Hôt-Alem

Fürstprotektorat des Mittelreichs

Die Stadt

„Von malerischer Schönheit erhebt sich an den Ufern des Tirob die südlichste Stadt des aventurischen Festlands, Hôt-Alem, ein Stadtstaat unter dem Schutze Gareths und doch Zankapfel so vieler Reiche und Intrigen. Nicht viel wußte ich von der Sonnenstadt, als ich am 1. Praios 25 n.H. meinen Fuß auf hôt-alemitischen Boden setzte. Doch eins war mir ganz gewiß, es war kaiserliches Protektorat unter der Herrschaft des Fürstprotektors Refardeon II. und sollte mir daher Schutz und heimische Zuflucht bieten. Ich war als neureichscher Schriftgelehrter nie ganz zufrieden mit dem Leben in des Mizirion Brabak, und erhoffte mir nun eine sichere Überfahrt in mein teures Albernia, das ich doch so liebte und nach dem ich mich mit königstreuer Leidenschaft verzehrte.
Und tatsächlich, meine Erwartungen an Hôt-Alem wurden in der Tat erfüllt, gab es doch einen Palast, der dem Stile nach wie jener in Gareth anmutete, und auch ein Praiostempel ward hier zu finden, wo ich um des Götterfürsten Zuneigung betete. Schnell wurde mir bewußt, daß der güldene Prachttempel - kein Vergleich zum heruntergekommenen Gotteshaus in Khefu - inmitten der Stadt nicht nur zur Verehrung des hochheiligen Herrn Praios (heilig!heilig!heilig!) diente, sondern auch Dreh- und Angelpunkt der mittelreich'schen Kultur und all jenem ward, was dort hochgeschätzt wurde. Die Alemiten, die ihr Gebet hier verrichten, sind aufrechte Bürgerinnen und Bürger des Reiches und blieben dies ebenso in den schweren Stunden der kem'schen Belagerung wie auch nach deren friedlichem Ende. Hier treffen sich Edle, Ritter, Händlerinnen und Handwerker gleichermaßen, um Nachrichten aus dem fernen Gareth auszutauschen, denn man muß wissen, daß der Ritt des Beilunker Reiters nicht bis in die Gefilde des Südens vordringt und Informationen Gold wert sind.
>Alt-Alem: Zwei Straßenräuber versuchen ahnungslose Reisende
in einen Hinterhalt zu locken.
Doch neben dem mittelreichschen Hôt-Alem, genannt die Sonnenstadt, fand ich auch noch ein düsteres und verruchtes Hôt-Alem vor, das alte Hôt-Alem, die Hochburg des Rauschkrautes, der Seeräuberinnen und der Piraten. Zu jenen Zeiten, als die Sonnenstadt noch nicht unter der Herrschaft des Neuen Reiches stand, galt es als Hauptumschlagsplatz für Rauschkräuter, und dieser Einfluß ist, trotz der Tatsache, daß der Handel und Konsum von berauschenden Stoffen verboten ist, immer noch lebendig. Oh nein, nicht in den Prachtstraßen pulsiert der alte Geist, sondern vielmehr in den Hinterhöfen, in denen sich gedungene Gestalten herumtreiben und natürlich in den einstmals so berühmten Rauschhöhlen, die offiziell schon längst geschlossen sind, in Wirklichkeit jedoch Nacht für Nacht Rauschsüchtige in ihren Bann ziehen.
Über all dem lag solange das bedrohliche Joch der Kemi, die ihre Belagerung um keinen Preis aufgeben wollten und die ihren 'Gürtel der Befreiung' Tag für Tag enger schnallten, so daß das Leben in Hôt-Alem kaum mehr erträglich war. Frische Lebensmittel sind rar, und auch sonst ist der Belagerungszustand nicht zu übersehen, konnten doch zerstörte Gebäude kaum mehr wieder aufgebaut werden, und auch die Löwen von Thalusa waren allgegenwärtig.
Trotz alledem versuchte die Oberschicht mit einer bewundernswerten Ausdauer die prekäre Situation zu überspielen, indem sie ritterliche Turniere und ausschweifende Bälle wie eh und je abhielt. Der Pöbel dagegen schien den 'Tag der Befreiung' - wie es die einen nennen mögen - herbeizusehnen, was jedoch niemand offen auszusprechen wagte. Und da waren noch die Probleme im Osten des Reiches, die weiter bestehen, und so war es kaum verwunderlich, daß Gareths Wachsamkeit und Stärke in Hôt-Alem zugunsten des Kampfes in Tobrien mehr und mehr nachließ.
So mag sich jeder die Erleichterung vorstellen, als die neue kem'sche Königin - Praios segne sie - Herz, Größe und Güte bewies und den Bedrängten, die in Tobrien für ganz Aventurien streiten, endlich die Hand zum Frieden reichte. Nur kurz dauerte es, bis ein Vertrag abgeschlossen war: Friede zwischen Kemi und Gareth, Anerkenntnis der Königinnenwürde für Ela XV. gegen Anerkenntnis des Fürstprotektorats! Und so residiert seit dem Jahre 32 S.G. ein kem'scher Gesandter in den Mauern der Stadt, auf denen neben dem Fuchsbanner stolz auch der kem'sche Rabe weht. Der im Vertrag vereinbarte freie Handel zwischen Hôt-Alem und den Kemi hat für einen rasanten Aufschwung und große Geschäftigkeit in der Stadt gesorgt, die wohl in der nahen Zukunft unbedrängt und sicher im Frieden weiter aufblühen wird. Doch mich wird all dies nicht mehr betreffen, schwor ich doch bei den Zwölfen, nie mehr einen Fuß südlich von Punin zu setzen..."
Thegotan Stürmler, Schriftgelehrter aus Havena

