Neuigkeiten aus der Provinz Djerres

Gerechte Rache

Vor drei Tagen war Leyla aus der Obhut des Medicus entlassen worden. Genesen war sie trotzdem nicht, zu tief war das perfide Gift in ihren Körper eingedrungen und richtete weiterhin Schaden an. Die kommende Reise nach Brabak, so hofften alle, würde die Schleier der Angst endgültig vertreiben. In der Stadt am Kap, so hofften alle, würde der brillante Doctore Durracido eine Heilung finden. Schwer würde die Überfahrt für Leyla werden, die gerade erst wieder zu Laufen vermochte. Ishîla richtete ein Stoßgebet zum Götterfürsten, als sie an ihre Schwester dachte. Es war ihr nicht vergönnt, bei der Abfahrt dabei zu sein. Nein, sie war in diesem Moment in Fort Pennaît, wo die Garde einen Komplizen der Attentäterin Selizeth festgesetzt hatte. Ihn seiner gerechten Strafe zuzuführen, dafür würde sie selbst sorgen.
"Sprich, du Hund, wenn dir ein schneller Tod liebt ist. Wer war der Zwischenhändler?"
Wimmernd antwortete ihr die Stimme des großgewachsenen Mannes, der kraftlos vor ihr im Staub lag. "Zum hundertsten Mal, ich weiß es nicht. Er war verhüllt, ich konnte ihn nicht erkennen".
"Das soll ich dir glauben? Dreckiges Schmugglerpack. Denkst du, dass dir dein Schweigen noch was bringt? Deine Kontakte werden dich nicht umbringen, nicht bevor ich es tue." Ein harter Tritt in die Magengrube unterstricht ihre Worte. "Wachen, zum Krokodilsweiher." Der Mann wimmerte nochmals, als er von den Gardisten über den Boden geschleppt wurde.
Lange hielt er nicht durch. Eine Sanduhr später hatte Ishîla die Antworten, die sie suchte. Der Mann war auch nur ein Zwischenhändler für das Gift gewesen, dass er in Port Honak von einem Offizier der Schwarzen Armada abgeholt hatte. Tarimo Belaquarte, der Name war ihr wenig bekannt, aber das würde sich ändern. Wundern tat es sie nicht, dass Al'Anfa an dem Anschlag beteiligt war. Eher schon, dass sie selbst eine Person wie Selizeth auf ihre Seite hatten ziehen können. Doch war dies nicht wichtig. Sie würden für ihre Taten bezahlen, darum ging es nun.
(JMA)

Rückkehr einer Expedition

Es war ein wundervoller Tag in Plâne. Die Sonne beschien sanft das Land, leicht verdeckt durch eindrucksvolle Wolkenformationen, ein leichter Wind sorgte für Abkühlung und trug den Geruch erblühender Gärten durch die Straßen. Ein feiner Nieselregen ging über den Lupala-Bergen nieder, deren mächtigste Gipfel im Nebel hingen. Die Natur zeigte sich an diesem 23.Tag des Freien Efferdmondes im Jahre 32 nach der Dunkelheit von ihrer schönsten Seite.
Auf dem Aranienplatz, dem Mittelpunkt im Leben der djerrer Hauptstadt, war eine große Menschenmenge versammelt. Es galt, die mutigen Kundschafter und Gelehrten des Akîbetlichen Expeditionskorps zu ehren, die nach über einem Götterlauf in den tiefen Dschungeln und Bergen der Insel zurückgekehrt waren. Ein großer Glückmoment war es für die Akîbet gewesen, glaubte doch kaum mehr einer daran, dass sie eine so lange Zeit hätten überleben können. So gab es für die leichtlebigen Plâner an diesem Tag eine Gelegenheit, erneut die Gunst der Götter zu feiern, die ihre Hand schützend über die Insel hielten.
Die Honorationen der Inseln waren versammelt, um die Rückgekehrten zu ehren. Neben Leyla Al'Plâne der Jüngeren sah man ihre ältere Schwester Ishîla, Hátyat von Djerres, ihre beider Mutter Marjin neben der ehrwürdigen Matriarchin Leyla, den gelehrten Bert Al'Plâne und Vertreter der Kirchen Borons, einige Gelehrte, die eigens aus Khefu angereist waren. Eine erlauchte Gesellschaft zweifellos.
Vor dem schmucken Verwaltungssitz der Akîbet waren sie versammelt, wo sie nun jedem der Expeditionsteilnehmer Lob aussprachen. Der Hesindegeweihte Cordan Lafanti nahm die Worte mit einer tiefen Verbeugung entgegen. Seine Bewegungen zeugten von Anmut und Geschick, wie nur das Leben im gefahrvollen Regenwald sie einem lehren können. Auch die anderen Teilnehmer schienen gestärkt statt ausgezehrt trotz der langen Isolation von der Zivilisation.
Schließlich kam der Moment der Übergabe. Leyla schritt nach vorne, um die Aufzeichnungen des Expeditionskorps durch Selizeth ay Ankrabad, deren Anführerin, überreicht zu bekommen. Welches Wissen mochte wohl auf den schweren Blätter zusammengetragen worden sein?
"Euch gilt dieser Tag. Ihr habt unglaubliche Gefahren überstanden, um im Sinne der Herren Boron und Hesinde das Wissen des Káhet zu mehren. Im Namen aller Anwesenden danke ich euch für eure selbstlose Taten."
Selizeth lächelte. "Ihr braucht mir nicht danken." Sie warf die Aufzeichnungen zur Seite, in ihrer Hand kam ein Dolch zum Vorschein. Noch bevor Leyla reagieren konnte war die Klinge in ihrem Bauch. Ihr wurde dunkel vor den Augen.

Nach dem Attentat

PLÂNE, FRE 32 S.G. Unfassbar, was sich am 23. Efferd in Plâne zutrug: die Akîbet Leyla Al'Plâne d.J. wurde während einer öffentlichen Zeremonie Opfer eines grausamen Anschlages, ausgeführt durch eine ehrbare Bürgerin Chásets, Selizeth ay Ankrabad, die mit ihren Mannen und Frauen von einer Expedition ins Innere der Insel zurückgekehrt war. Das Bild des Dolchstiches hat sich in aller Zuschauer Gedächtnis gebrannt, und doch scheint es weiterhin wie ein böser Traum. Im allgemeinen Aufschrei konnte die Attentäterin vor den Augen aller Würdeträger und der halben Einwohnerschaft der Stadt entfliehen, während Leyla blutüberströmt zu Boden ging. Entsetzen lähmte alle Anwesenden, es dauerte quälend lange Augenblicke, bis ein Priester der Peraine zu der Verwundeten vordrang und mit Gebeten versuchte, dem Wirken des vordringende Gifts Einhalt zu gebieten.
Um allen Gerüchten entgegenzutreten, sei hier soviel gesagt: Boron nahm die Akîbet Leyla nicht zu sich, sie hat den vergifteten Dolch der Verräterin überlebt; befindet sich aber weiterhin in stummen Schlaf der BeWUSstlosigkeit. Die Familie Al'Plâne wacht Tag und Nacht an ihrem Bett in tiefer Trauer und stiller Hoffnung. Zu einer öffentlichen Stellungnahme ist es noch nicht gekommen, doch was soll man auch verkünden? In Worte zu fassen ist das Geschehene nur schwer, die Person der Selizeth ay Ankrabad dürfte in Augen der Al'Plâne weder Würde noch Leben besitzen. Was aber bewegte sie zu dieser schadhaften Tat? Vielleicht nur um eine Antwort darauf zu finden wurde sie nicht sofort für vogelfrei erklärt.
Auf dem Aranienplatz und im Tempel des Herren Boron versammelten sich die letzten Tage über viele Menschen, um für die Genesung ihrer Akîbet zu beten. Wenn man in die Gesichter der Plâner schaut, so liest man tiefe Sorge um die beliebte Inselherrin, die mit einer Mischung aus verschlossener Melancholie und offener Lebenslust trotz manch zu übermütiger Schritte in der Politik die Sympathien ihrer Untertanen gewinnen konnte. Der Trubel ist aus den Straßen gewichen, Gespräche ersticken sich in Unverständnis über die abscheuliche Tat, die dem Inselidyll ein Ende bereitete. Die unbeschwerten Tage sind vorüber.
(JMA)

Wer ist der Schwarze Pirat?

CHÁSET. Die Küstendörfer Mechet und Sendjemo waren in diesem Jahr Opfer zügelloser Piratenwut geworden, woraufhin Hátyat Ishîla Al'Plâne einen drastischen Schritt wagte und den ersten Kaperbrief der Südmeerprovinz ausstellte. Daraufhin kam es in der Tat zu keinen weiteren Überfällen auf cháseter Dörfer, vier Monde sind vorübergegangen, ohne dass Piratensegel am Horizont für Schrecken sorgten.
Nun geht aber die Frage um: wer ist es, den die Hátyat zum ,Freibeuter der Inseln' erkürte? Von Seite der Provinzverwaltung gab es dazu kein Wort, da es sich in diesem Falle um eine Abmachung handele, die niemanden in der Öffentlichkeit etwas angehe. Kein Kapitän, kein Schiff, kein Heimathafen wurde bisher bekanntgegeben, so dass sich der Inselklatsch in neue Höhen aufschwang und dutzende von Namen fielen. Bald kamen Gerüchte auf von einem ganz in schwarz gekleideten, hochgewachsenen Mann, der mehrere Male in Plâne gesichtet worden sei, sowohl auf einer wendigen Karavelle wie auch beim Betreten des Hauses der Hátyat! Dieser ,Schwarze Pirat' ist es, so sind sich viele inzwischen sicher, der nun im Namen des Káhet für Ordnung im Südmeer sorgt. Wer sich aber hinter diesem Namen verbirgt weiß niemand zu sagen. Nichtsdestotrotz kursieren bereits die ersten Geschichten von allerlei Gefahren, die der Schwarze Pirat schon gemeistert hat.
So bleibt die Frage, ob diese Person überhaupt existiert und um wen es sich dabei handelt vorerst der Phantasie des Lesers zur Beantwortung überlassen.
(JMA)

Mes'monthu brennt!

