Die Kirche auf den Inseln

- Eine Übersicht zur Alleinseligmachenden
Boronstaatskirche in Neu-Prem -

Seit mehreren Götterläufen hat die Boronstaatskirche ihre Stellung auf den zum Káhet ni Kemi gehörenden Waldinseln gefestigt und ausgebaut. Dazu hat einerseits - in regelmäßiger Absprache mit den jeweils zuständigen Akîbs - das von Mehib Kâl'Tân für das gesamte Überseegebiet des Königinnenreichs koordinierte Vorgehen der Kirche, andererseits die wohlwollende Förderung seitens der Krone und die großzügige materielle Unterstützung durch die Familie Al'Plâne beigetragen. Da die Boronstaatskirche in Kemi eine kaum zu unterschätzende Rolle für die Einheit des Reiches wie für den Zusammenhalt der Bevölkerung spielt, liegt ihre starke und prägende Präsenz gerade in dem erst allmählich besiedelten Neu-Prem sehr im Interesse der Nisut sowie der mit der Erschließung des gesamten Inselterritoriums betrauten Al'Plânes.
Hier seien nun zunächst einige allgemeine Züge der Entwicklung skizziert, bevor die jeweilige Situation eines jeden Eilands knapp dargestellt wird.

Für das gesamte Inselgebiet ging es anfänglich schlicht darum, die Geweihten so zu verteilen, dass die Bevölkerung aller Siedlungen einen Boroni zumindest in ihrer Nähe wusste; dass sich also wenigstens einer der Diener Borons auf einer jeden größeren Insel aufhielt. Sodann sollten diese dort, wo Tempel oder Schreine des Herrn Boron zumeist wegen der Führungslosigkeit der Gläubigen vernachlässigt waren für deren Instandsetzung sorgen und die Männer und Frauen des rechten Glaubens wieder an die gebotene Pflege des Kultes heranführen. In einem letzten Schritt, der auch der aufwendigste und langwierigste war, sollten an einigen wenigen Stätten neue Schreine oder Tempel errichtet werden, wo für eine größere Anzahl von Boronfürchtigen kein Versammlungs- oder Verehrungsort zur Verfügung stand.

Heute verrichten unter den gut 5500 Bewohnern der Inseln 28 Geweihte ihren Dienst - von denen einer der Mehib (Kâl'Tân), einer der Abt des Noionitenklosters Morek (Logoran von Selem) und eine die Leiterin Seminars (Selina Horas) ist. Es gibt 9 Tempel, von denen das ambitionierte Vorhaben in Sefechnu Sebá allerdings noch nicht vollendet ist, sowie 12 Schreine. Die Beziehungen zwischen den jeweils zuständigen königlichen Verwaltern und den vor Ort wirkenden Boronis sind, von der Sondersituation im mehrheitlich von Novadi bevölkerten Mekabta abgesehen, sehr gut; manchmal liegen geistliche und weltliche Macht gar in der gleichen Hand.

In nur zwei Orten konzentriert sich die Bevölkerung der Insel Pet'hesá: dem Hauptort Tares und dem eher verschlafenen Fischerdorf Ychet. Das prosperierende Tares beherbergt alle wichtigen Einrichtungen der Insel, darunter freilich auch ein kleines, aber repräsentatives Haus des Boron. In ihm versehen zwei Geweihte ihren Dienst - sie stehen den Gläubigen zur Verfügung und stehen dem Akîb im Bedarfsfall zur Seite. Der jüngere von ihnen fährt mittels der stets zwischen beiden Orten verkehrenden Fischerboote längs der Küste nach Ychet, um nach den dort lebenden Menschen zu sehen, sich ihrer Sorgen anzunehmen und festliche Ereignisse zu leiten. Dort hält er sich ungefähr die Hälfte seiner Zeit auf.

Nachdem die Kurie in Laguana 26 S.G. beschlossen hatte, die Inseln zu einer eigenen Ta'mehib zusammenzufassen und sie im Akîb ni Aeltikan, dem Boroni Kâl'Tân, die für deren Leitung geeignetste Person sah, wurden die sich bereits seit einiger Zeit hinziehenden Umbauarbeiten im Stadtbild von Taris noch um ein weiteres Projekt ergänzt: gegenüber des Hauptortes Aeltikans, jenseits der kleinen Hafenbucht, wurde ein repräsentatives Haus für den künftigen Mehib ni Neu-Prem errichtet, wohin Kâl'Tân unmittelbar nach dessen Fertigstellung umzog. Der neue Tempel zu Taris, der erst einige Zeit später vollendet werden konnte und auch Räumlichkeiten für den örtlichen Geweihten bereitstellte, wurde daher erst von jenem Boroni bezogen, der sich nunmehr anstelle Kâl'Tâns der Einwohner von Taris annehmen sollte.
Die beiden rund 100köpfigen Gemeinschaften in Meden und Kery wissen sich ebenfalls in der Obhut je eines eigenen Geweihten, deren Aufgabe freilich auch die Pflege der dortigen Schreine umfasst. Diese recht gute kirchliche Infrastruktur geht auf jene Zeit zurück, als Kâl'Tân noch ausschließlich für Aeltikan zuständig war und ihm neben der allgemeinen Entwicklung der Insel auch die Sorge um das Seelenheil der Bewohner am Herzen lag. Sie hat sicher ihren Beitrag dazu geleistet, dass die Kurie auf ihn aufmerksam wurde.

