Die Táhátya Djunizes

Djunizes ist eine der Táhátyá im Káhet ni Kemi. Sie besteht aus den Tá'akîb Sákem, Seku Kesen, Táyâb und Táimen. Hier im Osten des Reiches war das Zentrum des Einflusses des Canclers und so hat er dem Land in gewisser Weise durchaus seinen Stempel aufgedrückt. In Djunizes hat sich auch eines der weitreichenden Ereignisse der noch jungen Geschichte des wieder unabhängigen Káhet ni Kemi, abgespielt. Hôt-Alem, dieser Name steht für einen lange schwärenden, scheinbar unlösbaren Konflikt und tatsächlich konnten die Differenzen, die das Káhet mit dem Reiche Rauls bezüglich des Status der Stadt Hôt-Alem hatte, erst vor kurzem friedlich beigelegt werden.

Fast alle wichtigen Siedlungen in Djunizes liegen am Meer oder zumindest an einem der zahlreichen Flüsse, so dass den Wasserstraßen eine entscheidende Bedeutung für den Handel, das Reisen und vor allem dem Nachrichtenverkehr in der Táhátyá zukommt. Neben den Wasserwegen existiert noch die für kemsche Verhältnisse gut ausgebaute Küstenstraße, die sich jedoch bei starken Regen regelmäßig, also in der Regenzeit fast ständig, in einen sumpfigen Morast verwandelt. Trotzdem: Beides zusammen führt dazu, daß Djunizes eine hervorragende Anbindung an das restliche Káhet hat. Eines darf man dabei jedoch nicht übersehen: Die Táhátyá Djunizes liegt mitten im Dschungel und auch wenn der Mensch an diesem Ort seit Jahrhunderten versucht die Natur seinem Willen zu unterwerfen, es ist bis heute ein harter Kampf um jedes Stück Land geblieben, denn der Dschungel versucht unermüdlich sich jeden Quadratschritt zurückzuholen, den man ihm vorher mühsam entrissen hat.

Was die Religion angeht, so ist Djunizes eher ein Hort der liberalen Strömung innerhalb der Alleinseligmachenden Staatskirche des Herren Boron, auch wenn ihre weltliche Macht in den vergangenen Jahrzehnten immer weit zurückgedrängt war. Die Rückbesinnung der Kemi auf alte Traditionen und Sichtweisen geht an Djunizes mit Sicherheit nicht vorbei und so ist wohl auch hier mit einem erneuten erstarken der Staatskirche zu rechnen.
Durch die Lage der Siedlungen an Fluss und Meer kommt auch Efferd eine große Bedeutung im religiösen Leben der Siedler zu. Immerhin ist er es, der ihnen die Fische ins Netz gehen lässt und somit für einen reich gedeckten Tisch sorgt und auch der Seehandel trägt einen nicht unbedeutenden Teil zum Überleben in Djunizes bei. Nicht unerwähnt bleiben sollen die versprengten Rur und Gror-Gemeinden, die man bisweilen in abgelegenen Dörfern finden kann und natürlich die Hesindekirche, die sich im zentralen Djunizes einer ansteigenden Beliebtheit erfreut.

Geographisch gesehen umfasst Djunizes, mit Ausnahme des zu Yleha gehörenden Zenach im Norden, den gesamten kemschen Teil der alemitischen Bucht und schmiegt sich dort in sanftem Bogen an die Küste. Nach dem flachen Küstenstreifen geht das Land fast überall in Djunizes schnell in eine hügelige Dschungellandschaft über, in der man durchaus auf "wilde" Waldmenschen vom Stamme Tschopukikuha oder vereinzelte Achaz treffen kann. Derjenige der sich in diese Gebiete weit abseits der Siedlungen wagt, sollte also ein großes Maß an Vorsicht walten lassen. Der größte Fluss in Djunizes ist übrigens der Tirob, dessen breiter Lauf sich bei Hôt-Alem in die Bucht ergießt. Der Tirob ist hier durchaus schiffbar und man kann ihm, auch mit größeren Flussschiffen, ein weites Stück landeinwärts folgen - schlicht die größte und wichtigste Wasserstraße in Djunizes.

Djunizes' Wirtschaft fußt zum größten Teil auf der Landwirtschaft. In den vergangenen Jahren ist es zunehmend gelungen auf diesem Gebiet autark zu werden und so ist Djunizes mittlerweile nicht nur in der Lage seinen eigenen Bedarf zu stillen, sondern kann bereits kleine Teile seiner Ernte exportieren. Vor allem Reis wird in den sumpfigen Gebieten angebaut, doch auch "exotischere" Pflanzen gedeihen im feuchtwarmen Klima von Djunizes, so wurde von den mittelreichischen Besatzern z.B. der Wein oder das Getreide eingeführt, die nun den Speiseplan der Kemis ergänzen. Auch Vieh wird in teilweise größerem Umfang in der Táhátyá gehalten, so dass neben dem Fisch aus Flüssen, Seen und dem Meer auch ab und an ein Stück Fleisch seinen Weg auf den Teller wohlhabendere Kemis findet. Djunizes profitiert jedoch vor allem durch den Handel, seine für Hochseeschiffe tauglichen Häfen ermöglichen das Anlanden von Waren und diverse kleinere Handelshäuser machen ihren Profit indem sie ihre regionalen Waren über genau diese Häfen in die Ferne verschiffen.

Was die Präsenz der Schwarzen Armee in Djunizes anbelangt, so ist diese nach der Einigung mit dem Reiche Rauls bezüglich Hôt-Alem auf dem Rückzug, zumal Außengrenzen nur zu dieser, zwar immer noch misstrauisch beäugten, aber nun wohl ungefährlichen, mittelreichischen Enklave existieren.
So scheint es kaum notwendig die an anderer Stelle dringender gebrauchten Soldaten und Soldatinnen in Djunizes zu belassen, wobei natürlich einige Garnisonen in den Siedlungen nach wie vor notwendig sind. Allein schon aus dem Grund, um Ordnung und Sicherheit in der Táhátyá aufrecht zu erhalten und natürlich um den allgegenwärtigen Gefahren des Dschungels zu begegnen.

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der einzelnen Siedler hier mitten in Djunizes ist durchaus vorhanden, doch kaum einer fühlt sich hier als Bürger der Táhátyá. Man ist Bewohner der entsprechenden Tá'akîb und man ist Kemi, alles andere ist für den normalen Menschen ganz einfach zu umständlich oder gar unverständlich, haben sie doch mit der entsprechenden Verwaltungshierarchie wenig bis gar nichts zu tun. Wenn man eine Gemeinsamkeit zwischen allen Bewohnern von Djunizes finden will, dann hat man ein schweres Stück arbeit vor sich, denn zu unterschiedlich sind die Auffassungen der einzelnen Bewohner, die sich bisweilen von Dorf zu Dorf um 180 Grad umkehren. Als Eigenbrödler könnte man die Bewohner dieser Táhátyá vielleicht bezeichnen, doch damit würde man ihnen unrecht tun, denn im Großen und Ganzen fühlen sich ja alle als Kemi, auch wenn jeder eine etwas andere Ansicht hat, wie ein Kemi zu sein hat.

Djunizes mag vielleicht nicht das strahlendste Juwel im Káhet sein, aber mit Sicherheit ist es eine wahre Perle und ein Hort unumstößlicher Loyalität gegenüber der Nisut!

von Thorsten Hugel

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