Schlimme Neuigkeiten erreichen uns aus dem Süden Mekábtás. Beinahe zwei Götterläufe ist es her, dass sich Mahmut ben Abdallah, der Akib der Inselprovinz, und Kal'Tan, der Mehib ni Neu-Prem, auf ein Abkommen geeinigt haben, das zu einer Aussöhnung zwischen der Boronkirche und den nach offizieller Diktion ausschließlich Rastullah-gläubigen Mekábtis führen sollte. Damals wurde auf dem Prunkschiff "Iskra" des Repas Torben Jandarason die Streitigkeit beigelegt, die seit dem Kleinen Konvent des Jahres 28 düstere Gewitterwolken über Aaresy aufgetürmt hatte. Während die Boronkirche ihrerseits das nisutliche Toleranzedikt bekräftigte, öffnete Akib Mahmut seine Provinz der Besiedlung durch Anhänger des kem'schen Boronglaubens. Manifestes Ergebnis dieser Bemühungen war die Siedlung Mes'monthu, die auf mekábtischen Gebiet entstand und bald etwa 50 ehemaligen Festlandsbewohnern Schutz vor den Gefahren des Dschungels bot.
Doch nun scheint sich der Sturm, der einst in Re'cha besänftigt wurde, erneut gegen die Küste der Waldinseln zu werfen. Wie über das benachbarte Morek nach außen drang, wurde die Enklave jüngst von einem schweren Schicksalsschlag heimgesucht. Berichten zufolge hat ein Feuer große Teile des Weilers zerstört - jede zweite Familie hat einen Toten zu betrauern. Insgesamt mögen wohl sieben oder acht fromme Menschen in der Katastrophe umgekommen sein. Die Ursache des Brandes ist noch völlig unklar.
Was aber ebenso erschüttern muss, ist die Reaktion der novadischen Bevölkerung in Yachi, der Hauptstadt Mekábtás. Gerüchte besagen, dass die Wüstensöhne wilde Freudentänze aufführten, als sie vom Verderben Mes'monthus erfuhren. Einige sollen gar die Arbeit niedergelegt und den Tag zu einem sechsten Rastullahellah (novadischer Feiertag, Anm. der Redaktion) erklärt haben - glaubten sie doch fest, dass ihr Gott für die Tragödie verantwortlich war. Eine offizielle Erklärung Mahmut ben Abdallahs steht noch aus. Der Akib hat sich seit Monaten nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Schon lange wurde gemutmaßt, dass der Wüstensohn mit seiner auf der Iskra getroffenen Entscheidung unglücklich sei. Ob ben Abdallah durch sein Schweigen gar klammheimlich Freude über das Unglück Mes'monthus bekunden will, wagt der Verfasser dieser Zeiten jedoch nicht zu beurteilen.
(MIK)

Zwischen Piraten und Plantagen - die Zukunft der Überseeprovinz

Verdächtige Ruhe hat sich der Südmeerprovinz bemächtigt, so scheint es zumindest im Juwel unseres Reiches, Khefu, der Hoffnungsvollen. Doch was geschieht dort, wo das Banner der Nisut hochgehalten wird von wagemutigen Siedler, verwegenen Piraten und stillen Priestern, fernab des Festlandes?
Im Freien Monde des Praios dieses Jahres 31 S.G. sah man den Neset ni Djerres, Angil Phexhilf von Aralzin-Estrimanza, seine Habseligkeiten packen. Es war ein kurzer Abschied von Cháset, der sonst so überschwängliche Horasier verzichtete auf größere Festlichkeiten zu Ende seiner Zeit im Káhet. Eine Ära ging in diesem Monde zuende, nicht nur an der Spitze unseres Reiches, sondern auch in den Provinzen. Wohin es Angil treibt, bleibt abzuwarten. Das Kapitel ‚Provinzgouverneur' ist für ihn jedenfalls abgeschlossen, vielleicht sucht er sich fortan Abwechslung am Hofe zu Vinsalt.
Im Freien Monde der Rondra zog es die Seret-Neset Ishîla Al'Plâne ni Djerres nach Khefu - zurück nach Cháset kehrte sie zwei Monde darauf als frischgekürte Hátyat! In der Zwischenzeit hatte der illustre Quotos von Ghurenia die Insel mit seinem Besuch geehrt. Dabei soll es zu ‚vielversprechenden' Verhandlungen mit der Akîbet Leyla Al'Plâne gekommen sein. Weniger erfreuliches gab es in diesem Mond aus Mechet zu berichten, wurde der kleine Ort doch Opfer ungezügelter Piratenwut, der mehrere Menschen zum Opfer fielen.
Im Freien Monde der Travia stach die Keku Sevi in See, als weitere Freibeuterschiffe am Horizont aufkreuzten. Die Piraten entkamen jedoch, zurück ließen sie einzig die aufgebrachten Seekrieger unserer Flotte, die sie nicht einzuholen vermocht hatten.
Im Freien Mond des Götterfürsten Boron kehrte Ishîla Al'Plâne zurück nach Cháset. Es ist zu vermuten, dass sie strikte Order aus der Hauptstadt erhalten hatte, anders ist es nicht zu erklären dass sie noch im selben Mond 11 Erlasse und Beschlüsse verkünden ließ, darunter den ‚Plâner Protectionsakt', nach dem fortan alle Angriffe auf Handelsschiffe der 1. Neu-Kemsche Waldinsel-Kolonialwaren-Compagnie Cháset als Angriffe auf das Káhet ni Kemi gewertet werden. Ebenfalls sind in dem Protectionsakt mehrere Statuten verankert, die auf Hafengebühren, Warenzölle und Geleitschutz für Schiffe in der südlichen Charyptik eingehen.
Als es gegen Ende des Freien Boronmondes erneut zu einem Piratenüberfall kam - dieser traf die weitläufige Küstenplantage Sendjemo - beschloss die Hátyat das unausweichliche: zum ersten Mal in der Geschichte der Südmeerprovinz ließ sie einen Kaperbrief ausstellen - dieser trug gar das Siegel der Nisut! Angeblich ging diesem Schritt eine wüste Schimpftirade voraus: "Genug ist genug! Glaubt dieses feige Plünderpack eigentlich, unsere Insel wäre ein Warenkontor, dass man nach Belieben ausnehmen kann? Diesem Treiben muss ein Ende gesetzt werden, hier und jetzt. Wir zeigen diesem drecksstarrenden Piratengesindel, dass Kultur über Barbarei siegt."
Somit sieht die Provinz Djerres sich derzeit in einem ungewöhnlich aggressiven Vorgehen gegriffen: vorbei die Zeiten, wo man die vielfältigen Verwicklungen der Charyptik ignorieren konnte. Umso stürmischer wird dann wohl auch die Zukunft aussehen.
(JMA)

Ein Schiff für die Tá'repa?

Bei einem Treffen der Seret-Neset ni Djerres, Ishîla Al'Plâne und dem Ser-Neset ni Chrysemis wurden angeblich Pläne besprochen, nach denen beide Grafschaften zusammen ein Schiff finanzieren werden, das dem besseren Personen-, Güter-, und Nachrichtenverkehr auf den Inselprovinzen dienen soll. Einzelheiten sind noch keinen bekannt, die RS wird sich in den nächsten Wochen und Monden aber bemühen mehr über dieser Projekt zu erfahren.
(JMA)

Was macht das AEK im Chàseter Dschungel?

Wie es scheint sind Neuigkeiten über die Entdeckungen des Akibetlichen Expeditionskorps der Insel Cháset derzeit Mangelware. Nachdem der östliche Dschungel erkundet und mehr oder weniger alles aufgezeichnet wurde, wandten sich fünf Mitglieder des AEK den Lupala-Bergen zu. Doch bis zum heutigen Tag kehrten sie nicht nach Fort Pennaît zurück. War dies so in Planung? Oder ist die Gruppe der Insel und ihren Bewohnern zum Opfer gefallen. Wir müssen abwarten, denn Selizeth ay Ankrabad, Anführerin des AEK, ließ bisher noch nichts zu den fünf Mannen und Frauen verlauten.
(JMA)

Weltendiskus-Eine Umstrittene Skulptur in Dajinan

Im überwiegend von Maraskanern bewohnten Ort Dajinan wird eine Skulptur des selbsternanten Künstlers Hadijian Sornabab kontrovers diskutiert. Mögen einige Anhänger des Gotterfürsten an der religiösen Komponente Anstoß nehnem (die Skulptur soll den Weltendiskus, einen wichtigen Bestandteil der maraskanischen Glaubenslehre, darstellen), so ist für die meisten Nichtmaraskaner klar: das Teil ist einfach nur häßlich. Die Holzkultur zeigt ein Paar Hände, welches einen Teller hoch erheben, auf der einige Flecken das Derenrund mit seinen Ländern darstellen sollen. In der Tat ist aber wenig zu erkennen, da kaum etwas zu erkennen ist. Die meisten schreiben dieses Problem Sornababs fehlender Kunstfertigkeit zu, seine maraskanischer Verteidiger loben eben diese: Schönheit liegt im Auge des Betrachters, und so müsse die Skulptur nicht schön wirken, denn sie sei es ohnehin. Das Problem ist bei der ganzen Sache wiederum nicht die Existenz dieses Kunstwerks, sondern der Wunsch Sornababs, diese im Ortszentrum aufstellen zu dürfen. Hier wurde nun Leyla A'Plâne, die Akîbet ni Cháset, zu Rate gerufen. Ihre Entscheidung wird sie beim nächsten Besuch Dajinans fällen, wenn auch sie den "Weltendiskus" zu Gesicht bekommt.
(JMA)

