Das Káhet Ni Ni Kemi

Ein Überblick

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Übersicht

Flagge
Wappen
Geographische Grenzen: Jalob, Halbinsel von Hôt-Alem, syllanische Halbinsel
Landschaften: alemitische Halbinsel, dichter Regenwald, Mangrovenküste, östliche Sumpfgebiete
Gewässer: Jalob, Tirob, Kalter See
Geschätzte Bevölkerungszahl: 27.500, davon 70% Kemi (Kemi sind im allgemeinen kleiner als Waldmenschen und haben eine hellere, bronzefarbene Haut, jedoch ebenfalls nur spärlichen Bartwuchs und pechschwarzes Haar), 15% Waldmenschen, 10% nicht akkulturierte Nordländer, 5% Achaz
Wichtige Städte und Dörfer: Khefu, Re'cha, Djáset, Yleha
Wichtige Verkehrswege/ Handelsrouten: Nord-Süd-Passage von Djáset nach Hennemet (Tyrinth), westliche Küstenstraße von Khefu ans Südkap
Vorherrschende Religion: Boron (75%), Rastullah (10%)
Sozialstruktur/Regierung: theokratische Monarchie, borongeweihte Königin (Nisut)
Einflussreiche Familien: Setepen, Mes'kha-rê, Pâestumai, Al'Plâne, Corvikanerbund
Lokale Helden/Heilige/ mysteriöse Gestalten: Kacha, Laguan und Peri II. (Boron-Heilige), Peri III. (vormalige Nisut)
Wundersame Örtlichkeiten: Ruinen von Terkum
Sprachen: Gatamo, Rssah, Garethi, Tulamidya, Kemi (Wiedereinführung)
Währungen: 1Suvar (=1 Dukat) = 10 Hedsh = 10 Ch'rysk'l = 10 Trümmer
Zeitrechnung: "nach der Dunkelheit" ("sá gereh"): 1 S.G. = 4. n.H. = 997 n. BF.

