Neuigkeiten aus der Provinz Terkum
Überfall auf Ingerimmgeweihten
Nahe Débar'Shel, Anfang Praios. Seine Gnaden Xorsch, Sohn des Xirx, der seit dem vergangenen Ingerimm in Démyúnem weilende Geweihte des Ingerimm, wurde hinterrücks überfallen und ausgeraubt, fürwahr ein schlechtes Omen zum Anbeginn des neuen Götterlaufs.
Seine Gnaden hatte sich im Anschluss an die Segnungen des Bauplatzes für den Ingerimmschrein dazu entschlossen, die restlichen Monde in Démyúnem zu verweilen, denn zum einen sollte der Schrein bereits im Rondra fertiggestellt werden und zum anderen, und dies war wohl der bedeutendere Grund für den Zwerg, wollte er die Fortschritte des Bauvorhabens überwachen und selber sein Scherflein zu dessen Errichtung beitragen. So kam es, dass Seine Gnaden mehrfach zwischen Silistra und dem Bauplatz verkehrte, ein Umstand, der natürlich nicht unbemerkt blieb und augenscheinlich jenes lichtscheue Gesindel auf den Plan rief.
Am 6. Praios hatte sich Seine Gnaden dazu entschlossen, mit Akîb Maraladil zu sprechen, so berichtete er später, denn in der Dachkonstruktion des Schreins gab es mehrere Schwachpunkte, die es auszumerzen galt. Auf halben Weg zwischen dem Bauplatz und Silistra erfolgte sodann jener unsägliche Überfall, just zu der Zeit, da sich Seine Gnaden zur Mittagsstunde ein wenig von dem anstrengenden Fußmarsch verschnaufte. Fünf Strauchdiebe fielen über den Geweihten her, so lauteten die Angaben Seiner Gnaden, doch versahen sie sich nur allzu rasch, denn obwohl Seine Gnaden nur mit einem Wanderstecken und seinem rituellen Schmiedehammer bewaffnet war, konnten sie seiner nicht so einfach habhaft werden. Einen Baumriesen im Rücken, vermochte Seine Gnaden das unvermeidliche Ende offensichtlich aufschieben, doch kam dies dann schneller und heimtückischer als erwartet, denn der vergiftete Pfeil eines Blasrohrs traf den Zwerg am Hals und zwang ihn schließlich in die Knie.
Als das Gift nach Stunden seine Wirkung verloren hatte, erwachte Seine Gnaden bis auf einen Brummschädel und weiche Knie unbeschadet, die Strauchdiebe hatten ihr Unglück nicht noch dadurch verschlimmern wollen, dem Gottesmann das Leben zu nehmen. Das Leben hatten sie ihm gelassen, doch nicht einen Gegenstand, der augenscheinlichen Wert besessen hatte. So fehlte der kostbare Schmiedehammer, eine Kette mit Anhänger aus reinem Silber, ein bescheidener Silberring ohne jegliche Gravur und Zierrat, der Geldbeutel mit etwa drei Dutzend Hedsch und ein guter lederner Gürtel. Erbost über diesen ungeheuerlichen Frevel, steigerte sich der Zorn Seiner Gnaden in schier unerreichbare Höhen, als der Zwerg aber die umgestoßene Laterne erblickte, dessen Flamme er vor vielen Götterläufen an dem Heiligen Feuer in Xorlosch entzündet hatte.
Rasend vor Wut erreichte Seine Gnaden Silistra, durch dessen Gassen er sogleich zum Amtssitz des Akîbs schritt. Die Schreiber des Akîbs, die den stürmischen Ingerimmgeweihten nicht in diesem aufgebrachten Zustand zum Akîb vorlassen wollten, wurden durch die Wucht des Zwergs mitsamt ihrer Schreibpulte hinweggefegt, bevor sich Seine Gnaden selber Zutritt zum Arbeitszimmer des Akîbs verschaffte. Als wenig später die sogleich herbeigerufenen Gardisten der Stadtwache am Amtssitz eintrafen, war das aufgebrachte und wütende Gezeter Seiner Gnaden noch vor dem Haus zu hören, ließ Akîb Maraladil die zu Recht erzürnte Rede des Gottesmann über sich ergehen, damit dieser seinen Unmut freien Lauf lassen konnte und sich allmählich wieder beruhigen sollte.
Es dauerte noch eine geraume Weile, bis Seinen Gnaden sich wieder so weit beherrschte, dass ein vernünftiges Miteinander möglich wurde. Ein Großteil der vor dem Amtssitz versammelten Leute war inzwischen ob der langen Wartezeit müde geworden und hatte sich bereits wieder der Arbeit zugewandt. Noch am selben Abend machten allerdings aberwitzige Gerüchte in den Gassen Silistras die Runde, soll Akîb Maraladil doch vielfältige Versprechungen wie den Bau eines Tempels oder die Konvertierung zum Ingerimmglauben ausgesprochen haben, um den Geweihten wieder zu beruhigen.
(SRI)
Die Errichtung eines Ingerimmschreins
Nahe Débar'Shel, Ende Ingerimm. Bereits im vorangegangenen Peraine hatte sich Akîb Maraladil mit den Planungen zum Bau eines Schreins für den Herrn Ingerimm befasst, nicht ganz selbstlos und aus freien Stücken, wie mancher hinter vorgehaltener Hand spöttelte, begannen die Konzeptionen des Akîbs doch erst im Anschluss an das zweite Beben innerhalb der letzten sechs Götterläufe.
Zum Ende des Ingerimm hin hatte Akîb Maraladil seine Anstrengungen verdoppelt, das Bauvorhaben so weit voranzutreiben, dass noch im selben Mond mit den Arbeiten begonnen werden konnte, schließlich befand man sich noch im gleichnamigen Mond des Herrn Ingerimm. Die Mühen dafür waren beachtlich, denn an vielen Stellen in Silistra wurde noch immer gebaut, um Ersatz für die in Débar'Shel verlorenen Gebäude zu schaffen. Nichtsdestotrotz trieb Akîb Maraladil die Planungen für den Schrein voran, sehr zum Unverständnis einiger Leute aus Débar'Shel, deren Bauvorhaben sich nun verzögerten, wenn auch nur geringfügig.
Am 27. Ingerimm 29. S. G. trafen etwa ein halbes Dutzend Bauarbeiter an der Wegekreuzung ein, wo der Pfad hinab zum ehemaligen Débar'Shel vom Weg zwischen Silistra und Nabire abzweigt. An dieser Stelle sollte zu Ehren des Herrn Ingerimm eine Andachtstätte errichtet werden, so hatte es Akîb Maraladil beschlossen und daher waren die Bauarbeiter den restlichen Praioslauf über damit beschäftigt, ein vorübergehendes Lager zu errichten. Am Vormittag des folgenden Praioslaufes erreichte schließlich auch Akîb Maraladil in Begleitung Ihrer Gnaden Hedj'sebá Mehyem'kás und Seiner Gnaden Xorsch, Sohn des Xirx den Baugrund. Gegen Mittag waren die letzten Arbeiten am Lager abgeschlossen und die Bauarbeiter versammelten sich im Halbrund am Bauplatz des Schreins, um den Messen der Geweihten zu lauschen. So segneten die Geweihte des Boron und der Geweihte des Ingerimm aus dem fernen Câbas den Baugrund gemeinsam im Namen des Allmächtigen Raben und Seines Sohnes. Akîb Maraladil tat daraufhin den ersten Spatenstich zur Errichtung des Schreins und übergab die Schaufel anschließend an einen der Bauarbeiter, während die Geweihten ihre Segnungen wiederholten und das Bauvorhaben unter den Schutz der Götter stellten.
