Die Tá'akîb Ahami Táheken

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Aktuelles

Reisebericht des Mer'lot da Tarent, 1. Schreiber des Akîbs Ni Ahami Menadis Djeser Mezkarai
(Auszug aus einem Brief an seine Tochter Tiara in Khefu)

…. und wie versprochen möchte ich Dir, geliebte Tochter, nun einen ausführlichen Reisebericht über meine Reise zu den Wilden im Innern Ahamis geben: Wie ich Dir bereits in einem früheren Brief berichtet habe, war es bereits allseits bekannt, dass der Akîb eine Reise zu de eingeborenen Stämmen im innern Ahamis plante. Was er sich davon versprach, kann ich Dir aber wirklich nicht sagen denn erstens spricht der Akîb nicht mit mir über solcherlei Dinge und zweitens kann ich mir nicht vorstellen, was man von einer Horde umherziehender Wilder erwarten mag. Meine Überraschung war entsprechend groß als mir der Akîb kundtat, ich solle ihn doch auf dieser Reise begleiten, da unterwegs vielleicht meine Künste vonnöten seien. Nun den, Du weißt ja, dass die Wünsche der hohen Herren für unsereins Befehle sind, und so machte ich mich an die Vorbereitung des Unternehmens.
Zum Glück kenne den alten Alrik D´Tann von dem ich weiß, dass er ein Veteran der Befreiungskriege ist und der auch sonst Allerlei über die Dinge des Lebens weiß. Von ihm konnte ich mir einige Tipps holen was die benötigte Ausrüstung betrifft, vor allem was das Trockenhalten meiner Schreibutensilien angeht! Der Akîb hatte mich schon vorgewarnt, dass es zu Fuß durch den Urwald ginge und ein jeder sein Bündel selbst zu tragen hätte, und so stellte ich mich auf eine ganz und gar ungemütliche Reise ein.

Am Tag der Abreise begab ich mich also zum Haus des Akîbs wo ich den Akîb selbst und seine Reisebegleiter treffen sollte. Zu meiner Überraschung erkannte ich unter ihnen die Nesetet Ni Ordoreum, Rhonda Setchet`chá Mezkarai, im Übrigen die Cousine meines Herrn.
Sie ist nun eigentlich wirklich nicht für solcherlei Abenteuer bekannt! Trotzdem schien Sie offensichtlich froh darüber zu sein, ihren Verwaltungsaufgaben als Nesetet für eine Weile zu entgehen. Desweiteren wurde mir ein mittelreichischer Finsterling als Balinor von Hengisford vorgestellt, der trotz seines bereits fortgeschrittenen Alters unschwer als Krieger zu erkennen war, wozu vor allem das lässig über die Schulter geworfene Tuzakmesser beitrug. Beim Anblick unseres letzten Begleiters war wohl meine Überraschung noch größer als beim Anblick der Nesetet, denn immerhin sieht man in unseren Gefilden nicht so oft einen Waldelfen. Dieser wurde mir als Spirou Sternenglanz vorgestellt und obwohl er nicht älter als 25 Boronsläufe wirkte, konnte man in seinen Augen die Erfahrung von Jahrzehnten, vielleicht sogar mehr, lesen.
Auf meine ängstliche Frage, ob dies denn die ganze Gruppe sei, erwiderte der Akîb (ganz offensichtlich etwas belustigt), wir würden heute in Tanrat halt machen und dort noch fünf Milizionäre mitnehmen, denen er "das Laufen beibringen wolle". Dies beruhigte mich dann doch etwas, vor allem die Aussicht eine Nacht auf der Tanrat zu verbringen erhellte meine Stimmung.

