
RS: Boron zum Gruße, Euer Hochwohlgeboren. In den letzen Monden ist viel Streit um die Thronfolgefrage entstanden. Wie steht Ihr zu dieser Problematik?
AA: Der Wille der Nisut ist, wie es meiner Lehenspflicht gebührt, auch der meinige. Cronprinzessin Ela ist eine Frau von hohem Verstand und voll des Führungswillens für die Káhet Ni Kemi. Wenn jemand dareinst Peri III. Setepen adäquat ersetzen kann, dann Cronprinceß Ela.
RS: Aber wie sollen die Zweifel der Kirche besänftigt werden? Ist es denn nicht so, daß ein Bürgerkrieg unvermeidlich ist, wenn Ihre Eminenz und Prinzessin Ela sich nicht einigen können? Müssen wir ein blutiges Gemetzel fürchten?
AA: Nun, sicherlich gibt es Differenzen theologischen Naturells ob des Punktes der Thronbesteigung Elas. Doch wie sagte doch schon dareinst der weise maraskanische Philosoph und Vorfahre meines geliebten Gemahls, Dschinzibar von Cavazoab: "Vergeßt niemals die größte Tugend, die uns Rur geschenkt: den Verstand". Bedenken wir diese weisen Worte, so werden wir sicherlich unter Berücksichtigung unserer Verstandesnatur feststellen können, daß ein Bürgerkrieg wohl das Ende unseres Reiches wäre - eine Entwicklung, die niemand anstrebt. Dies sollte auch die Kirche erkennen, mit Ihrer Eminenz an der Spitze. Somit ist die friedliche Lösung die einzig vorstellbare, und zu so einer wird in diesem strittigen Punkt gefunden werden, auch wenn dies noch seine Zeit brauchen wird. Aber Vinsalt ist bekanntlich auch nicht an einem Tag erbaut worden.
RS: Das wirft natürlich die Frage auf, die Ihr sicherlich erwartet habt. Aufsehenerregendes geht vor, wenn man sich die Öffentlichkeitsarbeit des KKAB ansieht. Da wird eine Entschuldigung gegenüber Wohlgeboren Al Mansour ausgesprochen, frühere "Fraktioniererei" wird kritisert und über Aktionen so offen wie nie debattiert. Sagt, Hochwohlgeboren, was hat diesen Sinneswandel bewirkt? Es wird gemunkelt, daß Euer Gemahl und Ihr durch diese Manöver sich ein Fürstentum verdienen wollen.
AA: Richtig ist - und da gebe ich Euch auch recht -, daß ein tendenzieller Richtungswechsel innerhalb des KKAB stattgefunden hat. Dies geschah in enger Absprache mit Ihrer nisutlichen Majestät und Ihrer Hoheit Al’Mout’pekeret. Damit zollen wir den innerkem’schen Entwicklungen Tribut, denn wir haben erkannt, daß nur ein innenpolitisch einheitliches Kemi die Möglichkeit hat, im Staatengefüge des Südens durch Stärke zu bestehen und dem Alten Reich als attraktiver Bündnispartner zu erscheinen. Die Fraktioniererei ist diesbezüglich völlig inakzeptabel und kontraproduktiv. Jedwelche andere Vermutungen weise ich in das Reich der Phantastereien zurück, doch de facto hat mein Gemahl dem Reich wie kaum ein anderer gedient, was sicherlich belohnenswert ist.
RS: Eine der besagten Operationen, über die nun allenthalben gesprochen wird, ist die Festnahme des abtrünnigen Enrisco da Vancha unter Eurem Kommando. Wie kam es dazu?
AA: Gerne würde ich darüber sprechen, doch da diese Akte des KKAB noch nicht geschlossen, ist es meine Pflicht, diesbezüglich Stillschweigen zu bewahren. Nur so viel kann gesagt werden, daß die Mission in höchstem Maße erfolgreich durchgeführt wurde. Die Fetsnahme gelang schließlich im Alten Reich, in Neetha, wo sich der Schurke mit den Geldern der Krone Kemis einen Stadtpalazzo zulegte.
