chronik zu finden war, muß wohl davon ausgegangen werden, daß die Pergamentseiten, auf denen die Ereignisse der Jahre 19 bis 21 S.G. niedergeschrieben waren, von irgendeinem Dummkopf zum Entzünden des Kaminfeuers mißbraucht wurden. So versuchte ich nun, die Ereignisse eben jener Jahre nachträglich zu erfassen, wobei ich nicht unerwähnt lassen möchte, daß mir hierbei der Hofchronist meines Vaters, Alberin du Merinac, eine unschätzbare Hilfe war.
Francesca dell'Aquina"

Aus der CHRONICA TAYARRETICA, Eintrag vom 15. FRA 23 S.G., aufgezeichnet durch Seret-Akîb Francesca dell'Aquina
Aufgrund seiner Verdienste um die Tá'akîb Táyarret und seines unermüdlichen Einsatzes zum Wohle des Reiches erfolgte im Jahre 19 S.G. die Ernennung des Akîbs Thalarion Mondglanz zum Ser-Neset Ni Terkum. Die Provinz gedieh zusehends, und die Schäden, die durch die Untaten des "Nachtschattens" angerichtet worden waren, wurden eins um andere beseitigt. Das Landhaus Paligan wurde dem Verfall preisgegeben, fand sich doch niemand, der dieses Zeugnis der Korruption bewohnen wollte.
Im Minjob-Sumpf wurde ein verkohlter Elefantenkadaver entdeckt. Seine Hochgeboren Thorn M. Margatnep, der zu den Untersuchungen hinzugezogen wurde, stellte Vermutungen an, daß dieser Fund wohl auf die Existenz eines Drachengeschöpfes im unwirtlichen Unay-Bergland hinweise. Stechender Schwefelgeruch, der dem fauligen As entstieg, bestätigten diesen Schluß, abgesehen davon, daß Sagen und Legenden der Yaru-Waldmenschen schon seit jeher von einem feuerspeiendem Ungetüm auf der höchsten Zinne der Silbergipfel berichten. Infolge leitete der Akîb Ni Táyarret, von Sorge um das Wohl seiner Untertanen wie auch von hesindialer Neugier getrieben eine Expedition in die Wege, welche die Beschaffenheit der bis dato unbekannten Kreatur im Hügelland ad exactum ergründen sollte. Im FRO des Jahres 20 S.G. brach dann besagte Expedition in die Unay-Berge auf. Neben dem Akîb Thalarion begleiteten
diese Unternehmung noch Akîb Jassafer Al'Mansour
Ni Yret Nimaat, Akîb Kerkyon Ni Dju'imen,
Akîb Thorn M. Margatnep Ni Seku Kesen und weitere wackere Recken, darunter auch einige Angehörige des Schönen Volkes.
Pferde und Maultiere schieden aufgrund des Klimas und des unwegsamen Geländes als Transporttiere aus, so daß Akîb Thalarion den Vorschlag seines Führers aufgriff und mit Elefanten die Reise antrat. Entlang der Flüsse Kethemi und Yarucka ging es bis am Fuße des Toka Tambe Hepanu, der höchsten Zinne der Silbergipfel, wo die Elefanten zurückgelassen wurden und der Aufstieg zu Fuße angegangen wurde.
Auf dem Tafelberg angelangt, traf dann die Expedition tatsächlich auf einen Riesenlindwurm, der den Akîb bereits erwartet hatte. Damit der geneigte Leser sich selbst ein Bild machen kann, seien hier nun Teile der Konversation mit dem Drachen wiedergegeben:
'Die Sphärenordnung ist in Bewegung geraten, dies ist der Grund, warum Wir Uns in den Bergen, welche die Menschlein Unay heißen, niedergelassen haben. Teclador, der Wahrer der Ordnung hienieden, hat Uns angehalten, an diesem Orte Wacht zu halten. Das Land, Elfling, das Du zu beherrschen glaubst, wird durch eine schwarze Pockennarbe entstellt. Zu vereiteln, daß jene aufbricht und ihre faulige Verderbnis entweichen läßt, ist Unsere Aufgabe! Ein finsterer Dorn trachtet danach, die Beule vorzeitig aufzustechen und der Verderbnis Freiheit zu verschaffen, welcher er selbstens entsprungen ist. Freilich vermöchtest Du ihm Einhalt gebieten, Elfling, Du und Deine Gefährten, aber der Dorn ist längstens bestrebt, Euch Einhalt zu gebieten.......Bevor Wir Uns hinwegheben, um weiterhin ein Auge auf die unheilvolle Schwäre zu behalten, höre Unsere Worte, Elfling, sie mögen Dein und Deiner Gefährten Leben dermaleinst vor Unbill ohnegleichen bewahren!
