Boraidan ibn Said steht Rede und Antwort

Boraidan ibn Said

Es war heute mal ein vergleichsweise kühler Tag, geradezu ideal für die mir bevorstehende Aufgabe. Ich kann mich glücklich schätzen, dass Seine Hochwürden, der Mehib Ni Tárethon, so schnell Zeit für mich - Tija'rél Shed'si'a - gefunden und sich bereit erklärt hat, mir für unsere Leserinnen und Leser Rede und Antwort zu stehen.

Tija'rél Shed-si'a: Boron zum Gruße, Euer Hochwürden. Lasst mich Euch noch einmal danken, dass Ihr Euch für dieses Gespräch mit mir Zeit genommen habt.

Boraidan ibn Said: Die Schwingen des Herren auch über Euch, Tochter. Und es ist an mir, Euch zu danken, denn schließlich ist es Eure Postille - wie heißt sie noch gleich? - die es mir ermöglicht, so schnell Nachrichten aus anderen Regionen unseres Reiches zu erhalten.

Tija'rél: Nun gut … Kommen wir gleich am besten zur ersten Frage: Euch sind sicherlich die Vorgänge im fernen Mer'imen bekannt. Was haltet Ihr - als Mehib der Boronskirche - davon?

Boraidan ibn Said: Ich finde es sehr traurig, um ehrlich zu sein. Boron hier in Kemi zu brüskieren, ist genauso, als wenn - sagen wir - ich in einer Stammessitzung der Novadis mitten in der Khôm Rastullah schmähen würde.
Darüberhinaus sollte Hátyá Rhuawn al'Mansour wissen, dass der Glaube an unseren Herren eine zentrale Stütze des Reiches war und ist und sein wird. Boron bietet uns Halt und Hoffnung auch und vor allem in unruhigen Zeiten und darüber hinaus hat die Heilige Boronskirche mehr als einmal geholfen und zum Beispiel die Táhátyát Yleha mit Reislieferungen versorgt. Sich jetzt gegen Boron, der Kirche und damit gegen unsere geliebte Nisut und wohl auch das Reich, welches das Reich des Raben zu Deren ist, auszusprechen, ist ein Affront, wie er nicht geduldet werden kann. Ebenso ist der Hátyá eben weil er Hátyá ist in einer Vorbildfunktion für alle Mer'imener. Was sollen denn nun die Reisbauern denken, wenn nun ihr geliebter Hátyá sich gegen ihren geliebten Boron ausspricht?

Tija'rél: Ihr sagt, die Bevölkerung Mer'imens verehre den Heiligen Raben. Tatsächlich ist die Rastullahgemeinde dort vergleichsweise groß.

Boraidan ibn Said: Bos? Warum sollten die Rastullahgläubigen denn böse sein? Nein, ich denke, hier verurteilt Ihr nun eine ganze Glaubensgemeinschaft zu unrecht.

Tija'rél: Icht meinte nicht "bos", Hochwürden, sondern GROSS. Die Gemeinde der Rastullahanbeter ist sehr groß im Reich.

Boraidan ibn Said: Ach so… Nun ja, das ändert aber dennoch nichts daran, dass wir uns hier in Kemi, dem Reich des Raben, befinden. Der Glaube der Wüstensöhne wird hier geduldet. Es gibt aber durchaus einige Positionen im Reich, welche nicht so tolerant sind und alle Widerworte gegen Boron mit Feuer zum Schweigen bringen würden. Doch in der Zeit dafür leben wir nicht. Ich sehe kein Problem darin, dass hier in diesem Reich auch andersgläubige leben, aber dann können diese doch auch unsere Vorstellungen respektieren, oder nicht?

Tija'rél: Nun ja… gewiss. Doch was wird Eurer Meinung mit dem Hátyá geschehen?

Boraidan ibn Said: Das, meine liebe Tochter, vermag ich nicht zu sagen, bin ich doch nicht wirklich in alle Einzelheiten eingeweiht. Doch ich bin sicher … ja, ich weiß! … dass unsere Heilige Nisut richtig handeln wird und Seine Hochwürden Mehib Ne'mékath sowie seine Erhabene Hochwürden Großinquisitor Pâestumai entsprechend angewiesen wurden.

Tija'rél: Und was, denkt Ihr, wird sich daraus ergeben, für die Zukunft? Boraidan ibn Said ( scheint ein wenig verwirrt ): … äh … zuruft? Ich glaube, Ihr meint Zukunft …

Tija'rél: … äh … ja…

Boraidan ibn Said: Nun, ich denke es wird eine neue Diskussion entfacht über die Rolle der Wüstensöhne im Reich. Denn diese Verfehlung war nicht die erste, wenn wir uns erinnern. Es war, glaube ich, der Vater des Akîb Ni Mekábtá, welcher sich auf dem letzten Kleinem Konventum gegen unseren Heiligen Raben aussprach.

Tija'rél: Und wie wird diese Diskussion ausgehen? Was wird sich im Reich verändern?

Boraidan ibn Said: Das vermag ich nicht zu sagen, ich verfüge nicht über die Fähigkeit, in die Zukunft zu sehen. Selbstverständlich habe ich mir auch bereits Gedanken hierüber gemacht, doch hier ist nicht die Zeit und nicht der Ort, um darüber zu sprechen. Und außerdem bin ich gar nicht in der Position, darüber zu entscheiden.

Tija'rél: Verzeiht mir den abrupten Themenwechsel: Es gibt Gerüchte über Ehevorbereitungen Eurerseits.

Boraidan ibn Said: Dann lassen wir es mal Gerüchte bleiben.

Tija'rél: Stimmt es, dass in Eurer Tá'akîb Mergyan seltsam verstümmelte Tierkadaver gefunden wurden?

Boraidan ibn Said: Leider ja. Doch bevor ich hierzu etwas sage, wird es besser sein, genau Bescheid zu wissen. Und bis dahin bin ich dafür, keine unnötige Panik zu verbreiten.

Tija'rél: Dann bedanke ich mich für dieses Gespräch, Hochwürden.

(NME, JKR)

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