Euer Hoheitliche Ehren,
Euer Durchlaucht, verehrter Repa,
Euer hoheitliche Exellenz Dell`Aquina, verehrte Gastgeberin,
geschätzte Schwestern und Brüder in Amt und Würden,
Edle Damen und Herren!
Da sitzen wir nun, alle versammelt zum Kleinen Konvent in diesem Götterlauf...
Und? - Fühlen wir uns wohl? - Sind wir zufrieden? - War das Essen aus den hoheitlichen Kammern gut? Sind wir alle wohl gemästet und weiden uns an den Früchten unserer Lehnsarbeit? Haben wir nichts, das uns belastet und das uns kränkt? Nein?
Es scheint jedenfalls so, denn niemand hatte bislang etwas vorzubringen hier. Nichts, das uns alle, die Gemeinschaft des Niederadels bewegt und beschäftigt. Nichts, das unseren Anstoß findet. Es scheint so, als sei die kem´sche Welt ganz und gar in bester Ordnung. - Preiset den Herrn! Lang lebe die Nisut!
GAR NICHTS IST IN ORDNUNG!! Gen Firun droht immer noch der ketzerische Feind, auch wenn sein Gebrüll nicht mehr so laut zu vernehmen ist, wie einstmals. Die Bedrohung ist deshalb keinesfalls erloschen. Allein die Lämmer wollen den Wolf ignorieren und schweigen. So wie Ihr, Schwestern und Brüder!
Gen Praios richtet sich die zweite Tochter des Thrones gegen das Reich und seine borongefällige Ordnung. Die Gerüchte von Neokorvikanern machen die Runde. Reichsacht und großer Kirchenbann sind bereits über die Schändliche und ihre Mannen verhängt, doch wo ist die Stimme des Niederadels, der sich geschlossen hinter seine Nisut stellt? Wo ist der Niederadel, der bereit ist, abermals Rabe, Krone und Reich gegen den Feind zu verteidigen? Ein Heer bedroht das Reich und wo ist derjenige, welcher die Diskussion darüber beginnt, wie wir geschlossen gegen den Feind vorgehen können, wie wir unsere Lehen schützen vor Spionage und Unterhöhlung durch den Feind? - Wieder nur Schweigen!
Und aus dem Innern? Im Innern beginnt das Reich seit Monden eine neue Ordnung und Gestalt anzunehmen. Die alten Familien haben wieder erlangt, was sie als das ihre betrachten und ihren Einfluß werden sie mit dem Segen der Krone ausüben. Euch scheint das nicht weiter zu beunruhigen, wo sonst gleich das Geschrei losging, wenn der Hochadel auch nur annähernd seine rechtmäßigen Privilegien einforderte. Aber laßt Euch gesagt sein: Der Konflikt zwischen den einzelnen Familie ist tiefer und größer als jemals zuvor und so alt, wie das Reich selbst. Er nimmt keine Rücksicht auf uns, wo die meisten gerade mal mit Mühe und Not die Sprache dieser Lande über die Lippen bringen. Aber das heißt nicht, daß uns die ganze Sache nichts angeht und sie uns nicht betrifft! Wenn ihr das allerdings so seht...
Dieses Gremium hat, durch die Fundamentalprinzipien dieses Reiches bestimmt, die Aufgabe, der Krone seine Meinung zu unterbreiten. Es ist eine Schande, daß wir zu all diesen Themen und vielen mehr offensichtlich keine Meinung mehr haben. - Wie die Lämmer blöken wir leise und unbedeutend auf unserer selbst geschaffenen grünen Wiese vor uns hin. Haben wir zu all den genannten Dingen und noch vielen weiteren keine Meinung mehr? - Ist dem so?? - Dann ist dieses Gremium überflüssig und ich frage mich letzten Endes nur noch: -- Wozu gibt es dann mein Amt?
Heil dem Alleinseligmachenden Raben!
Lang lebe die Nisut!
von René Böcker