Annabel Chánûr'h steht Rede und Antwort

Annabel Chánûr'h

Wirrungen in Yleha?

- von Nan'ji ya'k Bergström -

Ein stolzes Land mit Geschichte, in der Vergangenheit oftmals geknechtes und ausgeblutet, ein neu erblühtes Land, ein geteiltes Land, abgeschieden und schon immer etwas eigen, fleißige Bürgerinnen und Bürger, stolze Achaz, friedliche Wilde... so hat man die östliche Provinz des Reiches in der jüngsten Erinnerung. Doch was ist nun in diesem Landstrich los?
Ein Sah paktiert mit bösen Mächten, frevelt und flieht. Eine böse Hexe treibt ihr Unwesen in den dunklen Wäldern, hetzt unheilige Wesen auf die armen Untertanen der Nisut und fängt Reisende von den Straßen weg. Ein Akîb schwingt seperatistische Reden, heiratet jedoch die ehemalige Militärgouverneurin, unterhält sich Lustknaben, baut ein mächtiges Handelsimperium auf. Eine Hátyat stürzt sich aus Freude am Fliegen von den hohen Klippen ihrer Burg und überlebt. Kampfmagier in der Hauptstadt. Der Feind von Osten rückt vor. Das Militär verläßt die Stellungen und begibt sich auf zweifelhafte Expeditionen in die grüne Hölle des Landes.
All dies sind nur wenige der schillernden Gerüchte, die die Redaktion der Rabenschwinge dazu bewogen habe, wieder einen ständigen Beobachter nach den ylehischen Landen zu schicken. Und so bin ich, Nan'ji ya'k Bergström, aufgebrochen, um die Fluten von Gerüchten zu glätten und die Wahrheit ans Licht zu bringen.
Meine Reise alleine hat wenig an glaubwürdigen Informationen gebracht, denn entweder kursieren in den Mündern dieselben Reden wie auch im Rest des Nisutreiches, oder selbige sind friedlich bis gleichgültig geschlossen. Um so mehr freut es mich, daß mir die Hátyat Annabel Chánûr'h einen Tag nach meiner Ankunft sofort ein gutes Quartier in ihrer Burg zu Yleha/Stadt gestellt und mir ein Vieraugengespräch erlaubt hat. Jenes folgt in einer gekürzten Fassung:

Nan'ji: Erlaucht, es freut mich, daß Ihr mich so freundlich empfangen haben, obwohl Ihr doch sicher viel beschäftigt seid...

Hátyat: Nunja... es geht...

Nan'ji: Ähm.... viel beschäftigt seid. Ich übermittle hiermit untertänigste Grüße und den Dank der Redaktion der Rabenschwinge an Eure Person.

Hátyat: Ui, danke! Willst Du einen Ul'hu?

Nan'ji: Einen... was bitte?

Hátyat: Etwas Gutes zu trinken!

Nachdem ich mit einem reichlich hochprozentigen und durchaus süßlich-aromatischen Getränk ausgestattet war und zudem noch in Rum eingelegter Fisch serviert wurde, begann das eigentliche Gespräch.

Nan'ji: Es gibt gewisse Gerüchte...

Hátyat: Oh ja.. vergiß die mal schnell, mein Junge! Das Wenigste davon ist wahr!

Nan'ji: Aber ich...

Hátyat: Nix aber ich da! Ich kenne die Gerüchte auch... es stimmt nicht, daß der Akîb versucht hat, mir seinen Säbel hinterhältig in den Rücken zu stechen, als ich gerade auf dem Weg war, mit meiner Freundin Quenadya zu saufen, es stimmt auch nicht, daß ich ihn daraufhin derb verprügelt habe, und noch weniger stimmt, daß er nun auf das Kloster Al'Areal verbannt worden ist, bis sein Geist wieder klar ist...

Nan'ji: Äh... ja... das will ich dann mal so aufschreiben.

Hátyat: Tu das!

Nan'ji: Wenn ich fragen darf, warum befindet sich der Akîb sonst auf dem Klosterberg? Es ist ja immerhin offiziell...

Hátyat: ...es ist offiziell, daß er wegen seiner seelischen... ähm.... Ungleichgewichtigheit und vor allem wegen seiner Unfähigkeit als Ehemann im Kloster ist, um zu fasten, zu beten und seinen inneren Frieden wiederzufinden! Basta!

Nan'ji: Unfähigkeit als Ehemann?

Hátyat: Ja, Queny.. äh... adya...., also seine Ehefrau und meine Freundin, war ziemlich unzufrieden mit ihm, vor allem, nachdem er sich mit ihrem Vater zerstritten und ihn und die Familie übelst beleidigt hatte... es war übrigens das Treffen, bei der er um die Hand von Quenadya angehalten hatte... ist das nicht ein guter Grund?!?

