Die Geschichte des Kemi-Königreichs
vom
Anbeginn der Zeit bis zum heutigen Tage

Neue, alte Strukturen

Neue Freunde, neue Feinde...

Erfreulich entwickelte sich im 27. Jahr der Regentschaft Nisut Peris das Verhältnis zu der einzigen verbliebenen aventurischen Großmacht, dem Horasreich. Der Südmeervertrag hatte sich nun über viele Jahre hinweg bewährt, und die Horasier hatten entgegen der Befürchtungen gewisser Kreise keinerlei Einfluß auf die kem'sche Innenpolitik ausgeübt. Die Vertreter beider Reiche trafen sich Anfang des Firunmondes in Vinsalt, um den Vertrag zu bekräftigen und zu erweitern - und so wurde manch' Kemi Mitte des Götterlaufs Zeuge, wie zwei weitere moderen Kriegsschiffe aus dem Horasreich sowie Landtruppen zur Sicherung der unruhigen Grenzen im Norden in Khefu anlandeten...
Djedêfre Awapèt Pêstumai
Das Jahr 27 S.G. sah aber auch - ausgelöst durch die Liebschaft der Nesetet Ni Ordoreum mit dem Vogt von Tárethon, Djedêfre Pâestumai - das politische Wiedererstarken der alteingesessenen Familie Mezkarai. Lange hatten die Mezkarai sich aus der Tagespolitik gehalten, begründet durch die Bluttaten des Hohepriesters Alrigio Mezkarai, der vor 60 Jahren ein grausames Blutbad unter den Feinden seiner Familie anrichten ließ.
Doch die drohende Vermählung der Nesetet der mezkarai'schen Erblande Ordoreum mit dem der den Mezkarai todverfeindeten Familie Pâstumai angehörenden Ser Ni Tárethon ließ den Conseilarius Boromil Mezkarai handeln. Francesca dell'Aquina wurde auf die Tánrat einbestellt, wo ihr der Ernst der Lage eröffnet wurde, und schließlich gab sie den ordoreer Thron zugunsten Rhonda Mezkarais auf.
Durch die dadurch erfolgte Machtverschiebung im Reich haben sich zahlreiche andere Familien zu Wort gemeldet, um ebenfalls Ansprüche zu erheben, und es lag nun an der Nisut, die Einflußgebiete vor der Krönung ihrer Tochter neu zu verteilen. Und Nisut Peri III. handelte.
Offen bekundeten die Königin und ihre Tochter das Bündnis mit den Mezkarai (die schon seit der Thronbesteigung Peri III. hinter dem Thron standen) und den einflußreichen Al'Plânes (deren Macht sich auf die Dominanz des Waldinselhandels begründet), stärkten offen die Macht einflußreicher loyaler Würdenträger wie die des Repa Ni Neu-Prêm und des Háyta Ni Mer'imen und belohnten gar den Kanzler für seine Abkehr von seiner eigensinnigen Politik - um schließlich gar die Gegner des Throns, namentlich die Familie Pâestumai, erfolgreich aus dem lukrativen Außenhandel des Káhet zu drängen, ein Schlag, von dem sich die Pâestumai lange nicht erholt hatten.
Doch erneut zeichneten sich Schwierigkeiten am Horizont ab. Aus dem zu Sylla gehörenden Osten der Provinz Yleha, Anûr, vernahm man die Kunde einer neuen, großen Bedrohung. Die flüchtige Prinzessin Rhônda hatte sich dort verborgen, und aus abtrünnigen Reichsfeinden, Söldlingen und Verräterinnen die Sekte der "Neo-Corvikaner" gegründet, die gnadenlos und blutig daranging, Anûr in einem beispiellosen Sturmlauf für sich als Basis zu erobern, um schließlich von dort aus das Káhet für den "Wahren Glauben" zurückzugewinnen. Noch herrscht gespannte Ruhe an der Ostgrenze, aber es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Ansturm der Boronsfantiker kommen wird...
Aber auch das Verhältnis zwischen Eingeborenen und Kemis wurde immer prekärer. Nachdem in vielen Provinzen der Kaulata-Vertrag - trotz rechtlicher Bedenken - umgesetzt worden war, konnte zwar zunächst der Frieden und das Bündnis mit den Waldmenschen gesichert werden, doch kam es immer wieder zu Übergriffen der Eingeborenen auf kem'sche Siedlerinnen und Siedler. Ein blutiger Überfall in Sechem Dewa auf eine an einem Flußlauf gelegene Siedlung, davor ein Aufstand der Sabu in Ahami (der durch dämonische Einwirkung entstandene Kalte See ging nicht zurück, und ein Schamane gab den Kemi die Schuld) und der grausame Angriff der Rekas, die Krieg gegen das Dorf Mohema in Terkum führten, ließen die Nisut kundtun, daß sie den Vertrag als gebrochen ansehe und deshalb verfüge, daß sich ihr Volk zu seiner Sicherheit an "vertragswidrigen", strategisch und wirtschaftlich bedeutenden Punkten festsetzen müsse...
Ob man dagegen die Untergrundorganisation der "Iri-Maat", die in den diesen Jahren mit eher kruriosen "Anschlägen" für eine "Befreiung Kemis aus der horasischen Knechtschaft" agitierten, als Gefahr ansehen muß, wird die Zukunft zeigen...