Kaum das die Messen gelesen und die Segnungen beendet waren, begannen die Bauarbeiter mit ihrer Arbeit, während Akîb Maraladil und die Geweihten wieder abreisten und gen Silistra zogen. Die Arbeiten an dem Schrein sollen sich gute drei Monde hinziehen, so lauten jedenfalls die Planungen des Akîbs, die durch Seine Gnaden Xorsch bestätigt wurden, das heißt frühestens im Rondra 30. S. G. wird die Fertigstellung des Schreins erwartet.
(SRI)
Seltsame Wasserpflanzen auf dem Seram entdeckt
Nahe Débar'Shel, Mitte Rahja. Einem der Bauarbeiter des Ingerimmschreins, einem Jüngling von gerade 18 Götterläufen, der neben seinen Arbeiten auch für die Verpflegung und Verköstigung des Bautrupps zuständig ist, wiederfuhr ein überraschendes und besorgniserregendes Erlebnis am Ufer des Seram.
Doch der Reihe nach. Neben der Verpflegung aus Silistra, die zum Großteil aus Reis und Datteln besteht, bereichern nur die gesammelten Früchte und Wurzeln oder die erlegten Tiere des umliegenden Dschungels die Teller der Männer und Frauen auf der Baustelle des Ingerimmschreins. Der junge Rudjsen war auserkoren worden, sich um die Zubereitung der Mahlzeiten zu kümmern und so verbrachte er gut die Hälfte des Praioslaufs damit, das Essen vorzubereiten und sich nach weiteren Zutaten dafür umzusehen.
Es war der 18. Praioslauf im Rahja, als er sich dazu entschloss, zum Seram zu gehen und dort einige Seramer Salme zu fangen, denn ein wenig frischer Fisch, so sagte er sich, würden alle gerne essen und der Fisch würde eine willkommene Abwechslung auf dem kargen Speisezettel darstellen. So verabschiedete er sich frühmorgens und verschwand gen Débar'Shel, denn dem Pfad dorthin konnte er noch eine geraume Weile folgen, bevor er linkerhand in den Dschungel abzweigen musste, um den Seram zu erreichen. Wie er später bei seiner Rückkehr berichtete, stutzte er nun erstmals, denn der Dschungelstreifen zwischen dem Pfad und dem Ufer des Seram war nicht breit, so dass er den See schon nach kurzer Wanderung erreichen sollte. Doch wo er das Wasser des Serams erwartet hatte, fand er nur die trockene Erde des Seebodens, auf dem bereits die ersten Gräser und Farne des nahen Dschungels sprossen, das Wasser aber zeigte sich erst in großer Entfernung vom Ufer. Zunächst, so berichtete der junge Rudjsen später weiter, wollte er sogleich ins Lager zurückkehren und von seiner Entdeckung berichten, doch entschloss er sich anders, denn zum einen wollte diesem Geheimnis nachgehen und sich am Wasser des Sees weiter umsehen und zum anderen war er schließlich zum Fischfang ausgezogen und seine Gefährten hätten ihn gescholten, wenn er ohne Fang zurückgekehrt wäre. Also zog er weiter und überquerte den ehemaligen Seeboden, dem Wasser entgegen. Dort angekommen, habe er sich zunächst umgesehen, das Wasser und den Seeboden betrachtet, ohne dabei allerdings eine Besonderheit oder etwas ungewöhnliches feststellen zu können. Allerdings glaubte er bemerkt zu haben, dass das Wasser nicht weiter zurückweichen würde, denn das neue Seeufer erweckte den Eindruck, als wäre es seit mehreren Dutzend Praiosläufen unverändert.
Nachdem er die Umgebung lange Zeit abgesucht und beobachtet hatte, entschied er sich schließlich dazu, die Angeln auszuwerfen, so berichtete er weiter. In einiger Entfernung der im Boden festgesteckten Angeln habe er dann mit einem Speer zusätzliche Fische gejagt. Dabei watete er vorsichtig durch das knietiefe Wasser und schob behutsam die zahlreichen Schwimmpflanzen auseinander, um nach den Fischen zu spähen. Die Schwimmpflanzen seien im zunächst nicht aufgefallen und erst nach und nach habe er den betörenden Duft bemerkt, der von den roten, faustgroßen Blüten ausging. Richtig schläfrig sei er mit der Zeit geworden und habe sich dabei eingebildet, die Ranken und Wurzeln der Schwimmpflanzen würden nach seien Beinen greifen. Eine geraume Weile hätte er dann an einer Stelle verharrt, fuhr er fort, an der er einen großen Salm erspäht hatte. Der Salm sei im aber entwischt und als er vorsichtig weiter durch das Wasser waten wollte, habe er bemerkt, dass ihn tatsächlich irgendetwas festhielt und er der Länge nach ins Wasser stürzte. Wie er sich befreien konnte, wisse er nicht genau, er würde sich nur noch daran erinnern, dass er mit dem Speer immer wieder ins Wasser gestochen hätte und dann irgendwann frei kam, woraufhin er rasch zum Ufer flüchtete und erst im Lager wieder einhielt.
So lautete der Bericht des jungen Rudjsen, den er einige Praiosläufe später Hedj'sebá Mehyem'ká, der Ratgeberin des Akîbs erstattete und zu dessen Beweiskraft er seine zerkratzten und mit Würgemalen gezeichneten Waden und Füße vorzeigte. Ihre Gnaden wies die Bauleute an, sich dem Seram nicht noch einmal zu nähern, bevor sie wieder gen Silistra aufbrach, um Akîb Maraladil von diesem Geschehen zu berichten.
(SRI)
Komturin von Brabaccio nimmt Fährtenleser in ihre Dienste
Thergas. Fast drei Dutzend Praiosläufe waren seit den schrecklichen Geschehen in Neu-Sziram vergangen, Praiosläufe des Wartens und der Ungewissheit, ohne dass auch nur eine Botschaft über den Verbleib des ausgezogenen Jägers Redan Sakem die Komturin erreichte. Mehrfach hatte sie einen Ordensritter nach Neu-Sziram entsandt, um Nachricht aus der Siedlung zu erhalten, die erwartete Neuigkeit war allerdings nicht dabei.
So ließ Shesib Mehyemká, die Komturin von Brabaccio und Sahet von Thergas, einen Aufruf kundgeben, mit welchem sie bekannt gab, kundige Fährtenleser zu suchen und in ihre Dienste nehmen zu wollen. Es sollte noch einmal ein Dutzend Praiosläufe dauern, die Botschaft war inzwischen auch in den umliegenden Siedlungen bekannt gegeben worden, bis zwei Männer vor die Komturin traten und genauere Auskunft über die ausgeschriebene Aufgabe begehrten. Obwohl die beiden Spurensucher recht zwielichtig erschienen und allen Anschein nach aus dem brabakschen Reiche stammten, so WUSste die Schreiberin der Komturin zu berichten, offenbarte die Komturin den Auftrag und die zu erwartende Gefahr, trotz alledem einigte sie sich alsbald mit den Fährtenleser.
Bereits am nächsten Praioslauf brachen die beiden Männer auf, gerüstet für eine mehrtägige Wanderung durch den Dschungel. Aus der Komturei ließ die Komturin verlauten, die beiden Fährtenleser würden ihre Suche nach Seiner Gnaden Sakem in Neu-Sziram beginnen, im dichten Dschungel fürwahr eine schier unlösbare Aufgabe und allen Anschein nach die Sprichwörtliche "Nadel im Heuhaufen".
(SRI)
Leichtes Beben am Seram
Débar'Shel, Mitte Peraine. Einen halben Götterlauf nach dem Beben unweit Débar'Shels, bei welchem zahlreiche Gebäude der Siedlung so schwer beschädigt wurden, dass man sich dazu entschloss, die Ortschaft aufzugeben, bebte erneut die Erde unweit der Ruinenstätte am Ufer des Serams.