"Oft wird viel über den Süden geredet, doch ich will hier einmal versuchen, Dir etwas Konkretes über meine Heimat zu erzählen. Ich lebe nun viele Jahre hier, so daß ich denke, daß mir dies einigermaßen gelingen wird.
Falls dir irgendwas nach der Lektüre meines Berichtes nicht klar sein sollte, zögere nicht, mich in Deinem nächsten Brief zu fragen.
Die Bewohner der Nordreiche sehen im Süden nur zwei Sachen: Dschungel und Wilde. Doch dies ist die typische Beschreibung derjenigen, welche von diesem doch sehr interessanten Teil Aventuriens nur vom Hörensagen wissen.
Derographisch kann man sagen, daß alles unterhalb der Linie Mengbilla-Jilaskan, auf einer thorwalschen Karte gesehen, zum Süden zu rechnen ist. Ab dieser Grenze geht der euch bekannte Wald in Dschungel über. Dschungel, in dem die Bäume nicht 30 oder 40 Schritt hoch sind, nein, die größten Bäume erreichen an die sechzig bis siebzig Schritt an Größe. Gleich einem Riesen streiten sie einander um das kostbare Sonnenlicht und selten einmal fällt ein Sonnenstrahl selbst auf den Boden des Dschungels.
Tsa und Peraine haben sich durch den tiefen Urwald ein Übergang in ihr Paradies geschaffen so voller Leben, ob tierisch ob pflanzlich, daß es einem Menschen schier unmöglich ist die volle Pracht jemals ganz zu erfassen. Angefangen bei den vielen Bäumen über zahlreiche Kletterpflanzen, Ranken, Pflanzen mit leuchtenden und duftenden Blüten, Gewächse mit schmackhaften Früchten größer denn eine Trollfaust finden sich hier. Doch nicht nur das. Wenn dem so wäre, wäre das Leben im Dschungel wahrlich leicht.
Besonders dort wo der Dschungel mit dem Sumpf einhergeht, und das ist häufig so, wird der Reisende von unzähligen Moskitos und anderen kleinen blutsaugenden Plagen, ja wie der Name es schon sagt... geplagt. Manchmal so sehr, daß ein Reisender über dies ganz die anderen Gefahren der 'Grünen Niederhölle' vergisst, welche da lauern. Gefährliche Schlangen, Krokodile und Alligatoren im Sumpf und an den Flüssen, Blutegel und Raubkatzen und natürlich die Eingeborenen, von denen man bei euch auch viele Gerüchte hört. Doch glaube mir, es gibt mehr als nur die Mohaha. Diese sind noch die friedlichsten von allen. In Mergyan, der mir anvertrauten Baronie, leben die `Tschopukikuhas´. Ein großes und wirklich wildes Volk. Größer als alle anderes sind sie genauso furcheinflößend. Schwarzhäutige Kannibalen sind sie, doch mir ist bisher nur ritueller Kannibalismus untergekommen. Doch laß Dir gesagt sein, die Tschopukikuhas übertreffen noch die grausamen Geschichten, welche bei euch über die Keke-Wanaq im Umlauf sind. Doch sei froh, hier in Mergyan sind sie recht friedlich, und solange kein Weißer in ihre Gebiete eindringt, passiert auch nichts. Eines gilt übrigens überall im Dschungel: Wer so töricht ist, allein zu reisen, muß sich nicht wundern, wenn er von den Bewohnern des Dschungels, ob zwei-, vier- oder mehrfüßig, als leichte Beute angesehen wird. Nur allzu oft hören wir, daß ein weiterer Reisender auf immer verschwindet, nur weil er zuviel Hochmut in seinem Herzen verspürte und nicht auf die Warnungen der Alten hörte.
Solltest du einmal durch den tiefsten aller Wälder reisen müssen, hüte Dich auch davor, einen Panther zu erlegen - selbst, wenn er dich angreift. Dieses Tier ist den Eingeborenen heilig und über die Konsequenzen mag ich gar nicht denken. Wenn es sich einrichten läßt, nimm immer einen Führer mit. Nur sie wissen, welche Wege man gehen kann, welche Früchte essbar sind und welche Gebiete man besser meiden sollte.
Doch wieder zum Süden. Wie schon erwähnt, besteht der Süden aus Dschungel und Sumpf. Es gibt auch Gebirge wie z.B. das Regenbogengebirge, doch dieses ist das einzige, welches sich wirklich aus der grünen Masse hervorhebt. Vereinzelt gibt es auch Vulkane. Die meisten sind erloschen oder verhalten sich ruhig. Einer der bekanntesten ist der Záw hier in Mergyan. Als er vor vielen Jahrhunderten einmal ausbrach, war dies so verheerend, daß noch in Al'Anfa der Himmel auf Wochen hin verdunkelt wurde. Und natürlich der Visra, der Vulkan an dessen Fuß Al'Anfa gegründet wurde.
Diese Stadt führt mich auch zum nächsten Thema, den Siedlungen. Da das Leben im Dschungel sehr schwer ist, für Siedler und Sidlerinnen nur unter größten Mühen zu bewältigen, liegen die meisten Dörfer und Städte an der Küste. Dort ist die Bevölkerung zum einen etwas sicherer gegenüber den Tieren und Insekten, andererseits kann so Fischfang betrieben werden und generell können Reisende so leichter die Siedlungen erreichen. In Kemi gibt es sogar die 'Küstenstraße', eine lange Straße an den Küsten des Reiches entlang, welche durch die Barone ständig intakt gehalten werden muß. Und glaube mir, im Dschungel ist es nicht leicht, eine Straße frei zu halten.
Ohne Zweifel ist Al'Anfa die größte der im Süden liegenden Städte, genauer gesagt, ist Al'Anfa ja schon ein Stadtstaat. Doch mit welchen Mitteln dies erreicht wurde ist ja allgemein bekannt. Nicht umsonst hat Al'Anfa viele Feinde, welche sich alle gegen die Sklaverei ausgesprochen haben. Bekannt sind sicherlich auch noch Brabak und das Kemireich mit dessen größter Stadt Khefu. Und von der umstrittenen Stadt Hôt-Alem hast du ganz gewiss auch schon gehört. Was für eine Verschwendung an Ressourcen welche das Mittelreich betreibt, nur weil sie meinen, diese Stadt gehöre ihnen und nicht dem Kemireich. Allein die Kosten für die Versorgungskonvois verschlingen Unsummen, welche sie besser für ihren Kampf gegen die Dämonen verwenden sollten.
Aber weiter. Neben Al'Anfa sind folgende Staaten noch von Wichtigkeit: Brabak, Kemi (ehemals Trahelien) Mengbilla. Sonst finden sich nur kleine Stadtstaaten mit wechselnden Herrschern und Affinitäten. Sylla, Charypso und Chorhop sind solche. Mirham und Kannemünde gibt es zwar auch, doch die spielen eigentlich keine Rolle. Erwähnenswert ist sicherlich, daß das Horasiat einige Kolonien im Süden unterhält, auf den Inseln um genau zu sein. Da es allerdings keine großen Flottenstützpunkte hier im Süden aufgebaut hat, wurde ein Bündnis zwischen Kemi und dem Horasreich geschlossen. Grob gesagt schützen sie uns vor den Al'Anfanern, wir schützen die Kolonien vor Piraten, Freibeutern etc.
Konstante Größen sind derzeit nur Al´Anfa, Brabak, Kemi und Mengbilla. Sylla und Chorhop haben, so weit ich weiß, eine recht lange Feindschaft und Berichte über irgendwelche Vorkommnisse, egal welcher Seite, sind eigentlich für uns normal geworden.
Glaubensmäßig kann man den Süden eigentlich recht schnell beschreiben. Oberster Gott ist Boron. Nicht allein in Al'Anfa auch hier im Kemi wird er als der höchste von allen angesehen. Das hat ganz einfache Gründe. In einer Umwelt in der täglich aufs neue der Kampf gegen die Unbillen stattfindet, ist es nur zu natürlich, daß sich die Menschen dem Todesgott zuwenden und ihn friedlich stimmen wollen... schließlich hängt ihr Leben von ihm ab.
Zwar werden auch die anderen Zwölfgötter hier verehrt, doch wie gesagt nicht primär. Verbreitet ist auch noch der Glaube an Rastullah, welcher aber auch zurücksteht. Kamaluq habe ich ja schon erwähnt, er wird von den Eingeborenen verehrt, neben zahlreichen Naturgeistern. Sie glauben, daß in jedem Ding ein eigener Geist lebe.
In Kemi und auf den Inseln leben auch ein paar Thorwaler, doch diese sind eine Minderheit. So kann man nicht wirklich davon sprechen, daß der Swafnir-Glaube verbreitet ist. Ich denke, dazu sind die Autonomiegebiete der Thorwaler in Kemi zu klein um für den gesamten Süden zu gelten.
Bisher nicht angesprochen habe ich die Achaz oder auch Echsenmenschen. In Selem kann man sie schon antreffen und sie sind, soviel wir wissen, im gesamten Süden verbreitet. Doch scheint es von diesen uns seltsam erscheinenden Wesen nur noch wenige zu geben oder sie verstecken sich absichtlich vor den Menschen. Ich selbst habe in den vergangenen Jahren nur drei von ihnen selbst zu Gesicht bekommen, aber ich kann Dir sagen, daß im Kemireich einer sogar Baron, ein anderer Marschall ist. Doch ich nehme an, daß dies wirkliche Ausnahmen sind. Normalerweise wollen diese Wesen ihre Ruhe haben und nicht gestört werden. Ich habe zwar gehört, daß in Selem sogar Mensch-Echs Verbindungen aufgetreten sind, doch ich denke, dann muß es sich um eine sehr weit von den alten Werten abgekommene Sippe sein, welche nicht mehr viel mit ihren restlichen Verwandten gemeinsam hat - sprichwörtlich verrückt wie Selemer Sauerbrot.
An manchen Stellen leben die Achaz sogar in bestimmte Gebiete eingesperrt. Ich habe mir von einem Schamanen der Tschopukikuhas erklären lassen, daß er selbst noch die alten Tabus seiner Vorfahren aufrecht erhält, welche die Gebiete der Echsen und die der Menschen voneinander trennen.
Tabus, mein lieber Onkel, sind so eine Art große Schutzzauber. Doch laß es Dir lieber von einem befreundetem Magus erklären, ich bin nur Priester. Früher herrschten die Achaz nach unserem Wissen wohl über den gesamten Süden, doch warum ihr Reich zusammengefallen ist, kann ich Dir beim besten Willen nicht sagen. Die Achaz selbst sprechen nicht darüber. Doch man sieht noch an manchen Stellen Ruinen ihrer verlassenen Städte. Gewaltig einfach nur.
Zwei weitere erwähnenswerte Wesen gibt es auch noch. Zum einen die gefürchteten Schlinger, große Raubechsen, welche auch für Gruppen gefährlich werden können und in den Sümpfen und auch im Dschungel leben. Viele schreckliche Geschichten gibt es über Schlinger, welche in Dörfer einfielen und einer alleine viel Grauen und Leid anrichtete. Wenn du auf einer Reise solch einem Biest begegnen solltest, Du wirst einen Schlinger sofort erkennen wenn du ihn siehst, versuch gar nicht erst, wegzulaufen. Die Flucht auf den nächsten Baum ist sinnvoller. Im Dschungel ist der Schlinger in seinem Element, und glaube nicht das du schneller wärst... Du würdest dein letztes Mal rennen. Wenn Du aber ausharrst auf einem Baum, irgendwann wird er sich wieder verziehen. Und Dein Leben ist gewiß mehr wert als Dein Maultier oder eventuelle Ausrüstung. All dies kann ersetzt werden, doch sollte dich ein Schlinger erwischen, wird kaum noch genügend übrig bleiben, um Dich zu bestatten.
Das andere Wesen, welches ich meine, ist ein Drache. Ich habe ihn bisher nicht selbst gesehen und Boron vehüt's - ich hoffe, ich muß es auch nicht. Doch es gibt diese Geschichte, nach welcher ein großer Drache im Regenbogengebirge leben soll, einen ganzen Stamm Eingeborener soll er sich als Dienerschaft halten.
Wie auch immer. Kommen wir zu den Meeren. Lange Strecken legt man im Süden am Besten mittels Schiff zurück. Alles andere wäre zu gefährlich und würde darüber hinaus auch noch zu lange dauern. Doch denke bitte nicht, eine Seefahrt wäre harmlos. Nein, das ist sie nicht immer. Efferd ist launisch, das bekomme ich in Mergyan, hier wo viele Schiffe halt machen, immer wieder zu spüren.
Es fahren nicht nur Handelsschiffe durch die südlichen Meere, auch die großen, schweren Schiffe der verhassten Al'Anfaner schwimmen von einem Ort zum nächsten. Kaum jemand will sie wirklich sehen, doch manche kommen nicht drumrum.
Eine weitere Sorte sind die Kaperschiffe der verschiedenen Reiche sowie Piraten. Auch diesen will eigentlich niemand wirklich begegnen, doch wenigstens besteht bei diesen die Chance, nicht fraglos versklavt zu werden wie bei den Al'Anfanern. Und noch immer machen Geschichten wie die von Käpt´n Brabak die Runde, der Pirat welcher sogar den Priesterkaisern damals trotzte.
Doch außer den Schiffen gibt es noch weitere Schätze im Meer. Für die Fischer und Ficherinnen ist es der tägliche Fang, welcher ihnen das Leben sichert und manche Spezialität wird hier gefangen und bei euch verkauft.
Vielleicht sollte ich noch etwas Wichtiges sagen. Bei uns gibt es jeden Tag, im Gegensatz zu euch, kräftige Regenschauer. Immer zur Mittagszeit fängt es ganz plötzlich an und hört nach einigen Momenten genauso schnell auf wie es angefangen hat, außer zur Regenzeit. Dann kommt es fast so vor, als ob Efferd seine Meere wieder auffüllen will. Ich kann dir sagen, gepflasterte Wege sind zu dieser Jahreszeit Gold wert.
Doch nun weg von meiner Heimat. Wie geht es Dir und deiner Familie? Ist dein Harem wieder größer geworden? (..)"