Fünf Augen, denen kein Gesicht ist, sehen Euren Tod!
Einer von Euch wird der Retter sein, dem Rettung zuteil wird.
Zugleich aber wird er der Leidvolle sein, der Leid sät.
Wer die verderbte Saat erntet, wird das Schwarze Herz erblicken, dessen Schlag durch die Sphären hallt.
Wenn Dich aber Kaltblütigkeit ereilt, vermag nur Kaltblütigkeit Dich zu behüten!
Der zerbrochenen Freundschaft und der immerwährenden Einigkeit wird die Entscheidung obliegen! Sei versichert, Elfling, durch Uns wird Dir und den Deinen kein Unstern erwachsen. Nun denn, bedenkt meine Worte und gehabt Euch wohl'.
So war den Teilnehmern der Expedition das seltene Glück beschieden, an der Weisheit eines leibhaftigen Drachens teilzuhaben.
Noch warfen die Geschehnisse um Ujak ihre Schatten nicht voraus, als im Jahre 21 S.G. dann die für die Tá'akîb in der Zukunft noch recht bedeutenden Verträge mit dem albernischen Handelskontor Tarsinion geschlossen wurden. Weitreichende Handelsverträge mit den Nordländern und die Vereinbarung, in Djáset eine Niederlassung zu eröffnen, waren Inhalt dieses Abkommens. Noch im Jahre 21 S.G. begannen die Bauarbeiten an dem Kontor, beaufsichtigt von einer gewissen Galina Haselbusch, der Niederlassungsleiterin. Die Pläne für das Kontor entstammen der gerühmten und ehrbaren Feder des Cron-Baumeisters Luciano Cortani. Gegen Ende des Jahres geschehen einige, einzeln betrachtet, unbedeutende Zwischenfälle in Djáset, unter anderem wird der Garten des Akîbs grausam verwüstet. Eine Erklärung für diese Zwischenfälle wird zu jenem Zeitpunkt nicht gefunden. Etwa zur gleichen Zeit ereilt den Akîb die Kunde von seltsamen Ereignissen in Mehenev. Boron, der schlafspendende Rabe schien seine Gunst von Mehenev genommen zu haben und gestattete im Dunkel der Nacht schauerlichen Alpen und Traumdaimonen Zugang zu den Geistern der Bürger.
