


Der Tién ist ein kleiner, beschaulicher Bach, der aus den Regenwäldern des Nordwestens heraus in Richtung Meer fließt, um bei Antien'Marét darin zu münden. Außer seiner malerischen und gleichzeitig strategisch sehr vorteilhaften Mündung hat der Tién nicht viel zu bieten - abgesehen von den Massen von Krokodilen und Alligatoren, die sich an seinen mangrovenbestandenen Gestaden tummeln.
An der Mündung des Tién, genau gegenüber der Insel Ményêt, liegt das junge Dorf Antien'Marét. Gut versteckt an der durch eine felsige Land- und Inselzunge gebildeten Lagune von Antien'Marét - die direkt in die malerische, aber durch Krokodile, Alligatoren und andere Raubechsen sehr gefährliche Tién-Mündung übergeht - gelegen, von einigen hoch aufragenden Felsen flankiert und somit von Land und von See aus nur schwer angreifbar, ist Antien'Marét Produkt einer Katastrophe:
Balîno ist eine der ältesten Siedlungen Ylehas - begründet wurde es angeblich noch in der Zeit in der auch Syllina (Yleha) und Shilina entstanden. Von den Hochblüten in der Zeit der Könige von Syllina und später im freien Yleha - nach dem heldenhaften und blutigen Kampf in den Zeiten Tar'Chîns - ist heute nur noch der verblaßende Glanz einstiger Macht geblieben: Die meisten der prächtigen Häuser stehen leer, andere sind bereits bis zur Unkenntlichkeit verfallen und nur einige wenige beherbergen noch Bewohner - vor allem Fischerfamilien und Bauern. Nur der recht große, aber wegen vorgelagerten Klippen und Riffen gefährliche, ja eigentlich nur für Schiffe mit wenig Tiefgang geeignete Hafen, ist den Bewohnern Balînos als Zeichen alten Ruhmes und als Lebensunterhalt geblieben. Handel gibt es kaum noch, und wenn, dann nicht über den Hafen, sondern über die Küstenstraße und die mächtigen Familien sind zum Teil ausgerottet, zum Teil einfach weggezogen.
Berühmt ist Balîno für seine vielen Blumen: Fast der ganze Ort und die dahinter liegenden Felsen erblühen ganzjährig in einer unglaublichen Farbenpracht. Von den seltenen Purpurrosen über Schlangenorchideen bis hin zu Schwarzen Rabenkelchen und bunten Paradiesblumen kann man in und um Balîno eigentlich die gesamte blühende Flora Ylehas und ganz Südaventuriens finden. Angeblich waren es die ersten Siedler, die um den Tempel der echsischen Dienerschwester von Jugend, Vielfalt und Geburt herum mit Anpflanzungen aller zu ergatternden Arten ylehischer und sonstiger südaventurischer Flora begannen - sie schufen damit ein Erbe, das wohl niemals vergehen wird, denn wer Balîno betritt, der hat unweigerlich das Gefühl, daß er das Paradiesauf Deren gefunden hat.
Es sind es wohl weniger die militärischen Feinde, die Balîno fürchten muß, denn die Isinya, die zwischen den Felsen hindurch - entlang der Passage zu der nahen Straße - in einem engen Flußbett verläuft, ist bekannt für ihre Überschwemmungskatastrophen, die früher einmal durch wirkungsvolle Stauwälle gemindert werden konnten - heute aber, weil diese Stauwälle leider Vergangenheit sind, ungehindert im Hafen Balînos wüten können. So hat es sich bei den Bewohnern der Siedlung eingebürgert, daß man die Fischerboote und anderen Seefahrzeuge der Stadt immer "zur Sicherheit" an Land zieht, wenn man von See heimkommt. Daß die schlammigen Fluten sich durch das Hafenbecken wälzen und Boote zermalmen ist dabei gar nicht das größte Problem, denn viel größer ist das Problem, daß mit jeder Überschwemmung der Hafen ein wenig flacher wird...
Ohne genügend Gold und Silber sowie vor allem die nötigen Arbeitskräfte, ist die seit ein paarJahrhunderten drohende, schleichende Versandungskatastrophe wohl nicht aufzuhalten.
