

| Erster Eindruck: | kultivierte und gut ausgebaute Provinz. Urkem'sches Gebiet. |
| Geographie: | Überwiegend fruchtbarer Vulkanboden, der einen intensiven Feldanbau ermöglicht. Im Landesinneren liegen Hügelketten mit einzelnen Höhenzügen, die noch von dichtem Dschungel bedeckt sind. Zwei große Seen und zahlreiche Flüsse speisen das ausgefeilte Bewässerungssystem für die Felder und Plantagen. Reis- und Hirsefelder prägen überwiegend das Landschaftsbild. Urtypischen, dichten Dschungel gibt es nur noch im Provinzinneren. Die Küste ist flach und läuft jenseits der gut ausgebauten, befestigten Küstenstraße als von Palmen gesäumter, weißsandiger Strand ins Meer aus. |
| Verkehrswege: | Gut ausgebaute Küstenstrassen und wenige einfache Routen ins Landesinnere. |
| Einwohnerzahl: | 1157 Siedler, 100 Waldmenschen, 5 Achaz |
| Größere Ortschaften und Städte: | Peri (622), Chentked'nebaka (242), Chetpet'Anch (156) |
| Garnision: | 14 Ritterinnen und Ritter des Zer'Nimut Ordens, 5 Büttel |
| Sozialstruktur: | Sofern es nicht im unmittelbaren Einflussbereich des Akîbs liegt, haben einige wenige Handelsfamilien das Sagen in Mergyan. In der Stadtkammer zu Peri treffen sie sich mit dem Akîb, um über Wirtschaft und Politik zu beraten. Was an Land nicht der Kirche gehört - und das ist der überwiegende Teil - , das befindet sich in Händen der Familien und wird von Lohnbauern bewirtschaftet. Mit den wenigen Waldmenschen vom Stamm der Tschopukikuhas hat man sich weitgehend arrangiert und lebt mit einigen von ihnen in Ahnet Aped'kem sogar in einer Siedlung zusammen. Wieviele Achaz genau in Mergyan leben, ist unbekannt. Einige wenige wurden am Fuße des Vulkan Zaw gesehen. |
| Religion: | Boron, Peraine, Hesinde, Efferd |
| Akîb: | Erhabener Abt Ne'mekâth Boronmir Âk-de Sézàr |
| Persönlichkeiten: | Ysabeau Âk-de Sézàr (Nichte des Akîb) |
| Besondere Orte: | Vulkan Zaw, Heilerakademie in Peri, Der Ikanaria-Club, Salinen bei Peri |
| Erwähnenswertes: | Seit der Einführung eines tulamidischen Feldbewässerungssystems und dem wiederaufleben alter Anbautraditionen vor rund 15 Götterläufen, entwickelt sich Mergyan zunehmend zu einer der wohlhabendsten Territorien in Tárethon. In Peri ist der Zer'Nimut Orden ansässig. Ein Boronsorden von rund 50 Laienrittern und Predigern, welche derzeit überwiegend zum Schutz der Nordgrenze des Káhet abkommandiert sind. In der kleinen Heilerakademie, welche gleichzeitig auch der einzige Peraine Tempel in Mergyan ist, wird seit einigen Götterläufen intensive Forschung an den Heilkräften von Flora und Fauna des immergrünen Dschungels betrieben. Neben der Geweihten befinden sich hier auch zwei Schüler. |
Wer einmal durch Mergyan zieht, kommt nicht umhin zu sehen, worin einer der wahren Schätze Mergyans liegt. Nicht in teuren Erzen, nicht in schönem, elegantem Kunsthandwerk, nicht in einzigartigen Landschaften. Nein, der Reis ist der größte Schatz Mergyans.
Niemand muss hier hungern, niemand muss fürchten, am nächsten Tag keine gefüllte Schüssel zu haben. In der Tá'akîb wird soviel Reis angepflanzt, dass genug für alle da ist, und ein guter Teil von den Mengen, welche produziert werden, wandern, nachdem die mergyaner Vorratslager gefüllt wurden, in den Export oder werden von der Kirche in anderen Lehen verteilt. Daneben werden auch in geringer Zahl Plantagenfrüchte angebaut. Nicht verwunderlich also, dass Vater Boron und Tochter Peraine hohe Verehrung in dem Land genießen. Dies zeigt sich nicht nur in dem kleinen, aber schmucken Basalthaus in Peri und den zahlreichen Schreinen, die man in anderen Siedlungen und auch entlang des Weges findet, sondern zum Beispiel auch in der kleinen Heilerakademie, welche in Peri direkt gegenüber dem Basalthaus errichtet wurde.

