
Nan'ji ya'k Bergström, ein junger, neugieriger Reporter der Rabenschwinge und Hofberichterstatter des ylehischen Hofes bat Gardegeneralin Quenadya Mezkarai, Kommandierende der Truppen in Yleha, um ein Gespräch:
Nan'ji ya'k Bergström: Quenadya Mezkarai, Ihr habt den Feldzug gegen die ylehische Dämonenpaktiererin begleitet. Was genau war Eure Position im Zug, welche Aufgaben hattet Ihr?
Quenadya Mezkarai: Ich hatte das Kommando über das Banner der regulären Armee. Das ganze war ein Ordenseinsatz, wir waren unterstützend und in untergeordneter Hierarchie dabei.
Nan'ji ya'k Bergström: Also hattet Ihr nur Befehle auszuführen oder konntet Ihr den Lauf des Feldzuges auch direkt beeinflußen?
Quenadya Mezkarai: Da es ein Feldzug unter der Fürhung des Ordens war, war ich nicht im in Besitz des Oberbefehls. Allerdings habe ich durchaus Gelegenheit gehabt, mit Ratschlägen und Hinweisen die taktischen Operationen beeinflussen zu können.
Nan'ji ya'k Bergström: Ist Eurer Meinung nach der Zug zufriedenstellend abgelaufen? Gab es Probleme während der Aktion?
Quenadya Mezkarai: Wir können zufrieden sein. Natürlich tut es mir weh, wenn ich an die denke, die nicht mehr zurückgekommen sind, aber die Vernichtung und die Ausmerzung der Paktierer verschafft mir eine große Genugtuung. Yleha hat schon zu viel gelitten, und ich wünsche mir dort endlich einmal Ruhe und Frieden. In militärischer Hinsicht wurden die Ziele des Feldzuges erreicht, die Paktierer waren erwartungsgemäß nicht in der Lage, unserem großen Aufgebot etwas entgegenzusetzen. Wir hatten viele Veteraninnen und Veteranen der Ujak-Schlacht dabei, so daß die widernatürlichen Schrecken sich nicht so dramatisch auswirkten.
Nan'ji ya'k Bergström: Was für wiedernatürliche Dinge lauerten im Dschungel? Welcher Art waren sie?
Quenadya Mezkarai: Darüber zu sprechen ist nicht gerade günstig. Laßt es mich so sagen: vor Ujak war es schlimmer.
Nan'ji ya'k Bergström: Es geht das Gerücht, daß die Helden, die im Dschungel ihr Leben lassen mußten, besonders geehrt werden, indem die Totenfeiern besonders üppig ausfallen, und sogar im Ehrenhof des heiligen Klosters Al'Areal stattfinden sollen. Zudem ist die Rede von einem Denkmal im inneren Festungshof in Zirmo, sind dies nur Gerüchte?
Quenadya Mezkarai: Im Moment ist es nur ein Plan. Ich unterstütze diesen aber voll und ganz.
Nan'ji ya'k Bergström: Gibt es schon Überlegungen, wie dies finanziert werden soll?
Quenadya Mezkarai: Frau wird sehen. Aber im Ernst: wer würde bei so einem Vorhaben schon abseits stehen wollen?
Nan'ji ya'k Bergström: Wie beurteilt Ihr im nachhinein den Erfolg des Zuges?
Quenadya Mezkarai: Wir haben gesiegt. Und das ist das Wichtige. Ich bedaure allerdings, daß wir die Hexe selbst nicht fassen konnten. Es ist wahrscheinlich, daß sie an ihrem Zufluchtsort verschüttet wurde, aber frau kann nie wissen. Wir behalten die Gegend im Auge. Auf alle Fälle hat sie keine Gefolgschaft und keine Basis mehr.
Nan'ji ya'k Bergström: Aber dennoch ist sie eine Gefahr. Wann denkt Ihr, wird sie wieder auftauchen?
Quenadya Mezkarai: Das kann ich nicht sagen. Wir wissen ja nicht einmal, ob sie nicht schon tot ist. Auf alle Fälle hat sie eine schwere Niederlage erlitten. Sie weiß nun, daß es nicht so einfach ist, sich auf Dauer zu etablieren. Im Prinzip sind ihre Möglichkeiten begrenzt. Kem'sche Schwarze Lande haben wir von ihr nicht zu befürchten.
