


| Legende: | 1 | Hafenmole | 2 | Pfahlreihen/Ankerplätze | |
| 3 | Grobsteinaufschüttungen | 4 | Kontor des Handelshauses Terkum | 5 | Hängebrücke |
| 6 | Reisfelder | 7 | Bewässerungsanlagen/Sammelbrunnen | 8 | Bananenplantage |
| 9 | Borontempel | 10 | Hirsefelder | 11 | Boronanger |
| 12 | Geschütztürme | 13 | Komturei des Lagauna-Ordens | 14 | Lagerhäuser |
| 15 | Rahja-Tempel | 16 | Residenz des Nesets von Terkum | 17 | Hauptquartier Stadtgarde |
| 18 | Botenläuferstation | 19 | Residenz des Akîbs von Rekmehi | 20 | Gasthaus |

| 1. Dorfbrunnen | 2. Boronschrein | 3. Haus und Garten der Sahet | 4. Schmiede | 5. Gasthaus | 6. Gemeindescheune | 7. Backhaus | 8. Gefangenenbaracke |
| 9. Viehkoppel | 10. Wachtürme | 11. Reis- und Hirsefelder | 12. Dattelplantage |
Tagebuch der Cajetana ya Ravendoza, ehemalige Sahet Ni Cherep:
1.Tag des Mondes der Rondra 28 S.G.
Vor vier Tagen haben Aimee und ich Merkem verlassen und sind durch den Dschungel nach Cherep gereist. Die Reise verlief friedlich, ohne größere Ereignisse, aber sie war sehr strapaziös. Die schwüle Hitze und die Moskitos haben Aimee sehr zugesetzt Viel Luxus habe ich wirklich nicht erwartet, aber was ich vorgefunden habe, hat wirklich meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Cherep ist ein kleines Dorf von 20 Wohnhäusern und etwa 75 Einwohnerinnen und Einwohnern. Cherep ist von einigen Reis und Hirsefeldern sowie einer Dattelplantage umgeben. Wir sind hier sehr weit im Norden, der Dschungel und mit ihm die feindlichen Waldmenschen sind nicht fern. Eine Palisade, die uns vor einem Angriff schützen könnte, existiert nicht. Meine "Residenz" ist ein verfallenes Gebäude, ein Wehrhof mit Innenhof und einem kleinen Brunnen. Das Dach ist löchrig, Fenster und Türen aus den Angeln gefallen, alles ist dreckig und verwahrlost. In den Ställen gibt es kein Vieh, noch nicht einmal Hühner.
Die Begrüßung durch die Bewohnerinnen und Bewohner Chereps war nicht gerade herzlich, aber auch nicht feindselig. Sie haben auch keinen Grund, jetzt schon Sympathie für mich zu empfinden. Möge mir unser Herr Boron helfen, das Vertrauen dieser Leute zu gewinnen!
2.Tag des Mondes der Rondra 28 S.G.
Die erste Nacht haben wir in meinem neuen Heim wohl hinter uns gebracht. Meine Schwester Aimee hat sich heute um die Wohnräume gekümmert, während ich heute den Ort, die Plantage und die Felder inspiziert habe. Der Dorfschultheiß Thoran Mezkara hat mich begleitet. Nach dem Rundgang, es war bereits Nachmittag, habe ich begonnen, das Dach auszubessern. Wie Mezkara mir mitteilte, sei es leider nicht möglich, mir Leute zur Unterstützung zur Seite zu stellen, da alle Arbeitskräfte auf den Reisfeldern benötigt würden.
Ich habe mich also auf dem Dach abgeplagt, während ich zum Herrn Boron betete, daß mein Bruder bald hier eintreffen möge. Ramon wollte einige Tage nach uns aufbrechen, um mir noch Hausrat und ähnliches zu bringen. Ich hoffe, seine Geschäfte halten ihn nicht mehr allzu lange auf, denn ich kann seine Hilfe gut gebrauchen.
3. Tag des Mondes der Rondra 28 S.G.
Ich habe den heutigen Vormittag wieder auf meinem Dach verbracht und wundere mich, daß ich nicht mit dem gesamten Dachstuhl eingebrochen bin, so morsch und brüchig ist das Ganze. Anscheinend ist unser Herr Boron noch nicht an mir interessiert!