Zusammen mit seiner Gefährtin, einem Magus namens Ulfried Hellwald, Seiner Wohlgeboren Zir, Sah Ni Plâne, und zwei tulamidischen Pfadfindern machte sich Akîb Thalarion im FPR 22 S.G. von Mehenev aus auf, die Ursache für diese seltsamen Geschehnisse zu erkunden. Dem Bericht des Pfadfinders Hafid Massut Nakemu konnte folgendes entnommen werden: Im Minjob-Sumpf erkannten die Suchenden, daß das Getier des Moores in ungewohnter Zutraulichkeit sich allerorten zu erkennen gab, sich über jedwede Revieransprüche und Naturgesetze hinwegsetzte. Über den Sümpfen hatte sich eine beklemmende Stille ausgebreitet, und obzwar die versammelten Tierscharen unter normalen Umständen ein ungeheuerliches Spektakel hätten veranstalten müssen, durchdrang kaum ein Laut das Schweigen. Dazu kam noch, daß die Minjob-Achaz nicht zu finden waren. Am nächsten Morgen wirkten Akîb Thalarion und seine Gefährtin sonderbar entrückt, während der Magus Hellwald von schlimmen Kopfschmerzen geplagt wurde. Je weiter die Reisenden die Sümpfe hinter sich liessen, desto seltener trafen sie auf Lebewesen, bis hin, daß der Dschungel wie leergefegt war. Letztendlich fanden sie den ersten entsetzlich entstellten Kadaver, bald gefolgt von Unmengen ähnlich entstellter toter Tiere. Der Akîb hatte sichtlich Mühe, nicht die Fassung zu verlieren, und Wohlgeboren Zir gab den Gefährten zu verstehen, daß seine Brüder und Schwestern unmöglich an dieser Stätte des Grauens vorzufinden seien. Etwas Unheiliges habe sich des Waldes bemächtigt. Magister Hellwald verspürte kurz darauf unerträglich intensive Kraftlinien und gab zu verstehen, daß die Muster der astralen Strömungen gebrochen seien, bevor er entkräftet zusammenbrach. Unheilige Kreaturen entschlüpften dem Erdboden, die Gefährten rannten um ihr Leben, wobei Wohlgeboren Zir den entkräfteten Magus trug, doch die Flucht gelang nicht. Die Gruppe um den Akîb wurde von schwarzgewandeten Schergen des Namenlosen gefangengenommen, und nur der Pfadfinder, der diesen Bericht erstattet hat, wurde mit dem Auftrag, von der Gefangennahme des Akîbs und seiner Gefährten zu berichten, auf freien Fuß gesetzt. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich bereits starke Truppenverbände der Schwarzen Armee im Anmarsch auf Mehenev. Königliche Agenten waren bei der Verfolgung eines verdächtigen Edlen aus Yret-Nimaat unlängst auf ein Heiligtum des Namenlosen in den Ujak-Ruinen gestoßen. Der Akîb und seine Gefährten waren den Götzendienern in die Hände gefallen. Wenig später begann die Belagerung von Ujak, und den Belagerern wurde eine Kiste mit den Köpfen der Gefährtin des Akîbs und des Magus Hellwald überstellt. Über den Verbleib des Akîbs und des Sahs war derzeit nichts bekannt.
Kurz nachdem die Freunde und Vertrauten des Akîbs sich von Djáset aus auf den Weg gen Ujak machen, um Thalarion zu retten, stellt die Niederlassungsleiterin des albernischen Handelskontores das Verschwinden des Akîbs als Zeichen der Götter dar und setzt ihre, von langer Hand heimlich vorbereiteten Pläne zur Proklamation der Kolonie "Neu-Südalbernien" in die Tat um und ruft die Djáseter zum Aufstand. Innerhalb kürzester Zeit werden die wenigen in Djáset verbliebenen Vertrauten des Akîbs gefangengesetzt und der Akîb während einer Farce von Gerichtsverhandlung des Hochverrats für schuldig befunden und in Abwesenheit auf Lebenszeit aus "Neu-Südalbernien" verbannt. In den Wirren um die Geschehnisse in Ujak kann die Haselbusch vorerst unbehelligt ihren verräterischen Plänen folgen. Es dringt keine Kunde vom Aufstandes an offizielle Stellen. Einige Tage nach der Proklamation erreichen die Tochter des Akîbs,
Francesca dell'Aquina, und deren Gefährtin Sarina Taggioni die Tá'akîb Táyarret. Von den Geschehnissen in Djáset völlig überrascht werden die beiden getreuen Gefolgsleute des Akîbs gefangen genommen und ebenfalls eingekerkert. Doch gelingt beiden noch in der nächsten Nacht die Flucht aus ihrem Gefängnis, und sie können sich mit der Aufwieglerin und deren Vertrauten als Geiseln im Residenzturm verschanzen. Mehrere Tage währt diese aussichtslose Situation, die Aufrührer sind zu einer Kapitulation nicht bereit, bis schließlich eine Einheit Gardisten der Tá'akîb Seku Kesen unter der Führung des Gardeleutnants Orofex Dúne in Djáset eintrifft und den unseligen Aufstand beendet. Die entflohene Anführerin wird dank des beherzten Einsatzes des kurz darauf eingetroffenen Gardeleutnants Alrik von Arbasim aus Semjet wieder gefangengesetzt. Die Tochter des Akîbs bleibt dann mit einigen Gardisten aus Seku Kesen in Djáset zurück, um dort wieder für Ruhe und Ordnung zu sorgen während die beiden Gardeleutnants mit ihren Männern gen Ujak aufbrechen.
