


Mit 249 Einwohnerinnen und Einwohnern - davon 74 im Besitz des Bürgerrechts - ist Porto de Cavazo die grösste Siedlung in der Tá'akîb Táîmen. Hervorstechendstes Merkmal des kleinen Küstendorfes ist die Dreiteilung. Ein Stadtteil - die sogenannte "Unterstadt" - liegt unmittelbar an einem kleinen Strandabschnitt, der zwischen die Felsen eingebettet ist. Unmittelbar hinter dem kleinen Kai, der durch eine vorspringende Klippe von dem Fischerstrand getrennt wird, ist in den letzten Jahren der "Prisenhafen" entstanden. Der dritte Teil, "Oberstadt" genannt, liegt an den leicht bewaldeten Hügel geschmiegt, der sich etwa dreissig Schritt in die Höhe erhebt. Genau wie Prisenhafen ist auch dieser Ortsteil erst innert der letzten acht Götterläufe gewachsen.
Fischerviertel - auch "Unterstadt":
Das Bild der Unterstadt wird unnachahmlich von den Fischerinnen und Fischern geprägt. Dank der reichen Fischvorkommen vor den Küsten Táîmens muss fast niemand in der Provinz Hunger leiden.
Das Fischerviertel beginnt unmittelbar hinter dem Strand, auf den die Fischerinnen und Fischer ihre Boote ziehen. Hier leben sechs große Familien, die Ihr Leben dem Fang, der Verarbeitung und dem Verkauf der Fische gewidmet haben. Jeden Tag wird ein Teil des Ertrags verkauft, während ein anderer für den Eigenbedarf zurückgehalten und ein dritter durch Räuchern und Salzen haltbar gemacht wird - was zur Folge hat, daß ein beissender Fischqualm durch die Gassen zieht.
Ausser den Fischerinnen und Fischern leben in der Unterstadt noch einige Handwerker sowie etliche Holzfällerinnen, Tagelöhnerinnen und die Reisbauern, die hier im Süden Táîmens optimale Bedingungen für den Anbau vorfinden.
In der Unterstadt gibt es zwei Kneipen, die abends oft Schauplatz von wilden Auseinandersetzungen sind, wenn sich Fischerinnen, Holzfäller und Reisbauern nach ein paar Rum wieder einmal in die Köpfe kriegen. Ernsthaft verletzt wird selten jemand, so daß die Versöhnung dann auch wieder mit einem Krüglein gefeiert wird.
Oberstadt:
Dieser Stadtteil ist erst innerhalb der letzten acht Jahre entstanden. Im Zuge der Verlagerung des Akîbetsitzes von Gereh ibn Dalasch nach Porto de Cavazo unter Simba Tulajsunya sind die Bürgerinnen und Bürger, die etwas auf sich halten, der Adeligen gefolgt. Obgleich in der Oberstadt wesentlich weniger Menschen wohnen, stehen hier doch fast genauso viele Häuser wie im Fischerviertel.
Hier finden sich die Häuser der Küstenhändler und Plantagenbesitzerinnen. Auch hat sich hier vor ein paar Jahren ein Apothekarius niedergelassen, der für seine Mittel und Tränke immer einen Abnehmer findet - und auch gegen jedes Zipperlein etwas parat hat.
Die "Straßen" hier sind breiter und sauberer als in der Unterstadt, und einige Häuser haben sogar ein Geschoß aus Stein. Eine Kneipe gibt es hier selbstverständlich nicht - hier hat man den "Mercator". Diese Gaststätte ist - wie sollte es anders sein - auf Fisch spezialisiert. Doch das kann die Familie Ni'cheb, die den "Mercator" seit nunmehr zweiundzwanzig Jahren führt, recht gut. Ausserdem bietet Sie einen ordentlichen Wein - alles aber zu ebenso ordentlichen Preisen.
Hier in der Oberstadt steht auch das Stadthaus des jetzigen Akîbs, Kemet'amûn Me'kath. Es ist ein kleines Häuschen direkt am Kaufmannsplatz, einem überschaubaren, mit ein paar Bäumen versehenen Platz, an dem alle Familien, die etwas auf sich halten, ihr Haus haben.
Prisenhafen:
Die Entstehung Prisenhafens fällt in die jüngste Vergangenheit, der Bau des Hafens wurde vor gerade einmal 14 Monden abgeschlossen.
Mit der Errichtung des Hafens kamen noch einmal - nach der Verlagerung des Akîbetsitzes vor acht Götterläufen - etliche Menschen nach Porto de Cavazo, um sich hier niederzulassen.