(Boraidan ibn Saîd in einem Brief an seinen entfernten Onkel in Khunchom)

Geschichte

ca. 3000 v.BF. Kacha I. gründet das Kemi-Reich
ca. 2200 v.BF. Eroberungszüge Peri II.
ca. 2000 v. BF. Monthu I. vereinigt geistliche und weltliche Macht
ca. 1150 v. BF. Gründung des Laguana-Ordens
ca. 960 v. BF. Vernichtung des Kemi-Reichs durch feindliche Stämme
ca. 870 v.BF. alt-bosparanisches Militärgouvernement
564 v.BF. Rhônda I. zerschlägt die Brabaker Legion; Unabhängigkeit
72 v. BF. Rückeroberung Kemis durch Bosparan
1 n. BF. Kolonie des Neuen Reiches
902 n.BF. Eroberung durch Brabak
975 n.BF. Kaiser Reto gewinnt Kemi zurück
997 n.BF. Thronbesteigung Peri III.
1008-10 n.BF. Lossagung von Gareth, Krieg gegen Al'Anfa und Brabak
1010 n.BF. Sieg über Al'Anfa, Allianz mit Brabak und Sylla
1012 n.BF. Allianz mit dem Horasreich
1026 n. BF. Friedensschluss mit dem Mittelreich
1027 n. BF. Thronbesteigung Ela XV., Vermählung mit Kronprinz Peleiston von Brabak
Die Kunde von den ersten Siedlungen der Kemi im Süden reicht viertausend Götterläufe zurück. Während die damals dominierenden Achaz die Kemi als treues Hilfsvolk zur Niederwerfung der Waldmenschenstämme schätzten, übernahmen diese zahlreiche Errungenschaften der Echsen und entwickelten so eine Hochkultur, die vom Baustil bis zur Glyphenschrift deutliche Parallelen zu echsischen Wurzeln aufweist. Im Schatten der Achaz-Großreiche blühte das "Alte Kemi-Reich" auf, die Grenzen wurden vor allem unter Peri II. weit in die Waldmenschen-Gebiete verschoben, viele Stämme versklavt oder vertrieben. Die Wissenschaften machten zu dieser Zeit große Fortschritte, insbesondere die Astronomie war hoch angesehen.
Die aufständische Nisut Rhônda
Cherep-Sechen beim Kampf
gegen bosparaner Söldlinge.
Doch die Blüte des Alten Reichs verging, ein langer Bürgerkrieg und die Rache der Waldmenschen dezimierten die Kemi. Schließlich jedoch kam mit Monthu I. der erste Rabenpriester auf den Kemi-Thron und die "dunklen Zeiten" wurden abgelöst durch den Aufschwung des Mittleren Reiches. Zwar verfügte Monthu, dass fortan das geistliche und weltliche Zepter in einer Hand vereinigt sein müssen, doch schließlich verfiel auch das Mittlere Reich in Dekadenz und ging vor etwa 2000 Jahren endgültig unter dem Ansturm der verfeindeten Eingeborenen unter.
Von diesem Zeitpunkt an herrschten die Kaiser und Kaiserinnen des Alten Bosparan über Kemi, ehe die Besatzer durch einen erfolgreichen Aufstand unter Rhônda I. aus dem Land getrieben wurden. Immerhin fast 500 Jahre lang konnten die Kemi ihre Freiheit genießen, doch dann machten der korrupte Hofstaat und unfähige Herrscherinnen das Land wieder zu einer leichten Beute für das Bosparanische Reich. Nach Hela-Horas' Tod folgten den altreichischen die garethischen Dynastien, die das Land kolonialisierten, ausbeuteten und zerstückelten.
Doch die Sehnsucht der Kemi nach Eigenständigkeit war auch durch die jahrtausendealte Fremdherrschaft ungebrochen; und so erklärte Nisut Peri III. im Jahre 1008 n. BF nach zunehmenden Pressionen Kaiser Hals und der Praioskirche die Unabhängigkeit ihres Reichs. Aber sofort bildete sich ein feindseliges Bündnis zwischen Brabak und dem al'anfanischen Imperium, das mit Unterstützung Gareths in Kemi einfiel. Der geballten Macht der al'anfanischen Invasionsheere war nichts entgegenzusetzen, und so beherrschte die Schwarze Perle mit Hilfe von zahlreichen Kollaborateuren die "Südprovinz" mehr als zwei Jahre lang mit eiserner Härte - einzig auf den Inselkolonien erhielt sich noch ein freies Kemi-Reich. Doch mit der Flucht von Königin Peri aus der Gefangenschaft und dem Tode Tar Honaks gewann der Widerstand in gleichem Maße an Kraft, wie die fremde Besatzung an Moral und Stärke einbüßte. So konnten die Kemi letztlich mit Waffengewalt ihre Freiheit erringen.
Durch die mehr und mehr erstarkende Kirche des Boron wurden die alten Sitten und Gebräuche wieder gelehrt, die lange vergessene eigene Kemi-Sprache und Schrift wiedereingeführt und das altehrwürdige theokratische Herrschaftssystem gestärkt. Außenpolitisch band sich das Reich in Bündnissen mit dem Horasreich und dem einstigen brabakischen Erzfeind um dem großen Druck aus Norden zu widerstehen. Mit der Krönung Königin Elas XV. 1027 n. BF. wurde schließlich sogar eine Versöhnung mit der alten Kolonialmacht Gareth erreicht, zudem verheißt die Vermählung der Nisut mit Kronprinz Peleiston von Brabak dem Südmeerbündnis gegen Al'Anfa eine goldene Zukunft.
Dennoch ist das Kemi-Reich auch unter der neuen Königin vor allem im Inneren vielfältigen Gefahren ausgesetzt. In den Westprovinzen gewinnt der alles Fremde ablehnende, religiös-fundamentalistische Corvikanerbund mehr und mehr Einfluss, gefördert durch den sich auch in anderen Regionen zuspitzenden Konflikt der Einheimischen mit den Fremden, die seit der Besatzungszeit im Reich siedeln und oftmals nur sehr wenig Rücksicht auf die uralte Kultur der stolzen und temperamentvollen Kemi nehmen. Auch im Osten dräut Gefahr: Dort, in den dichten Wäldern zwischen Yleha und Sylla, rottet die Schwester der Nisut, die abtrünnige Prinzessin Rhônda, ihre Schergen zusammen, um dereinst den Thron zu Khefu für sich zu erobern.

