Neseru Stut-Ymi'keku - K.I.S. Khefu 15:0
Auf höchst unsanfte Weise endete der Höhenflug von K.I.S. Khefu im Viertelfinale des Nisut-Pokals. In der Vorrunde war der Militärauswahl die Sensation gelungen, die Wachteln aus Merkem und die Tiger aus Sendsh'gerhi zu schlagen und so als Turnier-Fünfzehn die weit erfahrenen Liagauswahlen aus dem Wettbewerb zu werfen, so daß man sich vor dem Viertelfinale gegen die Meisterin durchaus Chancen ausrechnete. Neseru nahm die Gegnerin durchaus ernst, hatte man doch im Vorrundenspiel gegen Yleha gemerkt, wie verbissen auch Außenseiter zu kämpfen verstehen.
Neseru ging deshalb hoch konzentriert in diese Begegnung, maximaler Einsatz sollte die spielerische Überlegenheit der Meisterin zur Geltung bringen, und das Konzept ging - zur großen Freude des zahlreichen Publikums - auf. Die Spielerinnen und Spieler der Meisterinnen ließen der Militärauswahl keine Luft zu atmen und schnürten diese in der eignen Hälfte ein, ohne dabei das Toreschießen zu vergessen. K.I.S. Khefu fand kein Konzept gegen den Sturmlauf der Neserus, und zeigte auch durch die fortwährenden Pfiffe und Buhrufe des Publikums erstmals Nerven. Betreuer Torbenson, der Pottwal, bemühte sich zwar um Ordnung und Widerstand, doch die vom einmal mehr überragenden neuen Kapitän Krsh'Rysh Zssrkh geführten Neserus trafen wie sie wollten und gingen mit einem beruhigenden 12:0 in die Pause - K.I.S. hatte noch nicht einen Torschuß zu verzeichnen.
Die zweite Hälfte begann wie die erste geendet hatte, Neseru erhöhte vom Anstoß weg auf 15:0 und schickte sich an, weiter mit vollem Tempo und Einsatz weiterzuspielen: der Anstoß von K.I.S. Khefu wurde abgefangen, ein steiler Paß von Henem'iwen fand Kapitän Krsh'Rysh Zssrkh, der sofort aus halblinker Position abzog, jedoch in Tormann Torbenson seinen meister fand. Der abgewehrte Schuß wurde von aufgenommen, Jasuar Hacklinser aufgenommen, der einen wuchtigen Befreiungsschlag ausführte - und Schiedsrichter Cato direkt ins Gesicht traf. Der Feldrichter ging sofort zu Boden und war erst nach langer Zeit wieder aus der Bewußtlosigkeit zu wecken. Die bebrochene Nase des Feldrichters bewahrte K.I.S. Khefu also vor weiteren Toren, denn das Reglement schreibt einen Spielabbruch bei Wertung des aktuellen Spielstandes bei Ausfall des Feldrichters vor, und Cato konnte das Spiel unmöglich weiterleiten.
Noionitensturm Morek - Feuervogel Djett 23:8
Keine große Mühe hatte der Noionitensturm Morek gegen die Außenseiterin aus Djett im Viertelfinale. Getragen von der Euphorie des hohen Vorrundensieges gegen Semjet fegten die Insulaner und Insulanerinnen die Gegnerin förmlich vom Platz. "Wir spielen für den Abt!", so der Noionitenstürmer Gellibert Tadsh'daun vor dem Spiel, "Wir wollen nicht, daß er von uns enttäuscht ist und es bereut, daß wir das Turnier fortgesetzt haben!" Und so wirbelte der Sturm noch immer voller Zorn über die gemeingefährlichen Aktionen von Vorwärts Dreiwegen in der Vorrunde über den Platz, so daß es eine wahr Freude war. Djett mühte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten ehrenhaft und wacker, konnte jedoch den Klassenunterschied nicht überwinden. Natürlich kam dem Noionitensturm auch die zahlenmäßige Überlegenheit sehr zugute, nach dem "Gemetzel" zwischen Djett und Táyârret in der Vorrunde fielen Feuervogel nicht nur einige der besten Spieler und Spielerinnen aus, auch konnten nicht mehr als 14 Spielerinnen und Spieler aufgeboten werden. Der Moral abträglich war bei Feuervogel auch, daß der mit einer langen Sperre belegte Stürmer Nesran Matíkem keine Lust mehr hatte, seine Kameradinnen und Kameraden moralisch zu unterstützen und nach Djett abgereist war.