Ein erster Vorstoß in die Wildnis Chásets

"Die drückende Hitze schnürte mir den Atem ab, die stechende Sonne verbrannte mein Haut, die undurchdringliche Vegetation ließ mich keinen Schritt machen ohne Gefahr zu laufen, verloren zu gehen." Die Reaktion des horasischen Hesindegeweihten Cordan Lafanti macht deutlich, welch schwere Aufgabe die 9 Mannen und Frauen des AEK (Akîbetliches Expeditionskorps) Cháset auf sich genommen haben. Ein Kompendium über die Dschungelwelt der Insel zu erstellen ist das Ziel des AEK, das derzeit im Fort Pennaît weilt. Am 4.FTS 30 S.G. traf die Expeditionsgruppe in der heruntergekommenen Dschungelfestung ein, die im nächsten halben Jahr ihre Heimstatt sein wird. Trotz einiger Reparaturen musste die Anführerin des AEK, Selizeth ay Ankrabad, feststellen, dass viel Arbeit zu tun ist, und so beorderte sie sogleich ihre Leute, weitere Ausbesserungen vorzunehmen. Viele wichtige Utensilien trafen in den folgenden zwei Wochen im Fort ein, während die Teilnehmer der Mission bei harter Arbeit keine Zeit zu Vorbereitungen fanden.
So konnte erst am 12.FPH ein erster Gang in den Dschungel unternommen werden. Alle 9 Mitglieder des AEK waren dabei und folgten einem alten Pfad in die nördlichen Ausläufer der Lupala-Berge. Ziel war es, mögliche Wege für die folgenden Erkundungen auf ihre Sicherheit zu testen. Es gab keine größeren Zwischenfälle, auch wenn den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Erschöpfung klar anzusehen war.
(JMA)

Bauarbeiten in Pehukem

Wie Kelan Imolez stellvertretend für Sahet Zxrssxshatx'sz'trzx mitteilte, werde in Ela mit dem Bau einer Lagerhalle begonnen. Diese solle der Tásahet ermöglichen, Vorräte für Notzeiten zu lagern. Ausserdem solle der Unterstand einen Sammelpunkt für das gesellschaftliche Leben in der Tásahet bilden. Auf Fragen nach einer Beteiligung der hiesigen Achaz am Bau, einem Enweihungsfest oder möglichen Versuchen, das Marktrecht für Ela zu erwerben, antwortete Herr Imolez ausweichend: "Bis zur Vollendung des Bauwerks wird wohl noch einiges Wasser den Keku Sevi hinabfliessen, da der Bau von den Einwohnern Pehukems - denen ich an dieser Stelle nochmal meinen Dank ausdrücken möchte - neben ihrem üblichen Tagwerk durchgeführt wird. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass Shatx noch vor Abschluss des Projekts die Zeit finden wird selbst auf derlei Fragen einzugehen."
(JRU)

Neue Erkundungen im Cháseter Dschungel

Trotz der Verwüstungen der Stürme vor zwei Monden wird das Dschungelfort Pennaît weiterhin genutzt werden. Wie die Akîbet Leyla in Plâne verlauten ließ, solle demnächst eine Mission in das Fort zusammengestellt werden, um von dort aus neue Erkenntnisse über Flora und Fauna Chásets zu gewinnen. Besonders die Lupalaberge sollen Ziel dieser Forschungsmission werden. Einwände bezüglich der Gefährlichkeit der Berge konterte die Baronin mit dem Einwand, bisher seien es nur einfache Wanderer und Glücksritter gewesen, welche in die Berge vorgedrungen werden. Zudem habe man nicht vor, die sagenumwobenen Höhlen des Franberges zu erkunden, sondern die Bergvegetation. Der Erkundungstrupp wird vorrausichtlich neun Personen umfassen, mit dabei zwei Utulus, welche die Truppe durch den Dschungel leiten wird.
(JMA)

Die Kirche greift aus

- von unserem Korrespondenten Marbert v. Mörsdorff - Morek, 9. FTR 30 S.G.; Schritt für Schritt baut die Heilige Boronsstaatskirche ihre Position auf den Inseln aus. Denn heute ist in der Klosterfreiheit Morek das - nach dem schon nahezu legendären Tempelbau zu Sefechnu Seba - zweitgrößte Bauvorhaben in Neu-Prem von Kal'Tan abgenommen worden. Gleichzeitig weihte der Mehib der Inselprovinz den neuen Tempel des nahegelegenen Ortes Morek. Am späten Nachmittag des gestrigen Praioslaufs war Mehib Kal'Tan im Hafen Morek angekommen. Nach einer kurzen Begrüßung im Hause des Akibs Tjarve ter Brook machte sich der kirchliche Würdenträger auf den Weg zur Klosterfreiheit, wo er die zu Beginn des Götterlaufs nach langen Arbeiten fertig gestellten drei neuen Gebäude besichtigen und segnen wollte.
Nachdem das 33. Banner des Laguana-Ordens vom Festland nach Tani Morek verlegt worden war und dort in der Klosterfreiheit stationiert werden sollte, war es unumgänglich, für die Ritter eine eigene, geeignete Unterkunft zu errichten. Dies nahm die Inselkirche zum Anlass, während der nun anfallenden Arbeiten auch gleich zwei weitere Projekte zu verwirklichen: Ein kleines Haus für die Inquisition Ni Neu-Prem sowie einen etwas geräumigeren Bau für das Seminar der Ta'Mehib. Bei der Realisierung des Vorhabens wurde darauf geachtet, dass das Noionitenkloster in Zukunft so wenig wie möglich von den umliegenden Einrichtungen gestört würde. Die von den Architekten bestmöglich ausgenutzte Fläche der Freiheit und der zwischen allen Gebäuden gewahrte, möglichst große Abstand, ermöglichen es, dass die einstige völlige Abgeschiedenheit und Ruhe des Klosters nur geringe Beeinträchtigungen erleidet.
Die Kaserne wurde so angelegt, dass sie allen Rittern des Banners genügend Platz für Unterkunft, Gebet und Kampfübungen bietet, obwohl aller Voraussicht nach nie mehr als die Hälfte von ihnen gleichzeitig vor Ort sein wird. Das Seminar bietet jenen gläubigen Männern und Frauen Raum, die von der Boroni Selina Horas auf ihre Geweihtentätigkeit in der Ta'Mehib Neu-Prem vorbereitet werden - während ihrer Ausbildung können sie erste praktische Erfahrungen sowohl im nahen Kloster als auch im knapp zwei Wegstunden entfernten Tempel des Ortes Morek sammeln. Das kleine Quartier der Inquisition schließlich beherbergt Unterkunft und Arbeitsstätte der unlängst ernannten Inquisitionsrätin Setép Boron'rá Dêwen, ihres Adjutanten sowie zweier weiterer Mitarbeiter. Nachdem Kal'Tan sich alle Gebäude ausgiebig hatte zeigen lassen und er sie und die in ihnen Lebenden in einer kurzen, schlichten Zeremonie dem Schutze des Raben anvertraut hatte, klang der Abend im Kreis sämtlicher Bewohner im Hof der Kaserne aus.
Für den heutigen Morgen war das nächste Ereignis geplant: Zur ersten Tsastunde war der Mehib von der Klosterfreiheit gemeinsam mit seinen wenigen Begleitern zum Ort Morek zurückgekehrt, um hier den neuen Tempel zu weihen. Der lang gehegte Wunsch des Akibs Ni Tani Morek nach einem Boronshaus inmitten der Siedlung, konnte nun endlich verwirklicht werden, nachdem das Seminar auf das Gebiet der Klosterfreiheit umgezogen war. Das große Bürgerhaus, das nun zur Verfügung stand, bauten Kirche, Akib und Ortsbewohner in einer gemeinsamen Anstrengung um. Die Früchte ihrer Arbeit ernteten sie am heutigen Tag in einem feierlichen Borondienst, an dem die meisten Einwohner des kleinen Ortes teilnahmen.
Bei dem anschließenden einfachen Mahl, auf dem sich alle Anwesenden verköstigen durften, wandelten der sichtlich zufriedene Tjarve ter Brook wie auch der über die weiter ausgebaute Präsenz der Boronsstaatskirche erfreute Kal'Tan- nun, da alle Vorhaben trotz einiger Zwischenfälle und manchen Widerstands verwirklicht waren - deutlich entspannt inmitten der Festgemeinde. Und als sich der Mehib am Nachmittag schließlich im Hafen Moreks zur Weiterfahrt nach Taseba rüstete, hatte er einen zwar kurzen und anstrengenden, doch auch sehr erfolgreichen Besuch im Norden Aaresys hinter sich: Ein neues Zentrum für die Inselkirche hatte sich hier herausgebildet, auf das einige Hoffnungen für die Zukunft gesetzt werden können.
(MSC)

Sá'hotep Sêkemát in Cháset - Treffen mit Leyla d.Ä Al'Plane

Jetzt wissen wir also wohin der Administrator gereist ist. Tatsächlich auf die Insel Cháset, und dort gab es ein Treffen mit Leyla d. Ä. Al`Plane. Etliche Stunden wurde wohl diskutiert, wahrscheinlich ging es um alte Schulden der Familie Sêkemát, sowie um die Lage in Táseba. Was im einzelnen genau diskutiert wurde, konnte nicht ermittelt werden. Jedenfalls endeten die Gespräche aber offenbar erfreulich, denn, wie wir sicher wissen, schloss sich an die Gespräche eine kleine Feier an.
Der Administrator D.I.A. Sá'hotep Sêkemát antwortete auf die Frage, was denn auf diesem Treffen besprochen worden sei, ungefähr so: Zum einen schien es ihm nötig die freundschaftlichen und guten Beziehungen zwischen den Familien zu erhalten und zu bestärken, desweiteren auszuloten, inwieweit die Zusammenarbeit in Táseba noch verstärkt werden könne und zudem die Familie Al`Plane für eine historische Unternehmung tief in den Dschungel auf der Suche nach den Überresten von Sesh'nut'cheneq zu begeistern. Er selbst bezeichnete das Gespräch als äußerst erfolgreich, er habe allerdings aufgrund der bisher guten Zusammenarbeit eigentlich auch nichts anderes erwartetet.
Ein kluger Leser oder eine kluge Leserin fragt sich natürlich, was heißt das eigentlich im Klartext? Nun, wir denken, der Administrator hat seine finanziellen Probleme jetzt wohl endgültig beseitigt, indem er es geschafft hat mit dem Versprechen Rechte aus einem möglichen Fund im Dschungel teilweise an die Al`Planes abzutreten, weitere Kredite von diesen zu bekommen. Mit der euphemistischen Umschreibung, daß man neue Felder der gemeinsamen Tätigkeit in Táseba ausloten wolle, kann nur gemeint sein, daß die beinahe schon gescheiterte Vorhaben der Sêkemát dort doch stattfinden können. Die Sêkemát wären, wenn diese Vermutungen zuträffen, nun endgültig gerettet, wenn sie auch mehr Glück als Verstand hatten.
Doch wir wollen der geneigten Leserschaft auch nicht vorenthalten, was wir offiziell von der Familie Al´Plane erfahren konnten. Leyla Al'Plâne, Matriarchin der Familie beherbergte unsere Korrespondentin mit allergrößter Liebenswürdigkeit, ließ sich jedoch keinerlei konkrete Aussagen entlocken. Augenzwinkernd gab die einflußreiche Händlerin nur zu bedenken, daß sie "Investitionen immer gut überdenkt, wiewohl frau bisweilen auch gewisse Risiken eingehen muß." Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß die Familie Al'Plâne die Sêkemát aus reiner Freundschaft alimentiert, genauso wenig wie zu vermuten ist, daß die Abtretung althergebrachter Rechte ohne Einfluß auf die zukünftigen Verhältnisse im Káhet sein wird.
(PCZ, ARA)