Nan'ji ya'k Bergström: Waren die ylehischen Waldreiter auch anwesend und konnten sich bewähren?
Quenadya Mezkarai: Ja. Ylehis sind tapfere und erfahrene Soldaten und Soldatinnen. Ich nehme sie gerne für schwierige Missionen. Und wenn frau es versteht, mit einem nicht ganz einfachen Ônth zurechtzukommen, hat frau im Dschungelkampf wertvolle Vorteile, wie die Paktierer schmerzlich erkennen mußten.
Nan'ji ya'k Bergström: Das werden die Ylehis bestimmt gerne hören! Doch soweit ich informiert bin, ist die Abteilung der Waldreiter nur sehr klein... eine experimentelle Abteilung ohne kemiweite Bedeutung. Hat sie eine Zukunft oder ist sie schlicht zu teuer?
Quenadya Mezkarai: Die Abteilung hat eine große Zukunft. Die experimentelle Phase ist vorbei, und selbst ich, die ich den Onths doch mit großer Skepsis begegne, stimme der positiven Einschätzung zu. Auf Dauer ist sicherlich nicht an eine Kavallerieeinheit zu denken, aber es lassen sich sicherlich Mobilitätsvorteile durch die Einführung berittener Infanterieeinheiten erreichen.
Nan'ji ya'k Bergström: Die Hatyat hat den Zug nicht begleitet, sie ist in Yleha/Stadt geblieben, hat die Staatsgeschäfte am laufen gehalten und den Nachschub koordiniert. Hat sie das freiwillig getan oder war es sogar Ihr Wunsch?
Quenadya Mezkarai: Die Hátyát hat selbst diesen Wunsch geäußert. Es war eine weise Entscheidung, wenn frau bedenkt, daß es eine starke und dominierende Hand in Yleha/Stadt braucht, um die fragile Lage zu stabilisieren. Die Präsenz der Hátyát ist unerläßlich für die Ruhe im Lande.
Nan'ji ya'k Bergström: Aber sie wäre doch im Land geblieben...
Quenadya Mezkarai: Ohne Frage.
Nan'ji ya'k Bergström: Nun...... also präsent geblieben....?
Quenadya Mezkarai: Präsent? Bei einem Feldzug, bei dem frau nicht einmal weiß, ob die Nachhut noch präsent ist?
Nan'ji ya'k Bergström: Es geht das Gerücht herum, daß die Hatyat während Eurer Abwesenheit den Oberbefehl über die ylehischen Truppen erhalten hatte und sogar 100 Leute in Zirmo für den Notfall bereithielt. Könnt Ihr das bestätigen?
Quenadya Mezkarai: Wenn ja, würde ich es nicht.
Nan'ji ya'k Bergström: Also bedeutet das ja?
Quenadya Mezkarai: Nein.
Nan'ji ya'k Bergström: Verstehe....
Quenadya Mezkarai: Ach...
Nan'ji ya'k Bergström: Darf ich Euch noch einige persönliche Fragen stellen?
Quenadya Mezkarai: Wenn es sein muß...
Nan'ji ya'k Bergström: Es muß natürlich nicht sein, wäre aber nett. Ich werde versuchen, nicht allzu aufdringlich zu werden....
Quenadya Mezkarai: Ich werde es Euch mitteilen, wenn Ihr die Grenze überschreitet.
Nan'ji ya'k Bergström: Bitte tut das wann immer Ihr es wünscht.
Quenadya Mezkarai: Verlaßt Euch darauf!
Nan'ji ya'k Bergström: Erst einmal herzlichen Glückwunsch zur Geburt Eures Kindes. Wie lassen sich Mutterschaft und Armeepflichten, vor allem im Bezug auf den Feldzug vereinen?
Quenadya Mezkarai: Gar nicht. Aber ich konnte es mir kaum aussuchen. Aber für meinen Sohn war das nicht schlimm. Ich entstamme eine kinderreichen und kinderlieben Familie. Während ich in Yleha gegen die Paktierer kämpfte, hat sich die Familie auf der Tánrat liebevoll um meinen Sproß gekümmert.