Dokumente zur Geschichte

Geschichte

Als eine der letzten reichtstreuen Kolonien war der Konflikt Hôt-Alems mit dem Kemi-Reich unausweichlich. Während das kaiserliche Kolonialreich im Süden des Kontinents Stück für Stück zusammenbrach, war man in dem kleinen, aber strategisch enorm wichtigen Hafenstädtchen stets bemüht, den rebellischen Geist der Nachbarn fernzuhalten und rückte umso näher an Gareth heran, je lauter die aufrührerischen Töne aus dem nahen Khefu zu hören waren. Als das Kaiserreich die sich im Jahre 1004 B.F. lossagenden Kemi in einen Krieg mit den hegemoniesüchtigen Al'Anfanern trieb, war es nur zwangsläufig, daß die Kemi als ersten Schritt die Bedrohung im Osten auszuschalten trachteten. Die Kemi betrachten ihre Ansprüche auf die Stadt als wesentlich älter als die des Mittelreichs, denn in Khefu wird stets propagiert, daß die in uralten Schriftrollen erwähnte Siedlung Ah'rem mit dem heutigen Hôt-Alem identisch ist. Ah'rem aber ist eine Gründung der legendären Kemi-Nisut Peri I. So griffen die Kemi blitzartig und schnell im Jahre 1005 B.F. an, überrannten die Mauern und konnten die Siedlung immerhin ein Jahr halten, bevor al'anfanische Truppen die Ortschaft ihrer Herrschaft unterstellten. Nach dem siegreichen Kampf gegen die al'anfanischen Besatzer konnten die Kemi Hôt-Alem im Jahre 1010 B.F. wieder zurückgewinnen. Doch fünf Jahre später fiel Hôt-Alem wieder an die Kaiserlichen: Ein als Handelsschiff getarnter Truppentransporter überraschte die Kemi am 30. Boron, ihrem heiligsten Feiertag. Seitdem steht die Stadt unter Belagerung durch kem'sche Truppen. Zahlreiche Scharmützel und Kämpfe mit wechselseitigem Glück hat es seitdem gegeben, doch als das Mittelreich seine Kolonien zugunsten des Kampfes in Tobrien mehr und mehr schwächen mußte, schienen die Kemi Morgenluft zu wittern und einen Angriff vorzubereiten. Protektor Referdaon II. und sein Hofstaat schienen diese Ansicht zu teilen, denn der Fürstprotektor und sein Gefolge hielt sich zu dieser zeit fast ununterbrochen in Gareth auf.
Doch es kam anders, denn Nisut Ela XV. wollte ihre Regentschaft nicht mit einem blutigen Gemetzel beginnen und erreichte tatsächlich durch grpßes Verhandlungsgeschick einen Friedensvertrag, der beide Seiten zufriedenstellen konnte. Seit dem Jahr 32 S.G. ist Hôt-Alem nicht mehr bedroht.

Umstrittene Entscheidung

Die aufwendige und teure Belagerung fand jedoch auch im Kemi-Reich nicht nur positive Reaktionen. Beim berühmten Hoftag zu Vahyt im Jahre 1017 B.F. tat sich besonders der ehemalige Akib (Baron) Cyperijan ya Bethasda hervor, der in einem Memorandum den Verlust Hot-Alems als einen Gewinn für das Reich bezeichnete. Dieser nämlich eröffne mit der Präsenz des Mittelreichs einen respektablen Gegenpol gegen die aggressive Expansionspolitik der vinsalter Horas.
Doch widersprochen wurde ihm von höchster Stelle. Die Hekatet (Herzogin) Chanya Al'Mout'pekeret, Oberkommandierende der kem'schen Armee, selbselbsten lehnte jegliche Kompromißbereitschaft ab:

