Die Tá'akîbet Frencaal

Tasah Zuthedsh Tasah Stramin Hauptstadt Khefu

[Siedlungen]

Siedlungen

Khefu

Khefu ist die Hauptstadt des Kemi-Reiches. Khefu, ist eine Stadt, in der es neben den schrecklichen Wunden des vergangenen Unabhängigkeitskrieges manch' Wunderliches, manch' Interessantes und manch' Amüsantes zu hören, sehen oder erfahren gibt. Die Einheimischen sprechen gerne vom Zauber des Samargds des Südens, denn obschon der Nordländer sich in Khefu in einer Vorhölle wähnt, so wird man doch keinen Bürger finden, der sein tropisches Juwel nicht liebt...
Die Stadt Khefu und ihr Umland erfreuten sich lange Zeit dem Status eines eigenen Territoriums, ehe sie nach der Krönung Nisut Elas im Jahre 32 S.G. mit Frencaal vereinigt wurde.

(ausführliche Stadtbeschreibung Khefu)

Strámin

"Wenn dies alles war, dann begebe ich mich wieder an meine Arbeit, Eure Majestät." Dio de Cavazo hatte sich schon halb aus seinem Lehnstuhl hochgestemmt, als ihn eine Handbewegung der Nisut zurückhielt. Peri III. zog einen Bogen Papier aus dem Stapel auf ihrem Schreibtisch hervor und begann mit kratzender Feder zu schreiben.
De Cavazo lehnte sich in seinen mit Schnitzereien verzierten Sitz zurück und wartete mehr oder weniger geduldig. Sein Blick schweifte über das Terrassengeländer hinaus über die hellbraunen Fluten des Astaroth hin zum Südmeer, das in der Sonne des Nachmittags glitzerte. Wenn die Nisut in Khefu weilte, ließ sie sich nie die Gelegenheit entgehen, mit ihrem Kanzler einige Fragen von Angesicht zu Angesicht zu klären. Die Terrasse der Stadtresidenz hatte sich als guter Verhandlungsort erwiesen. Falls das Wetter es zuließ, konnten sie hier beraten, ohne das neugierige Augen und Ohren zu nahe gekommen wären. Und auch mit Zaubertricks hätte sich wohl niemand über die Staatsgeschäfte des Káhet informieren können, dafür sorgte Dio de Cavazo schon höchstselbst.
Nur hätte es nach seinem Geschmack ruhig etwas zügiger gehen können. Aber da die Nisut schon seit ihrer Geburt nicht in der Lage war zu sprechen, beschränkte sich ihr Teil der Unterhaltung auf das Schreiben von Notizen. Das gehörte zu den Eigenheiten der Herrscherin, die de Cavazo wohl nie verstehen würde. Wenn sie nur gewollt hätte, so wäre diese kleine Unpäßlichkeit doch schon längst mit Magie behoben. Nunja, so mußte er sich eben in Geduld üben.
In letzter Zeit zogen sich die "Besprechungen" immer länger hin. Seit Peri III. ihren Rücktritt zu Gunsten ihrer Tochter angekündigt hatte, schien sie in einen wahren Arbeitseifer verfallen zu sein, um alles für einen reibungslosen Wechsel in die Wege zu leiten. Ganz ohne Schwierigkeiten würde es nicht vonstatten gehen, da war der Kanzler sicher. Kronprinzessin Ela wurde beim mächtigen Boronsklerus trotz des Antritts ihres Noviziats im Orden teilweise immer noch mit großer Skepsis gesehen, und da war ja auch noch ihre überaus "glaubensfeste", geächtete Schwester Rhônda, die mit den ihr ergebenen Truppen in Anûr jede sich bietende Scwhäche des Nisutthrons zur Usurpation ausnutzen würde.
Dio de Cavazo würde eine gewichtige Rolle spielen, wenn es erst einmal wirklich an den Wechsel auf dem Thron gehen würde, soviel stand fest. Er galt bisher als Unterstützer der Prinzessin Ela, doch es mag alleine an den mangelnden Alternativen liegen, die ihn bislang nicht auf Abstand zu der jungen, immer mehr zu orthodox-religiösen Ansichten neigenden Ela gehen hat lassen. Die ungeliebte Boronskirche würde er nicht zu mehr Zurückhaltung bringen können, doch seine neue Taktik, den Feind zu umarmen anstatt ihn zu bekämpfen, schien estaunliche Erfolge zu. Wenn dies nebenbei noch seine eigene Macht steigern konnte, um so besser.
De Cavazo schrak aus seinen Gedanken auf. Erst jetzt bemerkte er, dass das Kratzen der Gänsefeder schon geraume Zeit aufgehört hatte. Wie lang hatte die Nisut ihn schon fixiert? Ihre schwarzen Augen blickten unergründlich und zugleich auf seltsame Weise spöttisch, wie es de Cavazo schien. Nicht zum ersten Mal fragte er sich, ob die zierliche schwarzhaarige Frau als Ersatz für ihre Stimme nicht über andere Sinne verfügte. Sie schien viel mehr als nur das Äußere der Menschen zu sehen.
Schließlich reichte sie das Papier über den Schreibtisch. Nur wenige Zeilen standen darauf. Also musste sie ihn schon geraume Zeit beobachtet haben, während er seinen Gedanken nachhing. "Ah, Treles Dornenstein, der Leibarzt." Peri III. nickte. "Die Rettung des Kleinadels und des Konvents liegt in seiner Abschaffung", zitierte de Cavazo aus dem Gedächtnis das Protokoll des jüngsten Zwischenkonvents. "Eine bemerkenswerte Idee, die der junge Mann da hat. Nur bezweifle ich, leider, leider, dass er sie durchsetzen kann. Ein Amtsadel ohne zwingenden Landbesitz und ohne Erbrecht auf den Titel. Damit wird Dornenstein unter seinen Standesgenossen ziemlich alleine stehen. Aber vielleicht erweisen sich seine Ideen als ganz nützlich, um den einen oder anderen Aufmüpfigen von Adel am Zügel zu halten. Ihr wißt, Majestät, daß ich in dieser Angelegenheit ganz der Meinung Seiner Excellenz bin." Lächelnd entsann sich der Kanzler an seine so sehr geliebten Polemiken gegen den von ihm wenig respektierten Stand. "Gut, ich werde sehen, was sich über den jungen Mann an Nachrichten auftreiben lässt." Nun erhob sich der Kanzler und verneigte sich fast ungehörig knapp vor seiner Nisut. "Erwartet meinen Bericht in wenigen Tagen."

