
Die Reise nach Ahet war weit, doch hoffe ich, es wird sich lohnen. Ihre Hochwohlgeboren, Rhonda Mezkarai, die Nesetet Ni Ordoreum, gestattete mir - Kemet'máat, Korrespondent der RS aktuell - mich mit Ihr zu einem Gespräch unter vier Augen treffen zu dürfen. Ich hielt dies für lohnenswert, denn auch sie, die Tochter des einflussreichen Hauses Mezkarai ist, ist als hemet-Hátyá Ni Mer'imen in die dortigen Geschehnisse involviert.
Erst kürzlich hatte sie ihren Vogt Cherûneb Ni Biazzan eingesetzt, ihre Tásahet Meria zu verwalten, da reiste sie ihm schon hinterher und betraute ihren Bruder Charîm Veset Mezkarai, Ser-Nesetet, mit den geschäften der Tánesetet. Es war nicht ersichtlich, was genau sie in die Táhátyá Mer'imen trieb, war dem Hátyá als ihrem Gemahl jeglicher Kontakt untersagt. Doch dann war auch sie unter denjenigen Adligen, die vor der Hekátet Ni Chentasu ihren Schwur erneuerte - lange Zeit nach ihrer Abreise.
Dieser Lücke in der Zeitlinie gilt es auf den Grund zu gehen.
Kemet'máat: Boron zum Gruße, Hochwohlgeboren …
Rhonda Mezkarai: Den Gruß zurück, Meister Kemet'máat. Was kann ich für Euch tun?
Kemet'máat: Vielleicht könnt Ihr Euch schon denken, was der Grund dieses Treffens ist …
Rhonda Mezkarai: Möglicherweise …
Kemet'máat: … immerhin seid Ihr die Hemet des arretierten Hátyás Ni Mer'imen, der sich gegen die Boronskirche verging. Was geht Euch bei den Gedanken an ihn und die Situation durch den Kopf?
Rhonda Mezkarai: Nun … dies ist eine sehr unpräzise Frage. Mir geht dabei vieles durch den Kopf. Seine Erlaucht. Hátyá Rhuawn sprach sich gegen die Kirche aus, indem er eine Priesterin des Heiligen Raben zurückwies, weil sie eine Schwester im boronheiligen Orden Laguans ist. Und dies ist ein Vergehen, welches zu ahnden ist.
Kemet'máat: Und was denkt die Gemahlin in Euch?
Rhonda Mezkarai: Das ist nicht von Belang.
Kemet'máat ( räuspert sich ): Aber Ihr seid doch recht zügig von Ahet aus nach Mer'imen gereist?
Rhonda Mezkarai: Das ist richtig. Ich bin die Hemet-Hátyá Ni Mer'imen und als diese die erste Frau in der Táhátyá. Dort zu erscheinen in Zeiten der Verwirrung ist meine Aufgabe, ebenso wie ein Pol der Ruhe zu sein.
Kemet'máat: "Zeiten der Verwirrung"? Darf ich dieser Formulierung entnehmen, wie Ihr zu der dortigen Situation steht?
Rhonda Mezkarai: Nein, dürft Ihr nicht. Das Vorgehen der beteiligten Personen, etwa Ihrer Hoheit Chanya al'Mout'pekeret, Seiner Hochwürden Mehib Ne'mékath oder auch das Erscheinen der Inquisition auf Zyral, ist über jedem Zweifel erhaben.
Kemet'máat: Das mag durchaus sein, doch das Herz einer Ehefrau muss doch daran zerbrechen, vor allem in Eurer Lage?
Rhonda Mezkarai: An erster Stelle bin ich nicht die Ehefrau des Hátyás Ni Mer'imen. Das ist der Hintergrund einer politischen Verbindung. Zuallererst bin ich eine treue Gläubige des Heiligen Raben, dann eine treue Lehnsfrau unserer Heiligen Nisut - als Nesetet Ni Ordoreum und als Sahet Ni Meria - und dann bin ich Tochter des Hauses Mezkarai. Was ich oder irgendjemand sonst ob dieser Situationen empfinden mag, ist vor der Heiligen Inquisition und dem Gericht ohne Belang.
Kemet'máat: Gut, da kann ich nicht widersprechen.
Rhonda Mezkarai: Gut so.
Kemet'máat: Nun seid Ihr als Hemet-Hátyá gen Mer'imen gereist just in der Zeit, als Gerüchte vom … nennen wir es "Verschwinden" … verschiedener mer'imener Akîbs und Sahs auftraten.
