Kâl'Tân steht Rede und Antwort

Kâl'Tân

Unser Korrespondenten Marbert v. Mörsdorff befragte im Perainemond des Jahres 26 S.G. den Bischof von Neu-Prêm, Kâl'Tân über dessen aufsehenerregende Pastoralreise zu den Inseln der Überseeprovinz. Mit Fug und Recht kann nun behauptet werden, daß für das Seelenheil Seiner Räblein auf den fernen Inseln wohlgesorgt ist.

RS:"Eure Exzellenz, Ihr sein gut zweieinhalb Monde lang von Aeltikan abwesend gewesen und seid an ganz unterschiedliche Orte unseres Inselreiches gekommen."

HK:"Das stimmt."

RS:"Hat diese Reise Euch neue Erfahrungen und Erkenntnisse gebracht, oder hat sie lediglich das bestätigen können, was Ihr zuvor gedacht habt?"

HK:"Aber nein! Jede Reise bringt etwas neues. Wie vermessen müsste man sein, um in einer Reise, während der man ja mit anderen zusammentrifft, die einem viele neue Eindrücke vermitteln können und die durchaus immer wieder Seiten zu beleuchten imstande sind, die man selbst niemals berücksichtigt hätte, als eine ledigliche Bestätigung dessen zu sehen, was man sich schon gedacht hatte."

RS:"Ihr seid sehr enthusiastisch ..."

HK:"... ja, und Wir haben auch allen Grund dazu. Denn Wir haben, neben der einen oder anderen durchaus schwierigen Begegnung, die Wir gar nicht verschweigen möchten, zahlreiche herzliche Empfänge gehabt und sowohl seitens der Lehnsherren als auch der Bevölkerung große Zustimmung und Ermunterung erfahren."

RS:"Was hat Euch am meisten beeindruckt, beziehungsweise wo seht Ihr den meisten Handlungsbedarf?"