Geographie

"...Sei Dir bitte darüber im klaren, daß es im kaiserlichen Südmeerprotektorat deutlich anders aussieht als bei uns im heimischen Bornland. Abgesehen von einigen 'entwickelten' Regionen - die nicht ohne weiteres als solche zu erkennen sind - besteht diese Kolonie aus nahezu unberührtem Regenwald mit nur vereinzelten Siedlungen und Handelsforts vorwiegend an den Küsten.
Im Dschungel hausen zahlreiche wilde Mohas und Echsenmenschen, doch auch in den Dörfern sieht man bisweilen diese unheimlichen Wesen. Sie stehen den Weißen neutral bis freundlich gegenüber, und die Kolonisten sind peinlich darauf bedacht, sich diese Völker nicht zum Feind zu machen, denn dies würde zweifellos den Untergang des Protektorates nach sich ziehen. Es gibt Landstriche, die sogenannten Reichsmarken, in denen die Eingeborenen keinerlei weiße Siedlerinnen und Siedler dulden, und die Regierung der Provinz schützt diesen Willen mit aller Kraft und gar unter Androhung der Todesstrafe.
Bei den hiesigen 'Straßen' handelt es sich um bessere Dschungelpfade, die aufwendig frei gehalten werden müssen, denn mit der Zeit erobert der Regenwald alles Land zurück, das ihm genommen wurde. Du wirst Dich umgewöhnen müssen, geliebte Tochter. Es gibt hier keine größeren Städte, und selbst dem 'reichen' Gouverneur fehlt es sowohl an Batzen als auch an Arbeiterinnen und Arbeitern, um seine Residenz zu Khefu fertigstellen zu können. So begnügt er sich mit der Ausbesserung der Hafenanlagen und der Küstenstaße, auch erzählt man von dem einen oder anderen großzügigen Geschenk an die Eingeborenen-Häuptlinge, um sie sich gewogen zu halten..."

(Kapitän Fran Calenloth v. d. 'Perle von Neersand' an seine Tochter Peri, im Jahre 3 v. S.G.)

Fort Westerheim an der Grenze
zum Königreich Brabak.
Die Grenzen des südlichsten Reiches Aventuriens sind nicht einfach anzugeben, ein Faktum, welches sich demjenigen leicht erschließt, der jemals die dichten, unbekannten Wälder des Südens bereist hat. Welcher König mag schon guten Gewissens behaupten, er beherrsche diese Wälder, in denen es von wilden Eingeborenen, die noch niemals eine "Weißhaut" zu Gesicht bekamen, züngelnden Echsenwesen, gefährlichem Getier und mörderischen Pflanzen nur so wimmelt? Und deshalb ist es im Süden so, daß sich fast alles um die Beherrschung der Küstenstreifen und die wenigen, halbwegs sicheren Verbindungspfade im Landesinneren dreht. Die Nisut der Kemi, Ela XV. Setepen beherrscht die gesamte Halbinsel von Hôt-Alem mit der Hauptstadt Khefu, dazu die Küstenlinie bis zur Taton-Mündung im Westen und den Mareothiss-Sümpfen im Osten. Im Nordosten sind in den größeren Küstendörfern von Ordoreum und Yleha Truppen, während ganz im Nordwesten gar die entlegene Kolonie Mer'imen auf das Wort aus Ynbeth hört.
Das Land dazwischen ist größtenteils unerforschter Regenwald, nur hie und da findet sich ein trutziges Fort, erbaut, um mit den unberechenbaren Einheimischen Handel zu treiben und den Reisenden, die die lange Schiffsreise durch die Straße von Sylla scheut, Unterkunft zu bieten. Auch die Waldinseln Pet'hesá (Javalasi), Aeltikan, Mikkan, Aáresy und Cháset gehören zum Káhet Ni Kemi. Die Inseln dienten im Unabhängigkeitskrieg als Rückzugsweg vieler Kemi, die vor den anrückenden Honak-Schergen den fragwürdigen Schutz der wilden, gefährlichen Eilande in Anspruch nahmen. Auch heute herrscht dort in vielen Dörfern noch großes Elend, sei es, daß die vielen Flüchtlinge mit den einheimischen Fischers- und Bauersleut' um die knappen Ressourcen konkurrieren, sei es, daß die Vertriebenen aus Unkenntnis den falschen Siedlungsplatz erwählten und sich nunmehr zäh aber vergeblich gegen die Unbilden der Natur zu wehren versuchen.
997 B.F.:
Väterchen Tork, Sohn des Tabuk, verhandelt
mit dem damaligen mittelreichschen Gouverneur-
Protektor von Trahelien, Osidor A. S. von
Halberg (links, mit Augenklappe), und dessen
Beraterinnen und Beratern über die Abtretung
der Sturmfels-Berge an seine Sippe.
Die mächtigsten Erhebungen des Königreichs sind neben den titanischen Felstürmen der Waldinsel Áaresy die Ausläufer des Regengebirges im Norden und Nordwesten. Die Berge sind wie der Dschungel reich an Bodenschätzen, doch sind ihnen das Gold, Silber und die Edelsteine nur unter größter Gefahr an Leib und Leben zu entlocken. Der Osten des Landes ist flach, sieht man einmal von den Sturmfelsbergen ab, ein Höhenzug, der die Halbinsel von Hôt-Alem vom Rest des Kontinents abschließt, und in dem die wohl südlichste Angroschimsippe Aventuriens haust. Das Königreich profitiert von den reichen Gaben der Natur, die den südlichen Ländern gemein sind, so werden Gewürze, Holz, Rauschkräuter, Tabak, Tee, Obst und Früchte im Übermaß gewonnen, aber auch Reis und Hirse zur Versorgung der eigenen Bevölkerung angebaut. Das Klima im Königreich ist für die Nordländer unerträglich; tagsüber herrschen Temperaturen bis 40 Grad, die tägliche Schwankung der Temperatur ist ausgeprägter als deren jährliche. Regelmäßig um die Mittagszeit fällt auf die kleinen, schmutzigen Dörfer des Reiches ein warmer Regen, der an den Südhanglagen der Bergketten oftmals verheerende Überschwemmungen hervorruft. Das Waldinselarchipel ist für seine gewaltigen Stürme berühmt, die sich in den Herbstmonden oft zu furchterregenden Tornados steigern.