Da dieser Außenposten der Zivilisation aber am Rande der Heimstatt vieler Gefahren - und seien es nur wilde Tiere - liegt, schützt eine hohe Palisadenmauer die Bewohner und die Lager. Derzeit sind noch viele Abschnitte der Palisaden aus billigem, schnell verrottendem Holz, so daß regelmäßige Erneuerungsarbeiten von Nöten sind. Doch wenn die Dorfgemeinschaft einmal ein paar Dukaten übrig hat, macht man sich daran das schlechte Holz gegen gutes, wiederstandsfähiges auszutauschen. Früher waren einmal alle Palisaden aus gutem Holz, doch nachdem im Jahre 14 S.G. der Záw ausbrach, wurde das Dorf und somit seine Umzäunung hinterher eher flüchtig wieder aufgebaut. Nun wird sich so manch einer fragen warum man so ein kleines Dorf denn wieder aufbaut, wenn es denn schon mal komplett zerstört wurde. Der Grund ist einfach. Borons Strafe ist zwar hart, aber Er ist gerecht und kennt Gnade. Derselbe Vulkanausbruch welcher das Dorf vernichtete, spuckte auch fruchtbare Asche aus, so daß sich ein fruchtbarer Nährboden ergab. Die Erträge sind reichhaltig. Die hier lebenden Menschen können sich nicht beschweren. Außerdem wurde vom damaligen Akîb eine Wiederbesiedelung unterstützt, da die Reisfelder auch hier bewirtschaftet werden müssen und dies leichter geht, wenn die Arbeiter vor Ort leben. Ein rein pragmatischer Gedankenzug also. Und schließlich zog es viele wieder an den Ort ihrer Erinnerungen, ihrer Träume und Hoffnungen, hier haben sie ihre Kindheit verbracht, auch wenn alles davon zerstört wurde. Doch die tapferen Dörfler haben es geschafft, ihr altes zu Hause wieder aufzubauen und mittlerweile sind deren Kinder schon fast keine Kinder mehr - sie wissen nur noch aus den Erzählungen der Eltern von dem großen Unglück.
1) Boronkapelle
Da Sendjet Hesa zu klein für einen eigenen Tempel ist, gibt es hier nur eine kleine Kapelle, welche von einem Priester betreut wird. Und Bruder Kalguan hat alle Hände voll zu tun, um die knapp 100 Seelen sowie den aus dunklem Mohagoniholz erbauten Schrein zu betreuen. Die Kapelle hat die traditionelle Halbrundform eines Boronrades. Im Altarraum steht in der Mitte des Halbrundes eine kleine Figur des Raben auf dem Boronrad sitzend, flankiert von zwei Kohlebecken, in welchen an besonderen Tagen Weihrauch oder ähnliches verbrannt wird. An der geraden Seite stehen zwei Reihen Sitzbänke, ebenso ist die hier die Tür über welche man den Raum betritt. Sie liegt in der Mitte der geraden Seite, der Figur gegenüber. Sitzplätze gibt es hier für ca. 10 Personen, stehend selbstverständlich mehr. So kommt es, daß an wichtigen und hohen Feiertagen die Messe zweimal gelesen werden muss, sofern sie nicht gleich draußen auf einem großen Platz abgehalten wird. Im Altarraum selbst gibt es keine richtigen Fenster, es gibt nur 12 ziegelsteingroße Löcher, durch welche Luft und Licht in den Raum gelangen können. Folglich ist es immer etwas duster hier. Bruder Kalguan hat vor einiger Zeit einmal angefangen, in das Holz der Wände Szenen aus den boron'schen Kapiteln zu schnitzen. Doch da er oft auch auf den Feldern hilft oder sonst wie in der Gemeinde tätig ist, sind seine Erzählungen noch nicht sehr weit fortgeschritten. Aber er arbeitet kontinuierlich daran.
Vom Altarraum gelangt man in einen etwa 5 Schritt langen Gang mit Wänden aus blankem, glatten Holz, welcher komplett ohne Lichteinfluss und Verzierungen ist. Der Gang ist so breit, daß zwei Menschen nebeneinander in ihm gehen können. Allerdings ist der Gang niedrig, jeder über 1,70 Schritt Körperlänge muss sich bücken - aus Demut vor Boron.
Nach 5 Schritt biegt der Gang nach links und rechts ab. Rechts ist ein kleiner, 3 mal 3 Schritt großer Raum in dem Kalguan schläft, Berichte schreibt, seine Predigten vorbereitet, ein paar Privatsachen aufbewahrt... kurz gesagt: hier lebt er. Der Raum ist dabei sehr einfach eingerichtet: ein Bett, ein Schreibtisch mit Schubladen, ein Schrank, ein Stuhl sowie ein Regalbrett auf dem die verschiedensten religiösen Bücher stehen. Der Wohnraum ist vom Gang nur durch ein schweres, schwarzes Tuch abgetrennt.