Der Traum ist Wirklichkeit geworden

- von unserem Korrespondenten Marbert v. Mörsdorff - Die Wasser des Wadi Rekadju kräuselten sich leicht, als das Boot des Mehib ni Neu-Prem in den heißen Nachmittag-stunden am großzügigen Anleger des kleinen, direkt am Ufer des Flusses gelegenen Dorfes festmachte. Dem Umstand, dass der hohe Besuch gerade bis zum Dorfplatz auf dem Wasser angereist war, kam symbolische Bedeutung zu: denn der Ort für die neue Ansiedlung aufrechter Borongläubiger inmitten der im Übrigen von Novadis dominierten Tá'akîb Mekábtá war so gewählt worden, dass er möglichst auf sicheren und stets zugänglichen Wegen erreichbar war.
Es war der 11. FTR 30 S.G., jener Praioslauf, für den Mehib Kal'Tan die Weihe des örtlichen Tempels abgesprochen hatte. In einem weiten Halbkreis hatten sich die rund 80 Bewohner an dem anmutig angelegten Platz eingefunden und sahen gespannt und freudig der bevorstehenden Zeremonie entgegen. Sowohl auf den Inseln als auch in den Festlandprovinzen waren besonders rechtgläubige Familien von der Staatskirche gefragt worden, ob sie sich eine Zukunft mit borongefälliger Aufgabe im Westen Aaresys vorstellen könnten. Elf von ihnen haben die hehre Aufgabe sowie die hierfür seitens der Boronstaatskirche und der Familie Al'Plâne gewährte Unterstützung in die neue Heimat gelockt.
Lange hatte Kal'Tan auch nach einem geeigneten Sah für die Gruppe suchen lassen: er sollte gefestigten Glaubens sein, doch umsichtig in seinen Umgangsformen; er sollte den Bewohnern mit seiner Begeisterung und Entschlossenheit Zu-versicht und Freude vermitteln und sich zugleich darum mühen, durch Verbindlichkeit und Geschick für Kontakte zu den Novadis im nahegelegenen Yáchi zu sorgen, vor allem aber sollte er sich um ein vernünftiges Auskommen mit dem Akîb ni Mekabta kümmern. Mit Pet'nehem war es den Boronis schließlich auf Laguana gelungen, einen Mann mit diesen Eigenschaften zu finden, der bereit war die umfangreichen Arbeiten, im FTS 29 S.G. ein Dorf mit den ersten Siedlern aufzubauen, auf sich zu nehmen. In diesem Augenblick stand der junge Sah in vollem BeWUSstsein der Feierlichkeit des Augenblicks gut zwei Schritt vor der Reihe unruhig wippender Männer, hälsereckender Frauen und sich neckender Kinder, um den geistigen Gründer des Vorhabens willkommen zu heißen.
Nun war endlich der Tag gekommen, an dem die Existenz all dieser Menschen in die Bücher des Kahet eingeschrieben werden sollte: Denn um die unaufhebbare Verbindung zwischen Sein und Glauben zeichenhaft kenntlich werden zu lassen, die dieses Projekt prägt, hatte man beschlossen, der Gemeinschaft überhaupt erst mit dem Tag der Weihe ihres Tempels einen Namen zu geben.
Kal'Tan legte mehrere Schritte vom Anleger zurück und blieb in einiger Entfernung zur Menge, am Rande des Dorf-platzes, stehen. Er lächelte breit und betrachtete mit tiefer Befriedigung das, was er als die Zukunft einer starken Kirche auf den Inseln ansah. Nach einem kurzen Augenblick hob er langsam die Hände vor sich auf Schulterhöhe und rief: "Bürgerinnen und Bürger! Kinder! Unser Herr Boron sieht mit Freude auf euch herab, die ihr euch für die edle Aufgabe entschieden habt, dem wahren Glauben in unserem Reiche weitere Gebiete zu erschließen, indem ihr inmitten der rastullahgläubigen Zeugen der borongefälligen Lebensweise seid und so mit der Kraft all derer, die euch verbunden sind, die Grenzen der Jahrtausende alten Kultur Kemis weiter ausdehnt!" Beschwörend sah der Mehib die Menschen ihm gegenüber an, ballte seine Hände zu Fäusten und fuhr in einer etwas höheren Stimmlage fort: "Ihr, die Mutigen und Weisen unserer großen Gemeinschaft der Gläubigen, seid würdig, das Andenken des großen Nefer Monthu aufrecht zu halten, der sich um die Expansion und Festigung unseres Reiches und seines Glaubens so verdient gemacht hat! Ihr, die ihr hoffnungsvoll in die Zukunft seht und entschlossen in der Gegenwart steht, habt ein Dorf geschaffen, das seinen Namen tragen soll. Und so nenne ich es: Mes'Monthu (Nachfolge des Monthu)!"
Kaum hatte Kal'Tan diese Worte ausgesprochen, erhob sich ein ohrenbetäubender Lärm - frenetischer Beifall, hysterisches Kreischen und urtümliches Brüllen. Erst jetzt sahen sich Pet'nehem und der Mehib aus der Entfernung in die Augen, gingen langsam aufeinander zu und begrüßten sich, unter den anhaltenden Freudenbekundungen aller, herzlich. Allmählich beruhigten sich die Menschen und Kal'Tan zog den Sah ni Mes'Monthu an seine Seite. Dann erhob er erneut die Stimme: "Männer und Frauen von Mes'Monthu! Mit eurem Oberhaupt Pet'nehem werdet ihr einer harten, aber glänzenden und borongefälligen Zukunft entgegengehen. Alles Menschenmögliche könnt ihr seinen Händen anvertrauen und für das Göttliche werden wir stets beten können. Lasst uns also nun, damit der Segen des Raben immer auf euch und diesem Platz liege, in einem festlichen Borondienst euer Bethaus weihen, auf dass es ein gefälliges Haus des all-mächtigen Raben werde - und so der Mittelpunkt eures Lebens auch die erfahrbare Mitte in eurer Heimat sei!"
Mit diesen Worten schritten Sah und Mehib auf die ihnen gespannt gegenüberstehenden Familien zu, in deren Rücken sich das Bethaus befand. Eine kleine Gasse wurde ihnen freigemacht und nachdem sie hindurchgeschritten waren, schlossen sich ihnen alle Einwohner an. Gemeinsam erfolgte der Einzug in das bescheidene, doch steinerne Gebäude. Den Ablauf der gesamten Feier hier wiederzugeben, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen - doch allein schon die Schilderung des überschwänglichen Empfangs durch die Siedler und die euphorische Stimmung aller Beteiligten vermögen die Vorgänge in Mekabta, zumindest aus der Perspektive der Zwölfgöttergläubigen, in ein aussagekräftiges Licht zu rücken. Deshalb soll an dieser Stelle zu allen Ereignissen in Mes'Monthu nur noch gesagt werden, dass sich am Abend auch ein ausgelassenes Fest anschloss und der angereiste Mehib erst am nächsten Morgen, nach ergreifenden Abschiedsszenen, wieder nach Aeltikan aufbrach.
Etwas anders stellte sich das Geschehen freilich für die Mekábtis dar, deren Sicht der Dinge hier auch kurze Erwähnung finden soll. Selbstverständlich war mit Akîb Mahmut ben Abdallah auch das weltliche Oberhaupt Mekábtás zu der Einweihungszeremonie geladen worden. In einem Gespräch zwischen ihm und dem Mehib war der Vertrag einst geschlossen worden, der nun zu der eigentümlichen boronischen Siedlung in diesem seit Menschengedenken orthodox rastullahgläubigen Gebiet geführt hatte.
Wer allerdings mit einer wütenden Menge protestierender Wüstensöhne gerechnet hatte, die möglicherweise gar den heiligen Ritus hätte stören können, der sah sich getäuscht. Kein Auge, das die schwarzgekleidete Menge von Siedlern absuchte, konnte auch nur einen Turban außer dem des Akîbs erblicken, der die Zeremonie aus einigen Schritt Entfernung teilnahmslos verfolgte. Ben Abdallah hatte wohl einen äußerst gelungenen strategischen Schachzug durchgeführt: Im Glauben der rechtgläubigen Mekábtis existierte diese neue Siedlung schlicht und einfach noch nicht. Zwar waren die Straßen von Yáchi voll von Gerüchten, doch das Schweigen des Akîbs dazu und wohl auch der von der Nord-Süd-Verbindung in Mekabta abgelegene Ort der neu errichteten Hütten hatten dafür gesorgt, dass es noch zu keinen Begegnungen zwischen Neuankömmlingen und Alteingesessenen gekommen war.
So konnte man nur an dem starren Ausdruck auf dem Gesicht des Akîbs erkennen, welch umwälzendes Ereignis in der Geschichte Aaresys gerade stattfand. Noch vor zwei Jahren hatte er auf dem Kleinen Konvent mit dem Argument, es gäbe keine Borongläubigen in Mekábtá, gegen die staatlichen Missionierungen gekämpft. Erst vor wenigen Wochen war er begeistert in seiner Heimat zusammen mit seinem Vater wegen seines unermüdlichen Einsatzes gegen die verhassten Schwarzröcke als "oberster Mawdli der Rechtgläubigen" gefeiert worden. Und nun dies!
Zugegeben, es war um seinen Kopf gegangen, als er dem Repa und dem Mehib ni Neu-Prêm sein Einverständnis zu der Siedlungstätigkeit gegeben hatte... und ohne dieses Ergebnis in der Hinterhand wäre wohl auch die Audienz bei der Nisut nicht so glimpflich vonstatten gegangen. Doch wie er dies alles seinem Volk erklären sollte, schien Mahmut großes Kopfzerbrechen zu bereiten...
Er hatte den Repa vor einem Bürgerkrieg gewarnt und musste sich dafür vor der Königin rechtfertigen. Nun würde die Zeit zeigen, ob der Hochadel die Warnung nicht so einfach hätte missachten sollen...
(MSC)