Nan'ji ya'k Bergström: Das bringt mich auf meine nächste Frage: das Haus der Mezkarais ist in den letzten Jahren sichtlich erstarkt und ist auf dem direkten Weg an die Spitze Kemis. Es scheint, als könne sich nichts mehr der Familie in den Weg stellen. Zweifelsfrei liegt das weniger an der Vielzahl der Mitglieder, sondern vielmehr an deren hochwertiger Bildung und ihrer hervorragenden Leistungen auf den unterschiedlichsten Gebieten. Von Euch zum Beispiel heißt es, Ihr würdet die perfekte Manier des kemschen Militärs verkörpern. Ist mit dem Namen Eurer Familie ein besonderer Druck verbunden, erfolgreich zu sein oder sind einfach nur alle Mitglieder der Familie besonders herausragend?
Quenadya Mezkarai: Druck habe ich seitens der Familie nie verspürt. Innerhalb der Familie wird viel Wert darauf gelegt, daß ein jeder, eine jede sich so entwickelt, daß die Vorlieben und Talente maximal genutzt werden können. Wenn Ihr meint, daß sich das in meiner Person in der Manier des kem'schen Militärs ausdrückt, so freut mich das natürlich. Aber es ist nicht so, daß ich in diese Richtung gedrängt wurde. Natürlich ist es aber wahr, daß der Name und die Zugehörigkeit zu einem großen Geschlecht auch Verpflichtungen bedeutet. Aber diese werden von allen Angehörigen der Familie freudig und tadellos akzeptiert und erfüllt.
Nan'ji ya'k Bergström: Von allen? Es gibt also, abgesehen von den Kindern, niemanden in der Familie, dessen Verdienste und Leistungen für Nisutreich und Familie nicht das im reich übliche Normalniveau unterschreiten?
Quenadya Mezkarai: "Das im Reich übliche Normalniveau"? Falls Ihr versucht, spaßig zu sein, ist Euch das leider mißlungen. Aber falls es mir entgangen ist, daß es neuerdings einen gesiegelten Normenkatalog für reichstreues und produktives Verhalten gibt, laßt es mich wissen.
Nan'ji ya'k Bergström: Ihr habt ein schweres Los zu tragen, Euer Gatte wurde von der Hatyat auf das Kloster von Al'Areal geschickt, zur Kur heißt es. Ist sein Zustand so bedenklich, daß er nicht am Feldzug teilnehmen durfte, zu dessen Vorbereitung er doch so einen großen Beitrag geleistet hatte?
Quenadya Mezkarai: Ja.
Nan'ji ya'k Bergström: Die Hatyat meinte, die Chancen ständen gut, daß Ihr Gatte bald entlassen würde. Werdet Ihr dann eine Familie und ein Heim hier in Yleha mit ihm aufbauen? Oder bleibt dafür keine Zeit?
Quenadya Mezkarai: Ich wünsche mir das, sehnlicher als fast alles andere. Allerdings muß dieser Wunsch hinter meiner brennendsten Sorge zurückstehen: Frieden und Ruhe für Yleha. Frau wird sehen, ob sich beides vereinbaren läßt.
Nan'ji ya'k Bergström: Nun, eine gemeinsame Vorraussetzung wäre ja ein Hauptwohnsitz in Yleha. Könnte frau darauf nicht aufbauen?
Quenadya Mezkarai: Ich lebe schon viele Jahre in Yleha. Die Akademie von H'Anyarcô ist mir Hauptwohnsitz und auch der Ort, an dem mein Sohn aufwachsen soll. Natürlich aber werde ich darauf achten, die Beziehungen zum Stammsitz meiner Familie für mich und meinen Sproß lebendig und stark zu halten.
Nan'ji ya'k Bergström: Wünscht Ihr noch weitere Kinder?
Quenadya Mezkarai: Ich weiß noch nicht. So jung bin ich ja nun auch nicht mehr.
Nan'ji ya'k Bergström: Mögt Ihr Rumfisch und Ul'hu?
Quenadya Mezkarai: Sicher. Hättet Ihr gerne ein Krüglein?
Nan'ji ya'k Bergström: Oh, wie liebenswürdig, herzlichen Dank! Aber ich muß leider ablehnen...... ich..... ich muß nüchtern bleiben, um dieses Gespräch führen zu können.
Quenadya Mezkarai: Das spricht für Eure vorbildliche Berufsaufassung...
Nan'ji ya'k Bergström: *seufzend* Sagt dies bitte der Hatyat, wenn sie wiedermal versucht, einen Brief zu diktieren...
Quenadya Mezkarai: Ich werde es ausrichten.
(BPW,ARA)