Kürzlich wurde der Autorin ein Memorandum des Akîb Cyperijan ya Bethasda Ni Rekáchet zugetragen, das sich mit der Situation in Süd-Aventurien nach der Eroberung Hôt-Alems durch mittelreich'sche Truppen beschäftigt.
Vieles, was der Akîb anmerkt, hat Hand und Fuß - dies ist nicht zu leugnen - doch daraus zu schließen, der Verlust Hôt-Alems sei unserem Reiche gar zuträglich, ist so nicht unkommentiert zu belassen. Die Argumente des Akîbs mögen noch so richtig und einleuchtend sein, außer Acht gelassen wurden jedoch diverse Punkte, die im folgenden angeführt seien:
Primo, und dies ist der meiner Meinung nach wichtigste Punkt: Hôt-Alem ist Eigentum der Nisut der Kemi Peri III. Die Stadt ist integraler Bestandteil des Kemi-Reiches, deren widerrechtliche Aneignung durch das Mittelreich einzig und allein aus Prinzip nicht hingenommen werden darf.
Secundo impliziert dieser Vorgang in der Tat einen Ansehensverlust des Kemi-Reiches, der leicht in weitere äußere Übergriffe münden kann, dann, wenn aventurienweit davon ausgegangen werden muß, daß das Reich offen-aggressive Aktionen gegen sein Territorium einfach hinnimmt oder hinnehmen muß.
Tertio übersieht der Herr Akîb, daß die Waldinselkrise mit dem Bosparanischen Reich schon lange Vergangenheit ist. Mithin hat sich der "Vinsalter Vertrag" als für unser Reich weder knebelnd noch nachteilig ausgewirkt, sondern - im Gegenteil - die Nisut in ihren Handlungen freier und selbstbewußter gemacht. Auch die Autorin zeigte sich dieses Vertragswerk betreffend zunächst skeptisch, doch muß mittlerweile eingestanden werden, daß mit Unterstützung des Bosparaner Reiches Handelsbeziehungen und Sicherheit der Kemi erheblich profitiert haben.
Daraus ergibt sich zwingend, daß die Bedenken des Herrn Akîb - das Neue Bosparan betreffend - irreal sind und mitnichten zur Grundlage der Beurteilung des Verlustes Hôt-Alems herangezogen werden dürfen. Begründend hierfür sei anzufügen, daß die derzeitigen Beziehungen des Kemi-Reichs zu Vinsalt nicht nur - wie gezeigt - für uns durchaus von Vorteil sind. Auch die Bosparaner profitieren vom Staus Quo gleichermaßen. Was also ist für die Kaiserin zu gewinnen? In letzter Konsequenz könnte die Einflußnahme Vinsalts auf das Kemi-Reich - so wie es Akîb Cyperijan fürchtet - doch nur in eine militärisch erzwungene Annektion einmünden. Davon ist aber nicht auszugehen, denn dies würde auf einen Schlag den Südmeerhandel Bosparans erheblich gefährden und in einen wenig nutzbringenden, langwierigen und teuren Dschungelkrieg einmünden. Ergo ist davon auszugehen, daß das Hauptinteresse Vinsalts bezüglich des Kemi-Reiches keine unterdrückende - weil wenig profitable - Politik sein kann.
Fazit: Der Verlust Hôt-Alems und die Wiederbeteiligung des Mittelreichs an der Machtverteilung im Südmeer ist für das Kemi-Reich weitaus gefährlicher als der Herr Akîb dies darstellt. Weitaus besser als die Militäraktion Gareths wird nämlich die Vernunft die Machthaber in Bosparan diese von einer Unterdrückungspolitik gegenüber den Kemi abhalten. Daraus folgt, daß mit der neuerlichen Präsenz Gareths im Südmeer nur eines sich geändert hat: Kemi hat neben den Al'anfanern einen weiteren, ebenso verbissenen Feind vor der sogenannten Haustüre.
Was aber ist zu tun? Hier gibt die Autorin dem Herrn Akîb recht. Unsere Armee hat weder die Mittel, noch die Ausrüstung und die Kampfkraft einen gut befestigten Hafen wie Hôt-Alem im Sturm zu nehmen. So bleibt - denn die Rückführung der Stadt ist aus oben aufgeführten Gründen zwingend notwendig - uns nur, auf die altbewährte Zermürbungsstrategie zurückzugreifen. Wir werden die Belagerung der Stadt also weiterhin aufrechterhalten, alle einfahrenden Schiffe und Waren kontrollieren, fremden Kriegsschiffen den Zugang verwehren und nur die zum Überleben der Bevölkerung nötigen Waren in die Stadt lassen. Aus Erfahrung ist anzunehmen, daß sich mit der Zeit die Finanzierung einer derartigen Kolonie für Gareth als als wenig sinnvoll erweist. Dies wäre dann der Zeitpunkt, an dem die Diplomatie das Militär abzulösen hat. Bis dahin jedoch wird die Belagerung unter schärfsten Bedingungen aufrechterhalten.

Aufgrund dieses Memorandums und der folgenden tragischen Ereignisse geriet der Akîb mehr und mehr in die Kritik, bis er schließlich sein Amt und seinen Titel aufgab und sich seitdem ganz den hesindegefälligen Wissenschaften widmete.

Die Seeschlacht von Tra'falgar - ein Wendepunkt
Die noch versöhnlichen Töne der kem'schen Hochadeligen waren schon bald Makulatur. Bei der größten Seeschlacht seit Ende des Befreiungskrieges kam nämlich die kem'sche Flottenmarschallin Iskra Smorebrod ums Leben, aus kem'scher Sichtweise durch einen unehrenhaften Kampf.