Der Erste Tag unserer Reise gestaltete sich dann auch als äußerst angenehm, immerhin bewegten wir uns zu Pferde fort und die Straße nach Tanrat erwies sich als komfortabel (für hiesige Vehältnisse) und gut ausgebaut. So kamen wir an diesem Tag nicht zuletzt deshalb gut voran, weil uns der ansonsten tägliche Platzregen in Ruhe ließ. Unsere Ankunft auf dem Stammsitz war offensichtlich erwartet worden, denn unsere Reisegruppe wurde auf das wärmste von Familienpatriarch Boromil Mezkarai empfangen. Ich wurde sodann im Gesindehaus untergebracht, wie ich es auch nicht anders erwartet hatte, unsereins kennt ja seinen Platz! Dennoch wurde es für mich ein wunderbarer Abend, denn ich hatte Gelegenheit das gesamte Anwesen und vor allem den für meine Begriffe vollkommenen Park zu besichtigen. Dieser strahlt eine solche Harmonie und Ruhe aus, dass man meint man wandle in den ewigen Gärten unseres Herrn Boron! Dennoch begab ich mich an diesem Abend früh zu Bett, wohl wissend, dass die folgenden Tage nicht so erholsam für mich sein würden wie der heutige. Man hörte zwar noch lange das ausgelassene Lachen der hohen Herrschaften die sich nach dem Abendmahl auf die Veranda des Anwesens begeben hatte, dennoch fand ich bald meinen erholsamen und wohlverdienten Schlaf.

Am nächsten Morgen wurde ich bereits weit vor Sonnenaufgang geweckt und nach einem kurzen Frühstück begab ich mich schnellstens zu den Anderen aus meiner Reisegruppe. Ich kam gerade noch rechtzeitig, um nicht als letzter die strafenden Blicke der anderen auf mich zu ziehen. Neben den hohen Herrschaften waren auch bereits fünf Milizionäre und unser Eingeborener Führer namens Takate anwesend. Nur der Herr Balinor ließ noch einen kleinen Moment auf sich warten.
Nachdem auch dieser geruht hatte aufzutauchen, setzte sich die Gruppe in Bewegung. Wir folgten noch eine Weile dem Weg nach Hadra nahmen jedoch nach kaum einer Stunde einen kaum sichtbaren Pfad (wenn dieser den Namen Pfad überhaupt verdient hatte!) mitten in den Urwald. Anders als ich es erwartet hatte, lichtete sich bald das dichte Busch- und Strauchwerk durch das wir uns anfangs schlagen mussten und wir traten in ein trübes Zwielicht, denn das dichte Dach der Urwaldriesen lässt kaum einen Sonnenstrahl bis auf den Boden hindurch. Daß ich bald die Orientierung verlor kannst Du dir sicherlich vorstellen und ich verließ mich ganz auf die Fähigkeiten unseres Akîbs und die unseres Führers Takate obwohl mir nicht ganz wohl dabei zumute war, mich so abhängig von einem unberechenbaren Wilden zu wissen.