So kam alles so, wie es ein Omen vor dem Spiel bereits angedeutet hatte: bei der Platzbesichtigung war der zahme Rabe des Abtes Logoran nämlich urplötzlich aufgestiegen und war zielstrebig in Richtung des Feuervogel-Tores geflogen, um sich dort mit lauten Krächzen niederzulassen, als wolle er seinen Spielerinnen und Spielern den Weg weisen. So war bei diesem Spiel der Traum der Außenseiterin schon zur Mitte der ersten Hälfte ausgeträumt, als Morek uneinholbar mit 9:1 in Führung lag, und diese Führung zur Pause auf 14:2 noch ausbauen konnte. In der zweiten Hälfte ließen die Morekerinnen und Moreker die Zügel etwas schleifen, weise, wenn man bedenkt, daß man im Halbfinale auf starke Haufen treffen wird. Dennoch langte es am Ende zu einem neuerlichen, klaren Sieg und es ist wohl kaum vermessen anzudeuten, daß der Noionitensturm mit dieser Moral und dieser Begeisterung auch im Halbfinale, wenn nicht gar im Finale bestehen kann. Abt Logoran muß zu seiner trefflichen Arbeit gratuliert werden.
Tsantsa Chrysemis - Kalter See Ahami 19:14
Es war ein enges Spiel zwischen der Vizemeisterin aus Chrysemis und der Überraschungsauswahl aus Ahami. Wie schon beim triumphalen Vorrundensieg über die Gastgeberin von Áchesa Khefu zeigte der Kalte See deutlich, daß hier eine Fünfzehn aufgelaufen war, die keine Angst vor theoretisch noch so überlegenen Favoritinnen hatte. Anders als bei Tsantsa-Spielen üblich, trübte kein Regenwölkchen den Himmel, was eigentlich den Chrysemern und Chrysemerinnen zugute kommen sollte, allerdings auch offenbarte, daß spieltechnisch der Kalte See überraschend stark ist. So wurde Tsantsa in der ersten Hälfte von der Außenseiterin böse überrumpelt, wobei vor allem Bremser Samir Sabongo des Öfteren schlecht aussah. Zu Beginn hatte das Publikum den Kalten See noch für den Sieg gegen die Gastgeberin N.I.B. Áchesa Khefu ausgepfiffen, doch mit der Zeit konnte auch der schlimmste Rabauke nicht umhin, den Ordoreeren und Ordoreerinnen den größten Respekt zu zollen. Der Kalte See ging also überraschend mit einer 4:9-Führung in die Pause, und anstatt des gegen Khefu so glänzenden Akîb Menadis war in diesem Spiel der Bremser Halgard, ein Schmied aus Ahet, mit einer souveränen und abgeklärten Leistung bester Spieler auf dem Platz.
Chrysemis jedoch wurde nicht nervös, sondern verstärkte nach Wiederbeginn noch einmal seine Anstrengungen, wobei man immer wieder versuchte, die eigenen Präziosionschützen in Position zu bringen. Dies gelang auch mit fortlaufender Spieldauer immer besser, so daß zwei Dreier schließlich eine 9:10-Führung für Tsantsa brachten. Diese Führung gaben die Insulaner und Insulanerinnen bis zum Ende des Spieles auch nicht mehr aus der Hand, so viel sich Ahami auch mühen mochte. Zum Ende des Spieles warfen die Mannen und Frauen um Akîb Menadis noch einmal alles nach vorn, selbst der Tormann versuchte, die 16:14-Führung der Vizemeisterin noch auszugleichen. Doch es kam, wie es kommen mußte: aus dem Getümmel vor dem Tsantsa-Tor ging Tsantsa-Kapitän Serpo Lassan als Sieger hervor und befand sich plötzlich alleine auf weiter Flur auf dem Weg zum verlassenen Gesteenge des Kalten Sees. Die Spielerinnen und Spieler aus Ahami konnten nicht mehr eingreifen, als der Chrysemer aus wenigen Metern unbedrängt zum entscheidenden 19:14 ins leere Tor vollendete.
Tsantsa Chrysemis - Noionitensturm Morek 8:14
Der Siegeszug des Noionitensturms aus Morek machte auch im Halbfinale gegen die Erzrivalin von Tsantsa Chrysemis nicht halt! Mit einem unerwarteten 8:14-Sieg in einem verbissenen und kämpferischen Spiel schafften die Moreker und Morekerinnen den nie für möglich gehaltenen Einzug in das diesjährige Finale des Nisut-Pokals, dabei hatte Abt Logoran nach dem Vorrundenspiel gegen Dreiwegen sogar ernsthaft erwogen, das Turnier aufgrund der unritterlichen Aktionen des Gegners abzubrechen. Chrysemis hingegen tat sich bislang oft unerwartet schwer, die Spielerinnen und Spieler litten augenscheinlich noch unter der Müdigkeit der vergangenen Saison, wo sie oftmals hart an der Grenze der eigenen Leistungsfähigkeit spielten. So konnte vordem Spiel auch nur ein leichtes Übungsprogramm abgehalten werden, was sichtlich der Abstimmung vor allem in der Abwehr nicht gut tat.