Rhonda Mezkarai: Ich denke, ich weiß worauf Ihr hinauswollt. Die Gerüchte von einem konspirativen Treffen der mer'imener Nobilitas kamen auch mir zu Ohren. Verständlich, ich hätte im ersten Moment nicht anders vermutet. Von einer Konspiration, gar einer Verschwörung gegen Reich und Kirche kann nicht die Rede sein. Der Ser-Hátyá Haldjin ed Djasuhr rief die Adligen der Táhátyá Mer'imen zu einem Treffen, um das weitere Vorgehen zu beraten und unnötige Panik zu vermeiden.
Kemet'máat: Und Ihr wart dabei?
Rhonda Mezkarai: Ich war als Sahet Ni Meria geladen, richtig.
Kemet'máat: Allerdings heißt es, die Akîbet Ni Câbas, wie überhaupt die Adligen der Tá'akîbet Câbas, waren nicht anwesend.
Rhonda Mezkarai: Das ist ebenfalls korrekt. Den Grund dafür, warum Ihre Hochgeboren Ni Câbas von Ser-Hátyá Haldjin nicht eingeladen wurde, erfragt Ihr besser beim Ser-Hátyá selbst.
Kemet'máat: Was brachte dieses Treffen denn letztendlich?
Rhonda Mezkarai: Eine Klärung der Lage. Ser-Hátyá Haldjin sorgte für Ruhe unter den Versammelten und beriet sich mit ihnen, was nun zu tun sei.
Kemet'máat: Und was ist nun zu tun?
Rhonda Mezkarai: Das, was die Heilige Nisut parallel zu diesem Treffen beschloss: Der Adel Mer'imens solle sich nach Ynbeht zur ihrer kemiköniglichen Majestät begeben.
Kemet'máat: Das heißt also, der gesamte Adel Mer'imens wird sich nach Khefu zu Ihrer königlichen Majestät begeben?
Rhonda Mezkarai: Das sagte ich gerade eben.
Kemet'máat: Und was wird dort geschehen?
Rhonda Mezkarai: Prophetische Gaben sind mir nicht gegeben, Meister Kemet'máat. Ihre nisutliche Majestät wünscht, dass die mer'imener Adligen vor IHR noch einmal den Lehenseid auf sie, das Reich und Boron schwören. So wurde es auch in der Rabenschwinge verkündet. Seine Exzellenz, Ser-Hátyá Haldjin ed Djasuhr hat parallel dazu ergänzende Pläne.
Kemet'máat: Was sind das für Pläne?
Rhonda Mezkarai: Zu gegebener Zeit werden sie auch Euch kundgetan, doch derzeit behalte ich mein Wissen darum vor unzulänglichen Ohren zurück. Nur sei jede Paranoia von vornherein zertreten, denn seine Exzellenz Haldjin ed Djasuhr plant mitnichten etwas schreckliches, wie manche Geister vermuten würden.
Kemet'máat: Was ist der Grund für Euer Schweigen, Hochwohlgeboren?
Rhonda Mezkarai: Warum etwas erzählen, wenn es in nicht allzu langer Zeit jeder weiß?
Kemet'máat: Information interessierter Leser …
Rhonda Mezkarai: Die nötigen Stellen und Personen sind informiert, soweit ich weiß.
Kemet'máat: Und die geneigte Leserschaft …
Rhonda Mezkarai: … wird zu gegebener Zeit alles erfahren. Meister Kemet'máat, Euch kommt diese Hartnäckigkeit nicht gut zupass, wenn ich es mal so formulieren darf.
Kemet'máat: Möglich. Gestattet mir den Themenwechsel … Ihr wurdet vor kurzem mit der Tásahet Meria belehnt. Einer Tásahet im fernen Irakema. Ihr aber haltet Euch zumeist in Ahet auf, immerhin binden Euch dort gräfliche Geschäfte. Wie aber lässt sich das vereinbaren?
Rhonda Mezkarai: Die Verwaltung einer Tásahet wird gemeinhin überschätzt. Als kleinste Verwaltungseinheit im Reich lässt sich eine Tásahet auch recht einfach verwalten, der Aufwand ist nicht so groß, wie der gemeine Bürger oftmals denkt. Viele Sahs und Sahets sind auch gerne … nennen wir es Titular-Adlige. Sie tragen den Adelsrang und ein Schreiber oder wahlweise auch der Gärtner übernimmt die Schreibarbeit. So ist es auch mit Meria. Mein Vertrauter Cherûneb Ni Biazzan, von dessen Fähigkeiten ich überzeugt bin, übernimmt in Meria die administrativen Aufgaben, die eigentlich mir als Sahet zugefallen wären. Er spricht für mich im mer'imener Rat, hält Kontakt mit der Akîbet und verwaltet einfach die Tásahet.