Die Insel Elastrand vor der Nordwestküste Ylehas ist ein wildes und verlassenes Eiland, das nur durch einen größeren Fanggrund für Heringe und ihren eigentümlichen Namen auffällt.Ob die Kronprinzessin es als Ehre empfindet, daß eine sumpfige und morastige Insel mit viel Mangrovenwald und wenig Strand nach ihr benannt wurde, steht auf einem anderen Blatt.
Die Insel Ményêt ist ein hügeliges, das ganze Jahr über von filigranen, hauchdünnen Nebelschwaden umringtes, dicht bewaldetes und unbewohntes Eiland mit vielen mystischen Sagen, die sich um die Insel drehen. So sollen auf der Insel Feen und Kobolde hausen, ein Bach soll den Berg hinauf fließen und dämonische Tore zu anderen Welten sollen sich plötzlich vor Besuchern öffnen.
Die augenscheinlich relativ unwirtlichen Atmosphäre auf der Insel scheint die Fischer Antien'Maréts wenig zu stören, denn Ményêt bietet hervorragende Fischgründe (auch wenn einige der Fischarten sich als ungenießbar erwiesen haben - nicht wegen eines Giftes oder hres Geschmackes, sondern vielmehr wegen ihren fünf Augen, ihren zwei Köpfen oder ihren Tentakeln ...).
So blicken die Bewohnerinnen und Bewohner Antien'Maréts mit sehr gemischten Gefühlen auf das Eiland, das jeden Tag, wie ein Tor zu einer anderen Welt wirkend, aus den Nebeln emporragt, denn irgendwie hat jeder das Gefühl, daß Ményêt mehr in seinem Schleier aus feinem Nebel verbirgt, als den Menschen lieb ist oder lieb sein kann ...
Die Insel Palegina ist nach ihren langjährigen Herren benannt - den in Yleha verhaßten Paligans.
Was Palegina so interessant macht, ist weniger eine größere Villa der Paligans, die heute allerdings größtenteils unbewohnbar und überwuchert sein dürfte, als der Umstand, daß das ganze Eiland ein einziger Park war, in dem die Paligans sich in "besseren" Zeiten eine ganze Menagerie der prächtigsten und schönsten Tiere aufbauten. Nachdem die Insel verlassen wurde, begannen Zierbäume, -blumen, -sträucher und auch -tiere sich in großem Maße zu vermehren. So ist Palegina heute das, was man am ehesten unter dem Begriff Paradies verstehen würde - eine Wildnis, die das ganze Jahr über in den buntesten Farben und den verschiedensten Formen erblüht, eine Wildnis, die wahrlich prunkvoll schön ist. Doch auch für dieses Paradies gilt der alte ylehische Spruch "In jedem schönen Hain lauert ein Tiger", denn natürlich hielten sich die Paligans auch eine Reihe von Raubtieren in ihrer Menagerie. Auch sie sind prächtig gediehen und sind inzwischen die ungekrönten Herren der Insel, bereit jederzeit über menschliche Eindringlinge herzufallen.
Tosend brechen sich die Wellen des Perlenmeeres an den Felsen und Klippen Shîntárs. Wie eine trutzige Feste erhebt sich die Insel aus dem Meer, sicherlich zehn Meilen von jeder anderen Insel und wohl über zwanzig Meilen vom Festland entfernt.
Shîntár (Syllinto bzw. Ylehi für "Zorniger/ Unbarmherziger/ Zerstörerischer/ Böser/... Geist/ Djinn/ Elementargeist/...") hat seinen Namen fürwahr verdient, denn hier scheinen sich die Elemente Feuer, Luft und Wasser einen stetigen Kampf zu liefern: Aus Dutzenden Geysiren, Vulkanschlünden und -kratern heraus brodelt, dampft und spritzt es, riesige Schlamm- und Wasserfontänen erheben sich am einen Ende der Insel blitzartig aus zischenden, kochenden Löchern im Boden, während derweil am anderen Ende Shîntárs einer der beiden großen Krater der Insel Asche und Lava in das Meer spuckt.
Leben findet man nur schwer auf der felsigen Insel, vor allem einige Gräser und Kräuter und eine Anzahl von dürren, verwilderten Ziegen und Schafen, deren Ahnen vor Jahrhunderten als Nutztiere ihren Weg nach Shîntár fanden und in auffallend großen Herden gehalten wurden, lassen sich finden.