Der Prisenhafen ist neben Yleha der einzige legitime Festlandshafen, in dem Freibeuterinnen und Freibeuter des Káhets ihre erbeuteten Waren verkaufen dürfen. Über die Ordnungsmässigkeit des Handels wacht ein Vertreter des kem´schen Schatzmeisters, der sein Büro unmittelbar am Hafen hat.
Der Hafen ist das eigentliche Herz Porto de Cavazos. Neben der Tatsache, daß er die Verbindung und den Handel mit anderen Tá'akîbs und Tá'akîbets ermöglicht, gibt es hier vor allem in den Abendstunden ein reges Nachtleben, welches vor allem nach Ankunft eines Freibeuterschiffes manchmal schon fast exzessive Ausmaße annimmt, wenn die Seeleute einen guten Teil Ihrer Heuer hier versaufen, verspielen oder sonst wie durchbringen.
Die Bedeutung des Prisenhafens für Porto de Cavazo ist enorm. Nicht nur, daß das Säckel der Tá'akîb von dem Handel hier profitiert, nein, auch die Suvar, die die Freibeuter und Freibeuterinnen hier lassen, ermöglichen einigen Familien ein gutes Auskommen.
Die Gesellschaft:
Vorab muss gesagt werden, daß es ausserhalb Porto de Cavazos kein gesellschaftliches Leben gibt - so sehen es zumindest die hier ansässigen Einwohnerinnen und Einwohner.
Im Folgenden werden kurz die drei - neben den herrschenden Me'kaths - einflussreichsten Familien der Tá'akîb vorgestellt, die allesamt vor acht Götterläufen ihren Sitz von Gereh ibn Dalasch nach Porto de Cavazo verlegten.
Die Tem'asun verfügen über ansehnlichen Plantagenbesitz etwas ausserhalb von Porto de Cavazo. Sie haben sich auf das Pflanzen von Reis und den Anbau von Perainäpfeln spezialisiert.
Etwas weniger bepflanzte Fläche können die Ch'ez'ja aufweisen. Neben einigen Reisfeldern nennt diese Familie einige Bananenplantagen ihr eigen, die ebenso wie die Perainäpfel der Tem'asun gerne an die im Prisenhafen einlaufenden Freibeuter verkauft werden.
Die dritte Familie, die man erwähnen muß, sind die Ni'jem'ka, die sich ausschliesslich dem Anbau von Tabak gewidmet haben. Sie sind die - zahlenmässig - kleinste Familie und zeichnen sich seit jeher durch ihre loyale Haltung gegenüber der Akîbet/dem Akîb aus, was man von den anderen beiden Familien nicht behaupten kann.
Um diese drei Familien herum hat sich das gesellschaftliche Leben der Oberstadt gruppiert. Um die lautstarken Tem'asun, die wagemutigen Ch'ez'ja und die ruhigen Ni'jem'ka.
Eine untergeordnete Rolle - so sagen die drei Familien gerne - spielen alle anderen. Jedoch kommt man nicht umhin, den Unterstädtlern, Fischerinnen und Bewohnern von Prisenhafen Beachtung zu schenken, sind sie doch zahlenmässig die größte Gruppe und trägt ihre Arbeit doch zur täglichen Versorgung der Stadt bei.
Religion (allesamt kem´scher Ritus):
Die vorherrschende Gottheit in Táîmen ist neben dem Götterfürsten Boron auch der Herr Efferd. Die Fluss- und Seefischer prägen wie keine andere Gruppe das Bild Táîmens und dementsprechend auch die Religion. Doch wird Efferd auch von den Händlern und Küstenfahrern verehrt. Der Tempel des Efferd steht in der Unterstadt, wenn auch etwas abseits. Hier treffen sich die Fischer und Fischerinnen Porto de Cavazos täglich, um für guten Fang zu beten, Netze oder Boote segnen zu lassen oder für einen ertragreichen Tag zu danken.
Neben der Omnipräsenz des Herrn Efferd scheinen die anderen Gottheiten beinahe zu verblassen. So soll es in der Oberstadt einen kleinen Schrein des Phex geben - der hiesige Geweihte soll übrigens über eine nicht unbescheidene Summe an Spenden und Opfergeldern verfügen können.
Unbedingt erwähnen muss man auch Peraine, die Göttin des Ackerbaus. In Porto de Cavazo gehören vor allem Plantagenbesitzer und -arbeiter sowie die Reisbauern zu den Gläubigen, die regelmässig den kleinen Schrein etwas ausserhalb besuchen.
Selbstverständlich gibt es auch in Porto de Cavazo einen Schrein des Boron, der auch hier als oberste der Götter anerkannt wird. Er befindet sich in der Oberstadt ganz in der Nähe des Kaufmannsplatzes.