Dem Gang nach links folgend gelangt man nach 3 Schritt ins Freie. Von innen kommend rechts neben dem Ausgang steht eine mittelgroße Schale für Opfergaben.
Auch von außen ist das Gebäude eher schlicht. Dunkles Holz ohne Verzierungen geben dem ganzen ein sehr puristisches Aussehen.
2) Brunnen
Da Boron nicht nur hart straft sondern auch gerecht ist, konnte, nachdem die Lava erkaltet war, dieser Brunnen wieder freigelegt werden. Aus dem Brunnen lässt sich kühles, irgendwo aus den Bergen kommendes Wasser schöpfen. Von hier aus wird noch ein weiterer Brunnen gespeist. Weiterhin gibt es noch zwei Zisternen in denen Regenwasser aufgefangen wird.
3) Lager
Hier werden alle größeren Mengen an Vorräten gelagert sowie nach der Erntezeit Unmengen an Reis. Derzeit gibt es drei Lager, jeweils 5 mal 5 Schritt Grundfläche und 4 Schritt Höhe. Alle drei sind baugleich. Derzeit berät das Dorf über den Bau eines vierten Lagers. Viel kann man zu den Lagern nicht sagen, es sind im Prinzip nichts anders als große Vorratslager, hergestellt aus dem hier vorherrschendem Holz.
5) Dschungelladen "Einzige Wahl"
Der Name des Ladens ist Programm. Jedem Reisendem, der hier, am Ende der Zivilisation, noch dringend ein Ausrüstungsstück braucht, bleibt nichts anderes übrig wie entweder hier zu kaufen oder es ohne die Ausrüstung zu versuchen. Die Preise, bis auf Proviant, betragen im Schnitt das 2 bis 3-fache des Normalen.
Der Ladenbesitzer - welcher das Geschäft schon von seinem Vater übernommen hat - kann allerdings nur mit dem Laden nicht genug verdienen. So steht auch er und seine Familie tagsüber wie alle anderen Bewohner auf den Feldern. Daher kommt es auch, daß der Dschungelladen etwas ungewöhnliche Öffnungszeiten hat. Während der Mittagspause wenn alle die Arbeit aufgrund des Mittagsregens stehen und liegen lassen, sowie abends bevor jeder schlafen geht, geht der Verkauf vonstatten. Rethorius Kembû, der Besitzer, hat das Erdgeschoss seines Wohnhauses in einen Verkaufsraum umgewandelt und bewohnt mit seiner Frau und seinen 5 Kindern den ersten Stock. Damit ist sein Haus bis auf die Lagerhallen das höchste Gebäude ganz Sendjet Hesas.
6) Die Brüder Gifforkan
Eine etwas merkwürdige Geschichte rankt sich um die beiden Gifforkan-Brüder. Im Jahre 7 vor S.G. geboren, tat der Vater alles für sie. Nach dessen Tod übernahmen sie seine Felder und sie kamen, wie zu ihrer Kindheit, sehr gut miteinander aus, so gut, daß sie sogar nachdem Vulkanausbruch ihre Häuser direkt nebeneinander errichteten, so daß die Eingangsbereiche direkt gegenüber liegen.
Doch ein paar Jahre später sind sie sich wegen irgendwas - was genau, wissen wohl nur sie selbst - in Streit geraten. Dieser Streit dauert seitdem bis heute an und führte dazu, daß Maltar, der jüngere der beiden Brüder, seine Tür zubaute und eine neue aufbrach, nur um nicht mehr jeden Morgen wenn er aus dem Haus geht, das Haus seines Bruders sehen zu müssen. Trotz aller Vermittlungsversuche durch die Familien und Bruder Kalguan besteht der Streit weiter. Was Maltar und Trebor, der Ältere der beiden, nicht wissen ist, daß sich ihre Familien, Maltars Frau und seine zwei Kinder und Trebors Frau und dessen drei Kinder sehr gut verstehen und durch den Streit sogar noch stärker zusammengeschweißt wurden.
Trebor und Maltar sind im Laufe der Jahre zu regelrechten Einzelgängern geworden, welche zwar noch niemandem geschadet haben aber denn in einer Traumwelt leben, in der sie nur noch den Triumph über den jeweils anderen als oberstes Ziel haben.
7) Der Bananenbaum
Eigentlich ist der Bananenbaum in der Mitte des Dorfes nichts besonderes. Er steht halt einfach so herum und stört niemanden. Warum er hier an dieser Stelle gewachsen ist, vermag auch niemand zu sagen, interessieren tut es in Wirklichkeit auch niemanden. Die Kinder treffen sich allerdings hier immer um zu spielen und wenn dann die Bananen reif sind freut man sich. Ansonsten ist dieser Bananenbaum genau das wonach er aussieht: ein Bananenbaum.