Bereits an den Klippen Shîntárs ist es auch einem geologisch und mineralogisch Ungebildeten möglich, die eine oder andere Erzader in dem Basalt der Felsen auszumachen.
T'yanyât ist das flache, nur von einem mit Wasser gefüllten und schon seit Menschengedenken nicht mehr aktiven Vulkankegel im Südteil dominierte Eiland.
Erste Siedlungen wurden bereits früh auf T'yanyât begründet, weil die rund fünfzehn Meilen nördlich von Antien'Marét gelegene Insel für Yleha den Schlüssel zu den anderen Eilanden der nordwestlich von Yleha gelegenen Inselgruppe darstellte und für die vielen Freibeuter Ylehas ein idealer Stützpunkt auf dem direkten Seeweg nach Al'Anfa war. Doch nun lebt kein Mensch mehr auf der Insel. Von der alten Zeit ist auf T'yanyât, wo es seit Jahrhunderten keine gefährlichen Wildtiere, sondern nur noch Haus- und Nutztiere beziehungsweise deren verwilderte Nachfahren gibt, heute nur noch wenig zu sehen, denn die dichte, wenn auch nicht unbedingt bedrohliche Flora hat es zusammen mit dem gemäßigten, aber feuchten Klima geschafft den größten Teil menschlicher Spuren zu verbergen oder gar von Sumus Antlitz zu tilgen. Geblieben ist allein ein einsamer, verrotteter und von Satinavs Hörnern gnadenlos geschleifter Anleger aus basaltenem Bruchstein.
Die abgelegene Insel Ámarîm wurde ähnlich wie Süd-Deylan und die Protas-Sandbänke im Zuge der Spaltung Ylehas während einer inoffiziellen Kommandoaktion für West-Yleha als Besitz gesichert. Durch die Ansiedlung einer kleinen Gruppe von Freiwilligen und die Begründung des Forts Àmarîm sicherte sich Antien'Marét wichtige Fischgründe vor der Küste Ost-Ylehas und stellte somit seine Versorgung sicher.
Ámarîm selber ist eine rund eine Meile lange und etwas weniger als eine halbe Meile breite, von einer mächtigen Klippe abgesehen, flache Koralleninsel mit weißen Stränden, die die Insel dominieren - nur ein größerer Palmenhain im Inneren der Insel verheißt durch fruchtbares Grün und lautes Geschrei der vielen Vögel, das Ámarîm eine Vielzahl von "Bewohnern" hat, von denen allerdings keine nachgewiesen sind, die einem Menschen gefährlich werden könnten - selbst Moskitos gibt es auf Ámarîm nicht. Im Schutz der von Höhlen durchzogenen Felsenklippe steht das hölzerne Fort Ámarîm, bewacht den natürlichen Hafen der Insel und überwacht die Schiffahrtsrouten, die hinter der Grenze auf hoher See verlaufen.Einzige weitere Sehenswürdigkeit ist das Wrack einer gestrandeten Bireme, von der die Männer und Frauen des Forts behaupten, sie hätten sie abgeschossen - dabei stammen die einzigen Geschütze des Forts von eben jener Bireme...
Neben der Hauptinsel existieren wohl über zwei Dutzend größerer und kleinerer Inseln, eineUnzahl Sandbänke sowie einige Riffplateaus in der Umgebung - die Ámarîmen. Die dicht bewaldeten, versumpften und doch bisweilen vor unheimlichen, merkwürdigen Felsformationen strotzenden Eilande um Ámarîm sind teilweise noch nie von Menschen betreten worden - geschweige denn, daß man sie kartographiert hätte. Die weitaus meisten der Inseln und Inselchen sind derart feucht, unwegsam und ungastlich, daß man in der Regierung Ylehas gerne darauf verzichtet, sie zu besiedeln.
Diese flachen, aber weitläufigen Sandbänke vor Ost-Yleha sind für den Fischfang Ylehas äußerst wichtig, denn in ihrer Umgebung liegen die ergiebigsten Fischgründe der Bucht von Yleha. So kam es nach der offiziell gemachten Spaltung Ylehas zu einer regelrechten Seeschlacht (nach yleh'schen Maßstäben) um die Sandbänke und die zugehörigen Fischgründe.
von T. W., Bettina "Pony" Wiese und Nils Hüttinger