Schon früh entdeckten die Bewohnerinnen dieses Landes den unsagbaren und farbenprächtigen Reichtum der Korallenbänke vor allem in der Umgebung der Quemu-Te-Inseln (was übersetzt "Rote Inseln" bedeutet). Vor einigen Jahren siedelten sich hier mohische Taucherinnen an, um die Schwämme aus der Tiefe zu holen und an der Sonne trocknen lassen. Nur bisweilen setzen sie aufs Festland über, um die Schwämme zu verkaufen und die Vorräte aufzustocken.

Am Boden sind sowohl giftige als auch ungiftige Kinder Hesindes zu finden und in Bächen und Flüssen muß man sich vor Blutfischen und anderem gefährlichen Getier in Acht nehmen. Der Grundwasserspiegel ist nahe der Oberfläche, so daß der größte Teil des Bodens sumpfig ist. Lediglich auf den im Norden häufigen Anhöhen ist fester Boden vorhanden, auch die Vegetationsdichte läßt spürbar nach, manchmal bricht gar Fels an die Oberfläche. Am Meeresrand dringt Salzwasser an vielen Stellen in die küstennahen Wälder ein und verursacht eine spezielle Form des Regenwaldes: den Mangrovenwald.Die eigentlichen Besonderheiten sind aber im Wasser zu finden. Im Stromsystem des Tairan leben mehrere Arten, die ausschließlich auf dieses oder auch auf die angrenzenden Flußsysteme beschränkt sind. An erster Stelle wären hier wohl der Dunkelbarsch, eine südliche und größere Variante des Angbarsches, und der Alemwels zu nennen, die beide in großer Zahl und beachtlicher Größe vorhanden sind, und die den Grundstein der traditionellen Flußfischerei Táîmens bilden. Ihnen droht dieser Rang aber von einem Fisch abgelaufen zu werden, der eigentlich gar nicht in diese Gegend paßt: Der Flußkarpfen wurde einmal von irgendeinem fehlgeleiteten Reisenden – auch hier wird der Name des horasischen Gesandten gemunkelt - in den Tairan ausgesetzt, der sich aufgrund der hohen Wassertemperatur rasend vermehrte und hohe Gewichte erreichte.
Im Salzwasser vor der Küste dominieren Korallenbänke, die immer wieder von langen Sandstränden unterbrochen werden. Es gibt mehrere Haiarten, wobei vor allem der Streifenhai und der Korallen- oder Sandhai zu nennen wären. Weiter entdeckt die Kennerin neben vielen anderen zwei ihr unbekannte Arten, die sie nirgendwo sonst in Aventurien finden kann: den Zahnjäger, der Gewichte bis 75 Stein erreichen kam, auch wem das Durchschnittsgewicht bei 10 - 12 Stein liegt. Sein bevorzugtes Nahrungstier ist gleichzeitig die Hauptbeute der Küstenfischer und Bestandteil des táîmen'schen Wappens: Die Perläsche ist ein etwa 20 Unzen bis einen Stein schwerer Fisch, der selten auch in Gewichten von zwei oder gar drei Stein erbeutet wird. Diese Art ist über die gesamte Bucht von Hôt-Alem verstreut, auch wenn sie vor der Küste Táîmens am konzentriertesten vorhanden ist, was einen simplen Grund hat: Der einzige Laichgrund der Perläsche liegt in der Ravens-Bucht, in der im Perainemond das Wasser brodelt.
Auf den sandigen Strandabschnitten lebt der Sandrochen, eine kleinere Form des Dreieckrochens, die wohl kaum eine Spannweite von einem Schritt überschreitet. Viele andere Arten mag es geben, und sie mögen von nicht geringerer Bedeutung als die hier angeführten sein, doch kann und soll hier nicht die Flora und Fauna eines Urwaldes, sondere die besonderen Merkmale der Provinz Táîmem wiedergegeben werden.

Nahe Porto de Cavazo wird Mohagoni gefällt, das mit Unterstützung der Familie Al'Plâne, deren Überseecompagnie ab dem Jahre 26 S.G. massiv in Táîmen investiert, nach Kuslik exportiert werden soll, ebenso wie die Schwämme der Quemu-Te-Inseln. Von eher regionaler Bedeutung ist die Fluß- und Seefischerei, wobei im Süßwasser vor allem Dunkelbarschen und Flußkarpfen nachgestellt wird, während die Hochseefischer ihre Netze vor allem nach Perläschen, Goldmakrelen und Thunfischen auswerfen, wobei Thunfische bisweilen auch wie Haie harpuniert werden. Ist es doch weit ungefährlicher, diese wackeren Kämpfer im Wasser als im Boot zu töten.
von Christian Neitzel und Elmar Sacher