Sieg durch Borons Willen - Große Verluste bei den mittelreichschen Eindringlingen - Gardemarschallin Iskra Smørebrød im heldenhaften Kampf gefallen

Wieder einmal hat Boron, unser aller Herr, seinen Willen kundgetan und die Flotte seiner treuen Anhänger zum Sieg über die ehrlosen Besatzer unserer Nisut Stadt Hôt-Alem geführt. Der Berichterstatter befindet sich in der überaus glücklichen Lage, Euch, geneigter Leser, von den heldenhaften Taten wahrhafter Patrioten zu berichten, welche unter größtem Einsatz für unsere Sache fochten. Erfahret nun, was sich wahrhaftig zugetragen hat, denn dieser Bericht stützt sich (wie immer) auf neueste Informationen aus erster Hand, welche einzig von der vollen Wahrheit künden! Was also ist geschehen?
Vor einigen Wochen bereits drang vertrauliche Kunde aus berufenem Munde an seiner Exzellenz, des Cancelarius Ohr. Von Versorgung der belagerten Stadt Hôt-Alem war da die Rede und das der Mittelreicher es plane, einen großen Zug von Schiffen zu schicken, welcher sich durch die Hafenblockade der rechtmäßigen Stadtherren hindurchkämpfen solle, um den ungerechten Besatzern Entsatz zu bringen. Ungeheure Mengen an Material sollen diese Schiffe mit sich führen, damit auch weiterhin sichergestellt bliebe, daß sich dieser Brückenkopf als Stachel im Fleische unseres geliebten Reiches halten könne.
Aber Seine Exzellenz, Cancelarius de Cavazo zeigte, wie immer, besonnene Tatkraft. Warum nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, so lautete die Frage. Warum den Feind nicht schwächen und sich gleichzeitig selbst rüsten? Ein Einstimmiges Ja des Cronrates verwarf die Bedenken der Wankelmütigen und auch die Nisut gab ihren Segen: Unter der Führung von Gardemarschallin Iskra Smørebrød sollte sich ein Geschwader der königlichen Seestreitkräfte am Kap Trâ'falgar vor der Stadt Hôt-Alem auf die Lauer legen, um den Geleitzug anzugreifen.
Eine glückliche Fügung wollte nämlich, daß der Feind die vier bis zum Schanzkleid mit Waffen und Versorgungsgütern vollgestopften Koggen des Schiffszuges nur mit der Karavelle "Schild von Neersand" und der Karracke "Efferdauge" schützen konnte, da die übrigen Schiffe der Perlenmeer-Hochseeflotte des Mittelreiches unabkömmlich waren. Dadurch wurden natürlich auch die verzweifelten Bemühungen des Gegners verständlich, die ganze Aktion unter dem lächerlichen Decknamen "Frühlingsbrise" geheim zu halten. Natürlich konnten die Vorbereitungen einer solch großen Unternehmung vor dem scharfen Auge der Kemi nicht verborgen gehalten werden, was zweifellos ein Verdienst unserer hochverehrten Exzellenz Dio de Cavazo ist.
Nach generalstabsmäßiger Planung war dann der Tag gekommen. Noch vor Morgengrauen des 15. FPE 23 SG verließ die Zedracke "Yahkem" mit dem XIV. Banner des 4. KK Seesoldatenregimentes unter Kapitänin Caja Gatez und die Schivone "Tepdáru" unter dem Kommando von Kapitänin Eljascha Válk, zusammen mit dem "Al'Anfanertod", dem Drachenboot der Gardemarschallin Iskra Smørebrød, den Hafen von Váhyt. Unter einem günstigen Südwind füllten sich die Segel und nach kurzer Zeit, am 17. FPE war man gerade außerhalb der Sichtweite der Mauern von Hôt-Alem angekommen. Des Nachts löste sich dann eine kleine Gig aus dem Flottenverband, welche mit Kurs auf die Stadt in den nächtlichen Nebeln verschwand. Gleichzeitig lichtete das Geschwader seine Anker und ging mit gelöschten Schiffslampen auf Schleichfahrt, wieder Richtung Süden.
Der Morgen des 18. FPE dämmerte herauf. Der Himmel war klar, die See kabbelig, aus dem Norden wehte ein steifer Wind. Die Morgenwache des 14., sowie die Besatzungen der drei Schiffe streckten sich und sahen immer wieder erwartungsvoll zum Ausguck im Krähennest der "Tepdáru". Er würde das ersehnte Signal geben, wenn der Feind in Sicht käme. Das Geschwader hatte in der Nacht eine strategisch äußerst günstige Position bezogen um dem mittelreichschen Geleitzug aufzulauern. Es ankerte außer Sicht auf der Nordseite des Kap Trâ'falgar, einer kleine Halbinsel, welche etwa 10 Meilen südlich von Hôt-Alem liegt. Der Geleitzug würde aus dem Süden kommend in die Bucht von Djunizes einlaufen und dann mit Kurs Nordwest gegen den Wind kreuzen müssen, um die besetze Stadt zu erreichen.Dann war es soweit: Der Ausguck hatte den Feind erspäht. Die Besatzungen konnten nur noch mit Mühe ihre Kampfeslust zurückhalten, aber noch hatte die Gardemarschallin nicht den Befehl zum Auslaufen gegeben. Auch Iskra Smørebrød stand die freudige Erwartung deutlich ins Gesicht geschrieben. Am Horizont konnten nun alle den Gegner deutlich sehen: Die Silhouetten der vier Koggen waren deutlich auszumachen, ebenso wie die der beiden Kriegsschiffe, die die schwachen Transporter umkreisten, wie Hirtenhunde ihre Herde.
Und endlich, als der Feind bereits auf fünfzehn Meilen heran ist: "Zum Angriff! Volle Gefechtsbereitschaft!" Wie Möwenschwingen entfalten sich die Segel der Schiffe, das Banner der Königin wird aufgezogen, das Wasser unter dem Bug schäumt auf, getrieben von Borons Segen und einem kräftigen Wind von achtern fliegt der Stolz der kemschen Flotte dem Eindringling entgegen, allen voran aber der "Al'Anfanertod" mit Iskra Smørebrød ganz vorne am Bug unter dem Drachenhals. Auf den Schiffen rasche, aber wohlgeordnete Betriebsamkeit: Jeder Handgriff sitzt, jeder weiß, was er zu tun hat.