Der Akîb ließ glücklicherweise die Gruppe manchmal anhalten, damit er den Milizionären irgendetwas erklären konnte. Da ich mich nicht besonders für militärische Dinge interessiere, hielt ich mich dabei etwas abseits und konnte nur ein paar Wortfetzen wie "Tarnung, Hinterhalt oder Lager aufbauen" aufschnappen. Ich nutzte diese kurzen Gelegenheiten lieber, um meine schon bald arg geschundenen Füße etwas zu pflegen, was mir die eine oder andere überraschende Begegnung mit den Tieren dieses Urwaldes einbrachte, die ansonsten unsichtbar zu sein schienen. Einmal schien ich dabei die Gruppe verloren zu haben, jedoch erschien sogleich wie aus dem Nichts der Herr Sternenglanz, um mich zur Gruppe zurückzubringen, nicht ohne mich daran zu erinnern, dass ich mich besser nicht zu weit entfernen solle.
Des Abends - ich hatte kaum gemerkt, daß es (noch) dunkler geworden war - wurde endlich das Lager aufgeschlagen. Für mich bedeutete das endlich Rast und Erholung, für die Milizionäre jedoch erst einmal eine Litanei an Erklärungen und Ermahnungen. Ihnen wurde erklärt wie ein Lager auszuwählen sei, wie man es einzurichten und zu tarnen hatte und noch so mancherlei andere Dinge die ich nicht recht verstand und die mich zum Glück auch nichts angingen. Ich setzte mich lieber zu den hohen Herrschaften ans Feuer und hörte mir die Geschichten an die der Herr Balinor und der Herr Sternenglanz zu erzählen hatten. Dabei erfuhr ich auch, daß die beiden meinen Herrn aus seiner Zeit in Aranien kannten und dort offensichtlich Freundschaft geschlossen hatten. Bevor ich mich in mein Lager begab gab der Herr Balinor noch einmal seine Geschichte von der ersten Ogerschlacht zum Besten, die ich während des Tages bereits einmal vernommen hatte als er sie den Milizionären erzählte, die ein dankbares Publikum abgegeben hatten. An Schlafen jedoch war kaum zu denken. Kaum daß Ruhe ins Lager eingekehrt war, erhoben sich die Geräusche des Urwalds so laut und unheimlich daß ich keine Ruhe fand und die nun besonders aufdringlichen Mücken schienen es ganz besonders auf mich abgesehen zu haben!
So vergingen auch die nächsten drei Tage, der Akîb ließ uns immer wieder kurz anhalten um den Milizionäre etwas darzulegen, der Herr Balinor beehrte uns mit seinen Geschichten von denen er uns die Geschichte der Ogerschlacht am häufigsten erzählte, und der Herr Sternenglanz streifte des Öfteren abseits der Gruppe durch den Urwald, was aber keinen der anderen zur Sorge veranlasste, immerhin sollte man einem Waldelfen zutrauen können, sich in einem Wald zurechtzufinden! Unsere Nesetet Rhonda Mezkarai schien besonders guter Laune zu sein und sie schien auch mit dem Marschieren im Urwald erstaunlich gut zurechtzukommen, schließlich fand sie auch noch den Schwung des Abends im Lager bei meinem Herrn und manchmal auch bei Herrn Balinor ein paar Fechtstunden zu nehmen. Und ich muss sagen sie machte dabei keine schlechte Figur soweit ich das beurteilen kann.

Am Nachmittag des vierten Tages jedoch, ich hatte in der Zwischenzeit gelernt wenigstens die Tageszeiten in diesem trüben Licht richtig einzuschätzen, änderte sich die aufgelockerte Stimmung. Unser Führer Takate meldete: "Seien in Gebiet von Spinnenvolk jetzt", womit er offensichtlich die Keke-Wanaq meinte zu denen wir ja unterwegs waren. Von nun an waren alle auf das höchste gespannt, denn man kann sich ja nie sicher sein, wie diese Wilden darauf reagieren, wenn man in ihr Gebiet eindringt, selbst wenn man sich vorher angekündigt hat. Von nun an fühlte ich mich ständig beobachtet und ich glaube den Anderen ging es ebenso. Selbst Takate schien etwas nervös zu werden, obwohl er als Angehöriger dieses Stammes wohl nichts zu befürchten hatte. Einzig der Waldelf schien seine Gleichmütigkeit nicht verloren zu haben. Er entfernte sich nun lediglich nicht mehr so oft von der Gruppe, so daß wir jetzt öfter in den Genuss seines Flötenspieles kamen!

