Boraidan ibn Saîd steht Rede und Antwort

Boraidan ibn Saîd

Der Konvent des Kleinen Adels ist beendet, die Nobilität wieder aus Khefu abgereist, nachdem sie dort eine spannende Wahl hinterlegt hatte. Nur knapp mit zwei Stimmen Vorsprung wurde Seine Hochwürden Boraidan ibn Said gegenüber der djunizer Akîbet Mentia ui Paratras Ni Sákem zum neuen Vertreter des Kleinadels im Kronrat gewählt. Doch seine Hochwürden war davor schon kein unbeschriebenes Blatt: Akîb Ni Mergyan, Ser-Hatya, Mehib, Großmeister des Zer Nimut Ordens … Grund genug für mich – Salas R’yall – einmal mit Seiner Hochwürden zusammenzusetzen und zu parlieren.

Salas R’yall: Euer Hochwürden. Ich möchte mich dafür bedanken, dass Ihr Euch die Zeit nehmt, mit mir zu sprechen. Es ist mir eine Ehre. Es stört Euch hoffentlich nicht wenn ich gleich zur Sache komme? Ihr seid ja vor kurzem zum Secha gewählt worden, zum Vertreter des Kleinen Adels. Was bedeutet dieses Amt für Euch?

Boraidan: Für mich bedeutet dies, daß ich selbst versuchen kann, den gesamten Angehörigen des Kleinen Konventes zu helfen, mich für Kemi einzusetzen. Dies wird nicht leicht, aber es hängt auch sehr daran wie die anderen Adligen, die Kleinadeligen eben, sich selbst engagieren. Secha zu sein heißt für mich auch die Stimme der Adligen zu sein, doch das setzt voraus, daß auch jemand gehört werden will. Wie man am Ende des Konventes gesehen hat waren aber wieder viele, welche vor der Abstimmung viel forderten, als es dann drauf ankam, nicht bereit, sich auch für ihre Forderungen einzusetzen.

Salas R’yall: Und was werdet Ihr daraus für Konsquenzen ziehen? Werdet Ihr versuchen, den Kleinadel zu motivieren, damit er seine vielen Forderungen wahrnimmt?

Boraidan: Orderungen? Welche Orderungen sollte der Kleinadel geben?

Salas R’yall: Nein nein, Euer Hochwürden, was werdet Ihr unternehmen um die Forderungen des Kleinadels zu erfüllen?

Boraidan: Ach so. Die Forderungen, nun, es ist meine Aufgabe, den Kleinadel dazuzubringen, selbst Aktion zu zeigen.

Salas R’yall: Was werdet Ihr unternehmen, um dieses Amt würde- und sinnvoll zu füllen? Eure Vorgänger waren ja teilweise recht ruhig, hieß es…

Boraidan: Bürde? Was für eine Bürde?

Salas R’yall: ( … ) Nun, seht Ihr das Amt dann nicht als zusätzliche Verpflichtung, sondern als Ehre und Auszeichnung?

Boraidan: Ach... Würde. Und ja mein Sohn, genau als das sehe ich es.

Salas R’yall: Nach internen Quellen und Berichterstattern kam es auf dem Konvent zu so mancher lautstarker Auseinandersetzung. Insbesondere wurde angemerkt, dass der Akîb von Mékabta – Mahmut ben Abdallah – , nicht gerade einverstanden war mit Eurer Wahl zm Secha. Infolgedessen verlautbarte er, er würde sich mit seinen Problemen stets an die Vize-Sechat wenden, Mentia Ui Paratras. Wenden. Dies könnte ein schlechter Beginn Eurer Zeit als Secha bedeuten. Die Vize-Sechat engagiert sich für die Inseln, der Secha für das Festland. Oder ist dem nicht so?

