Die Regeln des Laguana-Ordens sind in drei "Kapitel" aufgeteilt. Das erste Kapitel sind die drei Gelübde, die jeder Kandidat und jede Kandidatin des Ordens noch vor der Aufnahme als Novizin und Novize abzulegen hat. Das zweite Kapitel ist die Regel, die neben neben dem Alltagsleben der Ordensangehörigen auch detaillierte Verhaltensmaßregeln vorgibt. Das letzte, aber wichtigste Kapitel sind die Dars, die die philosophische Sicht der zwölf Ordenstugenden vermitteln.
Noch vor dem Antritt seines Noviziats hat der Ordenskandidat die drei Heiligen Gelübde abzulegen, die als Basis des zukünftigen Ordenslebens anzusehen sind:
I. Ich gelobe der Gemeinschaft des Ordens der Wächterinnen und Wächter des Kultes des Heiligen Rabens zur Insel Laguana absolute Armut. Ich verneine jeglichen persönlichen Besitz und will alles, was mir zufällt, dem Orden geben, auf daß diese Güter dem Heiligen Streben unserer Gemeinschaft zugute kommen. Ich werde die Erwerbungen des Ordens bewahren und seine Güter gut bewachen.
II. Ich gelobe der Gemeinschaft des Ordens der Wächterinnen und Wächter des Kultes des Heiligen Rabens zur Insel Laguana absoluten Gehorsam. Nie werde ich Befehle und Anweisungen meiner mir oberen Herrinnen und Herren in Frage stellen und verweigern, was auch immer mein Herz und mein Verstand sprechen mögen. Auf Gedeih und Verderb will ich den Orden niemals verlassen ohne die Einwilligung der Oberen.
III. Ich gelobe der Gemeinschaft des Ordens der Wächterinnen und Wächter des Kultes des Heiligen Rabens zur Insel Laguana absolute Tapferkeit. Allzeit will ich mit unerschütterlichem Mut und Rabenvertrauen mit Stahl und Geist für die Ziele unserer Gemeinschaft streiten.
Die Ordensregel des Laguaner-Ordens entspricht in etwa dem, was von anderen Orden bekannt ist. Ihre Auslegung ist streng und Verstöße werden streng geahndet. Sie regelt das Zusammenleben der Gemeinschaft bis ins kleinste Detail, von der Art, wie die Malzeiten eingenommen werden, über die Kleiderordnung bis zur Aufnahmeprozedur. Im Archiv findet Ihr den vollständigen Text der Ordensregel.
Die Dars fassen die zwölf "Tugenden" des Ordens zusammen. Die Ritterinnen und Ritter der Ordensgemeinschaft leben nach diesen Prinzipien, sei es der Schmerz, die Liebe oder die Rache. Alle Ordensmitglieder müssen die Verse der Dars, zu denen auch eine klar definierte Aktion mit der Waffe gehört, auswendig beherrschen. Einer Kampfübung gleich werden die Dars wieder und wieder eingeübt.
Der erste Dar:
Wiewohl ausgeführet beidhändig über das Haupt von oben nach unten.
Der Ordensritter weiß um die Weisheit des Heiligen Laguan. Dies ist die Lehre: Der Herr Boron sei gepriesen als der Fürst der Südlande. Der Ritter ehrt und lobt die Elfe, doch den Herrn Boron liebt er. Dies steht geschrieben im heiligen Buch des Ordens, niedergelegt durch den Heiligen Laguan selbselbsten, inspiriert durch den Herrn daselbst.
Dies aber ist die Weisheit.
Der zweite Dar:
Wiewohl ausgeführet beidhändig über die rechte Schulter zum linken Fuß.
Die Ritterin streite wider die Blasphemie, wider die Häresie und wider die Ketzerei gegen den Herrn Boron. Ungefällig seien der Ritterin all jene, die danach trachten, den Südlanden die Lehren des Heiligen Laguan abzusprechen, wiewohl die Ritterin dem nördlichen Kult Respekt und Ehre zollt, denn dieser ist gut und so vom Raben und den Elfen gefügt für die Nordlande.
Dies aber ist der Mut.
Der dritte Dar:
Wiewohl ausgeführet beidhändig über die linke Schulter zum rechten Fuß.
Der Ritter erhebe seine Stimme nicht und sei sparsam mit dem Worte, denn das Schweigen ist dem Herrn wohlgefällig. Der Ritter sei beherrscht und gelassen in allen Lagen. Der Ritter soll nur das besitzen, was er am Leibe trägt, seine Waffen und sein Roß. Armut sei ihm auferlegt, denn diese ist dem Raben gefällig. Der Ritter verleugne nie und nimmer seinen Glauben, denn dies ist ehrlos und dem Ritter geht die Ehre vor dem Tod.
Dies aber ist die Demut.
Der vierte Dar:
Wiewohl ausgeführet in Bauchhöhe beidhändig waagerecht von der linken bis zur rechten Hüfte.
Die Ritterin dient dem Herrn am trefflichsten durch den Kampf. Sie geht freudig und ohne Furcht in den Kampf, und fällt sie, so seien ihr die Heiligen Hallen des Herrn gewiß. Die Ritterin zeige niemals Anzeichen von Feigheit, denn dies ist ehrlos und ohne Ehre darf niemand dem Orden angehören. Die Ritterin ergibt sich niemals dem Feinde, denn dies ist ehrlos. Die Ritterin töte niemals einen Gläubigen, es sei denn, dies bewahre vor der Gefangenschaft, dann hat die Ritterin weise und gut gehandelt, dem Raben wohlgefällig.
Dies aber ist die Liebe.
Der fünfte Dar:
Wiewohl ausgeführet in Bauchhöhe beidhändig waagerecht von der rechten bis zur linken Hüfte.