Erst am Mittag des folgenden Tages stießen wir auf eine Abordnung der Keke-Wanaq, und dies geschah so plötzlich, dass ich glaubte, ich müßte gleich dem Herrn Boron gegenübertreten. Kannst Du Dir vorstellen, was für ein Gefühl das ist, wenn Du nichtsahnend durch den Urwald stapfst und unversehens einen Schritt vor Dir einer dieser Wilden auftaucht mit ihren halbrasierten Schädeln und der unheimlichen Körperbemalung, dass Du glaubst einer dieser Dämonenpaktierer sei gekommen um Dich zu holen. Ich blieb jedenfalls wie vom Donner gerührt stehen und selbst der Herr Sternenglanz und Takate schienen überrascht. Es stellte sich jedoch heraus, dass dies unser Empfangskomitee war. Der Anführer dieser Gruppe war ein hochgewachsener, muskulöser Mann, der sich wie alle anderen den Vorderschädel kahl rasiert hatte, während die Haare im Nacken lange waren. Bemalt waren sie am ganzen Körper aber ob dies eine Kriegsbemalung (wie ich oft gehört hatte) war oder ob diese etwas anderes bedeutete erschloss sich mir nicht. Jedenfalls wechselnden der Akîb und der Anführer der Wilden- übersetzt von Takate- ein paar Worte, woraufhin es auch bald weiterging.

Am Abend desselben Tages kamen wir auch in das Dorf der Wilden. Genauso unvermittelt wie unser Empfangskomitee aufgetaucht war traten wir auf eine kleine Lichtung mitten im Urwald und standen fast mitten in einem Dorf aus mit Leder bespannten Rundhütten. Ob dieser Hütten war ich ziemlich enttäuscht, denn sie sahen ziemlich ärmlich aus und ich hatte einmal gehört, die Wilden würden ihre Dörfer in die Bäume bauen! Jedenfalls zogen wir sofort das Interesse der Dorfbewohner auf uns, die uns sofort umringten und uns neugierig betrachteten, manche betasteten uns auch prüfend. Alles in allem waren da in etwa 50 leicht bekleidete Keke-Wanaq, unter ihnen erstaunlich viele Kinder. Die kahlrasierten Schädel sah man allerdings nur bei den erwachsenen Männern, während alle anderen durchaus normale Haartracht trugen, wenn auch bei fast allen lang und ungepflegt. Zur Bekleidung gibt es nicht viel zu sagen, soweit man überhaupt von Bekleidung sprechen kann. Die meisten trugen lediglich einen knappen Lendenschurz und nicht einmal die Frauen schien es zu kümmern, dass sie halbnackt herumliefen. Weiter Einzelheiten will ich Dir, liebe Tochter, ersparen ob der Schamlosigkeit der Wilden.

Wir wurden alsbald zu einer größeren Hütte in der Mitte des Dorfes gebracht, wo wir vom Häuptling des Stammes begrüßt wurden. Er unterschied sich durch nichts außer seiner Autorität von den anderen seines Stammes, diese jedoch war allgegenwärtig und es war keine Frage, wer vor uns stand. Es folgte eine kleine Ansprache des Häuptlings, die immer wieder vom Gejohle des restlichen Dorfes unterbrochen wurde. Geschenke wurden ausgetauscht und die Nesetet erwiderte die Ansprache des Häuptlings, wiederum übersetzt von Takate. Erneut wurde die Rede vom Gejohle der Wilden unterbrochen, aber die Nesetet setzte sich gleichmütig über diese Unverschämtheit hinweg. WUSsten die Wilden überhaupt, wen sie da vor sich hatten?? Jedenfalls schloss sich unmittelbar an die Reden ein Begrüßungsfest an wie man es sich in den Schenken Ahets immer vorgestellt hat. Alle Teilnehmer gruppierten sich um ein großes Feuer und zunächst gab es allerlei Speisen und Getränke, von denen ich die wenigsten identifizieren konnte. Als Teller benutzte man schlichtweg große Blätter von den umliegenden Bäumen, gegessen wurde mit den Fingern. Anfangs begnügte ich mich mit den Speisen die ich identifizieren konnte, jedoch wiesen mich Takate und der Herr Balinor darauf hin, dass wir genau beobachtet würden und dass eine Zurückweisung von Speisen für die Keke-Wanaq eine grobe Beleidigung dargestellt hätte. Da ich also nicht selbst als Speise auf diesem Fest landen wollte begann ich, mir unbekannte Speisen zu mir zu nehmen und ich war überrascht wie wohlschmeckend die Gaben des Urwalds sein können. Lediglich bei einem Gericht welches unzweideutig als geröstete Ameisen erkennbar war, musste ich passen, aber es schien als ob die Wilden es nicht bemerkt hatten. Jedenfalls lobte mich später der Akîb ob meiner Standhaftigkeit beim Essen, er meinte ich hätte wohl Eindruck auf die Wilden gemacht. Bereits während des Essens hatten die Wilden begonnen auf ihren Tommeln zu spielen und später kamen noch Tänzer hinzu die dazu in atemberaubender Weise tanzten. Ich weiß nicht, ob es an den Tänzern oder an den Getränken lag, dass mir langsam aber sicher schwindelig wurde, jedenfalls beschloss ich mich in unsere Hütte zu begeben, um mich zur Ruhe zu begeben.