Die Hauptstadt Marlans, Re'Cha, bildet den kulturellen und wirtschaftlichen Mittelpunkt von ganz Chrysemis - und wird, in Anlehnung an die am meisten entwickelten Gebiete in Djerres, auch das Plâne des Nordens genannt. Zwei Boronis kümmern sich hier um den Tempel und die Gläubigen. Dadurch, dass Schiffe, die vom Festland kommen, häufig zunächst das quirlige Re'Cha anlaufen, kommt ihnen auch eine wichtige Brückenfunktion für die Inselkirche zu: hier gilt es all jene Informationen vom Festland aufzunehmen, die nicht über die offiziellen Kanäle direkt an den Mehib gerichtet werden und die so manches Mal erst zu einer angemessenen Einschätzung der Situation beitragen oder den Blick der Festlandbewohner auf die Inseln freigeben. Auf der ungleich größeren Hauptinsel der Ta'Akîb, Mikkan, befinden sich die Orte Demy und Mechat, in denen jeweils ein Geweihter den Glauben der Bevölkerung stützt und sich um die Pflege eines Schreins kümmert.

Die Zweiinsel-Ta'Akîb Benbukkula/Ibekla weist die geringste kemsche Bevölkerung auf, so dass hier sehr vertraute Verhältnisse bestehen. Der Boroni Benbukkulas (Royan Mezkarai) ist zugleich Akîb der überschaubaren Provinz; neben den Verwaltungsaufgaben widmet er sich den Belangen der Gläubigen und kümmert sich um den Kult im kleinen Tempel zu Kemhaven sowie den Schrein in Boronsport. Solange die Siedlung Rhonda auf Ibekla bestand, hatten die dortigen Bewohner einen eigenen Geweihten: ein Luxus, der sich nur dadurch rechtfertigen ließ, dass der Ort - als einzige Ansiedlung jener Insel - ziemlich abgelegen war und ein recht eigenständiges Dasein führte. Seitdem Rhonda, um des Friedens mit den Waldmenschen willen, aufgegeben wurde und seine Einwohner nach Benbukkula gezogen sind, ist diese einstmals beschauliche und auch für ältere Geweihte geeignete Aufgabe entfallen.

Morek ist eines der Gebiete, in denen sich die Kirche in den letzten Jahren am meisten engagiert hat. In unmittelbarer räumlicher Umgebung des auf einem Hügel gelegenen Noionitenklosters sollte nach dem Willen des Mehibs Kâl'Tân ein Zentrum der Inselkirche entstehen. Auf dem Hochplateau in der Nähe des Ortes Morek, wurden 29/30 S.G. drei Bauvorhaben verwirklicht: eine Kaserne für das auf den Inseln stationierte 33. Banner des Laguanerordens, ein Gebäude, in dem die Inquisitionsrätin ni Neu-Prem mit ihren wenigen Mitarbeitern ihren Dienst verrichtet, sowie ein kleines Haus für das Seminar der Kirche Neu-Prems, in dem die künftigen Geweihten auf ihre Aufgaben vorbereitet werden. Diese insgesamt vier kirchlichen Institutionen haben große Bedeutung für die Kirche auf den Inseln, wirken sich jedoch - allein schon wegen der absichtlich etwas abgeschiedenen Lage - wenig auf das Leben der Menschen in der Ta'Akîb aus. Für die Menschen in Morek ist der im FTR 30 S.G. eingeweihte Tempel weitaus bedeutsamer, der schlicht, aber gepflegt in einem Bürgerhaus untergebracht ist. Der hier wohnende Geweihte ist auch für die Bewohner der anderen Orte der Ta'Akîb zuständig, die er jedoch nur in größeren Abständen besuchen kann.

Die mit Abstand zivilisierteste Überseeprovinz ist die Insel Cháset. Auf ihr kümmern sich die meisten Geweihten um die dort wohnenden Räblein. Die vielen Straßen und kleinen Ansiedlungen zeugen von der guten Erschließung des Landes, doch sie zwingen die Kirche auch zu einer aufwendigen Sorge um die Menschen: denn in vielen der kleinen Orte ist noch nicht einmal daran zu denken, einen eigenen Schrein zu errichten, geschweige denn dort einen Boroni fest leben zu lassen. Daher kommen die meisten Geweihten auf Cháset ihrem Dienst von einem der ihnen anvertrauten Weiler zum anderen ziehend nach.