HK:"Nein, nein! So ist die Frage doch völlig falsch gestellt. Es geht nicht darum, was am Größten und am Prächtigsten war, oder was am Verkommensten und am Schlechtesten war. Nein, es geht darum, was für Eindrücke und Erinnerungen ich an diese Reise habe. Und, das ist natürlich der einzige Sinn und Zweck warum man einen solchen Zeitaufwand und vor allem einen solchen finanziellen Aufwand betreibt, was Wir mit diesen Eindrücken und Erfahrungen für die Támehib tun können.
Da sind so unterschiedliche Gegenden wie zum Beispiel hier in Chrysemis Pet`hesá oder das König-Kacha-Archipel. Auf dem König-Kacha-Archipel war Unsere Truppe fast genau so groß wie die Zahl der Einwohner. Es war sehr interessant, dort einen kleinen Gottesdienst zu feiern... eine tatsächlich sehr... neue Form. Mit durchaus ansonsten eher selten zu hörenden Gesängen.
Hier können Wir auch gleich erwähnen, was Wir Uns grundsätzlich zum Ziel gemacht haben. Wir denken, daß man stufenweise vorgehen soll, das heißt daß Wir in einem Lehen wo noch nichts ist, nicht damit anfangen können, ein Kloster oder einen Tempel zu bauen und dort zwanzig Geweihte hinzuschicken. Das ist natürlich völlig überflüssig und fehl am Platz. Nein, es muß stufenweise gehen. Wo noch nichts ist, wird ein kleiner Schrein erbaut. Wo ein Schrein ist, wird ein Geweihter hingeschickt, der sich um den Schrein kümmert. Und wo ein Geweihter ist, wird ein Tempel errichtet, in dem dieser sein Wirken ausweiten und fortsetzen kann. Wo ein Tempel und mehrere Geweihte sind, wird geschaut wo sie in der Nachbarschaft Aushilfe leisten können. Aber Wir möchten nicht von vornherein gleich durch alle Gegenden springen, sondern an die eine oder andere Episode, natürlich völlig unvollständig und dafür reichte die Zeit in diesem kurzen Gespräch auch nicht, erinnern.
Um also auf den zuvor von Uns erwähnten Gegensatz zurückzukommen, gibt es auf Pet`hesá zum Beispiel einen gepflegten Tempel mit zwei Boronis. Sie gehen eifrig ihrer Arbeit nach, sind aber zum Beispiel auch so ausgelastet, dass Wir dort niemanden abordnen können, um ab und an auf dem König-Kacha-Archipel sozusagen mal vorbeizuschauen. Ich war ja damals noch wegen ganz anderer Dinge in Pet`hesá, unter anderem haben wir ja von dort, wenn Wir da jetzt einen kleinen Schwenk zu Unserer Eigenschaft als Akîb von Aeltikan machen dürfen, den neuen Reis bekommen. Von diesem wird die gesamte Bevölkerung Aeltikans sicherlich profitieren.
Tja, und dann hatte Uns die Reise weiter nach Marlan geführt. Es war beeindruckend zu sehen, welche Fortschritte dort in dem Ort Re`cha gemacht werden. Natürlich mag da der eine oder andere den Schwerpunkt auf die infrastrukturellen Fortschritte legen, Wir aber haben mit Unserem Auge auf die Fortschritte in der geistlichen Infrastruktur geachtet. Bedenkt, daß es dort einen Tempel mit fünf Boronis gibt, und diese haben noch zwei kleine Schreine mit zu betreuen. Wir denken, daß Wir es verantworten können, den fünf Boronis aufzuerlegen jeweils einen ihrer Mitbrüder regelmäßig zum König-Kacha-Archipel fahren zu lassen. Er kann sich dort bei seinen Besuchen mit der Bevölkerung auseinandersetzen, oder auch den Aufbau eines kleinen Schreines leiten. Wir erinnern Uns auch an Unsere Gespräche mit der etwas erdbebengeplagten Bevölkerung auf Mikkan. Es ist freilich ein wenig naturalistisch zu glauben, dass einzig ein Gebet den Boden vom Erzittern abhalten würde, aber es ist schon viel gewonnen, wenn den Menschen Vertrauen und Geborgenheit gegeben wird. Mag sein, daß es dem Herrn gefällt, den Boden nun still stehen zu lassen, mag sein daß es Ihm gefällt, ihn weiter beben zu lassen. Die einzige Kraft, die wir schöpfen können und die Wir versucht haben der Bevölkerung mitzugeben, ist das Annehmen Seiner Entscheidungen und das fruchtbare Handeln auf ihrer Grundlage.
Hoffnungsfroh stimmt Uns auch die Lage auf der kleinen Insel Ibekla. Gab es dort bisher nur einen kleinen Schrein, ist nun für die eine überschaubare Anzahl an Einwohnern zählende Siedlung ein Tempel errichtet worden, der natürlich auch von einem Unserer Brüder betreut werden soll. Wir hatten dort die Gelegenheit, Uns einige Wochen auszuruhen und auf die ereignisreiche und intensive Reise durch Djerres vorzubereiten, wo Wir ja die Begleitung von Alarion v. Schattenfels, Wir sagten bereits, daß wir ihm den Reis verdanken, welchen er dort auch den Verantwortlichen vorgestellt hat, und von Thoran Mâlveel, der sich dort um weitere Zustimmung für seine politischen Vorhaben bemüht hat, genießen.
Aber Wir möchten natürlich nicht den flächenmäßig großen Nachbar von Ibekla, das schöne Benbukkula vergessen, wo Wir in der kleinen aber feinen Siedlung Boronsport einen Schrein besehen konnten, vor dem Wir natürlich auch eine kleine Messe zelebrierten. Auch hier, um auf Unser vorheriges Beispiel zurückzukommen, denken Wir daß eine flächenmäßige Abdeckung durchaus möglich ist. Wiederum können hier die fünf Brüder aus Marlan in regelmäßigen Abständen jeweils einen von ihnen gen Benbukkula schicken, der sich dort um die geistliche Pflege der Bewohner, die ansonsten ihrem Schrein gegenüber doch ganz alleine sind, kümmert. Und hier können die marlaner Boronis auch entlastet werden durch den auf Ibekla seinen Dienst verrichtenden Boroni, der mit Sicherheit das eine oder andere Mal sich die Zeit nehmen kann, um nach Benbukkula zu reisen."