Der Ritter trage die Schwarze Robe mit Stolz und Bescheidenheit. Er rüste sich mit schwarzem Harnisch und streite mit geschwärzter Boronssichel, geschwärztem Rabenschnabel und geschwärztem Schwert. Der Ritter zeige seinen Rang durch die Länge des Haupthaares, welches dem Novizen gänzlich abgenommen werden soll.
Dies aber ist der Stolz.
Der sechste Dar:
Wiewohl ausgeführet beidhändig in Bauchhöhe als ein waagerechter Stich.
Die Ritterin streite ohne Unterlaß gegen Blasphemie, Häresie und Ketzerei. Sie räche Schändungen heiliger Stätten, die Störung der Totenruhe, Nekromantie, boronungefällige Magie, Rede wider die Lehre des Heiligen Laguan, Leichenschändung und Grabraub. Die Ritterin ist sich bewußt, daß das Kemi-Land heilig und vom Herrn gesegnet ist, auf daß sie es schütze und räche. Die Ritterin räche auch Frevel an den Heiligen Stätten der Elfe, denn diese stehen gemeinsam mit dem Herrn gegen Unglaube und Daimonen.
Dies aber ist die Rache.
Der siebte Dar:
Wiewohl ausgeführet einhändig über das Haupt von oben nach unten.
Der Ritter studiere die Lehren des Heiligen Laguan gut und mit Ehrerbietung, solange, bis sie ihm blind vertraut sind. Doch auch danach lasse er nicht ab in seinen Studien. Der Ritter erforsche die Vergangenheit des Kemi-Reiches und all jene Dinge, die sich ihm hierdurch offenbaren. Der Ritter strebe nach Wissen und achte dabei auf den Willen des Raben, denn dieser leitet einen jeden Gläubigen, auf daß sich ein jeder der Aufgabe widmen möge, für die ihn der Herr geschaffen hat.
Dies aber ist die Klugheit.
Der achte Dar:
Wiewohl ausgeführet einhändig über die rechte Schulter zum linken Fuß.
Die Ritterin sei sich allezeit gewahr, daß sie sterblich und gering vor dem Angesicht des Herrn. Sie erniedrige sich deshalb durch Geißelung und Buße. Sie erlerne Bescheidenheit und Demut, denn nichts ist der Mensch vor dem Raben. Die Ritterin möge freiwillig den Weg der Fünf Tage gehen, auf daß sie besonderes Wohlgefallen vor dem Herrn erlange. Wer hierin aber versagt, der sei die Verdammnis gewiß.
Dies aber ist der Schmerz.
Der neunte Dar:
Wiewohl ausgeführet einhändig über die linke Schulter zum rechten Fuß.
Der Ritter weise Folter und Grausamkeit von sich. Er töte schnell und ohne Haß. Denn Haß und Schmerz rufen die finsteren Mächte herbei und verunreinigen die Seelen, die vor den Herrn treten. Einzig freiwillig darf sich der Ritter dem Schmerz stellen, denn dies ist ehrenvoll. Sollten aber die Daimonen des Schmerzes den Ritter bezwingen, so ist seine Seele unrein, und er soll als Ketzer angemessen bestraft werden.
Dies aber ist die Gerechtigkeit.
Der zehnte Dar:
Wiewohl ausgeführet in Bauchhöhe einhändig waagerecht von der linken Hüfte bis zur rechten Hüfte.
Die Ritterin achte ihre Vorgesetzten. Sie zweifle nicht an deren Worten. Die Ritterin verweigere keinen Befehl und keinen Dienst, denn die Ritterin befleißige sich der Bescheidenheit. Die Ritterin respektiert die Ehre und die Verdienste der Untergebenen. Sie ignoriere persönliche Gefühle und befehle nur, was dem Orden oder dem Raben zum Vorteil gereicht. Sie achte darauf, daß keine Untergebene die körperliche und geistige Ausbildung vernachlässige. Die Ritterin schlage der Marschallin all jene vor, die sie für würdig hält, einen Dar aufzusteigen.
Dies aber ist die Verantwortung.
Der elfte Dar:
Wiewohl ausgeführet in Bauchhöhe einhändig waagerecht von der rechten Hüfte bis zur linken Hüfte.
Ein jeder darf dem Orden beitreten, so dies sein aufrichtiger Wille ist. Er veräußere all seinen Besitz, ehe er sich dem Orden schenkt. Er wird geschoren und als niederer Novize in die Gemeinschaft aufgenommen. Der Novize arbeite hart, er festige Körper und Geist, denn dies ist seine Pflicht vor dem Raben. Beweist er hernach durch Beschreiten des Weges der Fünf Tage, daß er würdig ist, so soll er fortan dem Orden angehören. Ein jeder aber, der dem Orden nicht würdig, soll aus jenem entfernt werden, den Tepetra aber spricht allein die Marschallin aus.
Dies aber ist der Kampf.
Der zwölfte Dar:
Wiewohl ausgeführet einhändig in Bauchhöhe als ein waagerechter Stich.
Die Ritterin fürchtet nicht den Tod, den sie freudig erwartet, ihr Leben lang. Denn der ehrenvolle Tod führt sie an die Seite des Herrn und läßt sie dessen großes Wunder schauen. Eine jede Schwester, welche ehrenvoll eingeht in Sein Reich, sei auf ewig geehrt und geachtet. Ihr Name soll nimmer vergessen werden. Schande aber über jene, die sich selbst den Tod geben, denn dies ist Frevel. Nur der Raben nimmt das Leben, das er gab. Und eine Frevlerin wird niemals schauen das Antlitz Borons!
Dies aber ist die Ehre.