Kemet'máat: Das heißt, Ihr seid auch eine der von Euch Titular-Sahets genannten Adligen?
Rhonda Mezkarai: Genaugenommen … ja. Die Tásahet Meria und ihr ordoreer Gegenstück Al'Candyia sind politische Signale. Politische Verdeutlichungen des Bundes zwischen Mer'imen und Ordoreum, den al'Mansour und den Mezkarai, mir und Rhuawn al'Mansour. Es war von vornherein einleuchtend, dass weder ich noch seine Erlaucht Rhuawn al'Mansour die Verwaltung des Gutes selbst vornehmen können. Deshalb haben wir tüchtige Verwalter bestallt. Und ich kann mit voll und ganz auf Cherûneb Ni Biazzan verlassen.
Kemet'máat: Cherûneb Ni Biazzan ist also quasi Euer Ser-Sahet Ni Meria.
Rhonda Mezkarai: Korrekt, wobei es diesen Posten nominell nicht gibt.
Kemet'máat: Ihr umgebt Euch augenscheinlich mit Personen, bei denen Euch die Fähigkeiten wichtiger sind als Rang und Name. Cherûneb Ni Biazzan, Eure Haushofmeisterin Baket, Euer Sekretär Shepses'hotep.
Rhonda Mezkarai: Was für die Verwaltung Ordoreum nur gut sein kann. Cherûneb und Shepses'hotep sind mir vertraut, ich weiß um ihre Befähigung, um ihre Stärken und Schwächen und sie sind mehr als einfache Schreiber für mich. Und Baket weilt seit vielen Jahren an meiner Seite.
Kemet'máat: Gerüchteweise aber heißt, Ihr wollt aber gerade Euren Ser-Nesetet Charîm Veset Mezkarai absetzen?
Rhonda Mezkarai: Das klingt so hart. Als würde ich ihn aus Ordoreum vertreiben wollen. Ich bestallte Charîm Mezkarai mit dem Ser-Amte, weil er ebenso befähigt war, Ordoreum zu leiten wie ich. Doch dringlichere Aufgaben erfordern nun seinen Rücktritt, was er mir selbst unterbreitet hat.
Kemet'máat: Was sind das für Aufgaben?
Rhonda Mezkarai: Das fragt Ihr Charîm Mezkarai am besten selbst. Ich gebe dazu keine Auskunft.
Kemet'máat: Und wer wird sein Nachfolger? Immerhin seid Ihr als Hemet-Hátyá Ni Mer'imen und als Sahet Ni Meria auch viel unterwegs und braucht jemanden, dem Ihr Vertrauen könnt, in Ordoreum. Ich denke da an seine Hochgeboren Antaris Tasmenep Mezkarai oder an Menadis Djeser Mezkarai. Beide kämen für mich persönlich in Frage.
Rhonda Mezkarai: Ihr habt recht. Ich benötige jemanden in Ordoreum, der mir zur Seite steht. Und ich habe mich auch schon entschieden. Seine Hochgeboren Antaris Tasmenep Mezkarai, Akîb Ni Táheken wird fürderhin das Amt des Ser-Nesetets wahrnehmen.
Kemet'máat: Und was hat Euch zu dieser Entscheidung bewogen?
Rhonda Mezkarai: Er hat sich in der jüngsten Vergangenheit bewährt. Seine Entscheidungen bezüglich Táhekens waren von einer vorausschauenden Umsicht und ich bin mir sicher, diese Um- und Weitsicht beweist er auch als Ser-Nesetet Ni Ordoreum. Überdies - und das ist der wichtigste Grund - vertraue ich ihm.
Kemet'máat: Wie wird - Eurer Ansicht nach - sich Antaris Mezkarai als Ser-Nesetet etablieren?
Rhonda Mezkarai: Um ein Zitat meinerseits von vorhin aufzugreifen: Prophetische Gaben sind mir nicht zu eigen. Ich weiß nur, dass ich ihn jetzt für fähig halte, das Amt auszufüllen. Was er in der Zukunft tun wird, das weiß allein der Heilige Rabe.
Kemet'máat: Da habt Ihr sicherlich recht. Euer Hochwohlgeboren, ich bedanke für dafür, dass Ihr die Zeit gefunden habt, mir Rede und Antwort zu stehen. Es war sehr informativ und interessant, Euren Worten zu lauschen.
Rhonda Mezkarai: Auf dass die geneigte Leserschaft der Rabenschwinge aktuell stets wohlinformiert sein wird.
Kemet'máat: Der Heilige Rabe sei mit Euch.
Rhonda Mezkarai: Boron Gruß, Meister Kemet'máat
(NME)