Das Spiel der beiden Insel-Auswahlen begann mit einem gemeinsamen Boronsdienst, zelebriert von Abt Logoran, der den friedlichen Umgang miteinander ins Zentrum seiner Predigt stellte. Doch diese Ermahnung verhinderte nicht, daß das Spiel gänzlich auf Nickligkeiten und Temperament verzichtete, zu groß ist die Rivalität auf den Inseln. War das erste Halbfinale zwischen Neseru und Mantikor vor allem ein spielerischer Leckerbissen, so erfreute das Spiel des Noionitensturms und Morek vor allem mit kämpferischem Einsatz. Obschon Morek, getragen von der Euphoriewelle wie im Rausch spielte und Tsantsa förmlich überrumpelte, gab die Vizemeisterin nie auf und mußt oftmals sogar mit dem Pech hadern, als Schüße knapp am Tor vorbei oder an das Gestänge gingen. Dennoch, der Pausenstand von 1:9 für Morek war verdient.
Nach Wiederbeginn warf Tsantsa alles nach vorn, ohne jedoch die stabile Abwehr des Noionitensturms entscheidend in Verlegenheit bringen zu können, und wenn, dann legte Morek im Sturm postwendend nach, auch wenn Stürmer Gellibert Tadsch'daun in diesem Spiel nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Daß der Noionitensturm Morek den Sieg nicht ganz unbefangen genießen kann, liegt jedoch hauptsächlich an Bruder Rothunur, der nach einer kleineren Provokation von Tsantsa-Kapitän Lassan sein Temperament nicht kontrollieren konnte, und zusammen mit seiner Patientin Dariana Fürchtnix eine Schlägerei anfing, die mit zwei Sperren endete, so daß Morek im Finale aufgrund der Ausfälle wohl in Unterzahl antreten muß, sollte Mantikor nicht ehrenvoll auf einen Spieler verzichten. Bruder Rothunur war nach dem Schlußgang derart untröstlich, daß er umgehend eine Bußpilgerschaft nach Laguana in Angriff nahm.
MANTIKOR TÁSEBÁ - Noionitensturm Morek 20:5
In einem recht einseitigen Finale bei strömenden Regen gelang Mantikor Tásebá im fünften Anlauf endlich der erste Pokalgewinn im Ehret-die-Nisut-Turnier. 20:5 hieß es am Ende für die Mannen und Frauen aus Tásebá, doch richtig überraschend kam das Ergebnis nicht, war doch mit dem Noionitensturm aus Morek ein krasser Außenseiter ins Finale gelangt. Und nicht nur das, die Morekerinnen und Moreker waren durch unverschuldete Ausfälle in der Vorrunde und im Endturnier personell derart geschwächt, daß sie nur 14 Leute aufbieten konnten, darunter der Ersatztormann, der sogar im Feld eingesetzt werden mußte. Mantikor hingegen ging der Sieg über die Ritterlichkeit, und so beharrten die Insulaner und Insulanerinnen auf der Überzahl, was unsere edle Nisut, die dem Finale natürlich beiwohnte, zu einem milden Tadel veranlaßte. Morek hatte vor dem Spiel das seine getan um die Sensation dennoch zu schaffen; alle Stürmer erfreuten sich einer Sonderübungsstunde bei Abt Logoran, was sich im Spiel jedoch nicht auswirkte.
Mantikor nutzte die Überzahl geschickt aus und bewies auch im letzten Turnierspiel, daß sich die Auswahl im letzten Jahr spielerisch gut entwickelt hat. Mit diesem Leistungsvermögen muß man sich in Tásebá wohl keine Sorgen um den Klassenerhalt machen, im Gegenteil: im üblichen Überschwang auf Tásebá träumt man bereits gar von der Meisterschaft! Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, daß der Pokalsieg nicht nur der unbestreitbaren Klasse zuzuschreiben ist, sondern auch einer guten Portion Glück - das Schicksal meinte es in diesem Turnier gut mit Mantikor Tásebá. Dem Noionitensturm als krassem Außenseiter flogen im Finale aber die Herzen der neutralen Zuschauer und Zuschauerinnen zu, denn trotz der hohen Niederlage gaben die mit zu Ehren des Raben mit geschwärzten Gesichtern angetretenen Djerrer und Djerrerinnen niemals auf und machten das Beste aus ihrer in allen Belangen deutlich sichtbaren Unterlegenheit. Trotz aller Widrigkeiten hat Morek es ins Finale geschafft und dies verdient allerhöchste Anerkennung. Man kann gespannt sein, wie es bei der Revanche nächstes Jahr in der Liga aussieht, vielleicht werden sich die beiden Auswahlen dann von gleich zu gleich gegenüberstehen können.
Einstweilen aber wird Mantikor Tásebá völlig zurecht für diesen Götterlauf den Silberkelch mit nach Áaresy nehmen und den Ehrentitel "die Nisutlichen" tragen. Möge Mantikor die folgenden, unbeschwerten Tage genießen - es wird in Zukunft für die zu Gejagten gewordenen Jäger nicht leicht werden.