Schwere Stürme in der südlichen Charybtik

In den letzten beiden Monden wurde Cháset mehrfach von schweren Stürmen und Orkanen heimgesucht. Früher als sonst im Jahr und von äußerst starker Kraft sorgten sie an mehreren Orten der Insel für schlimme Verwüstungen. In Nedjety sorgten die Stürme für schwere Beschädigungen am Leuchtturm und mehreren Schiffen, darunter glücklicherweise nicht der stolzen Keku Sevi. Mehrere Fischerboote wurden vom Sturm aufs offene Meere herausgetrieben und gingen so verloren.
Schlimmer war der Schaden aber im Inland: Das in den Lupalabergen gelegene Pennaît versank unter dicken Schlammassen, die wenigen Bewohner verließen den Ort bis auf weiteres und sind nun in Plâne untergekommen. Selbige Hauptstadt der Insel und der Provinz Djerres hatte ebenfalls unter den Stürmen zu leiden: für eine Woche war jeder Schiffsverkehr unmöglich, mehrere Gebäude wurden beschädigt.
Inzwischen sind die Stürme abgeklungen, das Leben hat sich wieder beruhigt. Die Akîbet der Insel, Leyla Al'Plâne, orderte die Bildung eines kleinen Bürgerkommandos an, die nun eifrig dabei sind, Pennaît von den Schlammassen zu befreien.
(JMA)

Fieberepidemie in Tásebá?

Erst vor kurzem erreichten uns Nachrichten, wonach in Sunu Sebá bereits mehrere Bauern an einem den örtlichen Heilern nicht bekannten Fieber erkrankt sind. Die örtlichen Behörden erklärten zwar, daß kein Grund bestehe von einer Epidemie zu sprechen, dennoch haben schon einige Einwohner Sunu Seba in Richtung Shilât verlassen um dem Fiebertod zu entfliehen. Akîbet und Verwaltung sahen noch keine Notwendigkeit Sunu Sebá für den Schiffsverkehr zu sperren, zunächst soll ein gelehrter Medikus die Fälle genauer untersuchen. Noch hoffen die Akîbet und wohl alle Einwohner Tásebás, daß es sich lediglich um eine zufällige Häufung von Erkrankungen handelt.
(JEF)

Der tiefe Fall der Sekemat: Todesfall in Tásebá

Nachdem sich auf dem Festland die Gerüchte mehren, daß Seine Exzellenz Sa'hotep Sekemat in Geldnöten sei, kommen auch von den Inseln für die Familie unerfreuliche Nachrichten. Denn wie uns ein unerkannt bleiben wollender Diener der Baronin Akilja Al#Plâne mitgeteilt hat, sei Ihrer Hochgeboren Ehemann vor wenigen Tagen einem Schlangenbiß zum Opfer gefallen. Zudem habe die Familie Al'Plane ihre Rechte zurückgefordert und damit die ehrgeizigen Projekte Seiner Exzellenz des Administrators beendet, zudem noch Pfanandspruch auf alle Besitztümer der Familie in Tásebá geltend gemacht. Fraglich ist, wie lange sich die angereisten Sekemat noch auf Tásebá aufhalten werden, jetzt wo der Geldstrom vom Festland her versiegt und der Wind in Tásebá rauer geworden ist. Aus den wackligen Gerüsten, die allerorten nach dem erscheinen der Sekemat errichtet wurden, werden wohl nie die geplanten Häuser werden. Bereits jetzt beginnen Abgesandte des Hauses Al'Plâne Bretter und Steine fortzuschaffen.
(JEF)

Aufruf zum Tempelbau in Morek!

Morek. Morek wird in Zukunft einen Borontempel erhalten, bestätigte heute der Sprecher des Akibs ni Tani Morek, May. Demnach soll das derzeitige Seminar der Ta'Mehib auf den Klosterberg der Djerbyun Morek umziehen, während das dann leerstehende Bürgerhaus im Ort zum Tempel umgebaut und geweiht wird. Weiterhin wurde bestätigt, daß in den nächsten Tagen ein Aufruf an das Volk ergehen soll, beim Bau des Tempels sühnend mitzuwirken.
Der Plan, aus dem Seminar einen echten Tempel zu machen, ist keineswegs neu. Bereits Rondra gab es die ersten Pläne dazu, so May. Jedoch wollte man zunächst die Entscheidung der Kurie abwarten, "bevor man die Pferde scheu macht". Der Umbau soll so schnell wie möglich beginnen und spätestens im Ingerimm abgeschlossen sein.
Korrespondent für die Rabenschwinge: Xavier Kollbrandt.
(THE)

Siedler in Mekabta!

von unserem Korrespondenten Marbert v. Mörsdorff: Yachi, Ende FTS 29 S.G.; Wenige Meilen von Yachi entfernt, dem Residenzort der Ta'Akib Mekabta, sind in den vergangenen Monden borongläubige Siedler angekommen, die dort ein bedeutendes Projekt in Angriff nehmen: sie sollen zeigen, dass im gesamten Kahet ni Kemi, also auch im von Novadis dominierten Mekabta, das Land für die Anhänger des Götterfürsten offen steht! Dem Vernehmen nach geht die Gründung der Ansiedlung auf ein Gespräch zwischen Akib Mahmut ben Abdallah und Mehib Kal'Tan zurück. Dies deutet auf ein entspanntes Verhältnis zwischen den beiden hin, denn in den vergangenen Götterläufen wäre ein solches Unternehmen undenkbar gewesen, ja es hätte mit Sicherheit zu einem Bürgerkrieg in dieser außergewöhnlichen Ta'Akib geführt.
Nun schließen in diesen Tagen auf der Höhe von Yachi, ungefähr eine Meile efferdwärts der großen Nord-Süd-Verbindung Aaresys und genau am Ufer des dort verlaufenden Zuflusses des Wadi Rekadju rund 80 Siedler, von denen knapp 50 vom Festland stammen, und ein Borongeweihter die Arbeiten an den Gebäuden ab: Rund um ein kleines Bethaus und ein bescheidenes Versammlungshaus - das zugleich als Herberge dient - sind die Unterkünfte der 11 Familien sowie ein Lagerhaus mit Anleger und kleinere Nutzbauten angeordnet. Der Ort ist an einer aus allen Richtungen hervorragend erreichbaren Stelle gelegen und verfügt auch über einiges fruchtbares Hinterland. Bis ein kleiner Handel mit einheimischen Erzeugnissen aufgebaut werden kann, von dem man sich erhofft, dass er auch zu einem vorsichtigen Austausch mit den Einwohnern Yachis führt, soll sich das Dorf durch Fischfang und Landwirtschaft erhalten. Die anfangs noch nötigen Lebensmittellieferungen stellt die Familie Al'Plane zur Verfügung, die dieses Vorhaben der Inselkirche anscheinend auch zuvor schon tatkräftig unterstützt hat.
Noch hat die neue borongefällige Siedlung keinen Namen erhalten - ihn soll sie offiziell erst bekommen, wenn Mehib Kal'Tan voraussichtlich Anfang Ingerimm die Tempelweihe vornimmt, so dass durch diesen symbolischen Akt die Zusammengehörigkeit von Glauben und Leben der neuen Mekabtis noch einmal verdeutlicht wird.
(MSC)

Ehemaliger Patient der Noioniten als Töpfer in Morek!

Morek. Ein ehemaliger Patient des Noionitenklosters Morek, Santana, ist nun entlassen und überraschenderweise in Morek "angesiedelt" worden, wo er sein Leben künftig als Töpfer fristen wird. Der Sprecher des Akibs sagte auf Nachfragen des Korrespondenten, daß es sich hierbei um die Einhaltung eines Vertrages handele, den seine Hochgeboren Tjarve ter Brook mit dem Imat des Klosters, Logoran von Selem, im Rahja 28 abgeschlossen habe. Als Gegenleistung werden Nahrungsmittelüberschüsse der Djerbyun an Táni Morek geliefert.
Es handelt sich bei dem Betroffenen um einen nicht gewalttätigen, aber dafür von seinen Beschwerden sicher geheilten Mittelreicher.
Die Bevölkerung indes reagierte beunruhigt über diese Nachricht, jedoch wagte es bisher niemand laut seine Stimme zu erheben. Der Sprecher May: "Es gehe keinerlei Gefahr von diesen Personen aus. Es ist daher durchaus möglich, daß noch weitere Menschen in Morek eingemeindet werden, wenn der Imat für ihren Heilungserfolg bürgt! "
(THE)

Verschwundener Sah ni Tomu abberufen

Morek. Wie nun auch von Tjarve ni Tani Morek offiziell bestätigt wurde, handelt es sich bei dem mysteriösen Verschwinden des Sah ni Tomu, Ighistan Isfhan Isterien, nicht um eine feige Entführung einer Untergrundorganisation, wie zuerst gemutmaßt wurde. Vielmehr sei er von Ihrer Keminisutlichen Hoheit vom Posten des Sah abbestellt und anderen, dringenderen Aufgabengebieten zugeteilt worden, hieß es aus der Residenz.
Der Posten des Sah sei fürderhin ersatzlos gestrichen, wurde weiterhin verlautbart. Die Neuigkeit verbreitete sich in Morek wie ein Lauffeuer, uneinig ist man sich allerdings noch darüber, warum aus diesem Umstand so lange ein Staatsgeheimnis gemacht wurde, denn immerhin wurde der besagte schon seit Anfang FFI, also seit knapp zwei Monden, nicht mehr gesehen.
(THE)