Ganz anders als in den übrigen Gebieten Neu-Prems stellt sich die Situation in Mekábtá dar. Die - mit Ausnahme zweier Eingeborenendörfer an der rahjawärtigen Küste - nahezu ausschließlich von Novadi besiedelte Ta'Akîb ist eine besondere Herausforderung für die Missionsarbeit der Kirche. Einerseits war es ausgeschlossen, darauf zu verzichten, den wahren Glauben auch in diese Region zu bringen, andererseits musste das Ausbrechen eines Bürgerkrieges verhindert werden: so einigten sich Akîb Mahmut ben Abdallah und Mehib Kâl'Tân auf einen Kompromiss, der auch die langsame Annäherung der Gläubigen untereinander ermöglichen sollte.
Die Kirche gab ihren Tempel inmitten des novadischen Yáchi auf und konnte dafür vier Meilen efferdwärts, direkt am Wadi Rekádju und unweit der Stelle, an der die große Handelstraße jenen Fluss überquert, eine komplette Siedlung errichten. Seit wenigen Götterläufen liegt dort nun Mes'Monthu. Ein aus dem Nichts entstandenes Dorf: reiche und einflussreiche Gläubige stellten der Kirche das Geld für die Verwirklichung des Vorhabens zur Verfügung; unter armen Festlandfamilien, die sich freiwillig für die Erschließung des Landes gemeldet hatten, wurden besonders glaubensfeste als Siedler ausgesucht. Auf sie wartete harte Arbeit, doch konnten sie sich jeder Unterstützung von Außen gewiss sein.
Nach der ersten Aufbauphase wurde der Ort - der über eine eigene Anlegestelle verfügt und rund 80 Einwohner zählt - samt Tempel im FTR 30 S.G. eingeweiht: hier ist der Boroni (Pet'nehem) auch zugleich der Dorfvorsteher. Bis heute haben sich allerdings kaum Kontakte zu den Bewohnern Yachis entwickelt. Doch zumindest das bisher friedliche Nebeneinander lässt hoffen, dass im Laufe der Zeiten die gemeinsame Besiedlung Mekábtás als natürlich empfunden wird und sich die rastullahgläubigen Mekábtis als Bewohner unter anderen im Káhet ni Kemi verstehen.

Sefechnu Sebá, der Hauptort Tásebás, ist Schauplatz des anspruchsvollsten Projektes der Inselkirche. Lange Zeit hatte eine riesige Bauruine in der Nähe des Ortes gestanden, die von einer großen Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit zeugte: Bereits nachdem die riesigen Außenmauern errichtet worden waren, fehlten die Mittel um den Tempelbau fortzuführen. Entmutigt von den noch unabsehbaren, ausstehenden Arbeiten, wurde das Vorhaben eingestellt und die Natur begann, den ihr abgerungenen Platz zurückzuerobern.
Nach seiner ersten Reise nach Aáresy nahm sich Kâl'Tân vor, das lange brachliegende Projekt wieder zu beleben. Da jedoch nicht genügend Mittel vorhanden waren, um für alle anfallenden Kosten aufzukommen, sann er - in Absprache mit der ersten Rabendienerin - auf eine andere Möglichkeit... Baumaterial, Verpflegung und Unterkunft würde die Kirche stellen können, doch die Arbeitskraft musste von den Gläubigen kommen: So verkündete Boronya von Nedjhit schließlich im FTS 27 S.G. einen Ablass für alle Räblein, die sich am Bau des großen Tempels zu Sefechnu Sebá mit den ihnen jeweils eigenen Fähigkeiten beteiligen würden. Der Strom an Menschen, die aus allen Teilen des Reiches voller Glaubenshoffnung nach Tásebá aufbrachen, war und ist beträchtlich: Zwei Schiffe setzt die Alleinseligmachende Boronstaatskirche bis heute ununterbrochen ein, um willige Gläubige von den Inseln, vor allem aber vom Festland, zum Ort des Bauvorhabens und zurück zu transportieren. In den letzten Götterläufen hat es ein ständiges Kommen und Gehen großer Scharen gegeben, mit den damit einhergehenden Schwierigkeiten und Unruhen. Nicht zuletzt die verschiedenen kulturellen Gruppen, die hier wie in einem Schmelztiegel aufeinandertreffen, sind manches Mal von Kreaturen des Bösen - insbesondere im Jahre 28 S.G. - gegeneinander aufgehetzt worden. Seitdem ist das Werk am größten Haus des Herrn Boron in Neu-Prem zwar gut vorangekommen, doch gerade die derzeit anstehenden qualifizierten Innenarbeiten werden noch längere Zeit in Anspruch nehmen.
Die fünf Boroni auf dem weitläufigen Territorium der Ta'Akîb teilen sich die Arbeit: einer kümmert sich um die Ta'Sah Sjepengurken; zwei bereisen die Plantagen im Süden Aaresys; zwei sind fest in Sefechnu Sebá, von denen einer (Boromeo Uludaz) sich gar ausschließlich Arbeitern und Arbeiten am Tempelbau widmet.

von Marco Schrage

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