RS:"Nun habt Ihr alle Lehn hier in Chrysemis erwähnt, Aeltikan können wir, da Ihr selbst hier seid und es wohl auch regelmäßig in Augenschein nehmt, ja vielleicht überspringen..."

HK:"... Wir hoffen es zumindest..."

RS:"... und ich würde doch noch gerne wissen wollen, warum Ihr sagtet, dass es eine ereignisreiche und intensive Reise gewesen sei in Djerres, auf die Ihr Euch auf Ibekla vorbereiten wolltet."

HK:"Nicht nur vorbereiten, Wir wollten Uns zunächst einmal auf ein anderes Klima einstellen, das in Djerres herrscht. Während, und die ist kein Geheimnis, der firunwärts gelegene Teil unserer Támehib recht borongeprägt oder zumindest boronfreundlich ist, ist die Situation im praioswärts gelegenen Teil der Támehib durchwachsen. Das ist keinesfalls abträglich, sondern ganz im Gegenteil eine weitere Facette für unsere Támehib und der Situation in ihr. Des weiteren wollten Wir natürlich abwarten, dass Unsere beiden Mitreisenden soweit gewesen wären, wollten wir uns doch in Táni Morek treffen. Und die Wege von einer Insel zur anderen, was auch euch bekannt ist, sind nicht ganz kurz. Uns jedenfalls war die kleine Unterbrechung bei weitem nicht unwillkommen und das Warten auf das Treffen in Táni Morek hat sich gelohnt."

RS:"Was hat Euch in Djerres erwartet?"