Die Belagerung Ujaks währte noch lange, bis dann endlich die entscheidende Schlacht geschlagen werden konnte. Francesca dell'Aquina wurde auf befehl der Nisut von Seiner Excellenz Dio Cardassion de Cavazo, dem Kanzler der Kemi, für die Dauer der Abwesenheit des Akîbs Thalarion zur Seret-Akîb ernannt. Der Kriegsherr von Táyarret und Sah Ni Mehenev, Abdul ibn Meheb, welcher sich während des Aufstandes auf der Suche nach Akîb Thalarion befand, bat um Entlassung aus dem Amte des Kriegsherren, um sich ganz dem Kampf gegen die Kultisten widmen zu können. Seine Nachfolge trat die langjährige Freundin von Francesca dell'Aquina, Sarina Taggioni an, die nun den Rang eines Gardeleutnants der Schwarzen Armee bekleidet. Gegen Ende des Jahres 23 S.G. wurde klar, daß mit einer Heimkehr des verschollenen Akîbs wohl nicht mehr zu rechnen ist.

Aus der CHRONICA TAYARRETICA, Eintrag vom 5. FEF 25 S.G., aufgezeichnet durch Akîbet Francesca dell'Aquina
Auch wenn das Verschwinden des Akîbs Thalarion Mondglanz sich nun fast zum zweiten Mal jährte, war es doch ein schmerzliches Erkennen, daß sogar ihre Königliche Hoheit, Nisut Peri III die Hoffnung auf eine Rückkehr meines Vaters aufgegeben hatte. Zum 1.FPR 24 S.G. erfolgte meine Ernennung zur Akîbet Ni Táyarret, und an diesem Tage schwor ich, alles in meiner Macht stehende zu tun, um das Erbe Thalarions lebendig zu halten und die Tá'akîbet in seinem Sinne zu führen.
Das alles beherrschende Thema jener ersten Monde in meiner Herrschaft - noch als Seret - war, wie konnte es anders sein, die Belagerung Ujaks. Auch wenn sich langsam abzeichnete, daß die kem'schen Truppen mehr und mehr die Oberhand gewannen, so waren die Schrecken und das Grauen, das dort seinen Ursprung hatte, überall in den Landen des Pjásob zu spüren. Der Anblick der Soldaten der Schwarzen Armee und der Rittersleut des Hl. Laguan waren allgegenwärtig, und die Djáseter taten ihr Möglichstes, um den Rekonvaleszenten der Schlachten, die dort oben im Norden geschlagen wurden,
ihr schweres Los erträglicher zu machen. Die Auseinandersetzungen um Ujak näherten sich nun der alles entscheidenden Schlacht. Ich selbst wollte mich den Kämpfenden anschließen, galt es doch auch Thalarions Verschwinden zu sühnen, doch wurde mir dies von der Oberkommandierenden unter der Androhung, mich inhaftieren zu lassen, sollte ich mich ihren Anordnungen widersetzen, untersagt. So sehr ich die Offizere unserer Armee auch schätze, aber gelegentlich gehen unser beider Ansichten nicht sehr konform. Heute weiß ich, daß ich richtig gehandelt habe, denn ich weiß, daß es nicht sehr klug ist, sich den Befehlen der Hékatet nicht Folge zu leisten. So blieb ich denn mißmutig in Djáset zurück, während die Gardekriegsherrin und ihre Gefolgschaft gen Ujak ritten. Zu unser aller Freude ward kurze Zeit später die Meldung des großartigen Sieges über die namenlose Brut zu
vernehmen. Kaum einer der verbrecherischen Schurken hatte diese Freveltaten überlebt. Kurze Zeit darauf kamen die ersten Verletzen in Djáset an, darunter zu meinem Leidwesen die Hékatet selbst.