Mahmut ben Abdallah begeistert in Mekábtá empfangen -
Akîb kehrt nach langer Zeit auf dem Kleinen Konvent in die Heimat zurück

Schnell wir ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht in den Straßen Yáchis: Der Akîb ist vom Konvente zurück und er bringt frohe Botschaften. Bereits einige Tage zuvor war der Vater, Abdallah Al-Zahyd, auf die Insel Àaresy zurückgekehrt und hatte zur großen Verwunderung und Bestürzung der Bevölkerung öffentlich erklärt, dass er von nun an nicht mehr Sah der Nisut sein werde. Als er aber dann ausführte, wie es dazu gekommen war, dass er und sein Sohn sich im Bunde der Rechtgläubigen auf dem Konvent präsentiert hatten, da brandete Jubel in den Straßen auf.
Abdallah berichtete, wie sein Sohn schon vor Beginn der Beratungen mit mutiger Stimme der "Blenderin Dhana Chesaî'ret", der Mehibet ni Terkum, Einhalt geboten und somit ihre Teilnahme am Konvent verhindert habe. Ungläubiges Staunen stand in den Gesichtern der Mekábtis, als der ehemalige Sah von Yáchi weiterredete: "Rastullah akhbar! Meinem Sohn, eurem Akib ist es zu verdanken, dass sich der Konvent endlich mit unseren ureigensten Problemen beschäftigt hat. Jeder von euch erinnert sich noch an den folgenschweren Brand, gelegt von einem Boronsfanatiker drüben bei Abduls Hütte. Auf Beschluss des Kronjustiziars soll dem nun endlich nachgegangen werden, auf dass uns endlich Gerechtigkeit widerfahren möge. Mein Sohn scheute sich nicht, seine Meinung gegen die Boronis durchzusetzen, er sprach wir ein wahrer Rechtgläubiger! Rastullah vergib mir, ich habe gesündigt!
Auch gegen die Armenkasse, die den Schmarotzern aus Tani Morek jährlich blitzende Goldstücke bringen soll, kämpfte euer Akîb mit dem Mut eines Löwen. Schließlich stellte er sich gar der Sechawahl und unterlag nur knapp dem Mehib Boraidan.
Darum geht, sucht eure besten Kleider zusammen und bereitet ein Fest vor, wie es Mekábtá seit Jahren nicht gesehen hat!"
Und die treuen Mekábtis taten, wie ihnen gesagt worden war. Inzwischen kursierten bereits die wildesten Gerüchte über die Heldentaten der beiden Novadis auf der Versammlung des Kleinadels. Als der junge Akîb endlich in seiner Heimatstadt eintraf, musste er sich mit großer Mühe einen Weg durch die Menge bahnen, die ihn begeistert empfing. Auch er richtete euphorisch aufgenommene Worte an seine Untertanen.
"Rechtgläubige! Mekábtis! Wie ich soeben erfahren durfte, hat euch bereits mein geschätzter Vater darüber unterrichtet, welch großartige Erfolge wir auf dem Konvente errungen haben. Seid nicht betrübt, dass er nicht mehr euer Sah ist. Die Ungläubigen mussten einen großen Preis für seine Edlen-Würde zahlen. So bitte ich euch: Stimmt mit mir in den Jubel ein: Abdallah Al-Zahyd, du bist der oberste Mawdli der Rechtgläubigen. Rastullah akhbar!"
Immer und immer wieder schallte der Ruf in den Himmel über Mekábtá, bis endlich der Vater neben dem Sohne erschien und würdevoll in die Menge blickte. Nachdem der Jubelsturm abgeklungen war, sprach Akîb Mahmut erneut zum Volk: "Mekábtis! Weitere frohe Nachrichten darf ich euch verkünden. Ihr wisst bereits, dass ich unser Problem mit den Boronis vor den Konvent gebracht habe Was denkt ihr, wie viele Herren und Damen auch der Meinung waren, dass ein saatliches Missionierungsverbot gut für das Reich sei?" Mahmut gab dem Volk etwas Zeit, über die Frage nachzudenken. Schließlich erhoben sich Rufe: "Keiner!" "Nicht einer von diesen Ungläubigen!"
Zufrieden blickte der Akîb in die Menge: "Es ist meinem Vater und mir gelungen, ein Drittel der Anwesenden von unserem Anliegen zu überzeugen. Wir haben also Grund zu der Annahme, dass bereits der nächste Konvent unserem Antrag stattgeben wird, wenn wir auch noch die Zweifler auf unsere Seite gebracht haben werden." Da brandete ein Jubel auf, noch größer als zuvor. Noch lange sprach Mahmut ben Abdallah zum Volk Mekábtás und vielleicht werden wir schon in einer der nächsten Ausgaben der Rabenschwingen mehr über die Worte des Akîbs erfahren.
(MIK)

Al'Plânes kooperieren mit dem Djerres-Zweig der Sêkemat

Heute hat seine Exellenz Sá'hotep Sêkemát, Administrator der D.I.A., die Gerüchte über seine Vermählung mit der Tochter eines tulamidischen Adligen bestätigt, die vorherige Woche in kleinem Kreis vollzogen wurde. Zudem erklärte seine Exellenz, dass diese Verbindung die Gründung eines kleinen Fernhandelsunternehmens in Kooperation mit den Al'Plânes nach sich ziehen wird.
(JFE)

Hochzeit in Tásebá

Mit der angemessenen borongefälligen Demut sind gestern die hochgeborene Akîbet Akilja Al'Plâne und der Sohn seiner Exellenz des Adminstrators der D.I.A. Sá'hotep, Nesrel K'Thên Sêkemát, den Bund der Ehe eingegangen. Als Folge dieser Verbindung, deren wirtschaftlicher Nutzen für die am Gewürzhandel interessierten Sêkemát und die Al'Plânes offensichtlich ist, wurde Nesrel K'Thên Sêkemát zum Ser von Tásebá ernannt.
Über die neuen Entwicklungen zeigte sich Matriarchin Leyla Al'Plâne sehr erfreut. "Nicht nur, daß wir durch die Verbindung mit den Sêkemat unsere Profite steigern können, es ist meiner Familie zudem eine große Ehre, ab sofort mit diesem so altehrwürdigen Hause verbunden zu sein."
(JFE)

Rücktrittswelle nun auch in Djerres!

Nachdem der Tod des terkumer Nesets Ricardo von Grauenberg in Terkum eine eine wahre Rücktrittswelle in der Südwestprovinz des Káhet ausgelöst hat, reduziert sich nun auch die Adelsmacht in der südöstlichsten Provinz des Reiches. Ab dem 1. Tag des Boronmondes sind in der Inselprovinz Djerres drei Edlengüter an die Krone zurückgefallen: Sah Abdallah Al-Zahyd trat als Sah Ni Yárret zurück, Sah Zir Ni Plâne gab ebenfalls sein Amt auf, und Sah Wodskar Jeversson wurde ebenfalls aus den Adelslisten des Reiches gestrichen.
Abdallah Al'Zahyd war seit dem Ende des Kleinen Konventes 28 S.G. massiv in die Kritik geraten, nachdem er dort, vor dem versammelten Plenum des Kleinadels, unseren Rabenherrn als "Götzen" tituliert hatte. Nun also ist der Rastullahgläubige, wie er kundtat, zwar als "Märtyrer für den wahren Glauben" zurückgetreten, fand aber sogleich in seiner eigenen Religionsgemeinschaft Untertsützung, die ihn zum obersten "Mawdli der Rechtgläubigen" proklamierte.
Seine Excellenz Zir Ni Plâne erklärte in einem Schreiben an Ihre Majestät, Angil Phexhilf von Aralzin-Estrimanza, Akîbet Leyla Al'Plâne und Repa Torben Jandarason seinen Rücktritt als Edler, da er die Aufgaben und Pflichten dieses Amtes nicht mit denen des Hohen Gesandten der Nisut am Adlerthron zu Vinsalt vereinbaren könne.
Wodskar Jeverson dagegen wurde aus den Adelslisten gestrichen, da es unwahrscheinlich scheint, daß der nun vor nunmehr einem Götterlauf nach einer Feindfahrt verschollene Thorwaler jemals wieder auftauchen wird.

Entsetzen in Taseba!

Ein furchtbarer Unfall erschüttert derzeit die ferne Inselherrschaft. Als des Nachts Flammen aus der akibetischen Residenz drangen und die Feuerglocke durch die Stadt schallte, waren schnell Helfer mit Wassereimern bereit. So gelang es auch schnell das Feuer unter Kontrolle zu bringen. Doch das wahre Entsetzen machte sich erst breit als man erkannte, wo das Feuer am stärksten getobt hatte: Die Privaträume des Akibs Gorthin von Oppstein waren vollständig ausgebrannt! In seinem Bett fand man schließlich auch die vollkommen verbrannte Leiche mit seinem Siegelring. In einer bewegenden Zeremonie unter Leitung seiner Hochwürden Boromeo Uludaz wurde sein Leichnam bestattet und ganz Taseba nahm Abschied von dem großen Förderer des Tempelbauprojekts. Die Brandursache blieb bislang jedoch unbekannt.
(RFE)

Nisut-Geschenk für Táni Morek!?

Am 14.Tage des Freimondes der Rondra lief im Prisenhafen zu Morek eine Kogge ein, dem ein Bote der Nisut höchstselbst entstieg. Schnurstracks fragte sich der uniformierte Bote zur Residenz des Akîbs durch. Respektvoll machten ihm die Passanten Platz. Bei sich trug der Bote eine kleine Tasche, deren eckiger Inhalt Anlaß zu Spekulationen gab. "Ein Geschenk der Nisut!", hörte man einige Passanten mauscheln. "Nur eine Lieferung für den Akîb!", vermuteten andere. Was nun tatsächlich sich in der Tasche des hoheitlichen Überbringers befand, weiß wohl der Akîb ni Táni Morek allein.
Für die Rabenschwinge in Morek, der Korrespondent Xavier Kollbrandt
(THE)

Ein deutlich zu kurzer Besuch!