Aber auch der Feind hat erspäht, was da auf ihn zukommt. Die Koggen drehen in den Wind, um in Richtung offenes Meer zu flüchten, die "Schild von Neersand" verläßt den Verband und läuft in direktem Kurs auf den Angreifer zu. Die "Tepdáru" nimmt die Herausforderung an. Schon fangen beide Schiffe an, sich auszumanövrieren, um den Gegner vom Wind abzuschneiden und in die bessere Feuerposition zu gelangen. Die Geschütze sind geladen, die Mannschaften warten auf das Kommando.
Inzwischen stürzt sich der "Al'Anfanertod" mit Todesverachtung auf die "Efferdauge". Schon geht das Drachenschiff längsseits, um zu entern. Die Kanoniere des Reichsbehüters haben wohl heute nicht ihren guten Tag: die stümperhaften Fehlschüsse der Geschützmannschaften werden von der Ottajasko mit brüllendem Gelächter quittiert. Mittlerweile machen sich auch die tapferen Kämpfer des 14. bereit zum Entern, denn die "Yahkem" hat die vorderste Kogge des Verbandes erreicht. Jetzt kommt die geniale Strategie der Gardemarschallin zum Tragen. Während die beiden Geleitschiffe in Gefechte verwickelt sind, können die Seesoldaten des 14. fast in Ruhe die Prise übernehmen. Die Besatzung des trägen Schiffes ergibt sich fast sofort, der Jubel ist groß, als auf dem ersten der Transportschiffe die kaiserliche Flagge fällt und das stolze Banner der Kemi gehißt wird. Weit hallt es übers Meer: "Sieg für Kemi!"
Der Kampf steht gut: Schon hat die "Tepdáru" die "Schild von Neersand" in die unterlegene Leeposition manövriert und ihr ein paar empfindliche Treffer beigebracht. Die "Yahkem" steuert die zweite Kogge des Verbandes an und die "Efferdauge" ist fest in der Hand von Iskra und ihren Thorwalern. Plötzlich ein Schrei: "Schiff Backbord voraus!" Alle Augen wandern in die angegebene Richtung: Tatsächlich, ein Schiff und, Boron steh´ uns bei, eine kaiserliche Galeere! Wo kommt die plötzlich her? Befehle fliegen hin und her! Die Signalgasten haben alle Hände voll zu tun, um die richtigen Signalflaggen zu hissen. Aber allen voran haben Iskra und ihre Recken wieder am schnellsten reagiert. Schon löst sich der "Al'Anfanertod" von der "Efferdauge", die auch schon flugs die Flucht ergreift, froh, mit zwei blauen Augen davon gekommen zu sein. Der Drachen versucht in eine bessere Position zu kommen, aber die Galeere ist schnell. Schon eilt die "Yahkem" heran, um der Kommandantin zu helfen, während das 14. die erbeutete Kogge aus dem Gefahrenbereich bringt.
Plötzlich ein lautes Krachen: Die Galeere hat den Drachen mittschiffs gerammt! Mit unglaublicher Geschwindigkeit ist sie herangekommen und hat ihren Rammsporn tief in die Eingeweide des "Al'Anfanertods" getrieben. Der Aufprall ist so gewaltig, daß der Bug des Drachenbootes aus dem Wasser gehoben wird. Auch die Galeere bäumt sich auf wie ein Tier, von der gewaltigen Last auf ihrem Rammsporn am Bug unter Wasser gedrückt. Doch noch bevor die "Yahkem" in Schußweite kommt, zerbricht das kleinere Langboot und sinkt in wenigen Augenblicken.
Inzwischen ist aber die "Yahkem" heran und überschüttet den Feind mit einem wahren Hagel von Geschossen. Breitseite um Breitseite geht auf das feindliche Schiff hernieder, welches bei dem Kollisionsmanöver mit dem "Al'Anfanertod" ebenfalls Schaden genommen hat. Der Feind kann dem wütenden Ansturm der Kemi nicht standhalten und so ergreift er ohne Gegenwehr die Flucht, die "Schild von Neersand" löst sich von der "Tepdáru" und schließt sich der Galeere an.
Sieg, Sieg im Namen Borons! Der Feind ist geschlagen und aus dem kemi-königlichen Hoheitsgewässern vertrieben. Der Geleitzug wurde abgeschmettert, dabei ein Kogge, randvoll mit wertvollen Gütern, erbeutet und die Besatzer von Hôt-Alem müssen sich wohl aufs Hungern einstellen.
Sieg, Sieg im Namen der Nisut, aber um welchen Preis! Stunden nach der Schlacht suchen die Frauen und Männer der königlichen Flotte noch nach Überlebenden des "Al'Anfanertods" - vergebens. Einzig der stolze Drachenkopf des Bootes wird in den Wellen treibend gefunden. Mit der Abenddämmerung kehren die "Yahkem" und die "Tepdáru", welche nur geringfügig beschädigt wurden, zu ihrem Liegeplatz am Kap Trâ'falgar zurück, wo das 14. Banner mit der erbeutete Kogge bereits wartet.
So trauern wir um ein große Frau: Gardemarschallin Iskra Smørebrød, Repat von Neu-Prêm, welche bereit war, für das Königreich der Kemi alles, was sie besaß, zu opfern. Sie starb, wie sie lebte: aufrecht, die Beine fest auf den Decksplanken ihrer Otta, den Seewind in den Haaren und die Musik des Meeres in den Ohren. Ihr Vorbild soll uns ein Beispiel sein.
Eine Frage beschäftigt die Seeleute in dieser Nacht besonders: Woher kam die kaiserliche Galeere? War der Geleitzug etwas eine Falle gewesen? Hat man die Königin falsch informiert? War Verrat im Spiel? Dieses siegreiche Unternehmen wird in die Analen unseres Reiches eingehen, aber ob die offenen Fragen beantwortet werden, wird allein die Zukunft zeigen.

