"Die Dämmerung wiederholte die Worte in einem nicht endenen Gewisper rings um uns her,
einem Flüstern, dass drohend anzuschwellen schien wie das erste Flüstern eines
heraufziehenden Sturms. Das Grauen! Das Grauen!"
- aus dem Bericht eines al'anfaner Soldaten während der Besatzung Kemis
"...niemals gehörte ich unserem Volk an, religiös bin ich niemals gewesen; ich gehöre zu jenen, die in der Folterkammer noch ein Lied singen, die Gesetze verstehe ich nicht, für
Moral habe ich keinen Sinn, ich bin ein Vieh...."
- aus einem Gespräch mit Abdul ibn Meheb
Gardekorporal Kem'bik ist unverkennnbar ein Moha-Bastard: kaum ein Schritt und drei Spann groß, hager und eine dunkle Hautfarbe, die ebenso wie seine Bewegungen und seine
schwarzen Haare auf das Erbe seiner Mutter hinweisen, einer Mehi-Kriegerin. Seine Or-
dnugsliebe (manche würden es als Pingeligkeit bezeichnen) dagegen, sowie seine ausge-
prägte Disziplinliebe stammen wohl von seinem Vater, einem kem'schen
Großbauern. Beide Elternteile erzogen ihn abwechselnd: er lernte im Dschungel das Jagen,
Kämpfen und Überleben, in der "Zivilisation" das Lesen, Schreiben und städtische Leben.
Achtzehnjährig, im Jahr 4 S.G, tratt er, sofort nach der Gründung, der schwarzen Armee bei
und kaum war seine Ausbildung abgeschlossen, begannen turbulente Jahre.
Die Brabaker Kriege erlebt er nur in kleineren Scharmützeln, später stieg er zum Truppführer
auf und zog sich mit seinem Trupp, nach der Kapitulation des Kemi ni Kâhets, wie die restliche Schwarze Armee in den Dschungel zurück. Im darauffolgendem Unabhängigkeitskrieg macht sich seine Erziehung im Dschungel bezahlt: er und seine "Rotte", wie sie sich selbst nannten, wurden zu einem Alptraum der Al'Anfaner. Immer wieder überfiel Kem'biks Trupp, v.a.Nachts, kleine Posten, Patroullien und Nachschubwege der Al'Anfaner. Als Meister des lautlosen Kleinkampfes und der listenreichen Gelände-ausnutzung agierte die Rotte gegen ihre Gegner rücksichtslos, ja brutal: in Sümpfen und Dschungelpfaden wurden Fallgruben gegraben mit angespitzten Pfählen, die wiederum mit Kot beschmiert waren, um Wundbrand auszulösen, Nahrung und Trinkwasser wurden vergiftet und, was Kem'bik die Feindschaft vieler eigener Leute brachte, war, unter Ausnutzung der Boronsgläubigkeit der Al'Anfaner,das Präperieren von gefallenen Gegnern mit Fallen: viele Söldner starben, als sie die Leichen ihrer Kameraden bergen wollten. Solche Methoden machten ihn bei den Gegnern berüchtigt und bei den eigenen Leuten unbeliebt, gerade bei den Boronis.