Das Lob des Rabenherrn

Parallel zur Befriedung der Waldmenschenstämme wurde im Inneren die "Boronisierung" des Reiches weiter fortgesetzt. In diesem Zusammenhang wurde erstmals deutlich, daß die kommende Nisut, Ela XV., durchaus konservative Ansichten in Glaubensdingen vertritt. In aufsehenerregenden Beschlüssen wurde der Zugang zu Verwaltungsämtern in den Provinzen mit sofortiger Wirkung nur noch für "Rechtgläubige" offengehalten, und eine Revision des kem'schen Gesetzbuches im Hinblick auf eine deutlichere Anpassung an das Kirchenrecht verfügt.
Im Jahre 30 S.G. schließlich trat die Kronprinzessin schlicßlich in den Orden des Hl. Laguan ein, um dort das Noviziat zu durchlaufen. Ihre Mutter nutzte die Zeit, alles für die Thronbesteigung ihrer Tochter zu organisieren. Diskret stärkte Peri die Bündnisse im Inneren und versicherte sich außenpolitischer Unterstützung für ihre älteste Tochter.

Eine neue Königin

Ein stürmischer Auftakt

Nisut Ela XV. Setepen
Am 1. Praios 32 S.G. war es schließlich soweit - Nisut Peri III., genannt Erneuerin, trat vom Thron durch eine symbolische Toterklärung zurück. Cronprinzessin Ela wurde unmittelbar nach Abschluß ihres Noviziats zu Laguana und ihrer Weihe zur Rabenpriesterin zur neuen Königin der Kemi gekrönt. Und die neue Königin zäögerte nicht: Unmittelbar nach ihrer Krönung wurde dem verduzten Hof mitgeteilt, daß binnen Tagen Elas Vermählung mit dem brabakischen Kronprinz Peleiston vollzogen werden würde und damit die Königshäuser der einstigen Erbfeinde in Eintracht zusammengefügt werden sollten.
Auch auf anderem Gebiete handelte Ela sofort und verfügte zahlreiche Reformen im Inneren. So wurden sämtliche Adelstitualturen abgeschafft, die Zersplitterung der Provinzverwaltung abgebaut, zu trägen Debattierstuben degenerierte Konvente abgeschafft. Aber auch außenpolitisch setzte Ela Akzente: So handelte sie quasi im Alleingang einen Friedensschluß mit der einstigen garethischen Kolonialmacht aus. Mit diesem Vertragswerk anerkannte Gareth erstmals explizit die Unabhängigkeit seiner einstigen Kolonie, während die Kemi ihre Ansprüche auf Hôt-Alem zurückstellten, solange das Mittelreich sich eines friedlichen Umgangs mit den Kemi bemühte.
Ihrer Vermittlungstätigkeit war es auch zu verdanken, daß der zweite Anlauf zum Abschluß einer "Goldenen Allianz" gegen den alanfanischen Feind endlich von Erfolg gekrönt war. War der erste Versuch eines Bündnisses des Horasiats mit dem Königreich Brabak noch am Widerstand der dortigen Audienzia gescheitert, so erreichte die neue Königin nun gar eine Allianz zwischen ihrem Reich, dem Horasiat, dem Königreich Brabak, Ghurenia und Sylla.

(zurück)

ZURÜCK