Da hier in diesem Dorf, mitten im tiefstem Dschungel, die Eingeborenen mit den Siedlern zusammenleben ist ein Verteidigungswall wie andernorts nicht nötig. Nur ein kleiner Palisadenzaun schützt die Bewohnerinnen und Bewohner vor wilden Tieren. Sobald man das einfache Tor passiert hat, wird man von der Trostlosigkeit und der Langeweile dieses Ortes fast schon erschlagen. Hier, wo man sich mehr auf dem Papier zu Mergyan und dem Káhet zugehörig fühlt als im wirklichen Leben, versucht jeder für sich den Tag in irgendeiner Weise totzuschlagen. In Ahet Apet’kem gibt es nichts, was die Bewohner außer ihrer Arbeit tun könnten, von dem Besuch der Taverne, welche noch nicht einmal einen Namen trägt, abgesehen. Die Schenke ist zugleich auch das einzig öffentliche Gebäude des Dorfes, hier landet am Ende jeder Neuankömmling. Erwähnenswert sind noch das Zelt des Schamanen, es ist quasi das Zentrum des Dorfes, und der kleine Boronschrein. Jener wird zwar von den Siedlern in Schuss gehalten und auch zu den Kulthandlungen besucht, aber sonst nicht weiter beachtet. Zu abgeschieden und weltfremd sind die hier lebenden Menschen. Das soll jedoch nicht heißen, daß sie güötterlos sind, nein, sie haben nur ihre eigene Art entwickelt, Boron zu ehren. Die wenigen Abwechslungen für die Dörfler sind das Zusammenstellen der Steuerabgaben und eventuelle Verkündungen des Akîbs. Häufig kennen die Bewohner noch nicht einmal seinen Namen. Hiermit ist eigentlich alles zu Ahet Apet’Kem gesagt, es reicht aus um ein Bild entstehen zu lassen und jeden Reisenden, der noch bei Verstand ist, von hier fern zu halten.
Vor etwa 1000 Jahren:
11.FBO.4
"Im kem'schen Süden erschüttert der Vulkan Záw nun ebenfalls die Erde des Reiches. Der heftige Ausbruch überzieht die Stadt Peri mit einem dichten Ascheteppich, glühendheiße Lavaströme wälzen sich durch den dichten Dschungel auf die ungeschützte Siedlung zu, und die Luft ist gesättigt mit kochendem Dampf.
Doch die Gebete der Kemi und Geweihten stimmen die Götter milde, und so gebieten sie dem glühenden Strom weniger als eine Meile vor der Stadtmauer Einhalt. Etwa 150 Einwohnerinnen und Einwohner waren bereits aus der Stadt geflüchtet."(aus der Chronik des Káhet Ni Kemi)
Erhaben, ehrwürdig und doch bedrohlich steht er schon seit dem Anbegin der Zeit da, der Vulkan Záw. Bei gutem Wetter bereits von Peri aus zu sehen, gilt er auf der gesamten Syllanischen Halbinsel als Orakel und Spiegel der Laune Borons. Oft schon schon suchten Geweihte, Adlige und andere Priviligerte die Nähe des im äußersten Süden von ganz Aventurien legenden Vulkan, um von Boron Weisagungen, Visionen und Ratschlag zu erfahren. Doch die meiste Zeit über schweigt der Záw.
Der Záw ist jedoch nicht nur ein Orakel, er zeigte in der Vergangenheit schon öfters, daß nicht immer im Sinne des Herrn Boron gehandelt wurde. So vernichtete er vor fast 20 Jahren erst fast Peri. Mittlerweile hat man Peri wieder aufgebaut und Mergyan erlebte durch die fruchtbare Asche des Vulkans einen Landwirtschaftlichen Aufschwung. Es wird vermutet, daß am Fuße des Vulkans große Obsidianvorkommen zu finden sind, dies soll jedoch eine Expedition in nächster Zeit klären. Ebenso hat der neue Akîb eine Reise zum Záw geplant, um Boron zu huldigen und eine Traumreise zu unternehmen.