Wie schon beim vorangegangenen Beben im Travia 29 S. G. kamen die Schläge des Herrn Ingerimm in der Morgendämmerung des anbrechenden Praioslaufs, doch, und dies werden die Leute dem Herrn Ingerimm danken, waren sie nicht so stark wie beim vorherigen Beben. In Nabire, Yiah'Riu und Corhallia, so wurde berichtet, waren diese Erschütterungen zu spüren gewesen, in Silistra und Navodari, die nur ein wenig weiter von den Ruinen Débar'Shels entfernt liegen als die übrigen Siedlungen, schliefen die Leute allerdings ruhig und bemerkten keinen der Erdstöße. Selbst in den zuvor genannten Gemeinden gab es zahlreiche Leute, die nichts von dem Beben bemerkten, einige wenige waren es wohl, die aus ihrem leichten Schlaf erwachten, andere wurden durch ihre unruhigen Tiere geweckt und fürchteten schon eine Raubkatze, die um die Ställe schleichen würde.
Alles in allem richtete dieses Beben in den Siedlungen Démyúnems keinerlei nennenswerten Schaden an. In Silistra, so WUSste man alsbald am nächsten Praioslauf zu berichten, habe Akîb Maraladil sich dazu entschlossen, einen Schrein zu Ehren und zur Besänftigung, wie manche augenzwinkernd hinzufügten, des Herrn Ingerimm an der Weggabelung hinab zu den Ruinen von Débar'Shel zu errichten. Ein jeder Wanderer, der diesen Weg beschreitet, soll so Gelegenheit haben, dem Herrn Ingerimm um sicheres Geleit zu bitten, wie auch die Leute der umliegenden Siedlungen.
(SRI)
Mordhühner fallen übereinander her
Nabire, Ende Efferd. Freilaufende Tiere haben mitunter ein schweres Leben, Greifvögel, Raubkatzen und Schlangen machen Jagd auf sie und holen sich nur allzu oft die leichte Beute. In Nabire aber, der kleinen Siedlung unweit Silistras, traf einige Federviecher ein seltsames Schicksal, wurden sie doch von ihren eigenen Artgenossen erpickt.
Der Reisbauer Djerneb entdeckte die toten Hühner am Morgen des 27. Efferd, als er hinaus zu den Feldern gehen wollte, mitten zwischen den munter umherlaufenden Artgenossen. Einige der überlebenden Tiere pickten gerade an den Kadavern herum und zupften den toten Hennen die Federn aus. Der Bauer, der zunächst noch annahm, dass die Hühner von einem Greifvogel geschlagen wurden, dieser aber anschließend zu schwach gewesen sein musste, sie auch davon zu tragen, nahm die Hühner auf und trug sie zum Haus hinüber. Zwar wunderte er sich noch, wenige Spuren des Greifvogels an den Kadavern zu sehen, doch kümmerte er sich nicht weiter darum und ging seiner Arbeit nach.
Als am nächsten Tag erneut ein totes Huhn und am darauffolgenden Tag gar noch einmal drei Hennen tot darniederlagen, begann der Bauer sich schon ein wenig zu wundern, die Nachbarn aber, die nun von den Geschehen erfuhren, meinten gar er sei verflucht worden. So hieß der Bauer seinen jüngsten Sohn, tagsüber ein Auge auf die Hühner zu haben, am Abend übernahm er diese Aufgabe selber und wachte die Nacht über an der Umzäunung. Groß war da sein Erstaunen, als ihn in den Nachtstunden leises Gegacker aufschreckte, der Bauer jedoch keine Raubkatze fand, sondern den alten Hahn selber, der die eigenen Hennen durch die Gehege jagte und wie toll auf sie einhackte und einpickte. Beherzt schritt der Bauer ein und rettete so sein Federvieh vor dem wütenden Hahn, dem es anschließend verwehrt wurde, den nächsten Tagesanbruch zu verkünden.
(SRI)
Wanderprediger sorgt für Unruhe in Rekáchet
Die Praiosscheibe stand hoch am Himmel, als sich der in eine einfache Kutte gehüllte Mann Mohema näherte. Neugierig betrachteten die Feldarbeiter den hageren Mann mit dem kahlgeschorenen Haupt, der außer der Robe, einer kleinen Tasche und dem Wanderstab nicht viel bei sich zu haben schien. Viel Aufregung hatte die letzte Zeit mit sich gebracht und Besucher und Wanderer gab es nicht mehr viele. Selbst die Händler wurden immer seltener, so dass dieser einsame Wanderer schon Aufmerksamkeit auf sich zog. Doch erfüllte die einfachen Leute der Anblick des Rabenamulettes um seinen Hals mit Zuversicht. Wer war er nur? War er gar ein Priester?
Er erreichte das Tor und die dort postierten Ritter musterten ihn. "Seid gegrüßt im Namen Borons. Was führt Euch hierher nach Mohema?" Der Mann schaute den jungen Ritter an. Seine spröden Lippen zeigten ein leichtes Lächeln, bevor er antwortet. "Seid ihr mir gegrüßt, im Namen des Herren über das Diesseits und das Jenseits. Ich folge dem Krächzen des Raben, der meine Schritte durch das Káhet leitet. Und heute haben mich meine Wege hierher geführt, das Wort des einzigen Herren zu verkünden."
"So heiße ich Euch willkommen im Herzen der Tá'akîb Rekáchet, Euer Gnaden. Wenn Ihr das Wort des Herren verkünden wollt, dann solltet Ihr vielleicht mit Ehrwürden Tem'kat sprechen. Ihr werdet sie wahrscheinlich im Tempel finden."
"Vielleicht sollte ich das, habt Dank." Mit diesen Worten schritt er an den beiden vorbei in die Stadt.
Mit sicheren Schritten näherte er sich dem Marktplatz. Dort angekommen sah sich der Fremde erst einmal um, bis er gefunden hatte, was er sichte. Er ging zu der Versammlungshalle, direkt gegenüber dem Tempel, und betrat die Stufen. Vor der Tür angekommen drehte er sich dem Marktplatz und den ersten der Bewohnerinnen und Bewohner, die stehengeblieben waren, um zu schauen, was der Fremde wohl macht, zu.
Mit finsterem Blick musterte er die Anwesenden, bevor er zu reden Anfing. "Und siehe, der Herr weinte bittere Tränen, als er auf Sein Land blickte. Rings um uns regiert die Sünde und der Frevel. Tag um Tag nährt Sein Volk die immer dicker werdenden Chesti, die sich auf den Thronen Seines Volkes einnisteten, und Seine Kirche nährt sie an Ihrem verdorrten Busen. Sie reden mit gespaltenen Zungen und versuchen das Volk zu verführen, um ihre Seelen zu vergiften, es vom wahren Glauben abzubringen. Siehe, wer führt dich, Volk des Herren? Sehet die Chesti-Eminenz, die das Allerheiligste des Rabenkultes beschmutzt. Siehe den Chesti-Kanzler, der offen die Allmacht des Herren verhöhnt, sein Volk unterdrückt und ausbeutet. Siehe den Chesti-Neset von Grauenberg, den der Wille des Herren schon vor Rheton gerufen hat, auf dass er sich dort für seine Verfehlungen und seinen Frevel verantwort. Doch siehe Volk von Rekáchet, der Herr lässt nichts ungestrafft. Jahrelang habt auch ihr die falschen Nattern genährt und nun erfüllt sich des Herren Richtspruch. Seht die Zeichen der Zeit, die der Herr Euch sendet. Die letzten Tage sind angebrochen und das Volk muß sich erheben, um den Chesti Einhalt zu gebieten."