Boraidan: Der Akîb Ni Mékabta scheint generell mit dem Mundwerk schneller und lauter zu sein als seine Gedanken, aber wie auch immer. Tatsache ist nun mal, daß meine Wenigkeit und nicht Mentia Ui Paratras zum Secha gewählt wurde. Wenn jemandem etwas am Kleinadel liegt, dann wird jeder, der anders gewählt hat, einsehen, daß es keinen Sinn macht sich in die Ecke zu stellen, zu schmollen und böse Reden zu schwingen, sondern versuchen, aus der Lage das Beste zu machen. Ein schlechter Beginn ist dies sicherlich nicht, es zeugt nur davon, daß gewisse Leute kurzsichtig und ignorant sind. Ein schlechter Tag für mich heißt nicht, daß ich mich von Boron abwende. Im Gegenteil, dann ist es meine Aufgabe, mich wieder stärker mit Boron zu beschäftigen, um herauszufinden, warum Boron mir einen schlechten Tag bescherte. Die Probleme, welche der Akîb Ni Mékabta mit mir sieht, er sieht und nicht ich, werden ganz sicher nicht verschwinden, wenn er sich vornimmt, nicht mit mir zu reden. Aber wieder zurück. Ja, Ui Paratras und ich haben uns zusammengesetzt und entschieden, daß wir beide dem Kleinadel besser dienen, wenn nicht eine Person versucht, zwanghaft alles zu überschauen, sondern sich zwei um den Adel kümmern. Folglich wird Ui Paratras die Provinzen Yleha, Djunizes und die Inselakîbate, ich den Rest betreuen.

Salas R’yall: Daneben erfüllt Ihr auch noch die Posten des Mehibs und Ser-Hátyas von Tárethon, seid Mesutep des Zer Nimut-Ordens und Baron von Mergyan. Wie lassen sich diese arbeitsintensiven Würden in Einklang mit dem Secha-Amt bringen?

Boraidan: Tárethon ist in letzter Zeit eine ruhige Provinz gewesen, da gibt es nicht allzu viel zu tun. Zumal Hátya Pâestumai ja schliesslich immer noch das Sagen hat; ich bin als Ser-Hatya nur seine rechte Hand, sein Vertreter. Als Mehib, denke ich mal, ist es in Tárethon auch recht friedlich, die Kirche ist hier seit sehr langer Zeit präsent und der Glaube stark. Ich muss keinen Ungläubigen den rechten Weg weisen, nur dafür sorgen, daß der Glaube allgemein in den rechten Bahnen verläuft. Ich denke, die Nähe der Kloster Laguana und Memento Mori macht mir dies auch sehr einfach. Mergyan ist ebenfalls friedlich, es gab in letzter Zeit keine Auseinandersetzungen zwischen Siedlern und Agadyr. Zur Zeit laufen sogar Pläne über die Errichtung einer Saline im Süden Mergyans. Doch alles in allem sind dies Ämter welche eine kurzzeitige Abwesenheit meinerseits durchaus vertragen.

Salas R’yall: Ihr sagtet, Tárethon war in letzter Zeit recht ruhig. Doch was hat es mit den … Unruhen … in Sarslund auf sich? Es treten ja Gerüchte auf, und da stellt sich mir die Frage, ob es zweckmäßig ist, gerade jetzt eine ‚kurzzeitige Abwesenheit’ des Ser-Hátyas und Mehibs in Kauf zu nehmen…

Boraidan: Naja, die Unruhen sind nun wirklich nichts alltägliches, selbstverständlich bin ich dort persönlich anwesend. Doch derzeit ist alles nötige veranlasst, Hátya Pâestumai ist selbst anwesend, ein Vertreter des KKAB, Akîbs aus ganz Tárethon sind gekommen, um den Unruhen ein Ende zu bereiten, und die Priester haben entsprechende Order erhalten, selbst Akîb Anchhabos aus Seku Kesen ist gekommen. Seitdem ich in Sarslund weile sind bisher keine weiteren Übergriffe bekannt geworden. Je nach Art neuer Vorkommnisse wäre es also durchaus möglich, daß ich nicht anwesend sein muss.

Salas R’yall: Dann kann die Leserschaft also davon ausgehen, dass die Ordnung in der Tá’akîb Sarslund quasi als schon wiederhergestellt bezeichnet werden kann? Welche Möglichkeiten wurden schon oder werden noch in Betracht gezogen, den Status-Quo dorten wiederherzustellen?