Ebenso finden sich hier außergewöhnlich viele Schlangen und Echsenwesen..., wahrscheinlich ein Zeichen Für eine Kultstätte, und ein Hinweis darauf, daß hier die Götter H'Szint und Zsahh verehrt wurden. Für die Verehrung der Großen Mutter scheint die üppige Vegetation zu stehen. In neuerer Zeit wird der See wohl wieder häufiger besucht werden, da er eine exzellente Wasserquelle für einen Schrein nahe des Vulkans und eine eventuelle Obsidianmine am Vulkan ist. Interessanterweise wurde der See von keinem der zahlreichen Vulkanausbrüchen je in Mitleidenschaft gezogen. Dies läßt darauf schließen, daß entweder der gelobte Herr und seine Kinder ein Interesse am See haben oder hier mächtige und sehr alte Schutzzauber der Priester ihr Werk tun.
Der Dschungel
... ist sicherlich für südliche Verhältnisse nichts Besonderes oder Außergewöhnliches, für den Nordländer, Horasier, Tulamiden, erst recht für das Volk aus dem Norden, die Nivesen, aber sehr wohl unbekannt, ja sogar gefährlich. Für jene, aber auch für alle anderen Interessierten soll hier die Umwelt Mergyans vorgestellt werden.
Das Bild Mergyans wird durch den grünen Dschungel, manche nenne ihn auch die Grüne Hölle, geprägt. Vorherrschend im Dschungel sind natürlich die großen, stämmigen Bäume an welcher jeder sofort denken muss wenn vom Dschungel oder auch Regenwald geredet wird.
Doch eben dieser Dschungel besteht nicht einfach nur aus vielen großen, grünen Bäumen, nein, hier herrscht eine Artenvielfalt wie sie sonst nirgends in vergleichbarer Zahl von Borons Töchtern Tsa und Peraine geschaffen wurde.
Der Dschungel wird von den Gelehrten und Forschern grob in drei Stockwerke eingeteilt.
Fangen wir mit dem Unterstem an, jenes Stockwerk welches ein Wanderer, Reisender, Abenteurer, Händler, Glückjäger oder Schatzsucher durchqueren auf ihren sonstwie begründeten Reisen.
Der Boden ist meist von kleineren Pflanzen bevölkert, vielerlei Arten von Blumen, Früchten erfreuen das Auge wie den Magen der hier lebenden Tiere gleichermaßen.
An jenen Stellen an denen keine Pflanzen den Weg versperren befindet sich entweder ein Wildwechsel oder brauer Schlamm welcher einen unpassierbaren Weg für Menschen darstellt.
Für die Echsenmenschen, sich selbst Achaz nennend, sind solche sumpfigen Gebiete allerdings häufig Lebensraum. Viele Obstbäume wachsen hier, vor allem Kakaopflanzen und Perainapfel dürften auch dem Laien ein Begriff sein.
Das zweite Stockwerk, auch "Säulen der lebendigen Halle" genannt, wird von Mohagoni-, Ebenholz- und Brettwurzelbäumen beherrscht. Jene Hölzer, besonders das in den Ländern des Mittelreiches, Horasiates, aber auch schon im Kalifat teure und begehrte Mohagoni, sind hier so zahlreich das sie als normales Baumaterial verwendet werden.
Die Bäume bilden ein dichtes Blätterdach so das es auch zur vollen Praiosstund nur wenige Sonnenstrahlen es bis zum Boden des Dschungels schaffen. Hier herrscht ein regelrechter Kampf um das kostbare Lebenslicht und Lebensraum. Wunderschöne Orchideen wechseln mit taudicken Lianen und Schlingpflanzen, unendliche Insekten und Tiere sind hier heimisch.
"Es gibt zu Hause im Norden eine lustige kleine Geschichte zu den Mohagonibäumen. Sie besagt das Mohagonibäume überall dort wachsen wo Zwerge ihre Gold verlieren. Wenn ich mir nun diese Wälder hier anschaue mit ihren Unmengen von Mohagonibäumen müsste unter dem Dschungel ein Vermögen liegen, welches ausreiche würde um das gesamte Horasiat aufzukaufen. Für mehr als eine Geschichte halte ich dies also nicht." - Bastan Munter, Handelsreisender aus Grangor
Die Mohagoni- und Ebenholzbäume werden in der Regel zwishen 30 bis vierzig Schritt groß. Diese "Halle" bietet vielen Tier- und Pflanzenarten einen sicheren und reichhaltigen Lebensraum.
Der Ebenholzbaum, Heiliger Baum des Boron, wird auch zur Gewinnung von Weihrauch in Form des gelben Harzes verwendet.
Das dritte und letzte Stockwerk, hoch erhaben über allem anderem, die Krone oder auch das Dach des Dschungels wird durch die zum Teil sechsig, siebzig Schritt hohen Elefantenbäume, Drachenflügelbäume und Alveranspfeilern gebildet.
Auch diese Krone ist voller Leben und Tsa schafft jeden Tag aufs neue ein Heer an Insekten welches durch die Blätter fliegt, krabbelt, kreucht und fleucht.