Nach und nach sammelt sich immer mehr Menschen auf dem Marktplatz. Erst waren es nur die jungen und die alten, doch schon bald kamen auch die Frauen und Männer von Feld. Auch die Matriachin der Familie Tem'kat erschien vor dem Tempel und schaute sich zusammen mit den Ordensrittern und ihrer Tochter das Treiben an.
"Wollt ihr weiter wie die Blinden umherirren und verleugnen, dass die Zeichen immer offensichtlicher und drängender werden. Wollt ihr dereinst auch vor dem Herren bekennen müssen, dass ihr Seinem Ruf nicht gefolgt seid, weil ihr nicht sehen wolltet? Wollt ihr das Versprechen des Heiligen Kacha eine Lüge schimpfen? Das Versprechen, das er an den Höchsten selbst gab, dieses Land mit Seinem Volk zu beschützen und zu bewahren. Sein Volk muß sich erheben und für den Herren kämpfen. Das ist sein Befehl und sein Wille. Die letzten Tage sind angebrochen und ihr sitzt hier untätig herum."
"Was hältst du davon, Mutter?", fragte Mira Tem'kat die Tempelvorsteherin. "Er spricht viele wahre Worte, Tochter. Lassen wir ihn vorerst einmal weiterreden. Schau, dort kommt el'Corvo. Mal sehen, was er davon hält."
Der Akîb kam mit schnellen Schritten näher. Einer der Stadtbüttel hat ihm berichtet, dass ein Fremder für Aufruhr sorgt und harsche Worte gegen die Eminenz, den Kanzler und den verstorbenen Neset verloren hatte. Entsetzt hörte er die letzten Worte des Predigers und verlangsamte seine Schritte. Er näherte sich weiter der Versammlungshalle und lauschte den Worten des Predigers.
"Höre Volk des Herrn, ich verkünde Seinen Wille. Seid ihr das Volk des Herrn?"
Einige wenige antworteten eine zaghafte Zustimmung.
"Ich höre Euch nicht. Schämt ihr euch etwa der Tatsche, Kemi zu sein? Das Volk, das der Herr sich vor Urzeiten auswählte?"
"Nein!", erschallte es aus vielen Kehlen gleichzeitig.
"Seid ihr bereit, Seinem Befehl zu folgen, das Schwert zu erheben und seinen Richtspruch zu vollstrecken? Seid ihr bereit oder seid ihr zu feige dazu? Zu feige den wahren Glauben zu leben?"
"Genug!" Der Akîb ni Rekáchet drängt sich durch die Menge und schritt auf den Wanderer zu. "Ihr habt genug der falschen Worte in die Herzen der gläubigen Räblein gesät und sie aufgewühlt. Zu viel schon habt ihr gegen die rechtmäßigen Autoritäten des Reiches und der Kirche gewettert. Verschwindet aus meinem Lehen."
"Seht das Halbblut, welches mit den Chesti unter einer Ecke steckt. Seht den scheinheiligen Propheten, der euch vom wahren Glauben abbringen will. Seht das Mahnmal des dünner werdenden Blutes unseres Volkes."
Bruder Borian Al'chazar wand sich der Tempelvorsteherin zu: "Sollen wir eingreifen, Ehrwürden?"
"Nein, lasst ihn vorerst gewähren."
Mira Tem'kat neigte den Kopf ihrer Mutter zu. "Mutter, denkst du nicht, dass wir einschreiten sollten?"
"Warum denn meine Tochter? Der gute Akîb regelt das doch."
"Siehst du nicht, dass das Volk bereits unruhig ist? Wenn wir jetzt nichts tun, wird die Situation eskalieren."
"Schweig, Tochter. Dies hier ist nicht dein Kampf."
Auch der Akîb bemerkte, dass die Bevölkerung beunruhigt war. "Es reicht nun, schert euch davon oder ich werde die Stadtbüttel anweisen euch zu verhaften."
"Seht es, seht, die falsche Schlage enthüllt seine wahre Verkommenheit. Seht, was er vorhat. Einen Priester des Herren will er in Ketten legen lassen. So war es schon einmal unter der Besatzung der Brabaker und Al'Anfaner. Priester wurden in Ketten gelegt, entführt und getötet. Soll es noch einmal so weit kommen? Ich sage NEIN. Zeigt ihm, was ihr davon haltet. Zeigt ihm, dass das Volk des Herrn sich nicht weiter unterdrücken lässt!"
Das war es. Diese Worte waren der Tropfen auf dem heißen Stein, der die Situation explodieren ließ. Noch während sich die Stadtbüttel nun von allen Seiten bedrängt durch die Menge kämpften, verschwand der Akîb zwischen der aufgebrachten Menge.
"Der Herr ist der Richter, der Herr ist der Rächer. Er erwählte sich sein Volk vor langer Zeit und nun führt er es aus der Knechtschaft der Chesti wieder in das reine und gelobte Land des Raben." Immer lauter schrie die Stimme des Propheten über die tosende Menge und überschlug sich dabei fast.
"Mutter, greife ein oder ich tue es." Die Tochter der Matriachin wurde langsam lauter. Ein kalter Blick war die einzige Antwort, die sie erhielt. "Nun denn, Mutter, dann werde ich alleine helfen." Mit diesen Worten wendete sie sich an die Ritter: "Folgt mir zum Akîb." Dann, ohne zu warten, ob sich etwas tat, rannte sie los.
Hinter sich hörte sie ihre Mutter rufen: "Nein, komm zurück. Brüder und Schwestern, folgt mir. Helfen wir ihr und dem Bruder Akîb."
Mit diesen Worten setzten sich Ordensbrüder und -schwestern in Bewegung, um zusammen mit den Stadtbütteln dem Akîb zu Hilfe zu eilen und für Ruhe zu sorgen. Nach kurzer Zeit schon erreichten sie den am Boden liegenden Akîb und unter dem Schutz der Ritter wurde er, gestützt von Mutter und Tochter Tem'kat, in den Tempel gebracht, wo man sich um seine Wunden kümmerte, während vor den Tempeltoren der Orden und die Büttel die Menge zerstreuten. Vom Wanderprediger, der das ganze erst verursacht hat, fehlte allerdings jede Spur.
Am Abend traten der Akîb und die Tempelvorsteherin gemeinsam vor den Tempel, wo bereits die Bevölkerung zusammengerufen war. Der Akîb wartet kurz, bis die Menge ruhiger wurde, bevor er zu sprechen anfing. "Volk von Mohema, Volk des Herren. Ihr wisst, warum wir uns hier alle versammelt haben. Wir leben in schwierigen Zeiten. Ein jeder von uns ist angespannt und viele mögen wohl auch unsicher sein, vielleicht gar ängstlich. Keiner von uns vermag zu wissen, was uns die nächsten Tage oder gar Wochen bringen mögen. Keiner, außer dem Herren Boron, dessen Volk wir sind und der seine schützende Hand über uns hält. In dieser Gewissheit brauchen wir nicht zu verzagen, doch sollten wir uns beWUSst sein, dass der Heilige Rabe uns hier zusammengeführt hat, auf dass wir eins sind unter seinem Augen. Vereint werden wir jeder Anfechtung der Widersacher begegnen, ohne zu straucheln. Doch sind wir vereint vor seinem Antlitz? Sind wir es? Hader und Zwietracht sind gerade heute in die Herzen vieler gesät worden und haben uns entzweit. Sind wir vereint? Sind wir es? Oder sind wir vielmehr zerstritten. Alleine oder kleine Grüppchen, die wie der Spreu vom Winde verweht werden wird. Ein Volk sollen wir sein. Ein Volk, vereint im Glauben an den Allmächtigen. Ich verstehe eure Ängste und Sorgen. Niemanden will ich Böses, ob der Taten, die er heute in seiner Verwirrung getan hat, aber so etwas darf nie wieder geschehen. Ein Volk wollen wir sein. Ein Volk, dass ihm dient in Herrlichkeit und Gerechtigkeit."