Kurz nach meiner Ernennung zur Akîbet lernte ich anläßlich der Feierlichkeiten zur Tempelweihe in Merkem Ihre Hoheit, Chanya Al'Mout'pekeret, Hékatet Ni Chentasû, endlich besser kennen. Während einer Queste in den Dschungeln Rekmehis stellten wir wohl fest, daß wir uns überaus sympathisch sind. Da die Belagerung Ujaks noch andauerte, fügte es sich, daß Ihre Hoheit sich des öfteren als mein Gast in Djáset aufhielt. Etwa zu dieser Zeit kam auch ihr Sohn Loriôn nach Táyarret, den ich sofort ins Herz schloß, kann er doch ebensowenig wie ich selbst, sein elfisches Erbe verleugnen. Die Hékatet war wohl schon lange auf der Suche nach einem Ort in Chentasû, an dem sie residieren wolle, und so entschloß sie sich, die alte Garnison auf der Residenzinsel zu Djáset umzubauen. Innerhalb der nächsten Monde sollte dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt werden und so fügte es sich, daß Djáset zur Hauptstadt der Tá'hékatet Chentasû wurde.
Daß die Verwaltung einer Provinz mehr bedeutete, als das Führen von Büchern und die Schlichtung kleinerer Streitigkeiten unter den Bürgerinnen und Bürgern, sollte ich schon recht früh erfahren. Beim Konventum des Kemiköniglichen Adels in Khefu hatte ich dann einen recht unschönen Disput mit dem Neset Ni Terkum, Ricardo von Grauenberg. Nun, unser Verhältnis kann man seither nur als unterkühlt bezeichnen.
Nicht nur die Taten der Menschen, sondern auch die Unbilden des Wetters brachten in diesem Götterlauf die Bewohner der Provinz in arge Bedrängnis. Eine außergewöhnlich lange Regenzeit hatte dafür gesorgt, daß die wenige Hirse, welche auf den Feldern um Djáset gedieh, noch vor der Ernte auf den Feldern verfaulte. Die Kornspeicher der Stadt waren während des Aufstandes bis auf den letzten Scheffel geleert worden, und im Götterlauf vorher war es nicht gelungen, die Vorräte soweit wieder aufzufüllen, daß eine ausgefallene Ernte hätte überbrückt werden können. Auch meine eigenen begrenzten finanziellen Mittel waren schnell erschöpft; die Djáseter hungerten! Jedoch konnte dank der aufopferungsvollen Hilfe einiger befreundeter Akîbs und der Staatskirche die schlimmste Not gelindert werden. So lag nun nicht mehr der Schatten des Todes über den Gesichtern der Kinder der Stadt.
Das Blatt schien sich in Folge zum Besseren zu wenden. Mir gelang es endlich, das Paligansche Landhaus an einen solventen und seriösen Interessenten zu veräußern. Der Cron-Baumeister und Sah Ni Ynbeht/Wehrmauer, Luciano Cortani, zeigte Interesse an dem Prachtbau und erwarb diesen für eine erkleckliche Summe. Selbst der Reichszehntprüfer Sayshaban ben Ftaihif kam mir bezüglich der Besteuerung des Verkaufes im Hinblick auf die Armut der Tá'akîbet entgegen, so daß nun endlich auch genügend Suvar zur Verfügung standen, um die dringendsten Probleme der Provinz in Angriff zu nehmen. Ein neuerlicher Vertragsabschluß mit dem albernischen Handelskontor Tarsinion, welches sich im übrigen äußerst bestürzt über die Taten der Niederlassungsleiterin Haselbusch gezeigt hatte, sah nun vor, daß in Zusammenarbeit mit dem Kontor ein kleiner Zweimaster gebaut werden solle. Das Kontor verpflichtete sich ein Sägewerk zu beschaffen und die Entlohnungen der Schiffsbauer zu leisten, sofern ich selbst für Bauholz und Handwerker Sorge tragen würde. Dieses Schiff solle dann zu gleichen Teilen der Tá'akîbet und dem Kontor zur Verfügung stehen. Um das Holz bearbeiten zu können, war nun eine Sägemühle vonnöten. Zusammen mit der Hékatet entschloß ich mich, eine solche im Norden von Djáset zu errichten. Diese Sägemühle wird im weiten Umkreis die erste sein, so daß ich wohl davon ausgehen kann, daß in Zukunft auch meine Nachbarn diese neue Errungenschaft in Anspruch nehmen werden.