Voneinander trennen kann man die Kronen nicht, so verwachsen sind die Bäume. Äste, Blätter, Luftwurzeln, Moos, Früchte und Schmarotzerpflanzen sind so bunt vermischt das man denken könnte das all das zu einem einzigem, großen Baum gehört und nicht aus einer Vielzahl derer vesteht.
Das dichte Blattwerk des Urwaldes ist es auch welcher nur selten einmal direktes Sonnenlicht auf den Boden fallen lässt.
Dies soll nun nicht heißen das es im Dschungel immer dunkel wäre, nein, aber die heiße, brennende Sonne kommt einfach nicht durch die dichten Kronen hindurch und es ist jeden Tag aufs neue für die Pflanzen und Bäume ein Kampf um jedes bischen des für sie so lebenswichtigen Sonnenlichtes.
(Quelle: "Al'Anfa und der tiefe Süden")
Das kurze Korn des Lebens - Reis in Mergyan
Wer einmal durch Mergyan zieht, kommt nicht umhin zu sehen, worin einer der wahren Schätze Mergyans liegt. Nicht in teuren Erzen, nicht in schönem, elegantem Kunsthandwerk, nicht in einzigartigen Landschaften. Nein, der Reis ist der größte Schatz Mergyans.
Niemand muss hier hungern, niemand muss fürchten, am nächsten Tag keine gefüllte Schüssel zu haben. In der Tá'akîb wird soviel Reis angepflanzt, daß genug für alle da ist, und ein guter Teil von den Mengen, welche produziert werden, wandern, nachdem die mergyaner Vorratslager gefüllt wurden, in den Export oder werden von der Kirche in anderen Lehen verteilt. Erwähnenswert sind hier zum Beispiel die wackeren Soldaten und Soldatinnen in Yleha, welche vor einiger Zeit wieder einen Hilfskonvoi aus dem gesamten Reich erhalten haben und dabei auch Reis aus Mergyan seine Verwendung als Spende gefunden hat.
Die zum Teil sumpfigen Gebiete der Tá'akîb bieten sich fast geradezu an für den Anbau von Reis. Doch es ist gar nicht immer so leicht. Ab und an kommt irgendein Tier aus dem Dschungel auf die Reisfelder und verschreckt die Bauern oder greift sie gar an. Wenn soetwas passiert, heißt es entweder warten bis das Tier freiwillig wieder den Weg räumt oder sich ein paar mutige Bauern versammeln um mit Stöcken oder anderen improvisierten Waffen den Störenfried zu vertreiben.
Der hier angebaute Reis hat einen im Verlgeich zu anderen Sorten leicht würzig-nussigen Geschmack, was ihn zu etwas besonderem macht. Woran diese leichte Geschmacksvariation allerdings liegt, ist nicht bekannt. Ob es nun eine eigene Unterart des herkömmlichen Reis ist, oder an der Beschaffenheit des Bodens liegt, vermag keiner zu sagen. Aber, um ehrlich zu sein, den normalen Bauern wird dies auch nie wirklich interessieren. Für ihn ist wichtig, daß er tagtäglich seinen Dienst an Boron tut wie es ihm aufgetragen, daß er eine glückliche Familie und volle Schüsseln hat.
Um wieder auf die Kirche zu kommen... die Kirche ist in Mergyan die größte Plantagenbesitzerin und verfügt damit auch über die meisten Reisanbaugebiete. Zwar gibt es noch eine Handvoll anderer Landbesitzer und Landbesitzerinnen welche Reis anbauen, aber sozusagen das "Monopol" auf Reis aus Mergyan besitzt die Kirche.
Obwohl in vielen Gegenden des Landes zweimal, manchmal auch dreimal im Jahr geerntet werden kann, beginnt die Reisanbauzeit im Ingerimmmond mit der Zeremonie des Pflügens, einem uralten kemschen Ritual, welches nun, nachdem das Land wieder frei von Besatzern ist, vom jeweiligem Akîb abgehalten wird. Bei diesem Ritual wird symbolisch gepflügt und einige Reiskörner werden ausgestreut, woraus sich dann eine Vorhersage über die kommenden Regenfälle und Ernten ergibt. Normalerweise wird der Schlamm zweimal gepflügt, um das Feld für die Aussaat vorzubereiten. Der Wasserbüffel ist dazu das übliche Arbeitstier. Die kleinen Felder und die kleinen Geldkatzen der Bauern und Bäuerinnen erlauben aber manchmal nicht einmal das.