Nan'ji: Eigentlich...

Hátyat: ES IST! Nächste Frage....

Nan'ji: Aber deshalb gleich eine Verbannung...?

Hátyat: Nächste Frage!

Nan'ji: Hat eventuell das Ganze damit zu tun, daß der Akîb einer Vorliebe für einen gewissen Knaben gehabt haben soll?

Hátyat: Erstens ist sein Schreiber kein Knabe mehr, sondern schon längst erwachsen und zweitens kümmere ich mich nicht um das Liebesleben meiner Vasallen... von mir aus hätte er auch eine Vorliebe für Ônt'hs in Lederstiefeln oder so haben können.

Nan'ji: Lederstiefel..? Äh.... nun gut, ein anderes Thema.... Euer gefallener Sah.

Hátyat: Nicklas der Wurm...

Nan'ji: Öhm, ja, genau der....

Hátyat: Ich kann dazu nur soviel sagen, daß er verdient hat, was er letztlich erleiden mußte, wir sind froh, ihn endgültig los zu sein...

Nan'ji: Verzeiht, aber der Sah gilt doch noch als verschollen, Ihr redet, als wäre er tot...

Hátyat: Unterbrich mich nicht! Und was deine Frage betrifft... wir sind froh, ihn los zu sein!

Nan'ji: Und wer tritt seine Nachfolge an?

Hátyat: Willst du?

Nan'ji: Wie bitte?

Hátyat: Also nicht... schade...

Nan'ji: Es gibt also noch keinen geeigneten Kanidaten?

Hátyat: Nein, jeder, der Lust hat, etwas Macht in Yleha zu erlangen und über meine Hauptstadt zu herrschen, soll sich bei mir melden!

Nan'ji: Ihr besitzt keine Schar von Günstlingen, die nur auf eine solche Gelegenheit warten?

Hátyat: Nein, ich habe sie alle vergrault, mir ist sowas zuwider...

(...)

Nan'ji: Und... um zurück auf Euren Akîb zu kommen... wer wird seine Stelle übernehmen?

Hátyat: Niemand! Ich sehe keinen Grund, ihn durch eine andere Person abzulösen, er hat sich nicht wirklich eines Verbrechens schuldig gemacht und eigentlich bin ich mit ihn ganz zufrieden... aber falls es Euch interessiert, ich werde eine Vögtin einsetzten, eine sehr nette Nonne, deren Name ich jetzt gerade vergessen habe... aber sie ist ziemlich klug und Quenadya bürgt für sie.

Nan'ji: So, so.... dann kann sich Yleha ja freuen...

Hátyat: Klar!

(...)

Nan'ji: Was ist mit der Schwarzmagierin, die in Eurem Land für Schrecken sorgt?

Hátyat: Was soll mit ihr sein? Bisher haben wir sie noch nicht gefunden und wissen auch nicht, was sie eigentlich von uns will. Alles weitere ist geheim.

Nan'ji: Was ist mit den Kampfmagiern, die sich in der Stadt befinden sollen?

Hátyat: Es sind keine Kampfmagier... und im übrigen ist auch das geheim!

Nan'ji: Zwei Geheimnisse?

Hátyat: Nein, eins... aber nun weiter...

Nan'ji: Eine letzte Frage...

Hátyat: Bin ich froh!

Nan'ji: Über Euch selbst sagt man, daß Ihr Euch seltsam verhaltet?

Hátyat: Seltsam?

Nan'ji: Nun, Ihr geht nur mit einem Leinenhemd bekleidet, ohne Waffen und Proviant in den Dschungel und bleibt dort für Tage um dann frisch wie der erste Morgen wieder zurück zu kommen, Ihr springt mit Begeisterung von den Klippen über der Stadt und brecht Euch fast den Hals beim Eintauchen in das flache Wasser, Ihr benehmt Euch so wenig hoheitlich, Ihr...

Hátyat: Hör mal zu, du Bursche, ich bin die prinzessliche Hoheit Hátyat Annabel Chánûr'h und darf verdammt noch mal tun und lassen, was ich will! Und wenn du nicht Lust hast, mich bei einem Sprung über die Klippen zu begleiten, dann überlege dir das nächste Mal besser, was Du sagst!

Nan'ji: Keine weiteren Fragen. Ich bedanke mich für das Gespräch. Wollt Ihr vielleicht noch abschließend etwas sagen?

Hátyat: Nö.

Nan'ji: Nein...? Also.... wenn Ihr meint...

(...)

Hiermit verabschiede ich mich kommentarlos, denn ich gestatte mir, es jedem Leser und jeder Leserin selbst zu überlassen, die Worte der Hátyat zu interpretieren.

(BPW)

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