Die Rechtslage ist unklar, und Kompromisse sind nicht in Sicht

Der Tod der berühmten Heldin des Befreiungskrieges ließ sämtliche Annäherungsversuche, die bis dahin heimlich und unter größter Geheimhaltung stattfanden, scheitern. Daß auch auf garteher Seite keine Kompromißbereitschaft vorhanden ist, zeigt eine ausführliche Stellungnahme Prinz Storkos von Gareth:

TM: Im Namen Borons, seid gegrüßt, Eure Kaiserliche Hoheit. Die Leser der "Rabenschwinge" sind sehr aufgebracht über den Einfall des Mittelreiches in die kem'sche Stadt Hôt-Alem. Könntet Ihr hierzu darlegen, was den Reichsbehüter zu dieser Maßnahme bewogen haben mag?
SKH: Zunächst einmal sollte ich klarstellen, daß mein Großneffe jene Truppenbewegung aufgrund der Ratschläge von Diplomaten und Reichs-Marschallen veranlaßte, die äußerst komplexen und an dieser Stelle schon aus Zeitgründen nicht in ihrer ganzen Ausführlichkeit darzulegenden politischen Hintergründe, das Abwägen zwischen Zusagen von der einen und Erwartungen von der anderen Seite und dieser ganze diplomatische Apparat sind von einer einzelnen Person gar nicht zu überblicken und zu durchschauen.
TM: Demnach war diese militärische Machtdemonstration also wohlüberlegt und eine Provokation des Kemi-Reiches, das seinerseits einer friedlichen Koexistenz mit dem Neuen Reich entgegenstrebte, möglicherweise gar beabsichtigt?
SKH: Wie kommt Ihr auf friedliche Koexistenz? Als vor sechs Jahren Trahelien oder das Kemi-Reich, wie es sich heute nennt, den damaligen Fürstprotektor Salpikon III. ermorden ließ und der Stadt seine Herrschaft aufzwingen wollte, machte dies keineswegs den Eindruck des Wunsches nach einer friedlichen Koexistenz. Salpikons Sohn Refardeon II. konnte gar nicht anders, als zur Sicherung seines berechtigten Erbes Unterstützung bei einem mächtigen Verbündeten zu suchen.
TM: Und dieser Verbündete wurde durch die Verlockungen eines Fürstprotektionsvertrages so geblendet, daß er frühere Vereinbarungen gänzlich übersah? Vor gut 20 Jahren, als die jetzige Nisut Peri III. die Nachfolge des Grafen von Halberg antrat, gestand ihr Seine Allergöttlichste Magnifizienz Kaiser Hal I. noch zu, daß jegliches Land fortan nach des Kaisers Wille ihrem Protektorat unterstünde.
SKH: Diese Vereinbarungen sind doch völlig veraltet und hinfällig. Als Peri III. Setepen Trahelien zum unabhängigen Königreich ausrufen ließ, galt dies doch als Lossagung von allen Verpflichtungen und Ansprüchen gegenüber Gareth. Man kann sich eben nicht nur die Rosinen aus dem Kuchen picken.
TM: Das waren noch schöne Zeiten, damals bei den Klugen Kaisern, als das Wort eines Regenten noch so beständig war wie Koschbasalt. Könnte es nicht sein, daß man sich in Gareth dachte, so ein Praiosjünger sei leichter zu manipulieren als ein Königreich, dessen Bewohner größtenteils schwer zugänglich in wilden Dschungelregionen leben und gar ihre eigene Nisut Peri III. nur vom Hörensagen kennen, von einem Reichsbehüter im fernen Gareth ganz zu schweigen?
SKH: Das mit Sicherheit nicht. Die Ansprüche der Fürstprotektoren bestehen bereits seit siebzig Jahren und das Neue Reich war stets an einer Annäherung zu Hôt-Alem interessiert.
TM: Dennoch hält sich hartnäckig das Gerücht, daß die Bemühungen SAM Hal I. seinerzeit an der Tatsache scheiterte, daß er mit einer Al'Anfanerin vermählt war und er darum mit Khefu paktierte, um auf diese Weise Einfluß auf Hôt-Alem zu gewinnen gedachte.