Bald darauf beginnt die harte Zeit des Pflügens. In den meisten Dörfern werden die Felder von allen Dorfbewohnern und Dorfbeohnerinnen gemeinsam bestellt. Diese Arbeit ist normalerweise bei Beginn der Regenzeit Ende Mai beendet. Die Felder werden durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem überflutet und die Setzlinge von Hand gepflanzt. Dabei wird der Reis sehr dicht aber nur auf einer kleinen Fläche ausgesät. Das vermindert Verluste durch Schneckenfraß an den ausgesähten Körnern. Auch bei dieser Arbeit helfen alle mit. Kurz darauf beginnen die Regenfälle und die nächsten drei Monde haben die Reisbauern relativ wenig zu tun. Sie müssen allerdings immer darauf achten, daß die Felder einen bestimmten Wasserpegel aufweisen, und sie müssen die Felder vor Vogelfraß und Schädlingen schützen. Das Wasser darf dabei aber nicht stehen sondern muss leicht fliessen, damit wird der Entwicklung einer Mückenplage vorgebeugt.
Ende Boron bzw. Anfang Hesinde sind die Felder des Nordens und der Zentralebene reif zum Ernten. Wieder strömen alle Dorfbewohner und -bewohnerinnen auf die Felder, wo vom frühen Morgen bis zum Einbruch der Dunkelheit der Reis mit Sicheln geschnitten wird. Nur eine kurze Mittagspause unterbricht die Arbeit. Der geschnittene Reis wird auf den Feldern ausgebreitet und einige Tage zum Trocknen liegengelassen. Dann wird der Reis gebündelt und nach Hause gebracht, wo er gedroschen und durch Hochwerfen die Spreu vom Korn getrennt wird. Diese Arbeit ist bis Firun geschafft, im Süden dauert es etwas länger, da es hier zwei Regenzeiten gibt.
Dieser Zyklus hat schon seit jeher das Leben der Menschen hier in Mergyan bestimmt, und so ist es auch heute noch.
(Meisterinfos: Der Reis welcher in Mergyan angebaut wird ist nicht mit unserem Reis wie wir ihn kennen zu vergleichen. Nicht die ein paar Milimeter großen, weißen Körnchen sondern eher kleine, dünne braune machen hier den Reis aus. Wir kennen zwar heute nur den "Uncle Ben´s Reis", doch wahrer Naturreis sieht so doch eher selten aus. Bei Naturreis wird die ungeniessbare Aussenhaut entfernt. Das Reiskorn selbst ist aber noch mit einer bräunlichen Silberhaut umschlossen. Die Silberhaut ist reich an Vitaminen, Mineralstoffen, Eiweiß und Fett. Beim weißen Reiskorn wie wir es kennen ist mit mit Hilfe von Schleif- und Poliermaschinen das Silberhäutchen am Reiskorn entfernt.)
Ob sie noch in einer alten Tempelstadt leben ist nicht bekannt, es ist noch nicht einmal bekannt, ob es hier in Mergyan früher einmal Heiligtümer, Tempel und Städte der Achaz gegeben hat. Wenn sie existierten, sind sie sicherlich mittlerweile vom Dschungel verschlungen und wieder in Sumus Leib eingegangen.
Als ich in Sendjet Hesa war, kam mir folgende Geschichte zu Ohren:
"In den Bergen, da gibt es viele Edelsteine. Wer einen Teil davon findet, der ist reich und seine Kindeskinder immer noch."
Diese Geschichte scheint weit verbreitet zu sein, ich habe sie auch in Yweni Semjet, Mesni Mesu und Peri gehört. Ob etwas wahres daran ist, ich vermag es nicht zu sagen, jedoch kennt man in den kleinen Dörfern folgendes:
"Die alten Echsen, die haben gehortet wie´s Phex gefallen würd. Edelsteine und Gold haben die in den Bergen versteckt, soviel das die Götter zornig worden. Da sprachen die Götter einen Bann über sie und sie gerieten in Vergessenheit."
Entweder kursiert diese Geschichte schon lange in Mergyan oder es ist wirklich etwas wahres daran.
In ganz, Mergyan, in jedem Dorf weiß jeder gerne zu berichten:
"Boron selbst spricht aus dem Záw." Jeder der es sagt, sagt dies mit Stolz. Und wie wir wissen entspricht dies auch der Wahrheit.
Als ich bei einer lieben Familie in Sendjet Hesa übernachtete, erzählten sie mir eine sehr seltsame Geschichte.
"Vor langer Zeit, als die Piraten noch vollends über die Meere herrschten, gab es einen der ganz listig war. Er schaffte es einen riesigen Schatz zu erbeuten. Soviel, das er ihn gar nicht mehr an einem Ort verstecken konnte. So musste Käpt´n Brabak, der Name dieses Piraten, an vielen vielen Orten Teile seines Schatzes verstecken. Ein Teil liegt hier in Mergyan, direkt an der Küste."