(aus "Das Königreich der Kemi - eine Beschreibung" von Adilron ay Oikaldiki, Hoher Gesandter Vinsalts am Kemi-Thron)

Das Reich der Königin Ela umfasst zum allergrößten Teil immergrünen, feuchten Regenwald, der sich im Westen vom brabakischen Vinay über das Jalobgebiet und die Halbinsel von Hôt-Alem bis zur östlichen Provinz Yleha (Syllina) erstreckt.
An der südwestlichen Küste geht der Wald fast überall in undurchdringlichen Mangrovendschungel über, während der gesamte Osten Kemis aufgrund seines Wasserreichtums sehr sumpfig ist. Das Land ist dort reich an flachen, warmen Seen, die den heimlichen Herrscherinnen des Reiches, den Stechmücken, ideale Brutbedingungen bieten.
Inmitten des ansonsten flachen Landes erheben sich die Sturmfelsberge, deren nebelverhangene Gipfel weit über das Blätterdach des Waldes hinausragen. Der Nordwesten ist das wilde Land der Waldmenschen, in dem der träge Jalob-Strom seine grünbraunen Fluten durch den Dschungel wälzt.
So verfügt das Reich nur über wenige größere Häfen - Yleha im Nordosten, Djáset im Südwesten und die Hauptstadt Khefu auf der alemitischen Halbinsel, dem südlich vom unwegsamen Herzen des Landes gelegenen Kernland der Kemi. Hier lebt der Großteil der Bevölkerung zwischen den schwelenden Überresten brandgerodeter Waldflächen, um die weitläufige Anbauflächen für Reis, Mais und andere Feldfrüchte angelegt wurden.
Während das Klima an den Küsten gut auszuhalten ist, läßt sich der schwüle Dschungel im Landesinneren, in dem überwucherte, uralte Ruinen einst mächtiger Bauwerke vom vergangenen Ruhm der Kemi zeugen, kaum ertragen. Fieber, Raubtiere und Fäulnis setzen denjenigen zu, die nicht in diesem Land aufgewachsen sind. Die Kemi selbst siedeln im Landesinneren in gesicherten Dörfern an den Wasserläufen, da Pfade im Dschungel binnen Tagen wieder zuwachsen und so im Vergleich zu den Flüssen als Verkehrswege nur geringe Bedeutung haben.
Noch lebensfeindlicher sind die fieberschwangeren aber reichen Inselkolonien, zu denen neben den Moskitoinseln Javalasi (Pet'hesá), Aeltikan und Mikkan (Marlan) die Echseninseln Cháset, Áaresy und Nosfan (Nova Aurandis) zählen. Die Zimtinseln Benbukkula und Ibekla werden von Vinsalt und Khefu gemeinsam verwaltet.

Kultur

Die Wiege der kem'schen Kultur steht auf der Halbinsel von Hôt-Alem, wo die ältesten Zeugnisse kem'scher Besiedlung gefunden wurden. Insbesondere die uralte Tempelanlage von Laguana auf einer dem Festland vorgelagerten Insel sticht mit ihren hohen Steinpylonen und der basaltenen Pyramide als Musterbeispiel des monumentalen Baustils der alten Kemi hervor.
Allgemein wird fast nur Holz als Baumaterial verwendet, Stein ist sakralen Bauten vorbehalten. Diese bieten dem Auge eine besondere Pracht, denn die zentrale Stellung von Tod und Nachleben im Alltag der Kemi findet auch ihren Ausdruck in der Gestaltung dieser ansonsten recht funktional und geradlinig wirkenden Anlagen. Es ist üblich, die Wände mit farbenprächtigen Bildern zu verzieren, die in eigentümlich formalisierter Darstellungsweise Szenerien aus dem "Land im Westen" zeigen, wie die Kemi das Paradies des Rabenherrn bezeichnen. Umrahmt und verziert werden diese Szenerien durch Textzeilen aus den Heiligen Büchern, in denen sich die Schönheit der kem'schen Glyphenschrift offenbart.
Obwohl Kemi kein reiches Land ist, so haben doch alle genügend zu essen, denn der Wald und die Gewässer liefern Nahrung im Überfluß. Besonders beliebt sind die "Sedet", flache Fladen aus Maismehl, die mit roten Bohnen, sehr scharfen Schoten, Reis und manchmal mit Fleisch und Fisch gefüllt werden. Daneben isst man auch gern sogenannten "Desrêt", ein auf einem Bananenblatt kredenzter in Kokosmilch zubereiteter Brei aus Reis und Fisch, ebenfalls angereichert mit den unvermeidlichen Pfefferschoten. Fleisch in scharfer oder süß-saurer Zubereitungsweise steht durchaus nicht selten auf dem Speisezettel, da der Dschungel reichlich Beute bietet und die Jagdprofession zwar nicht ungefährlich aber einträglich ist - vielleicht auch deshalb, weil die Kemi vor nichts auf dem Bananenblatt zurückschrecken, egal, ob Schlange, Affe oder Fisch. Als Getränk wird hierzu Tee gereicht, dessen mannigfaltige Sorten gerne mit Zusätzen wie Benbukkel, Muskat oder getrockneten und zerriebenen Dschungelfrüchten verfeinert werden.

Gesellschaft

Seit Jahrtausenden hat sich die starre kem'sche Gesellschaft trotz vordergründiger Assimilierung an die Fremdherrschaft im Grunde nicht geändert. Wie schon zu den Zeiten des ersten Königs ist die dominierende Macht im Reich die Geweihtenschaft. Unter den Fremden wurde die einheimische Kirche als Hort des Aufbegehrens unterdrückt; besonders blutig verfuhren die priesterkaiserlichen Herren, die den dominierenden Boronskult als Ketzerei verdammten und unbarmherzig verfolgten. Die seit der Unabhängigkeit verstärkte Rückbesinnung der Kemi auf die glorreiche Vergangenheit hat die Boronis jedoch wieder deutlich gestärkt.
Die Geweihten des Raben spielen im täglichen Leben des einfachen Volkes eine zentrale Rolle. Sie sind nicht nur für Bestattungen zuständig, sondern haben darüber hinaus die Befugnis, auch die Rituale der "Boronskinder" durchzuführen: Boronis segnen in Kemi nicht nur die Felder, sie schließen den Ehebund, halten Geburtsriten ab und sprechen in Kriegszeiten auch den Waffensegen.
Neben den Rabengeweihten sind auch die nisutlichen Beamten überall präsent. Im Königreich ist die Schreiberin für fast alles zuständig, vom Festlegen des Steuersatzes bis zur Provinzverwaltung. Trotz der vordergründigen Verwendung von nordländischen Titularien und Anreden unter Peri III. kennt man in Kemi keinen eigentlichen Adelsstand. Die "Adeligen" hatten nie mehr Befugnisse als eine Provinzgouverneurin in Diensten der Krone: Abgaben zu erheben oder sogar eigene Söldlinge unter Waffen zu halten, war ihnen streng verboten; und so hat Nisut Ela unmittelbar nach ihrer Krönung die von den Kolonialmächten übernommenen Titularien kurzerhand abgeschafft.
Die dritte Säule der kem'schen Gesellschaft bilden die alten Familien, die ihre Blutlinie oftmals über Generationen in die Vergangenheit bis zu den sagenumwobenen Herrscherdynastien zurückverfolgen können.
Von größter Macht sind die miteinander in erbitterter Fehde liegenden Häuser Mes'kha-rê, das über weitläufige Domänen im Norden und Osten des Reiches verfügt, und Pâestumai, das das Kernland kontrolliert. Im Westen Kemis ist der Corvikanerbund angesiedelt, der aus der Blutfehde kleinerer Sippen mit dem Haus der Mes'kha-rê hervorging.
Letztlich ist auch die Familie Al'Plâne zu erwähnen; eine aranische Einwandererfamilie, die mit dem Segen der Krone seit fast drei Dekaden die wirtschaftliche Ausbeutung der Inselkolonien betreibt und sich dort, im fernen Archipel, inzwischen unbehelligt vom weit entfernten Khefu zur dominierenden Kraft entwickelt hat.
Neben den großen Familien gibt es eine Unzahl kleinerer Sippen, die den mächtigen Häusern traditionell als Klientel verbunden sind und den Familienoberhäuptern Gehorsam im Austausch von Schutz und Förderung schulden, also auch deren Freund- und Feindschaften teilen.