SKH: Solche Gerüchte entstehen allenthalben und man sollte nicht einen bornischen Deut darauf geben. Tatsache ist, daß mein Großneffe dem Fürstprotektor Refardeon II. einige mittelreichische Berater zur Seite stellte, als vor sechs Jahren die Trahelier in Hôt-Alem einfielen.
TM: Ihr betrachtet die Situation doch sehr aus der Sicht des Brabaker Günstlings Salpikon und seines mit Gareth liebäugelnden Sohnes Refardeon. Tatsächlich verhielt es sich in Hôt-Alem doch so, daß seit dem Abkommen zwischen SAM Hal I. und ihrer königlichen Majestät Peri III. unter kem'scher Verwaltung stand und ihre Steuern nach Khefu entrichtete. Der Aufrührer Salpikon "der Starrsinnige", wie man ihn in Khefu nannte, machte dem kem'schen Adel in Hôt-Alem über Jahre hinweg zu schaffen, als er mit dem Beistand des "Großkönigreiches" Brabak und unter dem Schild eines angeblichen Fürstprotektionsrechtes mit angeblichen Steuervergünstigungen und ähnlichen zweifelhaften Versprechungen aufwiegelte. Kein Wunder also, daß die Stadtbüttel des Querulanten irgendwann habhaft wurden und dieser mitsamt seinen Anhängern als Reichsfeinde hingerichtet wurde.
SKH: Mit Verlaub, Eure Darstellung der Dinge deucht mir doch recht subjektiv zu sein. Zum einen sind die Ansprüche von Salpikon III. auf den Titel des Fürstprotektors von Hôt-Alem durchaus gerechtfertigt gewesen und zum zweiten deuteten die Berichte des Beraterstabes von Refardeon II. der letzten fünf Jahre nicht darauf hin, daß das Kemi-Reich jemals in Hôt-Alem regiert hätte.
TM: Das ist erstaunlich, nachdem der sogenannte Fürstprotektor Refardeon II. und sein Beraterstab erst mit dem Einmarsch der mittelreichischen Truppen vor etwas mehr als einem Jahr in Hôt-Alem eintrafen. Wurden diese Berichte denn jemals überprüft?
SKH: Wie ich schon erwähnte, besteht der Beraterstab des Fürstprotektors zum größten Teil aus mittelreichischen Adeligen. Was sollten diese Edelleute für einen Grund haben, ihre Berichte zu fälschen?
TM: Nun, Gold zum Beispiel, rein hypothetisch gesprochen. Und wäre es für Refardeon II. nicht leichter, den Reichsbehüter in Gareth zur Entsendung von Reichstruppen zu bewegen, wenn er ihm zuvor vormachte, daß er seine Machtstellung in Hôt-Alem bereits etabliert hätte, als darauf zu hoffen, daß das Neue Reich ihn bei der Eroberung eines Machtbereiches unterstütze, dessen Anspruch er schon längst nicht mehr besaß?
SKH: Wenn ich Euch recht verstehe, unterstellt Ihr dem Neuen Reich, mit der Sicherung Hôt-Alems durch seine Reichstruppen nicht Refardeon II. bei der Verteidigung seiner Herrschaftsstellung unterstützt, sondern vielmehr für die Verletzung kem'schen Hoheitsrechtes mißbraucht worden zu sein? Das ist doch geradezu lächerlich. Es wäre geradezu unvorstellbar, daß man in Gareth entgegen den Interessen des Neuen Reiches handeln würde. Und wie ist es denn um die angeblich friedliche Gesinnung des Kemi-Reiches bestellt, denke man da nur einmal an die Berichte über die Vernichtung Altaias?
TM: Solche Gerüchte entstehen allenthalben und man sollte nicht einen bornischen Deut darauf geben. Ich denke, Ihr habt unseren Lesern einen deutlichen Einblick in die Beweggründe des Neuen Reiches gegeben und danke Euch für dieses Gespräch. Boron zum Gruße.

