
"Zwischen den Bäumen am Fluße kam es plötzlich zum Vorschein. Glaube mir, etwas wie dieses habe ich nie in dieser Hölle erwartet: Mächtige, breite Türme, Kreuzgänge, basaltene Mauern und Festungswerke ... unt über allem die Symbole des Rabens in allen nur erdenklichen Formen verteilt ... von Ornamenten bis hin zu Statuen von zwiefacher Mannesgröße - alles war hier zu erblicken! Unglaublich, Bruder. Von solch bestechender Art ist die ganze Ambience hier - die Sphärica - das ich fast, wie vermessen, vermeine ... das ich dem Raben ganz nahe bin ... von Gärten umgeben ist das Kloster, ein wahrhaft gefährlich-paradiesisches Territorium scheinen sie zu sein ... wahrlich..."
(Aus dem Brief der al'anfaner Boroni Imelde Lurisez)
Majestätisch erhebt es sich über das Tal des Salhên - das vielfach überwucherte Kloster Al'Areal. Es liegt mitten in dem ylehischen Tásahet Yleha Stadt, ist jedoch eine politisch unabhängige Tásahet.
Unglaublich alt sind die schwarzen Mauern der riesigen Klosteranlage, die aufgrund ihres Alters einen Querschnitt ylehischer Monumentalbauweise darstellt. Al'Areal war eigentlich schon immer - seit der Begründung des Klosters - das Zentrum des ylehischen Visznar-Ritus und der gesamten Religiosität Ylehas. Die verzierten, von unendlichem Ruhm, der Macht des Rabens und einer stolzen Vergangenheit zeugenden Anlagen Al'Areals verloren selbst unter den Besatzern und Fremdherrschern nicht an Bedeutung.
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Vom idyllischen Salhêntal aus gesehen, bietet die majestätische Anlage von Al'Areal vor allem im Morgengrauen einen mystischen Anblick. |
In einem der schattigen Innenhöfe steht ein heiliger Baum, das Heiligtum des Klosters und Ylehas, ein Vizrangyi-Baum. Jahrhunderte dauerte es, bis aus dem kleinen Sproß, der einstmals unweit der Hauptstadt angetrieben und von einem aufmerksamen Priester entdeckt worden war, durch die absolute Aufopferung von Dutzenden Priestern, die ihm ihr Leben widmeten, der hohe, schwarze Baum wurde, der auch heute noch allen Widrigkeiten zum Trotz Al'Areal mit seiner Schönheit und seiner visznargefälligen Pracht ziert. Alleine dieser eine Baum ist es, der es den Visznari ermöglichte, den einen oder anderen rituellen Gegenstand ihres Kultes aus Vizrangyi-Holz zu fertigen - aus Ästen, die der Baum über die Jahre verlor oder nach Meinung der "Wächter des Baumes" (der für den Baum und sein Gedeihen zuständigen Priester) entbehren konnte. Daß ein al'anfanischer Hohepriester während der letzten Besatzungszeit nur unter Mühen daran gehindert werden konnte, den nicht unbedingt sonderlich mächtig und groß (eher wohl schlank) zu nennenden Vizrangyi-Baum zu fällen, ist ein Grund für die heutige tiefe Abneigung der Visznari gegenüber den al'anfaner Boroni.
Jedoch nicht nur ein Hort der geschichtlichen und religiösen Monumente ist das Kloster, sondern auch ein Hort des Wissens, denn einstmals fand sich in der heute noch existierenden, aber akut vom Verfall bedrohten eine Kopie jedes einzelnen Schriftstückes, das in Yleha seit der Gründungszeit geschrieben wurde, bisweilen sogar auch das jeweilige Original.
Aus Al'Areal - der Name ist übrigens aus einem Dialekt des Tulamidya entnommen und entstammt der Gründerzeit Ylehas bzw. Syllinas; er bedeutet soviel wie "Der/Die Weitläufige", aber auch "Der/Die Geräumte" (bzw. "Der geräumte Platz") - wird wohl mit viel Arbeit bald wieder die mächtige Trutzburg der ylehischen Kirchen werden, als die man sie gebaut hatte.
Von Gartenanlagen umringt, mit Parks und Feldern entlang des Salhên, selbstversorgend und unabhängig, sicher an den Hängen der Feuerberge erbaut und standfest bis in alle Ewigkeit, so wacht heute das Kloster über das Seelenheil der Ylehis.
Die gute Seele der alten Mauern und höchte Geweihte Ylehas ist Sahet Ilyár Réasciya Bôronyá'h Dscher'yîn'h. Ohne ihre Ratschläge und ihre würdevolle Ruhe, die sie ausstrahlt, hätte die hitzköpfige und launische Akibet Ni Antien'Marét so manchen, schwerwiegenden Fehler gemacht, denn Ilyár ist wohl die einzige im Land, die das hitzige Gemüt der Akibet sänftigen kann.
Außerdem obliegt es der sanften Geweihten, der Tradition folgend, den Anbau und die Ernte von Rauschkraut im Salhêntal, unterhalb des Klosters, zu überwachen. Vor allem zwei Sorten werden geerntet: das milde und bekömmliche Tasch'kâ, daß ausschließlich in Al'Areal weiterverarbeitet wird und das kräftige, würzige "Boronsglut", eine Sorte, die von al'Anfanischen Besatzern hier kultiviert, und nach ihrer vertreibung vom Kloster übernommen wurde. Es eignet sich besonders für Räucherbecken und -stäbchen, für den direkten Genuß ist es viel zu stark und herb.
von Anja Jäcke, TW & Bettina "Pony" Wiese