Am Nachmittag habe ich die Bewohner Chereps versammelt und eine Begrüßungsansprache gehalten. Im Anschluß habe ich alle antreten lassen, die sich für fähig halten, mit einer Waffe umzugehen. Einige wackere Kämpferinnen und Kämpfer sind darunter, die wohl einmal in der Armee gedient haben. Die meisten aber sind im Umgang mit Waffen sehr ungeübt und im Falle eines Angriffes, der - unserm Herrn Boron sei Dank - derzeit wenig wahrscheinlich sein mag, wären wir sehr schutzlos. Ich habe angeordnet, daß täglich Waffenübungen abgehalten werden müssen, die ich auch persönlich leiten werde, zumindest solange, bis ich eine geeignete Vertretung finde. Ich habe auch angekündigt, daß bald mit dem Bau einer Palisade begonnen werden soll, aber noch nicht geklärt ist, wer die Kosten dafür trägt und wir damit rechnen müssen, es selbst zu finanzieren und auch auszuführen. Ich werde Seine Hochwohlgeboren und auch Seine Hochgeboren um Hilfe bitten.
4. Tag des Mondes der Rondra 28 S.G.
Heute morgen habe ich bei Tagesanbruch mit den Waffenübungen begonnen, das Resultat ist mehr als beunruhigend. Die meisten jungen Männer und Frauen haben noch nie ein Schwert oder eine andere Waffe in Händen gehalten. Nach einigen grundlegenden Übungen habe ich sie einen Dauerlauf um den Ort machen lassen, denn auch die Kondition muß geübt werden. Wenigstens hält mich das tägliche Üben selbst in Form!
Ich muß unbedingt nach Merkem reisen und Waffen kaufen, denn an ihnen fehlt es hier beträchtlich. Auch wird es sinnvoll sein, mein Anliegen an meinen Neset und meinen Akîb persönlich vorzutragen. Außerdem fehlt es hier an etlichen Dingen, die ich vermisse und die ich in Merkem besorgen kann. Ein Badezuber kann hier als Luxusartikel bezeichnet werden...
5. Tag des Mondes der Rondra 28 S.G.
Auch den heutigen Tag begann ich wieder mit Dauerlauf und Waffenübungen. Die Leute sind mit sehr viel Elan bei der Sache, was mir zeigt, daß sie die Notwendigkeit dieses Unterfangens eingesehen haben.
Am Nachmittag habe ich einen Streit zwischen zwei Bauern geschlichtet. Es ging um Rechte an einem Reisfeld. Ich mußte feststellen, daß es gar nicht so einfach ist, Recht zu sprechen. Dem Herren Boron sei Dank, ich hatte Thoran Mezkara zur Beratung an meiner Seite! Am späten Nachmittag ist endlich mein Bruder eingetroffen! Ich hoffe, er wird sich meines Daches annehmen, während ich meinen Pflichten als Sahet nachkommen werde.
6. Rondra 28 S.G.
Ramon hat mir Lebensmittel und Hausrat mitgebracht, außerdem Werkzeug und einige Hühner. Meine liebe Mutter hat mir ein wunderschönes grünes Kleid geschickt, wie sehr habe ich mich darüber gefreut! Ein richtiges Stück Luxus in dieser Wildnis! Schade, daß ich nur so wenig Gelegenheit habe es zu tragen. Wenigstens habe ich jetzt etwas anzuziehen, wenn ich bei meinem Neset und bei meinem Akîb zur Audienz erscheine. Obwohl es vielleicht besser wäre, wenn ich in Lumpen gekleidet käme, um sie von meiner Mittellosigkeit zu überzeugen!
Mit Ramons Hilfe geht die Arbeit am Dach rascher voran, doch spart er nicht mit spitzen Bemerkungen über meinen Amtssitz und den Reichtum, den mir mein Posten wohl bringen wird. Dabei kommt es im Leben doch nicht nur auf Geld an! Aber was erwarte ich eigentlich von einem Händler anderes?
Aimee hat im Hause wahre Wunder gewirkt! Alles blinkt und blankt, ist aufgeräumt und strahlt schon etwas Gemütlichkeit aus. Einige Möbel fehlen mir noch, die werde ich in Merkem besorgen, wenn ich das nächste Mal dorthin reise.