HK:"Nun insgesamt hatten Wir einen wirklich sehr guten Eindruck von dem, was Wir dort gesehen haben. Auch dort gibt es die Möglichkeit, durch flächendeckende Konzepte einige Engstellen auszugleichen. Aber erstaunlicherweise ist die Personalsituation dort wesentlich besser als in Chrysemis. Wir möchten gleich vorweg sagen, dass Wir Nova Aurandis aussparen mußten, da Wir ansonsten nicht bis Ende des letzten Mondes nach Aeltikan hätten zurückkommen können. Und die seit langem schon geplante Grundsteinlegung unseres neuen Zentralgebäudes konnten Wir auch wegen des hohen Besuches, der zu diesem Anlaß uns beehrte, natürlich nicht verschieben. Vor allem möchten Wir kurz Mekábtá erwähnen, das nun wirklich einen ganz eigenartigen und einzigen Charakter in unserer Támehib hat. Freilich gibt es dort kaum Borongläubige, doch das ist in Unseren Augen ganz und gar nicht abträglich. Denn der gegenseitige Kontakt der unterschiedlichen Religionen ist im Großen und Ganzen immer sehr bereichernd. Wir gehen durchaus davon aus, daß vielleicht eines Tages ein Boronschrein auf Mekábtá errichtet werden kann, der dann auch von einem der in den umliegenden Lehen zahlreich vertretenen Borongeweihten in regelmäßigen Abständen besucht und betreut werden kann. Schon eine sehr kleine Gemeinde von Gläubigen kann unter den zahlreichen Bewohnern Mekábtás einen interessanten geistigen und geistlichen Austausch bewirken.
Aber Wir möchten noch einmal auf unsere erste Station in Djerres, Táni Morek, zurückkommen. Wir können Uns nicht verkneifen zu sagen, daß der dortige Akîb immer zu den besten Zeiten indisponiert ist. Nichtsdestotrotz können Wir nicht sagen, daß die pastorale Situation dort notleidend wäre. Es mag sein, daß die eine oder andere Rückendeckung seitens der maßgebenden Personen ausbaufähig wäre, doch mit einem großen Kloster und einem Tempel mit drei Boronis kann den Bedürfnissen der dortigen Bevölkerung angemessen Rechnung getragen werden. Die großen freien Räumlichkeiten in dem Tempel haben in Unserem Konzept auch schon eine Verwendung gefunden. Wir glauben, daß die dortigen Räume einen Segen für unsere Támehib sein werden.
Unsere nächste Station war Mekábtá, wozu Wir ja vorher schon Uns geäußert hatten. Wir legen wirklich großen Wert darauf, dass wir dort eine Fläche haben, in der so viele Andersgläubige zusammen leben und uns eine kulturelle Bereicherungsmöglichkeit geben und vor allem eine Prüf- und Rückkoppelungsmöglichkeit für unsere Ansichten vermitteln. Wir kamen dann nach Tásebá. Einen in den Geschäften des Alttags sehr engagierten Akîb gibt es hier. Doch Unser Augenmerk galt vor allem dem sichtbar schon seit einiger Zeit brach liegenden Tempelbau in Sefechnu Sebá. Zunächst einmal werden Wir einen Unserer Mitbrüder aus Aeltikan dorthin versetzten, damit der Tempelbau wieder koordiniert fortgeführt werden kann. Ein junger Mitbruder wird hier sicherlich eine reizvolle und erfüllende Aufgabe finden.
Aber ganz einzigartig war, und das können Wir Uns nicht verkneifen zu sagen, unsere Station auf Sjepengurken. Ein ganz eigenartiges Bevölkerungsgemisch findet sich dort. Größtenteils efferd- und borongläubig und andererseits eine aus einem ganz anderen Kulturkreis stammende Akîbet. Das dortige Zusammenleben, und das möchten Wir auf gar keinen Fall negativ bewertet wissen, ist von einer solchen Naivität und Klarheit, daß es wirklich verlocken sollte, einige Zeit dort zum Krafttanken zuzubringen. Und hier sind Wir ganz sicher, daß die persönliche Pflege des Bornschreins durch einen fest vor Ort anwesenden Boroni reiche Früchte tragen wird. Er kann sich dann nämlich auch gleich um den Schrein im zweiten Dorf auf diesem kleinen Inselchen kümmern. Wir glauben fest, daß dies für die dort lebenden Menschen eine große Freude sein wird.
Übrigens sehen Wir hier auch gar keine Probleme, denn wenn Wir jetzt die in Djerres längste zurückgelegte Schiffsreise erwähnen und gedanklich hinüber in das schöne Cháset fahren, finden sich dort zahlreich Geweihte, die sich um einen Tempel und einen Schrein kümmern. Dem Tepelvorsteher in Plâne, der mit seinen Mitbrüdern ganz unfraglich genügend zu tun hat, nichtsdestotrotz aber wesentlich besser den Bedürfnissen der dortigen Bevölkerung entsprechen kann als dies in Sjepengurken/Süd möglich ist, ist zuzumuten einen seiner Boronis fest nach Sjepengurken/Süd abzustellen. Denn wenn das Opfer des einen geringer wiegt, als der Vorteil, den der andere daraus ziehen kann, muß es erbracht werden.
Von Cháset ging es dann mit einer längeren und etwas unruhigen Seereise wieder zurück nach Aeltikan, wo Wir das auf äußerst großzügige Weise vom Großvaterabt Boronfried Sá`kurat überbrachte Schiff für die Támehib Neu-Prêm entgegen nehmen durften. Ihr wißt vielleicht, daß Wir bisher stets das Schiff Unseres Freundes Giacinto di Mastai-Ciaramonti benutzten. Und Wir konnten auch das große Geschenk eines Zentralgebäudes für die Koordination der Seelsorge auf den Inseln grundsteinlegen."

RS:"Hochwürden, ich danke Euch für das Gespräch und wünsche Euch für die Zukunft segensreiches Wirken auf den Inseln und die Möglichkeit, die Bemühungen und Kräfte der Euch anvertrauten Boronis schöpfungsreich und wegweisend aufeinander abzustimmen."

(MSC)

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