
Lange Zeit war der Gardemilizmarschall präsent, eine ranghohe Persönlichkeit in der Armee, aber "nur" ein Sah im Adel. Er diente viele Jahre als Kriegsherr Táyârrets unter den dortigen Baroninnen und Baronen, wurde dann zum Sah Ni Mehenev erhoben. Und vor wenigen Monden nur - nach der Abdankung Barrio dos'Santos-dell'Aquinas - wurde er selbst zum Akîb der bedeutsamen Provinz erhoben.
Ich - Salas R'yall, Berichterstatter der "Rabenschwinge Aktuell" - begab mich auf den Weg, um mit Seiner Hochgeboren selbst zu sprechen.
Salas R'yall: Hochgeboren… Erst einmal möchte ich Euch für dieses Gespräch danken. Bisher wart Ihr ja in der Presse immer recht ruhig, trotz Eurer bedeutsamen Aufgaben.
Abdul ibn Meheb: Nun ja, das ist doch eine Selbstverständlichkeit, wenn schon mal ein Schreiberling, ähm, Endschuldigung, Berichterstatter der Rabenschwinge so freundlich fragt. Ich halt nicht viel davon, von einem Blatt zum nächsten zu laufen, nur damit ich dort drinnen bin. Es ist für mich wichtiger, meinen Dienst für Nisut und Káhet ordentlich auszuführen, außerdem muss ich ja mein Lehen auch noch in Ordnung halten. Da ich meistens selbst nach dem Rechten schaue, habe ich auch nicht so viel Zeit wie manch anderer. Ich vertraue diesen ganzen Schreiberlingen nicht sonderlich. Kaum läßt man die Zügel etwas lockerer, bricht ein Chaos aus, bei Rondra, dessen Schaden dann wieder wett gemacht werden muss, aber so ist es nun mal. Allerdings, daß ich dann doch auch einmal in die Rabenschwinge aufgenommen werden soll, erfreut mich doch sehr, muss ich zugeben. Schließlich ist da auch nicht jeder drin.
Salas R'yall: Da habt Ihr wohl recht, Hochgeboren. Eure Tatkraft und Euer Drang, etwas selbst in die Hand zu nehmen, sind ja fast schon sprichwörtlich. Bedeutet Euer Misstrauen in die "Schreiberlinge" denn, daß Ihr Euch ganz allein ohne Ser oder… ähm… gewissermaßen Ministerien um Tayarrêt und die Herzoginnenstadt Djasét kümmert?
Abdul ibn Meheb: Natürlich nicht, alles kann ich auch nicht selbst machen. So existiert zum Beispiel eine einigermaßen effektive Gardemilizkommandantur, und die Verwaltung des Stadt Djáset wird zum Teil von meinem eigenen - natürlich nicht sehr großen - Secretariat und zum Teil von dem der Hekátet übernommen, natürlich habe ich auch einen Kriegsherren und einen militärischen Adjutanten, die mir einiges an Arbeit abnehmen, aber zum Schluss werden doch alle wichtigen Entscheidungen mir zum "Gegenlesen" und Genehmigen gegeben. Und vielleicht, ich bin gerade am überlegen, werde ich doch mal einen Ser oder eine Seret einsetzen.
Salas R'yall: Es ist zwar schon einige Monde her, daß Ihr vom Sah Ni Mehenev zum Akîb Ni Táyârret erhoben und damit zum Herr der sicher bedeutsamsten Provinz des Herzoginnentums Chentasû ernannt wurde. Welche Möglichkeiten bietet Euch - meint Ihr - dieses Amt?
Abdul ibn Meheb: Nun, dieses Amt hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Ich habe unter anderem die Möglichkeit mal etwas nach meinem Willen die Provinz zu gestalten, als für sie Vorteile herauszuschlagen, auf meine Art. Und ich muss mir weniger bindende Vorschläge machen lassen. Außerdem, ein Vorteil den ich schätze, ist, daß man seine Meinung etwas deutlicher sagen kann, als wenn man Sah ist. Dann muss man immer bei dem bleiben, was der Akîb sagt. Und manchmal fiel mir das nicht gerade leicht, das könnt Ihr mir glauben.