Die Tásah Strámin umfasst das Fischerdorf Strámin sowie die Weiler Bankat und Fjulmin sowie eine Handvoll Bauernhöfe auf der Landzunge, die sich im Westen der Provinz Frencaal nach Süden in Richtung der Insel Dâs'sel erstreckt.
Das Dorf Strámin an der Mündung des Lothbeth ins Meer ist die größte Ansiedlung auf der Landzunge und bietet in seinen kleinen, aus Ziegeln gemauerten Häusern dennoch nur rund 60 Einwohnern und Einwohnerinnen ein Zuhause. Die meisten Bewohner sind Fischer, die im küstennahen Gewässer auf Fangfahrt gehen. Die Fische werden am Strand getrocknet und an Händler aus Khefu verkauft. Ab und zu findet ein Fischer auch mal eine kleine, nicht besonders wertvolle Perle zwischen den Korallen. Um das Dorf herum haben die Einwohner einige Gemüsegärten angelegt. In Rufweite des Orts liegen drei Bauernhöfe. Wie die übrigen Bauern halten sie auf der inzwischen komplett entwaldeten Insel Ziegen und Schafherden, um Käse und Wolle zu verkaufen. Obwohl Strámin so klein ist, gibt es hier doch einige wenige besondere Gebäude:

Schenke "Zum Rochen":
Das große, aber niedrige Fachwerkhaus liegt an dem kleinen Dorfplatz mit der großen Zeder gegenüber dem Borontempel. Wirt Boretung schenkt hier abends Wein, Bier und Branntwein aus. Seine Gäste kommen aus allen drei Dörfern, von denen keines mehr als eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt ist. Boretung vermietet auch drei kleine Zimmer, falls einmal Händler in den Ort kommen. Außerdem hat er hinter der Theke ein kleines Lager mit allen möglichen Waren, die die Bewohner der Gegend nicht selbst herstellen.

Der Boronstempel:
Das einzige Gebäude aus Basaltsteinen dominiert den Dorfplatz. Der Geweihte Loros Bornsang sorgt hier mit zwei jungen Kaplänen für das Seelenheil der Bauern und Fischern aus den umliegenden Dörfern. Der kleine Tempel stellt mit seinem Querschiff und den drei großen Fenstern aus Buntglas zugleich auch die einzige bauliche Sehenswürdigkeit der Gegend dar. Loros hat zur Zeit zwei Kapläne unter seinen Fittichen, was für einen kem'schen Dorftempel eine stattliche Zahl an Geweihten bedeutet. Bormivorn Tjernaus ihnen versieht im Rahmen seiner Ausbildung erst seit wenigen Wochen den Gemeindedienst in Strámin, während seine Glaubensschwester Falacantara M'Bikeb fast zwei Jahre hier war und bald eine eigene Gemeinde übernehmen wird.