Das Gespräch führte der kem'sche Gesandte zu Zorgan, Seine Excellenz Trudpert Mezkarai. So kann dieser Streit um Rechtstitel und Ansprüche wohl nur durch die Waffe entschieden werden. Wann dies sein wird, schien nur eine Frage der Zeit zu sein...

Friedensschluß im Süden
Doch gerade, als sich die Gerüchte um den endgültigen Todesstoß für die ausblutende Stadt verdichteten, und die Thronbesteigung der neuen Nisut Ela XV. die Zeit für einen militärischen Triumph gekommen schien, da überraschte die Königin die ganze Welt mit der noblen Attitüde, einen Verhandlungsfrieden einem blutigen Gemetzel vorzuziehen. Endlich hatte der Streit um Hôt-Alem ein Ende gefunden:

Schon seit Wochen wunderte man sich in der Hauptstadt des südlichen Königreichs der Kemi, vormals des Mittelreichs Kolonie, über die regelmäßigen Besuche nordländisch aussehender vornehmer Damen und Herren im Palast der Kronprinzessin Ela, der Tochter der Kemi-Königin Peri III. Niemals drang auch nur ein Wort oder eine Stellungnahme der Höfe in Gareth und Khefu nach außen, und die Spekulationen in der Hauptstadt des abtrünnigen Dschungelreichs kannten oftmals weder Sinn noch Verstand - sie sprachen über allerlei Dinge, vom kommenden Krieg gegen das Mittelreich war die Rede, von südlicher Hilfe gegen die Länder der Dämonenanbeter bis hin zu einem geheimen Bündnis mit der alten Kolonialmacht.  Schließlich jedoch nahm die junge Prinzessin Ela, die in wenigen Monden Königin werden soll, den Menschen die Unwissenheit. Angetan im gold- und edelsteingeschmückten Ornat der traditionsreichen Kemi-Königinnen verkündete sie selbst inmitten ihres Hofstaats in ihrem Palast in der Hauptstadt Khefu vor den versammelten Diplomaten und wichtigen Magistraten, dass fürderhin freundschaftliche Beziehungen zwischen dem Königreich der Kemi und seiner einstigen Kolonialmacht herrschen sollten, und stattete hernach dem Herrn Boron sogleich den gebührenden Dank ab.
In langwierigen und komplizierten Gesprächen hatten die kem'sche Kronprinzessin und die von einem nicht namentlich genannten, jedoch persönlich von Prinz Storko legitimierten Emissär geleitete Delegation der garethischen Gäste sämtliche zwischen den Reichen offenen Fragen geklärt, und waren schließlich zu einem Kontrakt übereingekommen, der beiden Reichen gut zu Gesichte steht und für die junge Prinzessin ein erster großer Erfolg auf dem glatten Parkett der Beziehungen zu den fremden Höfen ist.
Nach dem Vertrag gilt nun, dass das Kemi-Reich sämtlicher Ansprüche auf die Stadt Hôt-Alem und ihr direktes, in Zusatz-Passi festzulegendes Umland entsagt, freien Handel und Wandel von und nach Hôt-Alem gestattet, sämtliche Kaperbriefe gegen unter garethischem Banner segelnden Schiffen widerruft und keiner dritten Macht Unterstützung bei Maßnahmen gegen die Hafenstadt Unterstützung gewähren wird.
Im Gegenzug dafür wird das Mittelreich seine vormalige Besitzung mit allem höfischen Zeremoniell nun auch formell in die Unabhängigkeit entlassen (dies soll nach der Krönung Prinzessin Elas zur Königin zu Khefu erfolgen), sich des friedfertigen Umgangs mit den Kemi verpflichten und eine generelle Amnestie für alle der 'Rebellion' angeklagten und festgehaltenen Untertanen der Kemi-Krone erlassen. In Hôt-Alem dürfen die Kemi ihr Banner auf der zweithöchsten Zinne der Stadtmauer hissen und einen Gesandten berufen, der uneingeschränkten Zugang zum Fürstprotektor hat.
Damit ist fast genau 20 Jahre nach der kem'sche Rebellion durch einen hesindegefälligen Kompromiss endlich Frieden im tiefen Süden, was jedoch nicht bedeutet, dass damit den munteren kem'schen Spekulationen ein Ende gesetzt sei: allerorts hört man nun in unserem fieberschwangeren Land weiterhin 'glaubhafte Gerüchte', die von List und Tücke, Verrat und Krieg erzählen, aber auch von einer glorreichen, neuen Ära des Friedens.

Pire Tepesen, Schreiberin aus dem Tiefen Süden.