Weitere Vorteile grade dieser Provinz sind natürlich, daß das Oberkommando der Schwarzen Armee bei mir in Djáset ist, somit habe ich es nicht weit, um zu meinem Posten dort zu kommen. Es gibt natürlich auch noch die Hekátet, die sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein kann, schließlich hat man die Vorgesetzte immer vor der Türe. Aber nachdem ich Ihre Hoheit äußerst gut kenne und wir gut befreundet sind, stellt das eigentlich kein Problem da.
Salas R'yall: Eure Schilderung lässt ja fast Glauben, Ihr habt das Paradies zu Deren gefunden. Zumindest in militärischer Hinsicht. Aber wie steht es mit lehens- und verwaltungstechnischen Belangen? Immerhin habt Ihr nicht nur Ihre Hoheit - um es mit Euren Worten sagen zu dürfen - "vor der Türe", sondern auch recht häufig Ihre Durchlaucht Repat Akilja Algerin-de Cavazo.
Ich denke, ich liege richtig, wenn ich behaupte, als Sah hat man nicht derartig weitgefächerte Aufgabenbereiche und Verpflichten wie ein Akîb. War die Umstellung denn nicht recht mühsam? Ganz Tayarrêt ist nun einmal nicht Mehenev allein.
Abdul ibn Meheb: Natürlich war es eine Umstellung, Táyârret ist ja viel größer. Aber ich war vor meiner Ernennung schon des öfteren bei Ihrer Hoheit zu Besuch, und auch im Oberkommando war und bin ich ja nicht gerade selten, somit habe ich mich schon in Djáset ausgekannt, außerdem hatte mein Vorgänger eine hervorragende Verwaltung, und auch die Verwalter der anderen Orte kannte ich ja schon, was mir die Eingewöhnung deutlich erleichtert hat. Und schließlich ist es nicht so schwer, wie man sich immer vorstellt, sich vom Sah zum Akîb umzustellen. Es ist halt eine größere Fläche, die man überwachen muss, aber man hat ja auch mehr Schreiber und sowas, die einem die Arbeit erleichtern. Somit ist es nicht soviel Arbeit mehr.
Salas R'yall: Und dann ist da noch Hochwohlgeboren Rhonda Set'chet'cha Mezkarai Ni Ordoreum. Nun, als Akîb der sicherlich bedeutsamsten Provinz der Tánesetet Ordoreum, liegt doch sicher ihr Augenmerk besonders auf Euch. Ähm… Ist es Euch als Mann des Militärs nicht ein wenig unwohl, derart in den Blickwinkel des Hochadels gerückt zu sein?
Abdul ibn Meheb: Nein, eigentlich nicht. In militärischen Belangen bin ich ja auch weiterhin mein eigener Herr, nur der Nisut und der Hekátet untergeben, und vom lehenstechnischen lässt mich Ihre Hochwohlgeboren eigentlich relativ eigenständig arbeiten, soweit man das sagen kann, wenn die Hekátet fast nebenan wohnt. Aber Rhonda ist eine gute Gräfin und hervoragende Gelehrte, und wenn sie mir Gegenvorschläge unterbreitet oder andere Dinge anordnet, hat sie meist eine gute Begründung, und die Dinge sind meist sinnvoll, so das Widerstand kaum sinnvoll wäre. Es geht der Nesetet ja auch nur um das Vorwärtsbringen von Odoreums. Und sollte ich doch einmal meine Bedenken haben, werde ich das mit der Nesetet direkt besprechen, um ihr diese mitzuteilen.
Salas R'yall: Ihr sagtet, in militärischen Belangen seid Ihr weiterhin Euer eigener Herr - natürlich dem Kahét und der Gardekriegsherrin untergeordnet. Ihre Hochwohlgeboren Rhonda Mezkarai wie auch das fürstliche Paar Ni Sa'sekera scheinen im milizmilitärischen Bereich keine Mitspracherechte zu besitzen. Führt das nicht zwangsläufig zu Konflikten?