Jagur-Docks:
An der Mündung des Lothbeth gelegen, betreibt die Familie Jagur mit ein paar Arbeitern den einzigen Handwerksbetrieb der Gegend. Vor allem Fischerboote entstehen in dem langen Holzschuppen am Rand des Dorfs. Seltener fertigen die Jagurs auch kleine, einmastige Schiffe, die kürzere Strecken auf hoher See zurücklegen können. Die Bootsbauer sind bekannt für ihre solide Arbeit und verkaufen ihre Gefährte auch an weiter entfernte Küstenorte. Außerdem fertigen sie so ziemlich alles an Holz- und Metallarbeiten für die Bewohner der Umgebung an, was diese nicht selbst herstellen können.

Der Gutshof des Sah:
Das lang gestreckte Haupthaus steht auf einem Hügel nördlich Strámins. Es ist komplett aus hellen Backsteinen errichtet. Ein kleiner Turm ragt aus dem Ostflügel heraus. Ein großes hölzernes Gebäude dient als Stall und Scheune. Auf dem Gutshof leben die Familie des Verwalters Remu Tshiani und zwei Diener. Insgesamt ist es nur ein kleiner Haushalt. Der Hof bearbeitet die zugehörigen Ländereien nicht selbst, sondern hat sie an die Bauern der Umgebung verpachtet. Außerdem leben seine Bewohner von den Abgaben der Einwohner.

Im Folgenden seien die wichtigen Personen in Strámin aufgeführt:

Remu Tshiani:
Der Verwalter Treles' ist in Abwesenheit des Sah, also fast immer, die mächtigste Person der Tásah. Er erfüllt in Personalunion die Aufgaben des Gutsverwalters, Vertreters in herrschaftlichen Aufgaben und Büttels von Strámin. Treles gibt zahlreiche Aufgaben an ihn ab, die eigentlich zu seinen hoheitlichen Pflichten zählen. So hat Remu etwa die absolute Hoheit über das Einsammeln der Abgaben. Dabei wirtschaftet er eifrig in die eigene Tasche, so dass er auch der reichste Mensch in der Gegend ist. Da Treles sein kleiner Zuständigkeitsbereich herzlich egal ist, hat er bisher nichts davon bemerkt. In der Bevölkerung wissen viele über Remus Machenschaften Bescheid, aber niemand stört sich daran. Remu ist kein Tyrann, und die Abgaben bleiben gering. Die Leute befürchten, dass die Steuern und Handdienste steigen würden, wenn der Herr aus der Stadt häufiger da wäre und sie ihn bewirten müssten. Remu ist ein etwa 40-jähriger, schlanker Mann mit schwarzen Haaren. Seinen Tag verbringt er damit, im Herrenhaus des Gutshofs wie ein Sah' zu leben, gelegentlich die drei Dörfer abzureiten, ansonsten alle Verwaltungsaufgaben zu regeln, natürlich immer mit einem kleinen Profit, und Treles Dornenstein alle paar Monate zu berichten, dass alles in Ordnung ist.

Th'lashmar Jagur:
Sie ist die Älteste der großen Fischerfamilie Jagur. In dieser Funktion ist sie so etwas wie die Sprecherin aller Fischer aus dem kleinen Sah. Wer seinen Lebensunterhalt auf dem Meer verdient, beugt sich dem Wort der Matrone. Ihre drei kräftigen Söhne haben seit einigen Jahren die Leitung der Jagur-Docks übernommen.
Th'lasmar hat die Fünfzig deutlich hinter sich gelassen. Ihre durchdringende Stimme und ihre gewaltige körperliche Erscheinung zwingen jedem Gegenüber Ehrfurcht auf. So mancher Fischer würde es lieber mit einer wütenden Walrosskuh aufnehmen als Th'lashmar.

Boretung:
Der Wirt des "Rochen" stammt nicht aus Strámin. Als Unteroffizier wurde er nach dem Befreiungskrieg mit Auszeichnungen für treue Dienste aus der nisutlichen Armee entlassen und kaufte sich mit der Abfindung die Kneipe. Es wird gemunkelt, dass er weit aus dem Norden kommt und in allen möglichen Kriegen an wechselnden Seiten gekämpft hat. Aber obwohl er sonst viele Geschichten kennt, erzählt er wenig von seiner eigenen Vergangenheit. Boretung ist so etwas wie die "Zeitung" des Dorfs, weil bei ihm an jedem Abend die Fischer, Bauern und Holzfäller zusammenkommen, außerdem schlagen die fahrenden Händler bei ihm ihr Lager auf.
Boretung ist etwa 50 Jahre alt. Der alte Krieger hat inzwischen einen deutlichen Bauch angesetzt, verfügt aber immer noch über beachtliche Kräfte, was er bei der einen oder anderen Kneipenschlägerei unter Beweis gestellt hat. Er trägt einen gewaltigen Schnauzbart und über die bei Wirten nicht so seltene Fähigkeit, mit allen möglichen Leuten schnell Freundschaft zu schließen. Ärger gibt es nur gelegentlich mit dem Boronsgeweihte Loros. Wenn es in der Kneipe mal wieder boronungefällig laut zugegangen ist, geraten die Männer schon einmal heftig in Streit miteinander. Aber spätestens nach zwei Tagen sitzt Loros wieder bei einem Versöhnungswein auf einem Bank im "Rochen".