- von einem enttäuschten Pilger -

Der folgende Bericht erreichte uns mit einiger Verspätung über unseren Korrespondenten Marbert v. Mörsdorff: Trotz der stellenweise wohl unüberlegten Wertungen druckt ihn die Rabenschwinge wegen seines Informationsgehaltes ab.
Sefechnu Seba, 3. FIN 28 S.G.; Am gestrigen Praioslauf sind Seine Erlaucht, der Hátya Ni Chrysemis, und Seine Exzellenz, der Mehib Ni Neu-Prêm, an der Großbaustelle für den neuen Tempel eingetroffen. Sie hatten sich unmittelbar nach einem Treffen auf Re'cha hierher begeben. Während die Anwesenheit des Mehibs nach den zwischenzeitlich wieder abgeklungenen Unruhen verständlich, ja geradezu überfällig gewesen ist, bleibt unverständlich, warum der Hátya aus Re'cha nach Tásebá gekommen ist.
Beide Gäste trafen sich unverzüglich mit Akib Gorthin v. Oppstein, dem örtlichen Boroni (Boromeo Uludaz) sowie der Kommandantin des Laguanerbanners (Ránebet Pagaia) fernab allen Betriebs in der Residenz des Akîbs. Am frühen Nachmittag dann inspizierten die fünf unter Anleitung der beiden Gäste eingehend die gesamte Baustelle und das riesige Lager. Sie tauschten vielsagende Blicke aus und hießen die sie begleitenden Ritter, diverse Stücke mitzunehmen. An die Pilger jedoch wandte sich keiner! Schließlich taten sie in der unmittelbaren Umgebung des Lagers einen bisher unbemerkten Eingang zu einem Höhlensystem auf, in den sie - nach fürchterlich langen Beratungen - schließlich mit schwerer Bedeckung hinabstiegen. Als sie kurz vor Sonnenuntergang wieder herauskamen, ließen sie uns den Zugang hastig zuschütten. Wir haben sicher einige Quader Erde dorthin gekarrt und hineingeschüttet! Was auch immer sich dort befindet, es wird wohl nie mehr ans Tageslicht kommen! Wer würde sich auch die Mühe machen, das halbe Erdreich aufzugraben?
Die beiden Gäste aber zogen sich mit Akib und Borongeweihtem rasch wieder zurück. Und erst nachdem wir am späten Abend mit der Plackerei fertig waren, kam der Sprecher seiner Exzellenz, Giacinto di Mastai-Chiaramonti, zum Tempel und hielt eine schöne Ansprache.
Er beglückwünschte uns zu der schnellen und sorgfältigen Arbeit. Wir wüssten gar nicht, welch wichtigen Dienst wir erbracht hätten. Auch der Mehib grüße und segne uns alle und sei hocherfreut, daß sich nun - nach den beunruhigenden Ereignissen der Vergangenheit - alles wieder normalisiere und jeder von uns vorbildlichen Gläubigen zu seinem Wohle und zur Stärkung der Kirche auf den Inseln einen so wichtigen Dienst erweise. Nun, da in Sefechnu Sebá sich wohl alles wieder zum Besten gewandt habe, müsse Kal'Tan allerdings noch in der Nacht aufbrechen, weil er eine lange Reise zum Festland vor sich habe, und auf dem Weg zudem noch mehrere Besuche, Gespräche und Borondienste mit den Gläubigen auf Sjepengurken und Cháset erwarteten.
Dennoch kann man sich fragen, warum der Mehib uns das nicht selber gesagt hat? Es kann ja sein, daß er sich zu jenem Zeitpunkt noch in jener so dringenden Besprechung mit Gorthin v. Oppstein und Boromeo Uludaz befunden haben mag. Aber musste er noch unbedingt in der Nacht abreisen? Hätte er nicht am nächsten morgen aufbrechen können, nach einem kurzen Besuch bei einer Großzahl der aufopferungsfreudigsten Gläubigen im Káhet? Sicher, die Verpflichtungen mögen viele sein, aber mehr als eine Stippvisite wäre bei den verständlicherweise seltenen Besuchen im Süden Aáresys sicher zu wünschen gewesen!
(MSC)

Akîbsschiff auf Kaperfahrt

Am Morgen des 26.Tages im Freimond des Praios stach die "Memento Mori", die Thalukke des Akîb Ni Táni Morek, wieder in See. Für Rabe, Reich und Nisut hat sie fürderhin den Befehl des Akîbs, die Gewässer des Kemi-Reiches vor den Feinden der Nisut zu sichern, "vor allem vor der Stoerrebrandtschen Brut", wie sich Akîb Tjarve ter Brook ausdrückte. Ausgerüstet mit 28 rauhen Männern und Frauen und einer Bewaffnung von zwei leichten Rotzen und einem leichten Aal wird die "Memento Mori" nun ihren Auftrag ausführen, nachdem über einen Mond lang fieberhaft alle Vorbereitungen getroffen wurden, daß Schiff für die Fahrten der Freibeuter herzurichten. Nur einen Tag, nachdem der Akîb den Befehl Seiner Durchlaucht Torben Jandarasson, Flottenadmiral und Repa Ni Neu-Prem erhalten hatte, ein Schiff auszurüsten, verließ die Thalukke den Hafen Moreks, nachdem der Akîb persönlich allen Matrosen und Matrosinnen und dem Kapitän neben vielen sehr persönlichen Worten allzeit "eine Handbreit Wasser unter dem Kiel" gewünscht hatte. Zuverlässigen Quellen zufolge dient das Schiff mit seinen Prisen vor allem auch dem finanziellen Aufbau der Tá'akîb Táni Morek. So soll der Akîb einen erheblichen Anteil der Feindwaren für sich beanspruchen. Wünschen wir, daß die Hoffnungen des Schiffseigners sich nicht in einer Laune des EFFerd in Wohlgefallen auflösen.
(THE)

Aufbruchstimmung in Táni Morek

Am Morgen des 6.RAHja brachen der neue Akîb ni Táni Morek Tjarve ter Brook gemeinsam mit seiner ebenfalls neu hinzuversetzten Hauptfrau der Stadtgarde Ankhsa Mezkarai und seiner Leibwächterin zu einer Inspektionsreise durch das Lehen auf, um nach eigenen Worten sich ein genaueres Bild der aktuellen Lage zu machen, damit Probleme gezielt angepackt und vor allem beseitigt werden können. Es sei geplant, die Namenlosen Tage über bis zum neuen Jahr 29 in Tomu zu verbringen, wo Akîb Tjarve eingehende Gespräche mit den dort lebenden Menschen führen wolle. "Und was biete sich da besser an, als fünf Tage, die kein rechtschaffener Mensch vor der Tür verbringen möchte, gemeinsam im Gespräch zu verbringen?"
(THE)

Schlussstrich in Taris?