"Nein, so etwas soll wahrlich nicht mehr geschehen!", erklang die leise Stimme Mara Tem'kats. "Nie wieder will ich hier sehen, dass ein Räblein wider das andere die Hand erhebt. Und vor allem will ich nie wieder sehen oder hören, dass jemand wider den Akîb, welcher durch Borons Gnade eingesetzt wurde, diese Land zu verwalten, handelt." Bei diesen Worten ballte die Tempelvorsteherin unter ihrer Robe die Fäuste, schwer vielen ihr diese Worte, die ihr ihre Tochter abgepresst hatte. Danach dreht sie sich und verschwand mit dem Akîb wieder im Tempel.
(HOD, ANP)
Vom Wirken der Inquistion
Mohema und Neu-Sziram - Unter schlechten Vorzeichen war die Reise der Inqusitionsrätin Mer'feri Semátep und ihrer Begleiter gestartet, und selbige geriet zu einem gefährlichen Ritt, als wilde Stürme die Wege des östlichen Terkums in Schlammgruben verwandelten. In dem Örtchen Nedjes trafen die vier auf eine Gruppe Laguana-Ordenskrieger, die Kunde von einem Überfall der Rekas brachten. Zur Sicherheit schlossen sich zwei der Ordensitter der Gruppe unter Mer'feri an, die beiden anderen zogen weiter nach Merkem.
Die nun sechsköpfige Gruppe traf zwei Tage später in Mohema ein, wo sie sofort den örtlichen Tempel unter Mara Tem'kat aufsuchten. Nachdem einem Gespräch der Tempelherrin wurde selbige in einer einfachen Zeremonie zur außerordentlichen Inquisitorin ernannt und beschlossen, daß der Inquisitor Pe'ku'hep Zarish in Begleitung eines Laguanaritters sich zum Ort Neu-Sziram begeben würde, um Erkenntnisse über den greulichen Priestermord zu sammeln.
(JMA)
Dreister Überfall auf Ordenstruppen
Mohema - Alarmiert durch die Vorfälle der letzten Zeit, hat der Orden der Wächterinnen und Wächter des Kultes des Heiligen Raben zur Insel Laguana verstärkt die Gebiete um die Hauptstadt der Tà-Akîb Rekáchet patrouilliert.
Doch eben eine dieser Patrouillen, welche nach Norden vorstieß, wurde von Waldmenschen mindestens dreier verschiedener Stämme angegriffen und schwer dezimiert. Mutig kämpften die Ordenskrieger gegen die Übermacht der Wilden. Giftpfeile und Speere hagelten von allen Seiten auf sie ein, doch die Ritter wichen keinen Schritt zurück. Auch einen anschließenden Angriff wehrten sie ab, allerdings wurde einer der Brüder schwer verwundet. Ein weiterer konnte sich nunmehr kaum auf den Beinen halten, das Gift fing an zu wirken. Anderen wäre der Mut geschwunden und sie hätten ihr Heil in der Flucht gesucht, doch diese Männer waren Ordenskrieger, die ihr Leben dem Dienst am Herre Boron geweiht hatten. So trugen sie ihren verwundeten Kameraden und stützten ihren vergifteten Gefährten.
Mit diesem zusätzlichen Ballast zogen sie sich nun langsam zurück, begleitet von der ständigen, unsichtbaren Präsenz der Rekas und ihrer Verbündeten. Zwei weitere Angriffe sollten folgen, bevor die Reste der Patrouille mit zwei toten Mitbrüdern Mohema erreichte.
Als Reaktion auf diese Entwicklung haben sich Akîb Fiorenzo el'Corvo ni Rekáchet, Sah Alri'chnep Tem'k'at'nafe'phi ni Mohema und die Matriachin Mara Tem'kat als höchste Ordensvertreterin vor Ort dazu entschlossen, dass die verbleibenden Ordensritter und die Stadtbüttel nun tägliche Waffenübungen mit den Einwohnern abhalten und die Tore schwerer als sonst zu bewachen. Weiterhin schickte man vier Ritter nach Merkem, um dort dem Neset ni Terkum zu berichten und Komtur Hetep Mer'ká Tem'kat ni Ká'tem, sowie ihre Heilige Eminenz und die Oberkommandierende um Verstärkung zu bitten.
(HOD, ANP)
Ein letztes Geleit
Thergas/Neu-Sziram. Nur selten einmal herrscht helle Aufregung und hektische Betriebsamkeit oder ohrenbetäubendes Stimmengewirr innerhalb der Mauern der Komturei des Ordens vom Heiligen Laguan zu Thergas, denn neben den Unterkünften der wenigen Ordensritter ist hier noch ein Obdach untergebracht, in welchem man die Notleidenden und Armen pflegt, die in dieser borongefälligen Stille genesen und sich auf den Herrn besinnen. Doch binnen Augenblicken war es mit der beschaulichen Ruhe vorüber, als man die ungeheuerliche und nur allzu boronlästernde Kunde über die grausame Ermordung Seiner Gnaden Gorfin aus der wachtelfelser Siedlung Neu-Sziram der Komturin Shesib Mehyem'ká ni Thergas vortrug.
Ein gellendes "Was?" hatte die ehrwürdigen Säle und Kammern erfüllt und so manchen in seinem täglichen Tun einhalten lassen, war es doch höchst ungewöhnlich, die Komturin derart zu vernehmen. Es sollten nur wenige weitere Augenblicke vergehen, dann sah man den Boten durch die Komturei eilen, hier und dort kurz innehalten und Oder der Komturin gebend. Kaum das er dies erledigt hatte, erhielt er auch schon neue Weisung, versiegelte Botschaften zu überbringen und verschwand ohne Luft zu holen durch das Tor der Komturei in den Gassen von Thergas.
Der fünfte Teil einer Stunde war noch nicht herum, seit dem der Trubel in der Komturei seinen Anfang genommen hatte, da erschien die Komturin Shesib Mehyem'ká selber im Innenhof. Eiligst schnürte sie unbeholfen ein Bündel, in der anderen Hand hielt sie einen Stab und ihr schmales Krummschwert, erstmals wieder seit Ujak, wie die bereits versammelten Ordensritter bemerkten. Rasch waren die letzten Befehle erteilt, dann machte sich die kleine Gruppe auf den Weg gen Neu-Sziram. Vor dem Tor der traf die Schar auf Ihre Gnaden Alea Tem'kat, die Vorsteherin des Borontempels, die sich, ebenfalls unterrichtet über die Ereignisse in Neu-Sziram, der Komturin anschloss, während, so WUSste sie zu berichten, Akîb Câl'lest Ze'emkha ni Wachtelfels beschlossen hatte, zurückzubleiben und sich um das geistliche Wohl der Räblein von Thergas zu kümmern. So verließen die beiden Priesterinnen gemeinsam Thergas und zogen gen Neu-Sziram.