Ich muss zugeben, ich habe diese Geschichte nur von dieser Familie gehört und sie erscheint mir auch sehr unglaubwürdig. Als ich allerdings wieder zurück war, habe ich ein paar Nachforschungen angestellt. Diesen Kapitän Brabak gab es wirklich, auch wenn seine Zeit schon lange vorbei ist. Er muss zur Zeit der Priesterkaiser gelebt haben. Sein wahrer Name lautet Brabacciano und er hat den Aufzeichnungen zufolge wohl fast 70 Jahre lang Städte und Schiffe hier im Süden in Angst und Schrecken versetzt. Sein Ende kam dann durch die Priesterkaiser welche ihn in eine Falle lockten und zwei Galeeren darauf ansetzten sein Schiff zu versenken.
Doch nun wieder zu den Gerüchten. In den Siedlungen rund um den Bat'hôr wissen die Alten folgendes zu berichten:
"Beim Vulkan, da ist ein See. Dort treffen sich die Schwestern Hesinde und Tsa höchstselbst."
Eine sehr fantastische Geschichte, man könnte gewisse Anzeichen dafür deuten. Wie wir wissen leben am See Mesni Sedjet viele Schlangen und Echsen. Doch ob dies auf die Göttinnen hindeutet ist nicht sicher. Denn in den selben Siedlungen hört man von anderen Alten das:
"...Dort oben noch ein paar der Echsenherrscher leben zusammen mit ihrem Gefolge und die Schlangen und Echsen sind ihre Brut..."
Geschichten wie ich sie nur im Süden von Mergyan gehört habe, waren:
"Im Norden Schwarzoger hausen." und "Im Norden spukt es, da gehen Menschenfresser um."
Wahrscheinlich ist das auf die Agadyr zurückzuführen. Um jene kreisen auch ständig die Gerüchte das sie Menschenfresser seien. Und vergleichbar groß und dunkelhäutig sind sie auch.
Allgemein kann man sagen das die Mergyaner ein sehr ruhiges Völkchen sind denen ihre Ruhe sehr wichtig ist. Man verrichtet seine Arbeit wie es sich gehört, geht beten und dankt Boron.
In Peri ist dies etwas weniger stark ausgeprägt, dafür in den Siedlungen mitten im Dschungel umso stärker.
Die Sommersonnenwende wird hier etwas anders gefeiert. Es wird zwar auch der Jahresbeginn gefeiert und dabei den Göttern für ein weiteres Jahr gedankt, die offizielle Bestätigung der Nisut tritt in Mergyan jedoch in den Hintergrund. Der Mergyaner denkt: "Die Nisut ist die Nisut, die müssen wir nicht extra bestätigen." Und so hält er es auch, den offiziellen Teil überlässt er den Hohen Herrn.
Der Tag des Wassers wird natürlich auch in Mergyan sehr stark gefeiert. Schliesslich sind die Bauern sehr stark darauf angewiesen das Efferd ihnen die Regenzeit nicht zu stark macht und ihnen nur guten Regen schickt.
Eher weniger wird das Inselfest beachtet. Es ist zwar bekannt, aber für den einfachen Bauern eher uninteressant. Ihm fehlt der richtige Bezug dazu.
Am Ende der Regenzeit wird Perän´na´tâl gefeiert. Die Feiernden erhoffen sich hiervon eine gute Ernte für das kommende Jahr. Es ist in gewisser Weise mit dem Saatfest identisch.
Die Freiheitstage, das Totenfest, der Tag des Schlafes, der Tag der Erneuerung, Unabhängigkeitstag, Geburt der Nisut, Ter´kem-Tag und die Krönungsfeiern werden hier genauso gefeiert wie im restlichen Reich.
Vor den Tagen des Namenlosen schließlich versucht jede Familie so viele Vorräte wie möglich heranzuschaffen um während der unheiligen Zeit nicht unnötig vor die Türe zu müssen.
Etwas eigenartiges ist mir dann noch beim Hausbau aufgefallen. Ein gar seltsamer Brauch. Wenn es Haus gebaut werden soll, wird erst die Grundfläche entsprechend hergerichtet. Danach wird einen Tag und eine Nacht gewartet. Wenn sich danach keine Schlange auf dem Grundstück eingefunden hat, gilt dies als gutes Zeichen und der Bau kann beginnen.
"Dies waren nur ein paar der ersten Dinge. Ich werde meine Reise noch weiterführen und weiter über die Bräuche der Mergyaner berichten.
Bis dahin kann ich euch nur das wenige geben, aber so wahr mir Boron helfe, ich werde mehr schreiben."
- Ysabeau Âk-de Szézàr
von Jan H. Krüger