Religion

"Im Namen Borons, des Götterfürsten, gelobe ich, Chanya Al'Mout'pekeret Al'Plâne, Vizekönigin des Káhet Ni Kemi, Oberkommandierende seiner Wehr, Treue der Alleinseligmachenden Heiligen Borons- und Staatskirche, dem Káhet ni Kemi und Ihrer Majestät, der Nisut Ela XV.. Ich schwöre bei Unserem Herrn Boron und den Göttlichen Zwillingen, der Rabentochter, ankh, udjat, seneb, bedingungslos zu gehorchen und mit meiner ganzen Kraft und, wenn es dem Allmaechtigen Boron gefällt, mit meinem Leben für Glaube und Reich, Recht und Volk einzustehen. Denn siehe, ich habe erkannt: Dies ist des Herrn Borons Heiliges Land, das es zu verteidigen gilt mit meinem Seelenheil. Mein Sinnen und Trachten seien von nun an stets darauf gerichtet, den Wohlstand des Reiches zu mehren, sein Gesetz zu achten und Schaden von ihm abzuwenden. Das schwöre ich, so wahr mir der Heilige Rabe, Götterfürst, und die Göttlichen Zwillinge helfen..."

(Treue-Eid Chanya Al'Mout'pekerets Al'Plânes, abgeleistet im Jahre 32 S.G.)

Eine Laguanerritterin bekämpft eine daimonische
Scheußlichkeit vor Ujak.
"So wisset denn, daß dies das Reich des Herrn ist, Boron, des Allmächtigen Raben, SEIN Volk, auf das ER mit Wohlgefallen blickt, da es IHN ehrt und SEINE Worte getreulich befolgt. Wie löblich anders als die schändlichen Ketzer und Ketzerinnen aus Al'Anfa, die SEINEN Lehren spotten, indem sie sich in Dekadenz, Verschwendungssucht und Völlerei ergehen, wo doch einzig Bescheidenheit und Demut dem Herrn wohlgefällig. Oder die einfältigen Toren, welche den häretischen Reden des Puniner Schwätzers folgen, welcher in seiner Unwissenheit den Greifengott über den Heiligen Raben erhöht. Dennoch verfügte der Herr in SEINER gütigen Weisheit, daß die Ungläubigen zu schonen sind und nicht durch Feuer und Schwert missioniert werden sollen, sondern allein durch das leuchtende Vorbild der wahren Gläubigen. Allein die Dienerinnen und Diener des Rattengötzen, des Dreizehnten, dessen Namen man nicht nennt, und die Buhlen der finsteren Scheußlichkeiten der siebten Sphäre sollen vor den lodernden Flammen der Heiligen Inquisition heulend und zähneklappernd ihrer Verdammnis harren. Jenen aber, die zwar die göttlichen Kinder des Herrn um Beistand bitten, IHN jedoch als den Gott der Götter ehren, so wie's geschrieben steht in den Heiligen Worten, sei das Wohlwollen der Heiligen Mutter Kirche gewiß."

(Dhana Chésaî'ret, Ritterin des Ordens der Wächterinnen und Wächter des Kultes des Heiligen Raben zur Insel Laguana, ehemalige Inquisitionsrätin von Terkum)

Für die gläubige Kemi ist es keine Frage, dass Boron, der Rabengott, unzweifelhaft der Höchste sein muss, an seiner Natur als Götterfürst besteht kein Zweifel. Diese Sichtweise ist die bedeutendste Gemeinsamkeit mit der al'anfanischen Boronskirche, doch auch zahlreiche weitere Parallelen der Kulte insbesondere in Hinsicht auf nemekathäische Urideale sind unübersehbar.
Die gegenwärtigen Hauptunterschiede zum al'anfanischen Ritus begründen sich in dem Einfluss einer vor etwa 2000 Jahren innerhalb der korrupten Kemi-Kirche aufgekommenen Reformbewegung, die den Verfall des Reiches und der Kirche anprangerte und eine Rückkehr zu den Wurzeln des Glaubens forderte. Diese Sehnsucht wurde schließlich von dem nisutlichen Gardisten Laguan aufgenommen, der einen Orden gründete, dessen Brüder und Schwestern sich in strenger Askese und Armut als "Ritter und Ritterinnen des Raben" zum Schutz des Reiches und des Glaubens verschworen. Das positive Gegenbild zum prassenden und ignoranten Klerus ließ den Orden mit den Jahren zu mehr und mehr Einfluss und wichtigen Ämtern innerhalb der Kirche kommen. Heute gibt es faktisch keine Boronskirche außerhalb des Ordens mehr, und dessen asketische Tugenden und die Ablehnung der Selbsttötung als blasphemische Anmaßung sind Kirchendogma geworden.
Oberhaupt der heutigen Kirche ist Nisut Ela XV., sie ist die "Rabentochter" mit der absoluten Macht göttlicher Legitimierung. Von Nisut Peri III. wurde diese Funktion nur äußerst zurückhaltend ausgeübt, doch wie es scheint, möchte sich ihre Tochter nicht mehr länger mit nur formaler Macht begnügen.
Anderen Kulten begegnet man in Kemi bisher mit Toleranz; die sogenannten "Irrlehren", all die Kulte, die Boron nicht als den Höchsten anerkennen, dürfen praktiziert werden, unterstehen aber einem strengen Missionierungsverbot. Einzig die al'anfanische Lehre wird paradoxerweise trotz der großen kultischen Ähnlichkeiten als Ketzerei verdammt.
Die strengste Auslegung der Heiligen Schriften findet man beim Bund der "Chepeshu Sebáyt-netjeri" (Schwerter der Reinen Lehre), der von Nicht-Kemi auch nach dem "Codex Corvinus" Nemekaths "Corvikanerbund" geheißen wird. Diese Gemeinschaft ist zwar Teil der kem'schen Boronskirche, sieht den Rabenherrn jedoch als strengen und strafenden Gott an und lebt in der baldigen Erwartung einer apokalyptischen "Letzten Schlacht". Der Bund lehnt alles Fremde als "böse und verderbt" ab und ergeht sich in höchst blutigen Selbstgeißelungsritualen, die durchaus Grundzüge nemekathäischer Opferzeremonien aufweisen.