Loros Bornsang:
Der etwa 40-jährige Geweihte stammt ebenfalls nicht aus dem Ort. Er kam gleichzeitig mit Boretung an und war zuvor Militärkaplan gewesen. Die beiden Männer verbindet eine herzliche Freundschaft, bei der ab und zu auch mal ein paar laute Worte fallen. Meistens ist Loros daran schuld. Denn das Temperament, das seine Predigten so beliebt macht, geht manchmal mit ihm durch. Loros ist eher klein gewachsen, hat eine glänzende Glatze und ausgeprägte O-Beine. Allerdings sind seine Autorität und die Rage seiner Predigten Grund genug, dass niemand sich über ihn lustig macht.

Amalfa:
Die alte Frau wohnt in einer kleinen, windschiefen Hütte, hoch auf den Klippen, rund eine Viertelstunde Fußmarsch vom Dorf weg. Wie lange Amalfa dort wohnt, wo sie herkommt, wie alt sie wirklich ist und wovon sie eigentlich lebt, das weiß niemand. Die Fischer munkeln viele unheimliche Geschichten über sie. Die alte Hexe könne sich in einen Fisch oder eine Möwe verwandeln, sammle merkwürdige Kräuter und außerdem sei ihre Hütte an den Namenlosen Tagen immer verlassen; nicht dass sich zu dieser Zeit jemand da raus trauen würde. Trotzdem bekommt Amalfa regelmäßig Besuch. Sie betreibt einen schwunghaften Handel mit Liebestränken, Talismanen gegen die Gicht und Zukunftsprophezeiungen.

Der Weiler Bankat mit rund 40 Einwohnern liegt im Norden der Tásah am Rand des Sumpfsteinwaldes. Die meisten Einwohner verdienen ihr Geld als Holzfäller. Außerdem gibt es auch einige Fuhrleute, die die Stämme in die größeren Orte der Umgebung zur Weiterverarbeitung bringen.
Er ist der Anführer der Holzfäller, Rainindas, spricht in öffentlichen Angelegenheiten für die bevölkerung, führt den Vorsitz bei Holzauktionen und übt zugleich das Amt des Büttels aus. Rainindas ist ungefähr 45 Jahre alt, dennoch ziehen sich erst wenige graue Strähnen durch sein Haar und den dichten, dunklen Vollbart, der sein Gesicht umrahmt. Seine hochgewachsene und muskulöse Gestalt zeugt von einem Leben, das vor allem aus harter Arbeit besteht.
Neben Rainindas ist noch Render Lurzas zu erwähnen. Dieser ist ein ganz normaler Holzfäller wie alle anderen auch, darüber hinaus scheint er ein sehr geschickter Jäger zu sein, der oft die Axt aus der Hand legt, um mit seinem Bogen für mehrere Tage im Sumpfsteinwald zu verschwinden. Die wertvollen Felle, die er auf seinen Ausflügen erbeutet, haben seiner Familie einen bescheidenen Wohlstand ermöglicht. Allerdings ist das nur die halbe Wahrheit. Sicherlich geht er oft jagen, aber noch häufiger verbringt Render seine Ausflüge in einem Räuberlager mitten in den Mangroven, in denen der Sumpfsteinwald in das Meer übergeht. In dem unwegsamen Gelände hat der Räuberhauptmann Zal'dirm, "der Rote", sein Lager aufgeschlagen. Die Bande verfügt über etwa ein Dutzend Leute. Von ihrem bisher unentdeckten Versteck in den Mangroven haben sie in den zurückliegenden zwei Jahren schon so manchen Raubzug gestartet. Dabei sind sie klug genug, nur selten die unmittelbare Umgebung heimzusuchen, sondern mit dem kleinen Einmaster, den sie zwischen den Mangroven versteckt haben, zu weiter entfernten Siedlungen zu segeln und dort Häuser auszurauben. Render stellt für die Bande eine wichtige Verbindung zur Außenwelt dar. Er versorgt sie mit Informationen für die nächsten Überfälle und mit Ausrüstung, die sie in ihrem Lager gebrauchen können. Beides sammelt er in der Hauptstadt, wenn er zum Verkaufen seiner Felle dorthin wandert.