Nun kam es endlich zu der Hochverratsverhandlung gegen die Haselbusch, die albernische Anführerin des Djáseter Aufstandes, die inzwischen weit über einen Götterlauf in den Kerkern der Stadt schmachtete. Viel Volk und viele Personen von Stand hatten sich zu diesem Anlasse in Djáset eingefunden, und der Neset Ni Terkum, Ricardo von Grauenberg, selbst übernahm das Amt des Richters, Tsakin "der Büßer", wurde mit der Verteidigung der Angeklagten betraut, und Ihre Hoheit Chanya Al'Mout'pekeret vertrat die Anklage. Die Aussage, welche ich während der Verhandlung machte, führte mir das Entsetzen und die Greuel jener Zeit noch einmal deutlich vor Augen. Möge die Zukunft gnädig sein und den Táyarretern solches fürderhin ersparen. Es kam, wie es kommen mußte. Die Aufrührerin wurde zum Tode durch den Pfahl verurteilt, und das Urteil wurde wenige Tage später, nach Bestätigung durch die Nisut, auf dem Marktplatz vollstreckt. So tief meine Abneigung gegen diese Person auch war, es fiel mir unglaublich schwer, der Urteilsvollstreckung beizuwohnen, wie es von mir erwartet wurde. Ohne die Hilfe enger Freunde hätte ich diesen Tag nur schwerlich überstehen könne. Durch die Hand des Semáu Absinthium von Gogam wurde die Haselbusch vom Leben zum Tode gebracht, und so kam diese unrühmliche Geschichte letztendlich zu einem traurigen Abschluß.
Zwischenzeitlich begleitete ich die Hékatet auf einer Reise nach Sjepengurken/Süd, wo ich erste freundschaftliche Bande mit Akîbet Karilja Sjepengurken knüpfen konnte. Als ich auf Betreiben der Herzogin bei einem Immanspiel der Elche Sjepengurken mitspielte, lernte ich auch den äußerst charmanten und liebenswerten Gerric von Fasar kennen.
Inzwischen spitzten sich die Scharmützel vor Hôt-Alem zu, und die in besten Umständen befindliche Oberkommandierende sah sich gezwungen, sich nach der Einnahme von Port Ela von einer schwereren Wunde zu erholen. Doch noch während die Herzogin in Djáset von ihren Verletzungen genas, brach das nächste Unglück über die Tá'akîbet herein. Ihre Gnaden Khirva Tanoram, Cron-Bibliothekaria und Cron-Inspectoria, wurde auf der Heimreise nach der Schlacht um Ujak auf der Küstenstraße von al'anfanischen Sklavenjägern entführt. Saga Mondlicht, Magister Erlwulf, welcher inzwischen ebenfalls in Djáset ansässig war, und ich selbst machten uns unverzüglich auf die Suche nach der Boroni. Die Nachforschungen brachten die schreckliche Erkenntnis zutage, daß der gefürchtete Sklavenjägerring "Nachtschatten", der vor Jahren schon soviel Schmerz über Djáset gebracht hatte, in Mehyt/Djerniako einen neuen Unterschlupf gefunden hatte. Glücklicherweise gelang es uns, Schwester Khirva aus den Fängen der Al'Anfaner zu befreien, doch die Schurken des "Nachtschatten" konnten uns entkommen. Zwar mußten sie und ihr unsägliches Oberhaupt, ein gewisser Bruder Boronian ihren Stützpunkt in Mehyt verlassen, doch ward abzusehen, daß sie ihr verwerfliches Geschäft auch weiterhin in kem'schen Landen betreiben würden. Während im Reiche die Reichsgrundreform für Aufsehen sorgte, Táyarret wurde auf Betreiben der Hékatet aus der Táneset