Spät am dritten Tag der Reise erreichten die beiden Priesterinnen schließlich Neu-Sziram, wo sie sich mit einem der Rahjageweihten aus Lofran berieten, der sogleich nach der schrecklichen Kunde nach Neu-Sziram geeilt war, um den Menschen so gut er es vermochte zu helfen. Danach begutachteten sie eilends den Leichnam des ermordeten Bruders Gorfin und den geschändeten Schrein des Götterfürsten. Im Angesicht dieses Entsetzen war es auch für Shesib Mehyem'ká und Alea Tem'kat ganz offensichtlich nicht einfach, sogleich den Gläubigen gegenüber Willensstärke und Zuversicht zu zeigen, nur ihr unerschütterliches Boronvertrauen ließ sie nicht weichen, hieß es ihnen doch dem Bösen die Stirne zu bieten und diese Räblein zu schützen. Und so machte man sich ans Werk. Die Ordensritter wurden angewiesen, den geschändeten Boronschrein und den Efferdtempel zu bewachen, niemand sollte sich in der Nähe dieser beiden Stätten aufhalten, geschweige denn sie gar betreten dürfen. Während Shesib Mehyem'ká anschließend dem Rahjageweihten dabei half sich um das Seelenheil der Dorfbewohner zu kümmern, ihnen Trost zuzusprechen und ihnen die Ängste zu nehmen, errichte Alea Tem'kat einen Altar des Götterfürsten, an dem die Sziramer gemeinsam ihre Gebete sprechen und Andachten abhalten konnten, bevor auch sie sich um die Nöte der Dorfbewohner kümmerte.
Auch am folgenden Tag sorgten sich die Priesterinnen um das Seelenheil der Dorfbewohner, besonders um jenes Ireshas, die den alten Priester gefunden hatte und seither besondere Aufmerksamkeit der Priesterinnen benötigte. Am späten Abend des gleichen Tages erreichte schließlich ein weiterer Priester Neu-Sziram, war doch Seine Gnaden Ashar Tis'har aus Jaldosh eingetroffen, der vormals in wechselnder Folge mit Bruder Gorfin die Andachten und Messen in Neu-Sziram abgehalten hatte und die Dorfbewohner daher bestens kannte. So waren nun vier Geweihte in Neu-Sziram anwesend und spendeten den Bewohnern Trost.
Am Abend des zweiten Tages nach der Ankunft der Priesterinnen aus Thergas erreichte schließlich auch ein Halbfähnlein der Schwarzen Armee aus Fort Westernheim unter Corporalin Neferiti das Dorf und half dem Orden bei der Sicherung desselben. Die folgenden Tage brachten die Geweihten weiterhin damit zu, den Bewohnern Neu-Szirams zuzusprechen und für sie da zu sein. Obwohl die wenigsten diese Geschehen jemals ganz vergessen werden, gingen sie mit den Tagen gestärkt an Boronvertrauen und Zuversicht aus den Gesprächen und den Borondiensten mit den Geweihten hervor, einige begannen gar wieder damit, ihr Tagwerk aufzunehmen.
So vergingen die Tage und obwohl es galt, für das Seelenheil der Sziramer zu sorgen und damit genug Aufgaben zu bewältigen waren, war nach einigen Tagen eine deutliche Anspannung unter den Geweihten zu spüren. Fast wäre es noch zum Streit darüber gekommen, den geschändeten Leichnam Bruder Gorfins nicht länger aufzubahren, sondern ihm ein würdevolles Grab zu bereiten und sodann den Bann über den Schrein aufzuheben, um das darin gefangene Böse zu tilgen und den Schrein wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zuzuführen. Letztlich traf man einen Kompromiss, noch zwei weitere Tage auf das Eintreffen der Inquisition zu warten, bevor man Bruder Gorfin beisetzen würde und somit alle Spuren für die Inquisition verloren wären. Noch bevor es dazu kommen sollte, erreichte der Inquisitor Pe'ku'hep Zarish in Begleitung zweier Ordensritter Neu-Sziram und begann mit seiner Untersuchung.
(SRI)
Priestermord und Tempelschändung!!!
Neu-Sziram - Es scheint so, als ob die Tà-Neset Terkum nicht zur Ruhe kommen mag. Schon trugen die Bemühungen von Orden und Adel die Bevölkerung zu beruhigen Früchte, erschüttert ein neuerliches Ereignis die Kirchenprovinz. Ein ungeheuerlicher Frevel hat sich in dem beschaulichen Örtchen Neu-Sziram in der Tà-Akîb Wachtelfels zugetragen. Doch was war genau geschehen?
... In der Morgendämmerung war Iresha Amre auf dem Weg zum Schrein des Götterfürsten, so wie sie es jeden Morgen tat. Dort wollte sie zusammen mit all den anderen gläubigen Räblein des Dorfes die Morgenmesse mit Ordensbruder Gorfin aus Lofran zelebrieren, der das Dorf wieder einmal besuchte. Sie freute sich schon auf die Andacht, es war ihr unverständlich, dass es hier in Seinem Land Menschen gab, die Seinen Ruf nicht vernahmen. Die täglichen Boronsdienste, die in Abwesenheit eines Priesters vom Ortsvorsteher Jacobo Corim in vereinfachter Form gehalten wurden, gemahnten sie immer an ihre Verpflichtungen, die es mit sich bringt, Teil des Boronsvolkes zu sein, dass Sein Land beschützt und kultiviert. Sie stärken den Glauben und bewahrten Herz und Sinne vor den Versuchungen und Anfeindungen der Widersacher. Wie immer würde sie die erste sein. Einen kurzen Augenblick erfüllte sie dieser Gedanken mit Stolz, denn es zeugt ja auch von einer tiefen Gläubigkeit in Vorfreude auf die Messen so früh zu erscheinen. Aber schon kurze Zeit später verflog dieses Gefühl und sie murmelte ein kurzes Gebet zum Herren, auf dass dieser Ihr in seiner Liebe diese kleinen Sünde vergeben mag, denn Stolz war ja schließlich auch eine der Sünden, welche die Widersacher in die Herzen der Rechtgläubigen sähen, damit diese straucheln und vom Glauben abfallen. So in Gedanken umrundete sie die Ecke der letzten Hütte, die sie noch vom Schrein trennte.
Ein gellender Schrei entfuhr ihrer Kehle. Dort vor dem Schrein lag der alte Priester ausgeweidet im eigenen Blut. Der Brustkorb des Greises war geöffnet, die Rippen standen in grotesker Weise vom Körper ab. Tränen rollten über die Wangen Ireshas und langsam sank sie in sich zusammen.
Alarmiert durch den Schrei liefen die restlichen Dörfler, die sich gerade fertig machten, um zu Messe zu gehen, zusammen. Entsetzen machte sich breit, als sie sahen was sich dort zugetragen hatte. Ein paar der Besonneneren holten sogleich ihre Waffen und nach und nach wurden es mehr. Die Kinder, Frauen und Alten brachte man in den Tempel des Boronssohnes Efferd, während die Bewaffnetet den Schrein umstellten und sich eine kleine Gruppe dann der Tür des Schreins näherten, wobei sie versuchten sie weit wie möglich um die Leiche des Priester herumzugehen. Im Inneren des Schreins bot sich ihnen ein grauenvoller Anblick. Der Schein der Kerzen, der sonst den Schrein in warmes Licht hüllte, war heute viel kälter und düsterer, ja vielmehr gab das Flackern der Kerzen dem Inneren ein gespenstisches Ambiente. Die Wandbilder und der Altar waren über und über mit Schriftzeichen aus Blut beschmiert. Um den Altar waren die Gedärme des Priesters sorgsam aufdrapiert worden. Die einstmals fein geschnitzte Holzstatue des Heiligen Laguana, die man erst vor kurzer Zeit durch Spenden in Lofran erworben hatte, kniete nun in verzerrter Weise auf dem Altar vor dem Bildnis des Höchsten. Statt Sichelschwert und Ordensbrevier in den Händen zu halten, schien es so, als wolle er IHM das Herz des toten Priesters darbieten. Erschreckt wichen die Neu-Sziramer zurück und verließen fluchtartig den Tempel.