Der kleine Fischerort Karghafen ist eigentlich nur eine Ansammlung von ein paar Hütten mit rund 20 Einwohnern. Die Hütten stehen am südlichen Ende der Landzunge auf einer steilen Klippe hoch über dem Wasser. Unten am Strand sind die Boote festgemacht, denn die Einwohner verdienen ihren Lebensunterhalt mit der Fischerei. Wichtigste Person ist dort Egbart Fischer. Der junge Mann hat vor zwei Jahren von seinem alten Vater das Amt des Büttels übernommen und versieht es mit großem Eifer, obwohl es in seinem Nest natürlich kaum etwas zu tun gibt. Egbart ist 20 Jahre alt, hat kurze, blonde Haare und ist von der Wichtigkeit seines Amts und seiner Person fest überzeugt

Die Tásah Zut'hedsh und die Arx Pallida -
Stammsitz des altehrwürdigen kem´schen Hauses Pâestumai

Übersicht über den Zentral-
bereich der Arx Pallida.
Blau die Villa, rot die
Wirtschaftsgebäude.
Über die Geschichte des Hauses Pâestumai und seiner Mitglieder wurde zu einem früheren Zeitpunkt schon berichtet. Heute steht die prächtige Residenz der Familie im wunderschönen Frencaal im Mittelpunkt der Berichterstattung.

Etwas mehr als einen halben Tagesritt von der Capitale in nordöstlicher Richtung entfernt, liegt das kleine beschauliche Dörfchen Zut´hedsh. Von einer wehrhaft aussehenden Pallisade umgeben, welche nur durch zwei beschlagene Tore zu passieren ist, stellt Zut`hedsh einen weitaus respektableren Weiler dar, als dies manch anderes Dorf in Kemi tut. Das Dorf selbst ist schon ganz durch die nahe Residenz geprägt, welche nur eine halbe Sanduhr später über eine extra angelegte Nebenstraße zu erreichen ist. Zahlreiche Häuser, einige mehr als nur die öffentlichen Gebäude, sind aus Stein erbaut und säumen die Straßen. In ihnen wohnen Bauern und Handwerkerinnen, welche fast alle im Dienste des Hauses Pâestumai stehen. So findet sich für die knapp siebzig Seelen, welche hier wohnen, eine erstaunlich hohe Anzahl von unterschiedlichen Handwerksberufen: Ein Grob- und ein Feinschmied, eine Schreiberin, welcher hier im Auftrag des Sahs ni Zut´hedsh Dienst tut, eine Kürschnerin, eine Färberin, ein Schneider, zwei Baumeister und viele andere, die sich andernorts in dieser Vielfalt nicht halten könnten. Doch das Haus Pâestumai hat ständig einen Bedarf an qualifizierten Handwerkern und Handwerkerinnen, und Zut´hedsh ist für viele Waren, welche von den Plantagen der Familie aus Djerniako und Frencaal kommen, Zwischenstation, bevor sie weiter nach Khefu transportiert werden. Dort werden sie dann anschließend in die unterschiedlichen Länder des Kontinentes verschifft. Hier wird vor allem der auf den Plantagen getrocknete Tabak weiter verarbeitet und mit dem über die Grenzen des Káhet ni Kemi bekannten "Gülden Hedsch" Deckblatt versehen. Neben einer Vielfalt an Handwerk ist auch eine erstaunliche Vielfalt an Völkern zu sehen. So haben sich hier zwei kleine Zwergensippen und auch eine Familie tulamidischer Herkunft niederglassen. Die Zwerge sind für die Minen der PâestMorga zuständig, so daß meist nur die Hälfte der Sippenmitglieder im Dorf ist, während die anderen unterwegs sind. Die Tulamiden überwachen und erweitern vor allem die komplizierte Be- und Entwässerungstechnik, mit der ein unkontrolliertes Überfulten der zahlreichen Plantagen und Ackerflächen des Hauses verhindert wird.
Das einst kleine Dörfchen Zut´Hedsch ist mittlerweile ganz und gar auf die Belange der Familie ausgerichtet und es heißt, daß nicht wenige dort einen passablen Dolch oder gar Schwereres "unter dem Bett" verbergen, um sich im Zweifel nicht nur wortstark für die Familie einzusetzen.