Boraidan: Derzeit ja. Wir haben den falschen Priester, welche die ketzerischen Ideen verbreitete und so das ahnungslose Volk von Sarslund anstachelte, in Gewahrsam genommen. Priester des Zer-Nimut Ordens wurden ausgeschickt um die umliegenden Siedlungen aufzusuchen und die richtige Lehre zu verbreiten, meine Rede vor dem Sarslunder Volk wird in die umliegenden Siedlungen verteilt und verlesen. Der Grand-Inquisitorius ist wie ich schon sagte ebenfalls dort und wird sich damit beschäftigen. Weiteres wird die Zukunft zeigen. Darüber hinaus werden wir uns nicht mit einem Status Quo zufrieden geben, Siedler, Achaz und Lunda sollen alle erkennen, daß wir gemeinsam, zusammenleben können. Es hat keinen Sinn wenn Frieden und Ruhe von der Obrigkeit angeordnet wird, die betreffenden Parteien müssen es von sich aus, in ihrem Herzen verstehen. Für die Siedler wird dieser Weg über Boron führen, für die Achaz und Lunda werden wir uns gemeinsam mit ihnen entsprechde Lösungen einfallen lassen.

Salas R’yall: Ihr erwähntet den Bau einer Saline im Süden Mergyans. Daraus schlussfolgere ich, dass Mergyan zu den wohlhabenderen Landstrichen gehört, wie viele tárethoner Provinzen. Überdies seid Ihr eine einflussreiche Persönlichkeit sowohl klerikal als auch politisch. Zieht Ihr daraus Konsequenzen bezüglich einer Vorbildrolle für andere Adlige oder bezüglich einer Unterstützung ärmerer, wilder oder rückständiger Baronien?

Boraidan: Ob jemand mich als Vorbild sieht, muss jede Person für sich selbst entscheiden, ich lebe nur so, wie ich meine, daß ich Boron am Besten dienen kann, dazu gehört auch, daß ich ein mir zugewiesenes Lehen mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln entsprechend leite. Ich stimme euch zu, Mergyan ist im Vergleich zu manch anderen Lehen wohl als wohlhabend zu bezeichnen. Mergyan beteiligt sich seit der Einführung an der Armenkasse, das wird auch weiterhin so bleiben. Wir haben genug und werden auch weiterhin gerne geben, sowohl über die Armenkasse als auch über Güter und Seelsorge wenn Not an der Bevölkerung ist. Wenn fromme Flüchtlinge ein neues Heim suchen, wir werden es ihnen geben.

Salas R’yall: Verzeiht mir diesen Gedankensprung.

Boraidan: Och, schon in Ordnung. Ich schweife auch öfters ab. Habt ihr schon den exzelleten Schwingenrausch aus Mergyan probiert? Ich sage euch, ein guter Tropfen, er sollte der Baronie weitere Einkünfte bringen.

Salas R’yall: (...) Äh... ja. Mir kamen Gerüchte zu Ohren, dass Ihr vor geraumer Zeit verdeckt in Yleha agiert habt. Die Leserschaft wird es bestimmt interessieren, was genau dort vor sich ging, insbesondere da Ihr – wie es heißt – danach als Bevollmächtigter des Großinquisitors in Yleha einschreiten solltet.

Boraidan: Jeder der sich auch nur ein wenig für die Vorgänge im Reich während des letzten Jahres interessiert hat, sollte sich denken können warum ich dort war. Und solange die Vorgänge dort noch nicht vollends aufgeklärt sind, halte ich es für das Beste hier noch nicht allzu viel zu erzählen.

Salas R’yall: Nun gut, damit werde ich mich wohl einverstanden erklären müssen.

Boraidan: Müsst ihr nicht. Aber ich werde euch dennoch nichts weiteres dazu sagen.

Salas R’yall: Habt Ihr abschließend noch einige Worte an unsere Leserschaft?

Boraidan: Was für abschließende Orte sollte ich den Lesern nennen?

Salas R’yall: WORTE Eure Hochwürden, WORTE!

Boraidan: (überlegt) Hm, nein ich denke nicht. Mir fällt gerade nichts passendes ein. Und das wichtige sage ich ja sowieso jeden Tag.

Salas R’yall: Ich bedanke mich für dieses informative Gespräch.

(JHK, NME)

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