RS: Was soll aus Eurer Sicht heraus nun mit der Provinz Yleha geschehen?
AA: Es sollte nicht vergessen werden, daß die Erhebung Ylehas in den Status einer Táhátya nicht nur auf Enrisco da Vancha zurückzuführen ist, sondern vielmehr auf das Traditionsbewußtsein unserer Nisut, die mit diesem Schritt der Geschichte dieser Provinz Tribut zollte. Eine Zurückstufung halte ich deshalb für nicht sinnvoll. Vielmehr gilt es einen neuen Lehensträger von Format zu finden, der mit straff angezogenen Zügeln der Herrschaft und dem streng nach vorne gerichteten Blick Ruhe und Stabilität in diese krisengeschüttelte Region des kem’schen Festlandes bringt. Es hat auch den Anschein, als sei diese in der Person der Militärgouverneurin Quenadya Adilyai Mezkarai gefunden, die ihre Aufgabe bisher sehr erfolgreich zu lösen versteht.
RS: Kehren wir zurück in eine Eurer Heimatprovinzen, Djunizes. Hochgeboren Simba Tulajsunya wurde Nachfolgerin im Amt der Seret-Neset Ni Djunizes - Euer Wille?
AA: Fürwahr, dies ist richtig. Während der Zeit, als mein geliebter Gemahl dem Reiche nicht zur Verfügung stand, sah ich in meiner Position als Nesetet Ni Djunizes, daß Akîb Margatnep nicht in der Lage war, seine Würde als Ser-Neset Ni Djunizes zur Genüge zu erfüllen. Deshalb sah ich es als meine Pflicht an, diesen Schritt zu vollziehen, der schon lange vorher hätte getan werden müssen. Das Geschick von Hochgeboren Simba Tulajsunya, die ihre Aufgabe durch strikte Loyalität und Verständnis ausfüllt, gibt mir in diesem Punkt auch Recht.
RS: Würdet Ihr es begrüßen, wenn Eure Tochter dareinst die beiden Lehen Djerres und Djunizes erben würde?
AA: Dies ist noch lange hin und sollte zur gegebenen Zeit diskutiert werden. Es kann während der Amtszeit der beiden de Cavazos noch so viel geschehen, daß man sich darüber zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Gedanken machen sollte. So sich aber nicht ändern sollte, wäre eine Verwaltung beider Provinzen unter unserer Tochter Comira Boronya de Cavazo mit der Unterstützung zweier starker Sers oder Serets durchaus vorstellbar. Doch bis dies der Fall ist, wird noch viel Wasser den Astarôth hinabfließen.
RS: Haltet Ihr es für günstig Lehen sowohl in Kemi, als auch im Horasreich zu unterhalten?
AA: Oh, in der Erfüllung meiner Lehenswürden sehe ich keine Probleme und beiderlei Kronen wohl auch nicht, denn sonst hätten sie meinen Ansinnen auf dem Stammsitz meiner Familie, der verwaisten Signorie Abellando nicht zugestimmt. Müßte ich meine Horasprovinz alleinig verwalten, so wäre es durchaus möglich, daß ich diese Aufgabe nicht so erfüllen könnte, wie dies nötig ist. Doch mein Vetter, Baron Ralhion von Bethana, greift mir diesbezüglich unterstützend unter die Arme, so daß meine Funktion einer Signora von Abellando eher repräsentativer Natur ist, was ich mit Leichtigkeit darstellen kann. Kemi indes profitiert von meinen guten Verbindungen in mein Heimatland. Ohne diese wäre die Erweiterung des Südmeerbündnisses um zwei Banner gut ausgebildeter Soldaten und die Ergreifung von da Vancha in keinster Weise möglich gewesen. So habt Ihr dies zu sehen.
(MAT)