Ansicht vom Boronsflügel (rechts)
auf den Haupteingang
Empfangshalle im Nord-Süd Flügel.
Arx Pallida selbst ist - ausgenommen die Bauwerke der Alleinseligmachenden Heiligen Boron-Staatskirche - eines der gleichzeitig ältesten, größten und prächtigsten Bauwerke im ganzen Reich. Größtenteils von Zerstörung verschont geblieben - was jedoch zahlreiche Plünderungen nicht ausschließt - blieb so bis heute vieles von der ursprünglichen Bausubstanz erhalten. Inmitten weitläufiger Seen, von großzügigen Anlagen umgeben, liegt das Hauptgebäude, welches nahezu vollständig aus Tiik-Tok-Holz erbaut wurde. Ein Holz Deres, welches üblicher Weise wegen seiner Leichtigkeit und Beständigkeit gegenüber Witterungseinflüssen im Schiffsbau verwendet wird. Einzig die Fundamente und wenigen Kellerräume, welche das Anwesen besitzt, sind aus Basaltgestein erbaut. Das Dach war einst mit Holzschindeln gedeckt, doch diese wurden jetzt durch Schiefer ersetzt. Ein kostspieliges Vergnügen in einem Reich, wo jegliches Baugestein knapp ist und der Import teuer. Gemessen an seiner Bewohnerzahl, ist das Hauptgebäude von gigantischem Ausmaß. Zwei im rechten Winkel zueinander stehende Flügel von jeweils etwa dreißig Schritt Länge werden durch einen Mittelbau verbunden. Ein Flügel ist in Süd-Nord-Richtung und der andere - folglich - in West-Ost-Richtung erbaut. Ein octogonaler Bau - der sogenannte "Boronflügel" - befindet sich am nördlichen Ende des einen Flügels. Der Boronflügel wurde nach umfangreichen Renovierungsarbeiten erst kürzlich wieder eröffnet. In ihm befinden sich die Wohn- und Schlafgemächer der Familienangehörigen.

Die Tsaterrasse
An der westlichen Seite des Boronflügels befindet sich die überdachte Tsaterasse, von der aus man einen wunderbaren Ausblick auf den großen Lotussee hat, welcher im "Sommer" einen betörenden Duft verströmt. Um das äußerst lästige stechende Viehzeug bei Dämmerung und Nachts fern zu halten, kann die ganze Terasse mit einem feinen Hehefliegennetz verschlossen werden, welches feinster Webkunst des Alten Reiches entspricht. Die Schnitzarbeiten an der Holzkonstruktion, welche die Überdachung trägt, ist altkem´schen Ursprungs, obwohl man rasch auf die Arbeit eines tulamidischen Meisters schließen würde. Es werden Naturdarstellungen von der Vielfalt Tsas Schöpfung in Fauna und Flora gezeigt, welche ihresgleichen im Reich suchen. Der Boden besteht aus grauem Marmor, welcher im Nargo-Gebirge im östlichen Tárethon gebrochen wurde. Er zählt zu einem der ältesten und ursprünglichen Teile des Hauptgebäudes. Das Dach der Tsaterasse wird von Ausschnitten des südaventurischen Sternenhimmels verziert. In Zeiten, da mehr Betriebsamkeit auf Arx Pallida herrschte, wurden hier auf der Tsaterasse zahlreiche Abende mit kulturellem Programm kem´scher darstellender Kunst veranstaltet. Heute, da die Familienmitglieder über das ganze Reich verstreut wohnen, ist die Betriebsamkeit von einst Geschichte, und nur noch selten findet man hier einen Hausbewohner bei der Lektüre.

Der gen Norden ausgerichtete Flügel, welcher im Boronsflügel endet, ist nahezu ausschließlich dem privaten Gebrauch der Familie vorbehalten. Hier befinden sich Arbeits- und Salonräume und einige Gemächer privater Dienerschaft.

Blick auf die Glasfront
des großen Festsaals
Der in West-Ost-Richtung verlaufende Flügel dagegen ist offiziellen Anlässen vorbehalten. In ihm befinden sich neben der großen Eingangshalle, der große Festsaal am westlichen Ende, sowie Audienz- und Aufenthaltsräume. Der große Festsaal ist der einzige Raum, bei dem sich einst der Luxus von Glasfenstern gegönnt wurde. Und das gleich in einer großen Front nahezu über die ganze Länge bestehend aus mehreren Elementen, die im Bedarfsfall geöffnet werden können, um eine frische Brise in den Raum hinein zu lassen. Der Boden des Festsaales besteht aus einem tulamidischen Mosaik, das bereits einige Generationen vor Tanîth Pâestumai gelegt wurde. Es zeigt neben Darstellungen aus dem fernen Kalifat auch Bilder der alten kem´schen Geschichte. Jeder ruhmreichen Dynastie ist ein Kapitel gewidmet und die Taten und Errungenschaften des Volkes der Kemi sind in idealisierter Weise dargestellt. Die Decke wird von Schildpattarbeiten geziert.