Terkum, welche im Gegenzug für die Tá'hátya Mer'imen an die Boronsstaatskirche abgetreten wurde, ausgegliedert und der Provinz Ordoreum einverleibt, verbreitete der"Nachtschatten" in Djáset Angst und Schrecken. Obwohl hier wie auch in Djerniako die Inquisition ermittelte, erreichte mich kurz nach der Befreiung Schwester Khirvas ein Schreiben, welches neben übelsten Schmähungen der Staatskirche auch eine unmißverständliche gegen mich gerichtete Morddrohung enthielt. Trotz verstärkter Bemühungen, das Oberhaupt der "Nachtschatten" ausfindig zu machen, gelang es uns nicht, näheres über den Verbleib des Sklavenjägers zu erfahren. Wenige Wochen danach wurde zu meinem allergrößten Leidwesen ein unschuldiges Kind aus der Djáseter Bürgerschaft auf bestialische Weise ermordet. Der Tod des Kindes hatte einzig und allein den Zweck, mir und den ermittelnden Institutionen zu beweisen, wie einfach es für diesen Bruder Boronian zu sein schien, über Djáset Angst und Greuel zu bringen. Die Kriegsherrin Ni Táyarret bat daraufhin beim Oberkommando der Schwarzen Armee um Entsatz, da sie sich nicht mehr in der Lage sah, für die Unversehrtheit des Sohnes der zur Zeit in Yleha weilenden Hékatet und für meine Sicherheit zu bürgen. Ab diesem Zeitpunkt ward es mir nur noch gestattet in Begleitung mehrerer Leibwächter die Residenzinsel zu verlassen. Selbst bei der Hochzeit Seiner Excellenz, des Cancellarius, wich meine Kriegsherrin, welche im Rahmen der Reichsgrundreform zur Gardehauptfrau befördert worden war, nicht von meiner Seite. Natürlich hegte ich Verständnis für solche Vorsichtsmaßnahmen, doch ich muß gestehen, daß diese, im Nachhinein betrachtet allerdings
alles andere als übertriebenen Maßnahmen, zu gelegentlichen Disputen mit meiner Kriegsherrin führten. Endlich tat sich eine Spur zu dem untergetauchten Kopf der Organisation auf. Saga Mondlicht war es gelungen, Erkenntnisse über den vermutlichen Aufenthaltsort dieses Schurken zu gewinnen, und so machte sich die schon bei der Befreiung Schwester Khirvas bewährte Gemeinschaft auf, den Unhold zur Strecke zu bringen.
So erfolgreich wir damals waren, so unglücklich verlief nun diese Queste. Unsere Suche führte uns in die Pestbeule des Südens, und durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und wohl auch durch unsere eigene Ungeschicklichkeit wurden wir dort von den Bütteln der Krähendiener gefangen genommen. Unsere Identitäten konnten wir nicht lange verheimlichen und so kam es, daß Magister Erlwulf und meine Person dort der Spionage für schuldig befunden und in die Sklaverei verkauft wurden. Auf verschlungenen Pfaden gelangten wir beide ausgerechnet in die Fänge dieses unsäglichen Bruder Boronian, welcher die Gelegenheit nutzte und auf vielfältige Weise Rache nahm. Saga Mondlicht wurde glücklicherweise durch diverse Umstände aus dem Al'Anfaner Kerker befreit, so daß sie unsere einzige Hoffnung auf Rettung war. Unter ihrer Führung machte sich nun eine Gruppe, zu der auch die Kriegsherrin Ni Táyarret und der Kriegsherr Ni Seku Kesen zählte, auf, uns zu befreien. Das Schicksal fügte es, daß bei diesem Kommando Sarina Taggioni und Orofex Dúne ihr Leben ließen, um meines zu retten. Und so kehrte ich zurück nach Djáset, erschüttert bis in die tiefsten Tiefen meiner Seele, unendlich traurig und voller Dankbarkeit und Demut.
