Boronya von Nedjhit

Repat, Hohepriesterin des Boron


Boronya wurde vor nunmehr 40 Jahren in Al'Anfa geboren. Ihre Eltern kennt sie nicht, da sie als Säugling auf den Stufen des Boron-Tempels aufgefunden wurde. Während ihres Noviziats fiel die junge Priesterin nicht sonderlich auf, bis sie eines Tages in den Archiven der Stadt des Schweigens zufällig die verbotene Originalschriftrolle der 'Heiligen Worte des Boron' fand. Boronya schrieb das Traktat unter ständiger Lebensgefahr wortgetreu ab und floh schließlich im letzten Moment in das Kemi-Reich, das Boron bereits seit seiner Gründung als den Gott der Götter anerkannte. Dort übernahm sie mit der Leitung des Setepener Boron-Tempels eine führende Stellung in der kem'schen Geweihtenschaft, wozu sie durch den Besitz der wertvollen Abschrift auch durchaus berechtigt war, sah man es doch als Gnade des Herrn an, daß ihr dieses gefährliche Unternehmen geglückt war. In der Kurie fiel sie als Gegenspielerin des Hohepriesters Charus auf, mit dem sie eine tiefe Feindschaft verband. Als der Schurke schließlich bei seinem namenlosen Herrn weilte, entschied sich das Heilige Konzil für Boronya als neue Hohepriesterin. Die erste Rabendienerin ist zudem die Marschallin des berüchtigten Laguaner-Ordens und hat diesen durch ihre kluge Führung zu nie gekanntem Einfluß und nicht zu unterschätzender Macht geführt. Ihre Rolle im Unabhängigkeitskrieg ist undurchsichtig, doch hat sich die Hohepriesterin stets geweigert, die Autorität der Besatzer, des 'Usurpators' de Cavazo oder die der kem'schen Militärregierung anzuerkennen. Durch ein Giftattentat al'anfaner Agenten wurde sie fast getötet, doch trat sie, kaum genesen, bei den entscheidenden Schlachten um die Befreiung des Kemi-Reiches von der alanfanischen Besatzung in vorderster Linie an der Spitze ihrer Laguanerritter und -ritterinnen zum Kampf an.
Nachdem sie in der Vergangenheit einige herbe Rückschläge in ihrem ständigen Kampf um Macht und Einfluß hinnehmen mußte, ist sie mittlerweile bemüht, von der Konfrontation mit Geheimdienst und Kanzlei abzugehen und dafür den Einfluß der Kirche durch direkte Verhandlung mit ihrem Hauptgegenspieler, Neset Dio de Cavazo, zu stärken. Der Erfolg dieser Strategie zeigt sich nicht zuletzt in der jüngst beschlossenen Provinzneuordnung, nach welcher die einstigen Kirchenlehen Terkum und Tárethon in dem neugegründeten Kirchenfürstinnentum Tá'chem zusammengefaßt wurden, und so die Alleinseligmachende Borons- und Staatskirche zu neuer Größe finden konnte. Da hierbei das Erstarken des konservativ-fundamentalistischen Flügels innerhalb der Kirche keine unwesentliche Rolle spielte - ein deutliches Zeichen war die Ernennung des berüchtigten Grandinquisitorius Boronîan V. Pâestumai zum Hátya ni Tárethon -, hält die Zukunft für die Hohepriesterin noch etliche Bewährungsproben bereit. Insbesondere bei der demnächst anstehenden Designierung von Kronprinzeß Ela als Nachfolgerin Peris III. auf dem Nisutthron wird sich zeigen, ob Boronya die Raben, die sie rief, auch beherrschen kann, da sich deutlich abzeichnet, daß die Fundamentalisten - allen voran Kuriensprecher Boronfried Sa'kûrath - keine Ungläubige auf dem Kemithron akzeptieren werden.
Boronya lebt sehr zurückgezogen im großen Tempel zu Ne'charka-re Tá (in dessen Bau sie ihr gesamtes Privatvermögen investiert hat) und tritt, wenn überhaupt, in der Öffentlichkeit stets in ihrer Geweihtenrobe auf. Die Hohepriesterin ist eine sehr schöne Frau mit knielangen schwarzen Haaren, die natürliche Autorität und Würde ausstrahlt. Als Laguanerritterin ist sie eine furchterregende Kämpferin, die keine Gelegenheit ausläßt, "zu Ehren des Herrn Dere von Ketzern und Häretikern zu befreien". Sie kennt nahezu alle religiösen Texte, die sich mit dem Boron-Glauben beschäftigen, auswendig und verteidigt ihre Ansichten den Wahren Glauben betreffend mit schlüssiger Logik und treffenden Argumenten. Die ihr vom Heiligen Konzil auferlegte Weisung zur Reintegration des kem'schen Kultes in die Auslegungen des Puniner Ritus des Boronglaubens verzögerte und behinderte sie, wo sie nur konnte, und nun zeigen sich auch hier deutliche Erfolge, so daß in nächster Zukunft die Proklamation der Glaubensregeln einer eigenständigen kem'schen Kirche erwartet werden kann, die unbeeinflußt von den Irrlehren aus Al'Anfa und Punin dem Heiligen Raben in der wohlgefälligsten Weise huldigt.
Die Hohepriesterin ist Fremden gegenüber als strenge, sehr zurückhaltende Person bekannt, während sie im Freundeskreis durchaus humorvoll und aufgeschlossen auftritt. Ihr Privatleben bleibt der Öffentlichkeit weitestgehend verborgen, so daß selbst die Väter ihrer beiden Töchter bislang unbekannt blieben.

von Perry Steven und Anja Jäcke

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