Das Kemi-Volk

Die einflußreichste Thorwaler-Sippe
in Kemi: Die Jandarasons.
In der Mitte Oberhaupt Torben Jandarason,
Gouverneur der Inselprovinzen, daneben
Schwester Iskra (im Jahre 23 S.G. vor
Hôt-Alem gefallen) und Bruder Bjorn im Kampf
gegen al'anfanische Besatzungssöldlinge.
Die Bevölkerung des Königreichs setzt sich aus den unterschiedlichsten Volksgruppen zusammen, neben den seit der Unabhängigkeit wieder mit Stolz auftretenden einheimischen Kemi sieht man Al'Anfaner, Mittelreicherinnen, Tulamiden, Waldfrauen und gar den einen oder anderen Echsischen oder Thorwaler in den Straßen der Siedlungen wandeln.
Ebenso vielfältig sind die Religionen, denen im Königreich gehuldigt wird, obschon der Herr Boron bei den Kemi fraglos die größte Verehrung genießt. Diese Vielfalt bedrohte den Zusammenhalt des Landes mehr noch als die äußere Bedrohung durch Al'Anfa und das Mittelreich, und in den ersten Tagen des Neuen Reiches verging kein Götterlauf, in dem nicht ein blutiger Bürgerkrieg zwischen den Volksgruppen auszubrechen drohte. Königin Peri III. konnte diese Gefahr geschickt abwenden, indem sie mit aller Kraft die "Kemisierung" ihres Reiches betrieb, und so die ruhmreiche Vergangenheit und die althergebrachten Traditionen des Kemivolkes dazu nutze, um ihrem Volk eine gemeinsame Identität zu vermitteln. So wurden die in den Jahren der Fremdherrschaft in Kemi ansässig gewordenen Fremden "Opfer" der althergebrachten kem'schen "Assimilierungskunst" und abgesehen von den nach außen hin abgeschlossenen novadischen und maraskanischen Volksgruppen kann man durchaus von einem einheitlichen Staatsvolk sprechen - auch wenn die "Chesti" von den blutreinen, fundamentalistischen Kemi des Corvikanerbundes weiterhin nicht anerkannt werden.
Die kem'schen Ureinwohner konnten während dieser Zeit mit Macht die Restitution ihrer althergebrachten Machtstrukturen erreichen. Organisiert in den traditionsbewußten alteingesessenen Familien und deren Clientel gaben sie nach dem Abfall des fremden Jochs ihre lange Zurückhaltung auf und strebten, ermuntert von Nisut und Kirche eine sich immer noch ausweitende Beteiligung an der Macht an. Sie betrachten sich als wahre Erben Kemis, deren Traditionen viele Jahrtausende zurückgehen und die das legitime Bindeglied zur glorreichen Geschichte der vergangenen Kemi-Reiche sind.
Als anno 1867 v. S.G. die kleine Flottille der bosparanischen Conquistadores das Astarôth-Delta erkundete und alldorten am Ufer von den unbedarften Einheimischen freundlich empfangen wurde, da nahmen die selbstgefälligen Entdeckerinnen und Entdecker die ihnen in großer Zahl dargebotenen Schmuckstücke, die schön gefärbten Tuche, die vortrefflich gearbeiteten Bronzewaffen und dergleichen mehr zwar gerne als Präsent, nicht aber als Anzeichen einer uralten Hochkultur, die der eigenen in vielen Bereichen ebenbürtig, wenn nicht überlegen war.
Für lange Zeit sollte die beiderseitige Verehrung eines rabengestaltigen Totengottes die einzige Gemeinsamkeit zwischen den beiden Völkern bleiben, da die Bosparani mit dem Hochmut des Eroberers kaum die Grundverschiedenheit der stolzen Eingeborenen, die sich daselbst "Kemi" nannten, von den anderen unterworfenen Waldmenschenvölkern anerkannten. Die Kemi hingegen sahen in den sonderbaren, leichenblassen Ankömmlingen unzweifelhaft himmlische Gesandte ihres Herrn Beren, da ihre Haut noch viel heller und somit heiliger war, als die eigene, wo man bis dato doch schon von sich selbst gedacht hatte, das "Erwählte Volk" des Einen, des Allerbarmers, zu sein. Es sollte lange dauern, bis die Kemi erkannten, daß die Fremden Sterbliche von Fleisch und Blut waren - da aber waren Glanz und Glorie des einstigen kem'schen Großreiches längst vergangen und dahin, in den Staub getreten von einer Handvoll bosparanischer Gouverneure und einigen wenigen Besatzungssöldlingen...
Umgekehrt berichtete der berühmt-berüchtigte Conquistador Quirin Zaccaria seiner Kaiserin Asmodena Horas erst anno 1818 v. S.G. 'von eynem gar verwunderlychen fremdten Volck allhier im Suedtlandte, welchselbyges itzund eyne Haut wie von reynem Benbukkel habet'. Auch zeigte sich der verderbte Herr Zaccaria, der kem'sche Tempel und Paläste plündern ließ und unvorstellbare Kostbarkeiten und Reichtümer anhäufte, fürbaß erstaunt von der Disziplin und Unterwürfigkeit des kem'schen Volkes, das die Stände der Geweihten und der Berufskrieger und -kriegerinnen zu kennen schien, selbst harte Fehde gegen sämtliche umliegenden Waldmenschenvölker - oftmals verbündet mit den ebenfalls im Süden heimischen Echsenvölkern - führte und manches von ihnen erbarmungslos unterwarfen und versklavte. Von den verbündeten Kaltblütern schienen die Kemi auch ihre obskure, frühzeitliche Glyphenschrift übernommen zu haben, deren viele Schriftzeichen sie in Stein schlugen, in Lehm ritzten oder mit verschiedenfarbiger Tusche auf Papier oder Papyrus übertrugen, gewonnen aus den Fasern der Agave oder dem Schilf der sumpfigen Flußläufe. Die Bücher der Kemi waren zwei bis drei Schritt lange Papierstreifen, die durch mehrmaliges Knicken und Falten zu einem handlichen Format zusammengelegt wurden. Auch Schriftrollen, oft mehrere Schritt lang, waren rege in Gebrauch, da die Kemi seit jeher ein besonderes Faible für die Bürokratie hatten. Von besonderer Angesehenheit war deshalb auch der Stand der Schreiberlinge, die in auch heute noch gut besuchten Schreibschulen ausgebildet wurden.
Die Kenntnis aller Schriftzeichen und der wunderbaren Vielfalt der kem'schen Lautsprache oblag zudem den hochverehrten Rabengeweihten, die als Vollzieher und Vollzieherinnen der grausamen und blutigen Opferritualien Herren über Leben und Tod waren und die sich vom gemeinen Volk durch das Privilegium abhoben, als Alleinzige Gewandung in Schwarz, der Heiligen Farbe des Herrn, tragen zu dürfen. Die Kleidung des Landvolks war ganz dem schwülwarmen Klima der mittäglichen Dschungellande angepaßt. Die Männer trugen und tragen im allgemeinen nur den üblichen kem'schen Dreiecksschurz, bisweilen auch das entsprechende Kopftuch, dazu bei feierlichen Anlässen einen leichten Umhang, derweil die kem'schen Frauen in langen, hemdartigen Gewändern mit bunt besticktem Saum einhergehen. Jedwede Berufsgruppe, seien es nun die Pflanzer oder die Fischerinnen, die Steinschneider oder die Kriegerinnen, gaben sich nach außen hin durch die Farbe ihrer Gewandung und ihrer Gesichtsmalerei zu erkennen, wobei sich die Männer wie die Frauen die Gesichter oftmals auch mit fein tätowierten Glyphenzeichnungen verzierten.
Den kem'schen Kriegern und Kriegerinnen war die traditionelle Kampfbemalung in rot und schwarz, den Farben des Krieges und des Todes, vorbehalten, sie waren mit den gefährlichen bronzenen Sichelschwertern, Speereisen, Lanzen und Keulen bewaffnet, und suchten jeglichen Feind im voraus durch das furchterregende Getöse ihrer Pfeifen, Rasseln, Muscheln und Schildkrötenschalen zu erschrecken. Im Krieg trugen die Kemi im Allgemeinen keinen Schmuck und schützten sich höchstens mit einem ledernen Schild. Erst später, während des Neuen Reiches, kamen Rüstungen aus Bambus oder Hartholz in Gebrauch.
Auch das seltsame körperliche Aussehen der Kemi deuchte den Weißen wie den Waldmenschen fremdartig und erschreckend: Sie alle waren groß gewachsen, von muskulöser Statur und von feinen, nahezu nordländischen Gesichtszügen. Die Kemi kennen keine Scheu, ihre gutgewachsenen Körper zu zeigen, die Haartracht ist bei den meisten Männern und Frauen kurz gehalten, und so dem Klima zuträglich, während man bei zeremoniellen Anlässen gerne ausladende Perücken aus schwarzen Tierhaaren trug. Zur Zeit des neuen Reiches änderten sich die Moden zugunsten von mehr Abwechslung, damals wurde das Haupthaar sowohl lang wie kurz, häufig auch in Zöpfen oder mit bunten Federn und Perlenschmuck verziert, getragen.
Die wundersamen Städte der Kemi deuchten den weißen Eroberern und Eroberinnen über alle Maßen fremd und märchenhaft: Paläste gab es alldorten, die wie auf den Kopf gestellt schienen - sie waren oben breiter als unten. Andere wieder glichen Pyramiden, die sich stufenförmig nach oben verjüngten. Bizarre Tempeldächer waren von kunstvollen, einem riesigen Hahnenkamm ähnelnden First gekrönt. Jeder Tempel und Palast stand auf einem angeschütteten Hügel, so daß man zu ihnen auf steilen Treppen emporsteigen mußte, deren Stufen zumeist so schmal waren, daß man sie nur auf Fußspitzen oder mit seitlicher Fußhaltung ersteigen konnte.
Die Häuser der einfachen Leute hatten fast nie Fenster. Licht und Luft erhielten sie alleine durch die Türöffnung, die niemals rahjawärts ging, denn der Westen galt als Himmelsrichtung der Nacht und der verderbten Daimonenbrut! Der gewöhnliche kem'sche Haushalt des einfachen Volkes wirkte äußerst bescheiden, es gab weder Tische noch Stühle - wichtigstes Einrichtungsstück war die Bastmatte, die zugleich als Ruhestatt, Sitzunterlage und als Tisch diente. Ganz im Gegensatz dazu schienen die Paläste der Reichen. Luftige Räumlichkeiten, verschönert durch zahlreiche Säulen und kostbare, kunstvoll geschnitzte Möbel zogen sich meist im Karree um einen Innenhof, in dem künstliche Teiche, Brunnen und Gärten angelegt waren. Wohlhabende Kemi ließen sich gern von ihren Sklaven in Sänften übers Land tragen oder von diesen in einer Art Kutsche ziehen, derweil der Stand der Träger und Trägerinnen einen Tagesmarsch von dreißig Meilen mit bis zu vierzig Stein Rückenlast bewältigen konnte, die man an Stirnbändern trug, so daß sich das Gewicht geschickt auf Schulter, Kopf und Rücken verteilte - zu diesem Zwecke waren Wägen aufgrund des morastigen und schwierigen Umlandes nicht in Gebrauch. Rund um die Vielfalt der Städte und Dörfer der Kemi, zumeist an großen Flußläufen im Landesinneren gelegen, lagen die Maisacker und Hängegärten der Pflanzer, wo man Hirse, Reis, Zuckerrohr, Bohnen, Maniok und Kürbisse zog.
Einer der vielfältigen Gründe für den langanhaltenden, ungebrochenen Siegeszug der Horas-Conquistadores mit ihrer verschwindend kleinen Söldlingsschar in den Ländereien der Kemi, war die Furcht derselben vor den Streitrössern der Bosparani in ihren blinkenden Rüstungen und Schabracken. Die Kemi selbst nämlich kannten diese Art von Tieren nicht, und so vermuteten sie in einem aufgesessenen Reiter in metallener Rüstung zu Anfang ein unverwundbares, dämonisches Monstrum.
Heute sind unter den Untertanen Ihrer Majestät Ela XV. nunmehr nur noch der zehnte Teil reinblütige Kemi die meisten siedeln noch immer in ihrer ursprünglichen Heimat, der Halbinsel von Hôt-Alem (heute: Tárethon) und in den angrenzenden Gebieten Terkum und Süd-Ordoreum. Kannten sie früher kein schlimmeres Sakrileg und keinen größeren Frevel am Herrn, als die eigene, erwählte Blutlinie durch Vollziehung des Rahjaaktes mit einem oder einer Wilden aus den umliegenden Barbarenwäldern zu besudeln, so änderten die Kemi ihre Haltung in Bezug auf die weißen, "borongesandten" Einwanderer und Einwanderinnen.