Nach dem Krieg und der Erringung der Freiheit wollten einige aus der Armeeführung daher,
dass Kem'bik vor ein Kriegsgericht gestellt werden sollte, auch weil er und sein Trupp zu
jenen Soldaten gehörten, die in Fort Viem stationiert waren, einem kleinem Aussenposten
während den Freiheitskrieges, in dem den Gerüchten nach, die Soldaten ihre Offiziere
massakriert hatten, da sie deren selbsmörderischen Befehlen nicht folgen wollten und bis zum
Ende des Krieges, also fast anderthalb Jahre, ohne Kommandokette agierten. Da jedoch alle
Soldaten beschworen, dass ihre Offiziere im Kampf umkammen (was hätten sie auch anderes
Sagen können), wurden sie nur entweder entlassen oder strafversetzt - wie Kem'bik, der an
einen götterverlassenen Aussenposten versetzt wurde. Erst nach Jahren wurde er rehabilitiert und erhielt auf eigenen Wunsch ein Grenzkommmando im Norden zu Al'Anfa, dort verbrachte er die letzten zehn Jahre in stetem Kleinkampf mit Söldnern der Schwarzen Allianz, immer wieder überfiellen er und seine Soldaten gegnerische Grenzposten und die Al'Anfaner ihrerseits antworteten mit Gegenangriffen. Im Jahr 27 S.G wurde Kem'bik zum Gardekorporal ernannt und übernahm kurze Zeit später den Posten des Kriegsherren ni Táyârret von seinem Freund Abdul ibn Meheb, mit dem er in den ersten Jahren des Unabhängigkeitskrieges oft zusammen gekämpft hatte und wurde von diesem dazu noch zum Sah ni Mehajet ernannt. Von all den Wirr- und Fährnissen die das Kemi-Reich in den letzten Jahren bedroht hatten, hatte Kem'bik kaum etwas mitbekommen und als er seinen neuen Posten antratt, war er zum ersten mal seit über einem Jahrzehnt wieder näher als hundert Meilen von Khefu gekommen...
Kem'bik ist Soldat und Kemi-Patriot durch und durch, ein stolzer Offizier und Militär: für ihn
ist die Armee das ein und alles und die Schwarze Armee im speziellen das einigende Band des Kemi-Reichs. Seine Loyalität gilt - neben der Armee - dem Reich und nicht einer Königin, einer Provinz oder einer Familie. Gerade letzteren, den großen und mächtigen Familien des Reiches bringt er nur Verachtung entgegen, hasst er doch Vetternwirtschaft und Ämterverteilung durch Name und nicht durch Begabung.
Der Kommandeur Nord ist heute 43 Jahre alt und hat mehr als zwei Jahrzehnte davon im
Dschungel verbracht, die meiste Zeit davon in Kampfgebieten, was seinen Tribut gefordert hat: autoritär und isoliert ist er immer mehr geworden, oftmals gerade zu paranoid was Anzahl und Art der Feinde des Reiches anbelangt, seine Soldaten haben ihn nie geliebt, noch war er sonderlich - v.a. wegen seiner Ordnugs- und Disziplinliebe - beliebt, sie respektierten und
folgten ihm ob seinen Fähigkeiten, mehr nicht. Auch äußerlich sind ihm die Strapazen des
Dschungellebens anzusehen: mehrere Narben verunstalten ihn, eine davon läuft quer über das Gesicht zu seinem rechten Auge, dass blutunterlaufen ist und auf Fremde wirkt er oftmals phlegmatisch und - gelinde gesagt - etwas trübe, was jedoch über seine Fähigkeiten hinweg-
täuscht.
Im Dschungel ist Gardekorporal Kem'bik ein brillianter Truppführer (er hat in seinem Leben
bisher nie mehr als fünfzig Mann kommandiert) und Kämpfer, v.a. mit dem Blasrohr, doch kann er
sich auch mit dem Schwert verteidigen. Seine persönliches Spezialgebiet - und Leidenschaft-
ist der Dschungelkampf, in dem er wohl nur von den einheimischen Waldmenschen übertroffen wird und er träumt schon viele Jahre davon - und plant nun als Kriegsherr - eine
spezielle Dschungelkampf-Einheit auszubilden und zu führen.
Zitate:
"Disziplin und Ordnung sind die wichtigsten Punkte der Organisation - UND BEI DIESEM CHAOS KANN DAS NICHTS WERDEN!"
"Wieso grausam? Sollen sie doch vor Angst und Hunger zittern und tanzen, niemand hat sie eingeladen"
"Das Reich hat mehr Feinde, als sich es diese Hofschranzen überhaupt vorstellen können, das Leben in der Stadt hat diese Schmarotzer doch nur weich und schwächlich gemacht, was mir egal wäre, wenn sie nicht auch noch blind wären"
"Gut, Jungs und Mädels. Wir gehen von links das Lager an, die erste Abteilung gibt Feuer- schutz. Alles was wir nicht essen oder tragen können, wird umgebracht. Ich will keine Ge- fangenen"
von Christian Agi