Abdul ibn Meheb: So, wie ich das sehe, nicht. Es mag sein, daß meine Entscheidungen nicht immer die vollste Deckung dieser Personen besitzen, allerdings werde ich die wichtigen Entscheidungen mit ihnen durchsprechen... und sie werden über alles Wichtige informiert. Zu Konflikten sollte es nicht kommen, schließlich ist es persönlicher Wille ihrer Majestät und der Befehl der Gardekriegsherrin, daß die Armee aus politischen Streitigkeiten oder anderen Angelegenheiten herausgehalten wird. Außerdem kann das fürstliche Paar, insbesondere natürlich der Kanzler als Yret des KKAB, über den Marschall der KKAB-Truppen Einfluß auf meine Entscheidungen nehmen, allerdings denke ich, daß sich seine Durchlaucht in diesen Fällen zurückhalten wird. Und sollte jemand aus dem Adel Probleme mit meinen Entscheidungen haben, kann er dies selbstverständlich jederzeit mir mitteilen, ich werde dies dann überdenken, und, sollte es wirklich wichtig genug sein, in meiner Entscheidung berücksichtigen. Außerdem können die oben von Euch genannten Personen jederzeit Vorschläge machen und Anregungen geben, die ich selbstverständlich ebenso in Betracht ziehe, wie die meines Stabes oder meine eigenen, denn hin und wieder stammen die besseren Ideen von Fachlaien, wenn ich das mal so salopp sagen darf.
Salas R'yall: Nach Eurer Erhebung zum Baron wurden ja die Posten des Kriegsherren von Táyârret und des Sahs Ni Mehenev vakant. Ihr fülltet die Lücken mit - Moment, ich muss einmal nachsehen (lacht) - Bilhamid el'Hadidi ben Meharrib. Könnt Ihr mir ein wenig zu dieser bisher unbekannten Persönlichkeit erzählen?
Abdul ibn Meheb: Natürlich kann ich das. Bilhammid stammt aus Mehrwed, er ist bekennender Novadi. Er wurde von den unsäglichen Al'Anfanern während des Khomkrieges gefangengenommen, und sollte nach dem damaligen Vizepatriarchat Trahelien versendet werden. Er wurde aber von aufrechten Widerstandskämpfern befreit und kämpfte mit ihnen. Später, also während ich Sah von Mehenev war, habe ich ihn zum Wakir, das heißt Oberst, der dortigen Garde ernannt. Diesen Posten hat er treu ausgeführt und war mir eine große Hilfe, schließlich war ich als Gardemilizmarschall, bzw. Offizier und Kriegsherr ni Táyârret oft unterwegs. So übernahm er dann die Verwaltung des Dorfes, wenn ich auf Reisen war. Nachdem ich zum Akîb ernannt wurde, kam für den Posten des Sahs eigentlich nur er in Frage, schließlich war er mit der Verwaltung des Dorfes vertraut, und ein guter Freund von mir, also lag nichts näher als ihn zum Sah zu ernennen. Diesen Posten führt er zur Zeit zu meiner vollsten Zufriedenheit aus.
Kem'bik ist Kriegsherr ni Táyârret, das wollt Ihr doch sicher wissen, oder? Bilhammid mag in der Schwarzen Armee sein, doch wollte er nicht auch noch das Amt eines Kriegsherren auf sich nehmen. So habe ich dann eben Kem'bik, der Sah von Mehajet ist, zum Kriegsherren ernennt, auch ist ein Offizier der Schwarzen Armee, hat also auch eine gewisse Fachkompetenz, außerdem noch sehr gute Beziehungen zu den Mehis, dem größten Waldmenschenstamm in Táyârret.
Salas R'yall: Dann dürfen wir also in Zukunft mehr von Euren beiden untergebenen Lehnsleuten zu hören bekommen?
Abdul ibn Meheb: Nun, ich denke schon, aber da sich die beiden ja noch einarbeiten müssen, werde ich mich hier mit Urteilen und Prophezeiungen zurückhalten.
Salas R'yall: Eine sicherlich vernünftige Einstellung. Ähm… anderes Thema: Die Mehis gehören den Tschopukikuha an? Oder den Keke-Wanaq? In beiden Fällen handelt es sich aber um eher berüchtigte denn berühmte Stämme. Nutzen Euch denn die Beziehungen des Sahs Ni Mehajet zu den Mehis?