Doch auch die Kemi hat es in fremde Länder gezogen. Von größter Bedeutung ist dabei die kem'sche Kolonie im Nachbarreich Brabak.
Die Paestumai, brabakisch Pâeztumay, bestehen aus acht Personen unter dem alten Patriarchen Phexidio Pâeztumay, einem jüngeren Cousin des alten Tanith Pâestumai, der als Oberhaupt der Familie gilt. Phexidio führt die Geschäfte der Familie in Brabak selbst, wo er eine kleine Villa hat und mit einer niederen, brabakischen Adeligen aus einer Nebenlinie der Familie du Berillis verheiratet ist.
Hauphandelsprodukte der Familie sind Nahrungsmittel wie Reis, Mais und Hirse, die es in Kemi im Überfluß, in Brabak aber weniger gibt. Vor etwa 20 Jahren hat sich ein Zweig der Familie von Phexidio abgespalten, diese Pâeztumay-Sevillio y Arâgònes unter der Matriarchin Donna Pilàr (eine niedere Adelige, die auch innerhalb der brabakischen Gesellschaft Heiratsbindungen aufrechterhält) sind eher religiös-fundamentalistisch gesinnt (10 Personen) und lehnen die Geschäftemacherei und weltliche Einstellung Taniths und Pexidios ab. Dona Pilar Pâeztumay-Sevillio y Arâgòness Lehen umfaßt das kleine Dorf Sevillio mit den umliegenden Länderein, später kam sie durch Heirat noch zur Herrschaft über das Gut Arâgònes, beide Ländereien liegen nahe an der Stadtgrenz zu Brabak liegen. Zudem ist Dona Pilar Pâeztumay-Sevillio y Arâgònes noch die Vorsteherin des kem'schen Borontenpels in Brabak, ihr ältester Sohn Alrigio hat in Kemi vor kurezm sein Ordensnoviziat abgeschlossen. Was nicht unerwähnt bleiben soll: Das Haus Paestumai verbindet eine Fehde mit der Familie de Sylphur, nachdem Erlgard de Sylphur vor einigen Jahren den damaligen Grafen von Terkum, Pasqua Tanith Paestumai, während eines Grenzkonflikts getötet hat.

Zweite bedeutende Kemi-Familie in Brabak sind die mit den Paestumai verfeindeten Mezkarai. Schlüsselperson hierbei ist Mechara Mezkarai. Mechara ist die älteste Tochter des Familienoberhauptes Boromil Mezkarai und seiner Frau Aisha, damit das - falls sie es erlebt - legitime nächste Oberhaupt aller Mezkarai. Mechara ist eine Händlerin par excellence und mit dem Brabaker Nestario Geraucis verheiratet. Nestario ist ein Vertreter eines Nebenzweigs der Familie und nicht ohne Einfluß in Poltik und Wirtschaft in Brabak. Mechara und Nestario haben insgesamt sieben Kinder, die mehr oder weniger die Geschäfte der Familie in Brabak am Laufen halten. Die Mezkarai handeln in Brabak hauptsächlich mit Edelholz, gewürzen, Tabak, Rauschkraut...

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