Was solle man nun tun? Einen solchen Vorfall hatte es schließlich noch nie gegeben. Doch aus unerwarteter Richtung sollte zumindest für den Moment Hilfe kommen. Seine Gnaden Redan Sakem offenbarte sich als Geweihter des Boronssohnes Firun, dem Herren der Jagd und des Nordens, ein Umstand, über den man zwar schon seit langen munkelt, aber so wirklich hatte es bisher noch keiner geglaubt, dass der verschlossene Jäger wirklich einer der wenigen Priester des Großen Jägers ist. Mit sicheren Schritten stellte er sich vor den Schrein und befahl den Dörflern im Efferd-Tempel zu beten. Der Heilkundige Vibor Thuren solle sich derweil um Bruder Gorfin kümmern . Er soll ihn in einer Scheuer darauf vorbereiten, dass man ihn aufbahren kann, bis ein Boroni ihn mit den ihm zustehenden Ehren und Riten bestatten kann und hernach einen Boten nach Merkem zur Inquisitorin schicken. Er selbst werde über den Schrein einen Bannfluch legen, damit das Böse in seinem Inneren gefangen wird, bis die Diener des Heiligen Raben es endgültig Bannen können. Danach werde er die Fährte der Frevler aufnehmen und sie zur Strecke bringen. Nach kurzer Beratung mit dem Dorfvorsteher entschied man sich außerdem, dass man sofort Boten nach Fort Westernheim zur Armee, nach Lofran zu den Rhajadienern und nach Thergas zum Orden und zum Akîb schicken sollte, denn hier konnte die einfachen Leute wohl nichts mehr machen. Außerdem werde man Wachen aufstellen, damit es keine weiteren Vorfälle gibt.
Sofort taten die Angesprochenen wie ihnen geheißen wurde. Man kümmerte sich um den Priester und betete für aller Seelenheil zum Herre Boron, als ein kurzer Frosthauch über das Dorf wehte. Als man sich daraufhin dem Schrein näherte, war der Jäger bereits verschwunden und hatte die Fährte zu seiner Beute aufgenommen. Man sollte ihn für lange Zeit nicht mehr sehen. Einzig zwölf mit Raureif überzogen Pfeile aus schwarzem Ebenholz mit Rabenfedern befiedert, die in regelmäßigen Abständen tief im Boden um den Tempel steckten, fand man.
(HOD, ANP)
Inquisition bricht nach Rekáchet auf
Merkem - Heftige Reaktionen löten die Ereignisse in Rekáchet und Wachtelfels auch bei der terkumer Inquisition in Merkem aus. Nach dem Eintreffen der beunruhigen Nachrichten aus Mohema versammelten sich die Inquisitoren sofort zu einer Besprechung. Ungewöhnlich laute Stimmen hallten aus dem schwarzen Gebäude, es wurde wohl ein Disput geführt darüber was diese Ereignisse denn zu bedeuten hatten. Später dann verließ die terkumer Inquisitionsrätin Mer'feri Sematep das Gebäude, ihr Gesicht war wie versteinert. Ihr Ziel blieb unbekannt, doch schon am nächsten Morgen brach sie in Begleitung eines ordentlichen Inquisitors und zweier Ordensritter der Komturei Ká'tem in Richtung Rekáchet auf.
(JMA)
Ordensbote verschwindet spurlos
Abermals herrschte für einige Tage Unruhe unter den Einwohnern von Thergas, welche durch ein Gerücht ausgelöst wurde.
So wurde gemunkelt, dass ein Bote der Komturin Shesib Mehyem'ká auf dem Weg gen Merkem zu Tode kam. Nicht lange dauerte es und schon wollte man wissen, dass unheilige Zauberei Schuld an diesem Übel sei. Da weder aus der Komturei, noch aus dem Haus des Götterfürsten weitere Kunde drang, noch diese Gerüchte bestätigt oder dementiert wurden, WUSste man bald vom Hörensagen, dass es sich nicht nur um einen einfachen Boten handelte, sondern das ein Ordensstreiter vor den Herrn Boron getreten wäre.
Angesichts der nicht enden wollenden Gerüchte und der damit verbundenen Verwirrung, ließ die Komturin alsbald in Thergas verlauten, dass weder einer der Ordensstreiter oder -streiterinnen zu Tode gekommen sei, noch das ein Bote durch ketzerische Hexerei sein Leben verloren hätte. Allmählich kehrte daraufhin wieder Ruhe in Thergas ein, gab es doch offensichtlich keinen Grund zur Sorge.
(SRI)
Neue Sahet für Thergas
Wenige Tage nach den besorgniserregenden Ereignissen in der Tá'akîb Rekáchet, deren Auswirkungen gar bis auf wachtelfelser Boden reichten, gab ein Schreiber des Akîbs ni Wachtelfels, Câl'lest Ze'emkha, bekannt, dass Shesib Mehyem'ká, die Komturin Brabaccios am heutigen Tage zur Sahet ni Thergas ernannt wurde.
Aus dem Umfeld des Akîbs war zu vernehmen, dass diese Entscheidung auf die jüngsten Ereignisse zurückzuführen sei. Ihre weitere Begründung sei darin zu finden, dass sich Akîb Câl'lest eine Person seines Vertrauens für Thergas wünschte, die ehrenhaft und befähigt genug wäre, ihn im Falle seiner Abwesenheit zu vertreten und ein borongefälliges und wachsames Auge auf die Siedlung haben würde. Dass mit dieser Ernennung auch die Position des Ordens in Wachtelfels weiter gestärkt wird, dürft wohl auch ein nicht zu verachtendes Argument für die Ernennung der Komturin sein.
(HOD)
Erneuter Kriegszug der Rekas?
Erneut gibt es Grund zur Besorgnis in der terkumer Tá'akîb Rekáchet. Immer öfter ist das dumpfe Schlagen der Reka-Trommel zu hören und die Krieger der Rekas scheinen sich in den gen Firun gelegenen Gebieten zu sammeln. Auch gibt es Berichte von Kriegern anderer Stämme, die man gesichtet haben will.
Am Handelspunkt, den man gemeinsam mit dem Handelshaus Terkum und der Tá'akîbet Rekmehi errichtet hatte, werden die Besuche der Waldmenschen seltener und die Rekas, die in letzter Zeit kamen, waren eher die älteren und sie sprachen hinter vorgehaltener Hand, dass ein böser Geist durch die Hand der Blassen befreit nun nach Blut lechzt, und, dass die jungen Krieger dafür nach Rache dürsten.
Die Akîbs von Rekáchet, Wachtelfels und Rekmehi sowie die Komture von Brabaccio und Ka'tem zeigen sich angesichts solcher Berichte besorgt und so entschloss man sich in Mohema zusammen mit dem Neset zu beraten, wie man den neuen Entwicklungen begegnen soll.
(HOD,ANP)
Mysteriöse Ereignisse in Rekáchet!
Es gerade war die heiligsten Stunde der Nacht angebrochen, also die Stunde, die eigentlich dem Herre Boron geweiht ist, namentlich die 1. Tepy-Stunde. Die Türen des Tempels waren weit geöffnet und aus dem Weihrauchgefäß, das Mira Tem´kat in Händen hielt, stieg Rauch gen Alveran. Mara Tem'kat und ihre jüngste Tochter, ebenso wie die hier stationierten Ritterinnen und Ritter des Ordens der Wächterinnen und Wächter des Kultes des Hl. Raben zur Insel Laguana, hatten sich hier eingefunden, um, wie es die Ordensregeln besagen, zu dieser Stunde eine Andacht zu Ehren des Höchsten abzuhalten. Gerade wollte die Gruppen schweigend das Haus des Göttergottes betreten, als über ihnen am Himmel ein unirdisches, gleißendes, goldfarbenes Licht erschien, dass die gesamte Nacht mehrere Minuten lang taghell erleuchtete und die Herzen aller, die es wahrnahmen, unangenehm berührte.