Abdul ibn Meheb: Challawalla! Da fragt ihr mich jetzt aber ein bißchen sehr viel. Ich glaube, und bin mir relativ, aber nicht vollkommen sicher, daß sie den Keke-Wanaq angehören, die sich ja zum Glück ruhig verhalten, sonst hätten wir hier wohl einige Probleme. Nun, die Beziehungen bringen einiges. Der Häuptling der Mehis, und auch ihr Schamane, kennen den Sah schon seid seiner Kindheit, der Häuptling ist mit ihm eng befreundet, sind sie doch gleich alt. Außerdem stammt Kem'biks Mutter ja von den Mehis ab. Somit haben sowohl ich als auch die Mehis eine Person, auf die wir uns verlassen und ihr Vertrauen können.
Salas R'yall: Hoffen wir, daß sich diese Beziehungen auszahlen werden. Ihr erwähntet vorhin die Ihre Hoheit, die Hekátet Ni Chentasu. Es ist allgemein bekannt, daß Ihr mit Chanya al'Mout'pekeret sehr eng befreundet seid. Böse Gerüchte allerdings - und ich muss eindringlich darauf hinweisen, dass ich hier nur zitiere! - behaupten, diese Freundschaft wäre weitaus enger als offiziell bekannt, und daß Ihr daraus Vorteile schlagen würdet.
Abdul ibn Meheb: Unsere Freundschaft ist eng, aber Ihre Hoheit ist verheiratet und hat Kinder, und ich denke nicht, daß ich mich zu solchen Gerüchten weiter äußern muss. Sollen sich nur die Leute, die diese üblen Gerüchte verbreiten, zeigen. Denen werde ich recht und Anstand schon beibringen, auf welche Art auch immer, bei Rondra!
Salas R'yall: Nun ja … böse Gerüchte entstehen immer über die, die im Vordergrund stehen oder auf die man neidisch ist. Ich hoffe, ich trete Euch nicht zu nahe oder beleidige Euch - denn das ist nicht meine Absicht. Aber… ähnliche Gerüchte kursieren über die Verbindung zur Nedjeset von Sendsh'gerhi, Alea von Zemesev. Darf ich fragen, was an dem dran ist?
Abdul ibn Meheb: Nun, die Freundschaft ist eng, sehr eng, aber ich werde mich auch zu diesem Thema nicht weiter äußern, ich muss meine Privatangelegenheiten ja nicht in alle Öffendlichkeit tragen, möge die noch so interessiert sein. Außerdem kann ich in diesem Fall auch mit Rücksicht auf die Nedjeset nichts sagen, und das wir auch so bleiben. Wenn ich etwas an die Öffentlichkeit bringen will, werdet Ihr davon als Erster erfahren.
Salas R'yall: Ähm … Gestattet Ihr mir eine letzte Frage: Was die Leser und Leserinnen sich noch brennend interessieren dürfte: Ihr habt das Oberkommando über die Miliztruppen, also über die Land- und Bürgerwehr. Ich hoffe, ich irre nicht. Militär ist nicht gerade mein Fachgebiet… Habt Ihr, Hochgeboren, besondere Pläne, Vorgehensweisen, ja, Methoden um die Miliztruppen nicht verweichlichen zu lassen? Wie werdet Ihr sie anpacken, wie ausbilden?
Abdul ibn Meheb: Nun, die einfachste Lösung ist hier die Effektivste: Regelmäßiges Üben. Wie oft diese Übungen abgehalten werden, ist noch nicht entschieden, sie werden sich auch nach möglichen Gefahren oder ähnlichem verschieden sein, allerdings werde ich regelmäßig Überraschungskontrollen der Garden und Milizen durchführen lassen und selbst durchführen, um die Effektivität zu überprüfen. Dies ist zum Beispiel einer der Fälle, in denen ich die Adeligen des Reiches noch um ihre Meinungen fragen werde.
Salas R'yall: Ich bedanke mich für dieses informative Gespräch. Möge Boron immer mit Euch und Euren Vorhaben sein. (verneigt sich)
(CAG,NME)