- von unserem Korrespondenten Marbert v. Mörsdorff -

Sefechnu Seba, 17. FIN 28 S.G.; Als wir vor einem Mond über die Vorgänge im Süden der größten Insel unseres Reiches berichteten, hätte wohl niemand gewagt eine Vorhersage über die weitere Entwicklung abzugeben. Chaos und Aufruhr schwelten allerorten auf der Baustelle des wohl größten laufenden Tempelbauvorhabens der Kemi - und die Obrigkeit hatte kaum Aussichten dauerhaft Ruhe und der Würde des entstehenden Baus entsprechende Bedingungen herzustellen. Jedenfalls nicht solange, bis bewaffnete Einheiten zu ihrer Unterstützung eintreffen würden.
Am 18. Peraine war es dann allerdings soweit. Ein Banner des Laganaordens erreichte Sefechnu Seba und rückte kurz nach seiner Ankunft gemeinsam mit den wenigen verbliebenen Wachen und den teilweise noch verschreckten Mitgliedern der drei Praiosläufe zuvor von Akib Gorthin ausgehobenen Bürgerwehr in das Lager der Arbeiter vor. Hier kreisten die Ritter die Hütten der Thorwaler ein und forderten sie auf, unverzüglich ihre Unterkünfte mit all ihrer Habe zu verlassen: man werde die Nordmänner auf ein bereitliegendes Schiff im Hafen bringen. Freilich machten die stolzen Bewohner des rauhen Landes im Norden unseres Kontinents wenig Anstalten, dieser Aufforderung zu folgen. Doch als Akib Gorthin ihnen eine Depesche vorlas, die er am morgen vom Repa persönlich erhalten hatte, lief ein Raunen durch die Menge der anscheinend zu allem Entschlossenen, und einige ihrer Sprecher baten sich eine kurze Bedenkzeit aus.
Was aber stand in der Botschaft des Repa Thorben Jandarason? Nichts anderes, als dass er seine Landsleute aufforderte, den Weisungen der Obrigkeit gehorsam Folge zu leisten. Er habe sich im Gegenzug bereiterklärt, alle Thorwaler die dies wünschten bei sich in Re'Cha aufzunehmen - auf dass sie wieder auf seinen Schiffen Dienst leisten könnten! Angesichts der Tatsache, dass die Ordensritter keine Anstalten machten, sich auf irgendwelche Verhandlungen einzulassen und auch keinen Zweifel daran ließen, dass sie alle Widerborstigen auch mit Gewalt auf das bereitliegende Schiff verbringen würden, dauerte es nicht allzu lange, bis die Nordmänner mit gemischten Gefühlen in die Offerte des Ferschten aus Re'Cha einwilligten. So kam es, dass rund 50 Thorwaler ihre gesamte Habe packten und wenige Stunden später, gegen Abend, aus dem erheblich verwüsteten Lager der Tempelbauarbeiter auszogen: Ihr Schiff setzte noch in der Nacht Kurs auf die Vulkaninsel in Chrysemis.
In Sefechnu Seba aber herrschte das erste Mal seit vielen Praiosläufen wieder Frieden. Und die Hoffnung keimte unter der immensen Arbeiterschar wieder auf, gemeinsam in Frieden ein großes und bewundernswertes Werk für den Herrn Boron vollbringen zu können. Spontan fanden sich daher auch Dutzende von Gläubigen in dem noch unvollendeten Haus des Herrn Boron zu nächtlichen Gebetsgruppen zusammen, die mit Chorälen und Lobpreisungen ihrer Freude und Erleichterung über das Ende unseliger Zustände Ausdruck verliehen.
Doch am nächsten morgen hieß es zunächst, die Baustelle wieder in Ordnung zu bringen und festzustellen, welche Schäden an dem Tempelbau - der bisher so zufriedenstellend vorangeschritten war - tatsächlich verursacht worden waren. Dass von den Pilgern horasischer Herkunft hierbei besondere Einsatzfreude erwartet wurde, musste der für die Bauarbeiten zuständige Boroni Boromeo Uludaz kaum betonen.
Rasch wurden in der Folgezeit vor allem die Unterkünfte der Thorwaler als Quartier für die Ordensritter hergerichtet. Denn deren Kommandantin, Ránebet Pagaia, hatte nach einer Unterredung mit Akib Gorthin und Boromeo Uludaz den Arbeitern mitgeteilt, dass das gesamte Lager und die Baustelle fürderhin bis zum Abschluss der Bauarbeiten ausschließlich als Kirchengrund betrachtet würden, und dass der Orden des Hl. Laguan die Aufgabe übernehmen werde, hier für das dem Vorhaben gebührende Wohlverhalten Sorge zu tragen. Zu diesem Zwecke würden 20 Ritter bis auf weiteres vor Ort bleiben.
Mittlerweile haben die normalen Abläufe wieder in Sefechnu Seba Einzug gehalten. Die riesigen Materialmengen, die sich durch die auch nur kurze Arbeitsunterbrechung im Hafen angesammelt hatten, sind abtransportiert, die von den Thorwalern "ausgebauten" Tempelteile wieder eingefügt worden. Auch die Anreise neuer und die Abreise alter Pilger, diese fiel noch bis Ende Peraine verständlicherweise deutlich stärker als gewöhnlich aus, hat sich erneut eingependelt. Alles wieder zum Besten in Taris, sind wir versucht zu sagen, alles wieder zum Besten. Uns bleiben noch zwei Dinge nachzutragen. Zunächst, dass das aus Memento Mori stammende Ordensbanner dauerhaft in die Klosterfreiheit Morek verlegt wurde und somit die Aufgabe eines "Inselbanners" des Ordens übernimmt. Hier wird wohl einer dringenden Bitte des Mehibs Kal'Tan entsprochen worden sein, der mehrfach auf die Notwendigkeit von Kirchentruppen auf den weitab vom Festland gelegenen Inseln des Reiches hingewiesen hatte. Sodann wollen wir auch nicht verschweigen, dass in vor kurzem, Mitte Ingerimm, auch zwei Banner des KKAB in Taris eingetroffen sind. Freilich stehen sie nicht mehr vor der Aufgabe, Friede unter den Bauarbeitern herzustellen oder für die Sicherheit der Ta'Akib zu sorgen, doch eines ist sicher: wo das KKAB auftritt hat es entweder eine Aufgabe, oder es sucht sie sich. Umsonst werden die 40 Recken die lange Reise von Dreiwegen und Khefu sicher nicht auf sich genommen haben. So mag es in diesem Zusammen genügen, darauf hinzuweisen, dass die Ta'Akib Mekabta, die regelmäßig spannungsreiche Beziehungen zu all ihren Nachbarn und auch zur Krone unterhält, nur wenige Meilen firunwärts von Sefechnu Seba beginnt...
(MSC)

Eskalation in Taseba!

- eine Reportage unseres Korrespondenten Marbert v. Mörsdorff -

Sefechnu Seba, 16. FPE 28 S.G.; Nur sechs Wochen nach dem Mord an einem Horasier durch den Thorwaler Ragnar Hjalvarson droht die Situation auf der riesenhaften Baustelle in der Hauptstadt Tasebas erneut außer Kontrolle zu geraten!
Nur mit Mühe war es Akib Gorthin Anfang Phex gelungen, die Pilger horasischer und thorwalscher Abstammung davon abzuhalten übereinander herzufallen. Obwohl insbesondere von Seiten des Borongeweihten Boromeo Uludaz von Anfang an erhebliche Zweifel an der Täterschaft Hjalvarsons vorgetragen wurden, erkannte Akib Gorthin die Zeichen der Zeit und besänftigte die aufgebrachten Horasier durch eine unverzüglich verhängte drakonische Strafe. Nach wenigen Tagen, während derer die Horasier sich beruhigt und die Thorwaler sich - angesichts der in ihren Augen ungerechten Strafe für ihren Landsmann - aufzuregen begonnen hatten, wandelte Gorthin v. Oppstein sein Urteil in die sofortige und lebenslange Verbannung des Nordmanns um.
Durch dieses geschickte Vorgehen kam er beiden Bevölkerungsgruppen entgegen. Dennoch wurden die Unterkünfte der Horasier und Thorwaler an einander entgegengesetzte Enden des riesigen Pilgerlagers verlegt und den beiden Gruppen bei den Bauarbeiten Aufgaben zugeteilt, die praktisch jeglichen Kontakt zwischen ihnen ausschlossen. In weiser Voraussicht muss sich der Akib auch an den Mehib Ni Neu-Prem gewandt und ihm die instabile Lage dargelegt haben. Denn Kal'Tan hatte kurz darauf den Laguanaorden gebeten, einige der auf den Inseln befindlichen Truppen nach Sefechnu Seba zu senden, um den auf Dauer völlig überforderten Wachen des Akibs zur Seite zu stehen. Eingetroffen sind die Kirchentruppen bis heute allerdings nicht.
Bis gestern nun herrschte eine Atmosphäre, die der Ruhe vor dem Sturm glich. Zwischen Liebfeldern und Nordmännern herrschte ein "kalter Krieg". Hasserfüllte Blicke kreuzten sich, wenn Angehörige der beiden Volksgruppen sich zufällig bei einem der abendlichen Besuche in Sefechnu Seba begegneten. Sie steigerten sich in den späteren Abendstunden zu Beschimpfungen und am frühen Morgen schon Mal in handfeste Auseinadersetzungen, die durch den Akib mit der sofortigen Ausweisung aller Beteiligten aus Taseba geahndet wurden. Da sich die Zahl der neu ankommenden Pilger und derjenigen, die ihren Dienst für beendet sehen, mittlerweile eingependelt hat und sich ungefähr die Waage hält, konnten auch die eigentlichen Arbeiten an dem Tempel - ohne größere logistische Probleme - bis zum gestrigen Tag einigermaßen voranschreiten.
Seit heute aber scheint sich das Reich des Namenlosen der blühenden Stadt im Süden Aaresys und vor allem der Baustelle am Haus des - bis gestern - immer prachtvoller erstehenden Hauses unseres Herrn Boron bemächtigt zu haben! Denn im Morgengrauen war wieder ein Horasier tot aufgefunden worden: mit einer thorwalschen Axt im Schädel!
Es dauerte nicht lange, bis die heißblütigen Einwanderer aus dem Alten Reich sich bewaffneten und in unkontrolliertem Zorn zu den Unterkünften der Thorwaler begaben. Ein blutiger Kampf entbrannte. Die rasch an den Ort der Auseinandersetzung geeilten Wachen, trauten sich kaum in den auf Leben und Tod geführten Kampf einzugreifen. Erst nachdem die Thorwaler langsam die Oberhand zu gewinnen begannen und die kurz vor dem Wahnsinn stehenden Horasier den Rückzug antreten mussten, hinderten die Bewaffneten des Akibs die beinahe berserkerhaften Hjaldinger daran, den Liebfeldern nachzusetzen.
Doch die Wut der ins Mark getroffenen Seeleute ist wohl nicht mehr zu bremsen. Nachdem sie davon abgehalten worden sind, sich direkt über ihre Feinde herzumachen, haben sie sich deren Werk als Ziel gewählt: wie ein Schwarm Heuschrecken über ein noch nicht abgeerntetes Feld herfällt, so haben sie begonnen, alle Teile des Bauwerks, die von horasischen Arbeitern, Handwerkern oder Steinmetzen hergestellt worden sind, kurz und klein zu schlagen - denn: "Kein Handschlag der Frevler soll am Haus des Herrn Boron zu sehen sein!"
Damit jedoch hatten sie den Bogen überspannt. Unmittelbar nachdem das Hilfsgesuch seiner Hochwürden Uludaz bei Akib Gortin eingetroffen war, befahl dieser die Aushebung der Bürgerwehr. Während die wenigen Wachen des Akibs auf der Baustelle ihr möglichstes taten um schlimmeren Frevel zu verhindern, konnte die Bürgerwehr erst gegen Abend massiv eingreifen. Angesichts des geballten Aufmarsches aller bewaffneten Bürger der Stadt ließen die Thorwaler schließlich von ihrem Werk ab. Der sonst so ruhige Boromeo Uludaz forderte zwar umgehend die Bestrafung der Meute, ließ sich jedoch damit beruhigen, dass das Lager der Thorwaler zukünftig unter der Bewachung der Bürgerwehr stehe.
Während der folgenden Nacht vibrierte die Luft im Pilgerlager geradezu vor Spannung, und im Morgengrauen kam es schließlich zu einer letzten Eskalation. Denn nachdem einige Thorwaler sich mit ihren "Bewachern" von der Bürgerwehr eine Prügelei geliefert hatten, befahl Akib Gorthin die Verhaftung aller Unruhestifter. Dadurch kam es im Pilgerlager beinahe zu kriegsartigen Zuständen, als die Wachen des Akibs und die Bürgerwehr gegen die Thorwaler und auch gegen einige Horasier vorgingen um deren jeweilige Wortführer zu verhaften. Nachdem viele Menschen in den Kämpfen teilweise schwer verletzt worden waren, musste sich Akib Gorthin damit begnügen, nur bekanntesten Hitzköpfe und Aufrührer gefangen zu nehmen, um sie so schnell wie möglich von der Insel zu schaffen und vor ihren Richter zu bringen. Inwiefern die restlichen Thorwaler und Horasier ihren gegenseitigen Hass nun unter Kontrolle halten können, wird die Zukunft zeigen.
(MSC)

mehr...

ZURÜCK