Dessen unbeeindruckt stimmte die Tempelvorsteherin den Choral des Heiligen Laguan an, in den die restlichen versammelten Ordensbrüder und -schwestern einstimmten. Derart gestärkt betrat man die Tempelhalle und die Priesterin hielt im Inneren des Tempel eine verkürzte Andacht. Als das Licht wieder der Dunkelheit der Nacht gewichen war, zogen unter lautem Donnern schwere Wolken auf, die bis zum Morgen hin das Land Rekáchet sowie die Grenzgebiete von Wachtelfels, Rekmehi und Djuimen, mit Schneefall überzogen. Bestürzung machte sich auf den Straßen Mohemas breit und man versammelte sich auf dem großen Platz vor dem alten Tempel. Der Akîb Fiorenzo el'Corvo ni Rekáchet eilte durch die Menschenmasse, die sich unter Schreien und Klagen dort eingefunden hatte, zum Familientempel der Tem'kat und erklomm mit zwei großen Schritten die Stufen. Dort verweilte er einen kurzen Augenblick und blickte besorgt nach oben, bevor er mit lauter Stimme das Wort an seine Untertanen richtete: "Der Herr Boron ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben. Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich Dere unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken, wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen." Mit ernster Miene schaute der Akîb über die stiller werdende Menge. "Wollen wir hier vor dem Herren stehen und wie die Klageweiber uns die Haare raufen und weinen? Oder wollen wir hier aufrecht vor Boron stehen, fest im Glauben und im Vertrauen auf die Liebe des Herrn?"
Er riß sich das Rabenamulett vom Halse und zeigte es in Richtung seiner Landsleute, während die andere Hand nach oben deutete. "Nun, was bewegt euer Herz und Sinn wirklich? Dieses hier, das Symbol unseres Glaubens, die Stärke unseres Landes, das er uns allen, ja, uns allen vor Jahrtausenden durch den Heiligen Kacha anvertraut hat oder dieses Phänomen, das die bitter Saat des Zweifels in die Herzen der Schwachen sät?" Ob dieser Rede herrschte erst einmal einige Momente Stille auf dem Platz, bevor die Versammelten in Hochrufe und Lobgesänge ausbrachen. In diesem Augenblick öffneten sich die Pforten des Tempels und die Ordensleute marschierten heraus. Akîb und Tempelvorsteherin wechselten einen kurzen Blick und erhoben dann im stillen Einvernehmen gemeinschaftlich die Stimme zum Hochgesang Borons, während hinter ihnen im Inneren des Tempels der große Tempelgong erklang:
"Großer Boron wir loben dich. Herr wir preisen deine Stärke, vor dir neigt ganz Dere sich und bewundert deine Werke. Wie du warst vor aller Zeit, jetzt und auch in Ewigkeit.
Alles was dich loben kann, dein Volk der Kemi und Alveraniare, stimmen deinen Lobpreis an, Junge und Alte durch Zeiten, durch Jahre, wie Du warst vor aller Zeit, so bist Du in Ewigkeit."
Als die letzten Worte des Liedes in der Nacht verklungen waren, erhob die Matriachin der Familie Tem'kat ihre Stimme, die mehr einem Flüstern glich und trotzdem jeden der hier versammelten Gläubigen erreichte: "Schwestern und Brüder im Glauben an den Heiligen Raben, wir leben in schweren Zeiten. Die Tage der letzten Schlacht stehen bevor. Das Wort des Herrn ist unser Schwert, das wir gürten müssen, und unsere Glaube steht als undurchdringlicher Schild vor uns. Derart gerüstet kann nichts und niemand gegen uns bestehen. Wer sollte gegen uns sein, wenn Boron, der Allmächtige Herr auf höchstem Throne Alverans, mit uns ist? Viel zu lange wurde die wahre Stärke unseres Volkes und des Heiligen Landes in vielen Teilen des Kahets unterdrückt und behindert. Viel zu oft wurde das Wort des Herrn, dieses Wort, das uns ins Leben berufen hat und uns dereinst ein die Seite des Herrn bringen wird, dieses Wort, das Gerechtigkeit und Stärke verhieß, dieses Wort, das von den Lippen des Höchsten selbst kommt, selbst hier im Kahet ni Kemi, SEINEM Land, von Ketzern und Irrgläubigen, die sich hier ob unseres eigenen Zögerns und Zagens wie ein Geschwür verbreitet haben, behindert, verschwiegen und belächelt. Wir müssen handeln, nicht länger können wir verschweigen was hier vorgeht. Das Auge des Herren blickt auf uns herab. Was wird es sehen? Wird es einen Haufen von Lügnern und Zweiflern sehen? Oder wird es voller Wohlwollen auf sein Volk blicken, das Volk, das er über alle anderen Völker erhoben hat, indem er ihm die Erlösung des wahren und gerechten Glaubens brachte. Das Volk, das er lange vor unseren Tagen schon berufen hat, sein Land zu bewachen und zu bestellen. Ein Volk, das fest im Glauben und stolz auf seinen Traditionen und seine Geschichte ist. Was wird sein Auge sehen?... Bis zum Morgen werden die Tempeltore weit geöffnet bleiben und der Tempelgong wird weiter geschlagen werden, um einen jeden von euch zu mahnen. Ein jeder von euch soll vor dem Standbild des Heiligen Raben in seinen Heiligen Hallen die Knie beugen und um Gnade bitte. Denn wisset, die, welche voller Sünde vor den Herren treten und aufrichtig bereuen, werde die süße Gnade seiner Vergebung erfahren, die Frevler aber werden vergehen."
Die letzten Worte klangen noch in die Stille der Nacht, als Mara Tem'kat und Fiorenzo el'Corvo gemeinsam den Tempel betraten. In dieser Nacht kam das Dorf nicht zur Ruhe. Allen Ortens hörte man Gesänge zum Herren und das Peitschenknallen von Geißlergruppen. In den Mauern des Tempels wurden stündlich Messen gelesen und zwischen den Borondiensten nahm man durch die gesamte Nacht hinweg die Beichte ab und erwies dem Standbild des Götterfürsten die Ehre. Die Stadtwachen und Ordenstruppen hingegen hatten die ganze Nacht hinweg schwer damit zu tun, die ohnehin schon fanatische Bevölkerung Mohemas, die durch die Worte der Priesterin noch mehr aufgeheizt war, unter Kontrolle zu halten, so dass es bis zum Morgen, als die dicke Wolkendecke aufriß und genauso schnell verschwand, wie sie gekommen war, leider auch einige Verletzte zu beklagen gab.
(HDI,ANP)
Bevölkerung von Wachtelfels beunruhigt
Thergas - Mit Beunruhigung und Sorge betrachtete man in Wachtelfels das mysteriöse Glühen am mitternächtlichen Himmel über Rekáchet. Auch die Kunde von den geheimnisvollen Wetterphänomen führte wahrlich nicht zu einer Besserung der Situation. Akîb Câl'lest Ze'emkha ni Wachtelfels, Tempelvorsteherin Alea Tem´kat und Komturin Shesib Mehyem'ká ni Brabaccio berieten sich in Thergas noch in der gleichen Nacht, wie man am besten vorgehen sollte und hielten dann eine gemeinsame Messe zu Ehren des Höchsten. Die Komturin entsandt am nächsten Morgen je zwei Ordensritter nach Neu-Sziram und nach Lofran.
In Lofran selbst wurde am nächsten Morgen von seiner Gnaden Rianos Nim'ruan eine Messe zu Ehren der lieblichen Boronstochter Rahja und ihres Göttervaters gehalten, während in Neu-Sziram Bruder Gorfin das Wort des Herren verkündete. Nun versucht man allerorten den sich schnell verbreitenden Gerüchten und Spekulationen Herr zu werden, was mit Hilfe der Ordensbrüder und -schwestern auch zu gelingen scheint.
(HDI)