Das Grabhaus auf dem Anwesen
mit den Familiengrüften
der letzten Generationen
In diesem Flügel befinden sich auch fünf geräumige Gästezimmer, von denen vier keine Ansprüche an Luxus und Behaglichkeit unerfüllt lassen. Das fünfte jedoch ist ganz auf die asketischen Bedürfnisse der Angehörigen der Alleinseeligmachenden Heiligen Boron- und Staatskirche ausgerichtet.

Östlich vom Hauptgebäude gelegen befinden sich zahlreiche weitere, steinerne Gebäude, in denen sich Lagerräume und Unterkünfte von Arbeitern befinden, welche auf der Plantage beschäftigt sind. Jene Plantage schließt sich unmittelbar an Arx Pallida an. Dort werden die berühmten Pferde des Hauses Pâestumai gezüchtet, welche als einzige Rasse in der Lage sind, das unerträglich schwüle Klima des Reiches auch unter größerer Belastung zu ertragen. Wer hier arbeitet und wohnt, hat es um ein Vielfaches besser, als jene bedauernswerten Kollegen, die für einen Hungerlohn anderenorts schuften.

Die gesamte Villa ist von weitläufigen Parkanlagen umgeben, an die sich im Westen und Süden schließlich die Koppeln der Pferdezucht mit den dazugehörigen Gehöften anschließt. Überwiegend wurden die Grünanlagen ihrem natürlichen Wuchs überlassen, doch in der unmittelbaren Nähe der Villa findet man auch sorgfältig gepflegte Anlagen mit Beeten in denen sich exotische - hier eher wenig beeindruckende - Pflanzen finden lassen. Im Gegensatz zu seinem Freund, Calzin Morgarnor, pflegte Wohlgeboren Tanith nicht das aufwendige Freizeitvergnügen der Orchideenzucht.

Auf dem gesamten Anwesen finden sich zahlreiche Wachen und Bedienstete, die ab und an auch so aussehen, als ob ihnen der Gebrauch eines Säbels nicht fremd wäre. Tatsächlich verbergen sich hinter zahlreichen Aufsehern ehemalige Söldner, die den Befehlston gewöhnt sind und sich heute, oft mit ihren Frauen seßhaft geworden, ihr Brot auf den Plantagen verdienen. Da sie in weiser Voraussicht gut bezahlt werden, dürften sie im Zweifel auch bereit sein, ihr Leben bei der Verteidigung des Anwesens aufs Spiel zu setzen. Einige von ihnen leben bereits in der zweiten Generation auf dem Anwesen.
Die Dienerschaft und die Wachen Arx Pallidas sind sorgfältig ausgesucht und auch wenn sie nicht selten unter der Tyrannei Tanîths leiden, über nahezu jeden Verdacht erhaben. So befinden sich im Innern Arx Pallidas auf zahlreichen Gängen Geheimfächer, in denen sich leichte Armbrüste, die mit vergifteten Pfeilen bestückt werden können, und befinden. Fast jeder Diener ist in der Lage und im Notfall, wenn es um das eigene Leben geht, auch bereit, Eindringlinge damit zu treffen. Doch der letzte (einzelne) Eindringling wurde vor 48 Götterläufen gesehen und verließ das Anwesen mit sechs Bolzen im Körper, die Hand immer noch in der gleichen Haltung, mit der er nach der kleinen Elfenbeinstatue in einem der Räume griff...