7. Rondra 28 S.G.
Heute traf eine kleine Reisegruppe hier in Cherep ein. Zwei Kriegerinnen vom Orden des hl. Laguan und ein Händler des Handelshauses Terkum mit seiner Gehilfin. Die beiden Damen haben den Auftrag, die alte Minensiedlung Ikasi zu kontrollieren. Der Händler, Bertramo Farona, brachte mir einen Brief des Nesets und Lebensmittel, Geflügel und drei Selemferkel. Ich habe ihm alles abgekauft, außer den Brief, den bekam ich kostenlos.
Der Inhalt des Briefes macht mich neugierig, der Neset bittet mich um ein Gespräch, aber er äußert sich nicht, worum es geht. Er befiehlt mir nicht, daß ich antrete, wäre sogar bereit zu mir nach Cherep zu kommen. Ich werde nach Merkem reisen, habe aber doch ein ungutes Gefühl in der Magengegend.
8. Rondra 28 S.G.
Heute morgen, wir waren gerade bei unseren Waffenübungen, kamen Waldmenschen nach Cherep. Das erste Mal, seit ich hier angekommen bin. Drei Männer und eine Frau; sie wollten mit den Einheimischen Tauschgeschäfte betreiben und haben dies wohl auch getan. Obwohl sie bewaffnet waren, schienen sie mir doch recht friedlich zu sein. Ich hoffe, daß sie keine Spione sind und ein Angriff der Waldmenschen bevorsteht! Der Brief des Nesets beunruhigt mich! Ich habe mich mit Mezkara besprochen, er kennt diese kleine Gruppe, sie kommen wohl öfter her, trotzdem bleibe ich mißtrauisch. Ich werde ab sofort Wachen einteilen, auch wenn die Leute nicht davon begeistert sein werden, da jede Hand auf den Feldern benötigt wird. Auch frage ich mich, was die beiden Kriegerinnen in Ikasi suchen! Irgendwas geht vor und ich hoffe, der Neset wird mir sagen können was!
9. Rondra 28 S.G.
Mein Haus hat jetzt auch intakte Türen und Fensterläden! Boron sei Dank ist Ramon ein geschickter Handwerker, allein hätte ich das nicht geschafft! Aimee fängt jetzt an den Garten zu bepflanzen, sie kultiviert einige Nutzpflanzen, aber auch wunderschöne Blumen. Mit Thoran Mezkara verbindet mich langsam eine Freundschaft, er hilft und berät mich in vielen Dingen, die ich, so unerfahren wie ich bin, allein nicht so leicht bewältigen könnte.
Die Lage bleibt noch friedlich, obwohl sich meine Nackenhaare ziemlich sträuben! Irgendwas liegt in der Luft!
Ich werde sobald wie möglich nach Merkem reisen.
10. Rondra 28 S.G.
Heute ist ein zweiter Brief des Neset gekommen, er sagt mir Unterstützung für die Verbesserung der Dinge in Cherep zu, äußert sich aber immer noch nicht näher über den Grund der gewünschten Unterredung. Allerdings wirkt der Brief nicht so, als ob er besonders beunruhigt wäre! Nichtsdestotrotz werde ich übermorgen gen Merkem aufbrechen. Ich werde die Amtsgeschäfte in die Hände Thorans legen, der sie ja auch vor meiner Ankunft gut geführt hat. Ich überlege, ob ich Aimee hier lassen kann oder ob sie besser wieder mit nach Merkem kommt.
11. Rondra 28 S.G.
Habe den ganzen Tag mit Reisevorbereitungen verbracht und auch hier alles für die Zeit meiner Abwesenheit geregelt. Aimeè weigert sich standhaft ihren frisch bepflanzten Garten zu verlassen. Sie will ihn weder Ramon noch irgendjemand anderem anvertrauen. Ich kann sie verstehen, Ramon hat bisher noch jede Pflanze zugrunde gerichtet. Es bleibt mir nur übrig auf unseren Herrn Boron zu vertrauen und zu hoffen, daß ihre Zeit noch nicht gekommen ist! Im Moment scheint noch alles friedlich zu sein.

Am Takisee liegt eine Ansiedlung der Waldmenschen vom Stamme der Reka mit denen manchmal Handel getrieben wird (ca. 100 Einwohner, genaues ist nicht bekannt). Am Takisee stehen auch die "Steinstatuen vom Takisee" über welche nichts näheres bekannt ist, obschon unterdessen bereits zwei Expeditionen in diese Gegend unternommen wurden.

von Holger Dirscherl, Sylvia Gundlach und Reinhard Schwarm