Tanîth Pâestumais Schlafgemach
Bei den Bewohnerinnen und Bewohner des Anwesens sind natürlich zunächst die Angehörigen der Familie Pâestumai zu nennen. Heute leben nicht mehr allzu viele Familienmitglieder ständig auf der Arx Pallida. Zum einen wohnt seit dem Tod des alten Tanith Pâestumai dessen Neffe, Tanîth Pasqua Pâestumai d.J., zusammen mit seiner Gemahlin, die aus einem einflußreichen Grangorer Handelshaus stammt, und zwei seiner drei Kinder auf dem Anwesen. Des Großinquisitors Boronîan Varzim Pâestumai Gemahlin weilt hier des öfteren, wenn ihr das bunte Treiben im Stadthaus der Capitale zu viel wird. Somit ist auch ihr Gemahl mehr als zuvor auf dem Familiensitz. Letzterem ist aber der "Prunk" der Villa zu üppig, so daß ihn mehr die Familienbande hierher ziehen als die Abgeschiedenheit und Ruhe vom hektischen Treiben der Capitale.
Auch einer der Brüder Tanith Pasqua d.J., Ned'jem Pâestumai und seine Frau, Carilya Shêpses'Nuut, wohnen zusammen mit ihren Kindern und einigen Angehörigen auf Arx Pallida. Sie kümmern sich in erster Linie um die berühmte Pferdezucht des Hauses. Fast ständig weilen einige Verwandte der Familie Pâestumai oder Freunde aus dem Haus Morganor als Gäste auf dem Familiensitz.
Zusammen mit etwa zwei Dutzend Dienern, den rund 50 Plantagen Arbeitern, teilweise mit ihren Familien, und einer unterschiedlichen großen Zahl an Bittstellern und Klienten, ist Arx Pallida alles andere als ein ruhiger Ort. Wer hier arbeitet, kann sich glücklich schätzen, nicht das Los seiner Kollegen teilen zu müssen, die andernorts für einen Hungerlohn auf den Feldern schuften. Wer hier als Bittsteller hinkommt und ein gerechtes Anliegen vorbringt, dem wird geholfen werden. Doch nicht minder schwer fallen Tadel und Strafen aus, wenn man das Vertrauen der Familie enttäuscht oder gar mißbraucht hat. Gerüchten zufolge, haben manche Arx Pallida als gerettete Familienväter verlassen. Andere verließen das Anwesen nie mehr...
Es erfordert viel Erfahrung, Geduld und Aufwand, die Belange des riesigen Anwesens zu koordinieren. Seit seinem halben Leben macht dies der Majordomus der Familie, Tut'set Shêpses Naaks'anamun. Seine Familie befindet sich seit vier Generationen im Dienste der Pâestumai. Kaum ein anderer - nicht Familienangehörige - hat jemals soviel Vertrauen und Einfluß in dem altehrwürdigen Haus genossen, wie er. Seine Familie ist aufs engste mit seinen Patronen verbunden. Abhängig von Rang und Einfluß tun Angehörige der Shêpses Naaks'anamun Dienst in den Schreibstuben der Handelsgesellschaft, als Verwalter oder arbeiten als einfache Tagelöhner auf den Plantagen. Tut'set sah Pâestumais aufsteigen und fallen. Er sah sie kommen und gehen, geboren werden und sterben. Mitlerweile ist er selber weit über siebzig Götterläufe alt und nach dem Tot des alten Familienpatriarchen scheint es so, als ob er seine Aufgaben bald an seinen ältesten Sohn, Nerhegep Shêpses Naaks'anamun, übertragen wird. Dann soll eine jüngere Generation fortan die Geschicke des Anwesens leiten.
Ständig befinden sich zwei Angehörige der morganor'schen Kriegerkaste auf dem Anwesen, dazu tut ein Milizionär Dienst im im nahen Zut'hedsh. Hinter vorgehaltener Hand wird aber gemunkelt, daß sich das Haus Pâestumai nicht mit solch einer geringen Bewachung in so unsicherem Gebiet zufrieden gibt. Die Anzahl der von Zeit zu Zeit zusätzlich anwesenden Wachen ist ein eindeutiges Indiz dafür, welch hohen Ranges die jeweiligen Bewohner Arx Pallidas sind. Spätestens wenn die Respekt und Wehrhaftigkeit vermittelnden Zer Nimut Mut'adschin oder mehrere Angehörige der Kriegerkaste des Hauses Morganor hier Quartier bezogen haben, weiß man WER anwesend ist.

Ein Landsitz von der Größe und Bedeutung der Arx Pallida birgt natürlich auch das ein oder andere Geheimnis. Arx Pallida ist ein Ort, an den nur wenige Besucher gemeinen Standes kommen, die nicht mit dem Haus Pâestumai verbunden sind. Meist sind es Klienten, (Hoch-)Adlige des Reiches, einflußreiche Geschäftspartner aus allen Damen Länder oder Botschafter verbündeter Reiche. Kaum jemandem von ihnen erhält die Gelegenheit, die privaten Gemächer im Ost-West-Flügel zu betreten. So wundert es nicht, daß sich zahlreiche Gerüchte um diesen Bereich ranken, mehr noch als um das ganze Anwesen. Von Geheimkammern, in denen sich der Reichtum der Familie in Gold und Juwelen verbergen soll, oder von Archiven, in denen kompromittierende Dokumente über die Höchsten dieses und anderer Reiche vorhanden sein sollen. Natürlich gibt es auch das Gerücht, daß sich außer der Einrichtung, gar keine Reichtümer mehr auf Arx Pallida befinden sollen. Der Mythos von der Mächtigkeit und Allgegenwärtigkeit der Familie wird tunlichstgeschürt, verschafft er doch - neben Neidern - auch einen gehörigen Respekt, der sich bei (Geschäfts-) Verhandlungen manchmal als nützlich erweist. Viele der genannten Geheimnisse in all ihren Ausführungen muß in den Bereich von Fabeln und Phantasien verbannt werden. Einiges aber sicherlich auch nicht.

von René Böcker, Sven Liebing, Volker Thieß

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