Was in den folgenden Tagen geschah kann ich Dir leider nur aus den Erzählungen der anderen berichten. Ich selbst erwachte erst vier Tage später wieder. Ein heimtückisches Fieber hatte mich über Nacht niedergestreckt, so dass ich vier Tage lang im Delirium lag! Ich verdanke wohl dem Herrn Sternenglanz mein Leben, denn die Anderen erzählten mir, dass er beinahe ständig bei mir gesessen und mich gepflegt habe. Später fragte ich ihn einmal ob er dabei wohl Magie benutzt habe, aber er antwortete nur er habe natürlich alle ihm zu Verfügung stehenden Mittel benutzt. In der Zwischenzeit hatten die Nesetet, der Akîb und der Häuptling der Keke-Wanaq fast zwei Tage lang miteinander gesprochen. Was dabei besprochen wurde konnte ich nicht erfahren denn mein Herr ist diesbezüglich nicht besonders auskunftsfreudig und danach zu fragen steht mir nicht zu!

Am dritten Tag kam helle Aufregung in das Dorf, als eine kleine Gruppe von Jägern die bereits ein paar Tage vermisst wurde, verstümmelt in der Nähe des Dorfes gefunden wurde. Offensichtlich waren sie Opfer eines größeren Raubtieres geworden das sich in die Nähe des Dorfes gewagt hatte. Takate erklärte mit später, der "Geist des Waldes" habe von dem Tier Besitz ergriffen denn nur dann wagen sich diese Tiere in die Nähe der Dörfer der Menschen. Sofort versammelten sich die Krieger des Dorfes um unter Führung ihres Kriegshäuptlings (die Wilden scheinen für jede Gelegenheit einen eigenen Häuptling zu haben) um Jagd auf das Tier zu machen. Sofort erbot sich unsere Reisegruppe bei der Jagd zu helfen und so wurden alle in Gruppen aufgeteilt um das Tier stellen, jedoch konnte an jenem Tag keiner mehr eine frische Spur von dem Tier finden.
Abends tanzten die Keke-Wanaq für ihre Toten den so genannten Totentanz (wie anders hätte er auch heißen sollen), jedoch kann ich Dir keine Beschreibung davon liefern da es keinem Weißen erlaubt ist, auch nur einen Moment zuzusehen.

Am nächsten Tag, als ich aus meinem Fieber erwachte, fühlte ich mich natürlich schrecklich und es war mir kaum möglich, mich überhaupt zu bewegen. In der Hütte war es dunkel und der anwesende Schamane vollzog gerade irgendein Ritual, wobei er einen mit Staub und Knöchelchen gefüllten Beutel auf meinen Bauch entleerte und dabei seltsame Reime murmelte. Glücklicherweise war einer der Milizionäre anwesend, was mich doch sehr beruhigte. Er erzählte mir von den Geschehnissen der letzten Tage und dass alle Jagdgruppen bereits am frühen Morgen aufgebrochen waren um das Untier zu stellen. Währenddessen gab mir der Schamane eine Medizin aus frischen grünen Blättern die er mir zu kauen deutete. Und diese Medizin schien wahre Wunder zu wirken, gleich fühlte ich mich besser, geradezu euphorisch. Die Anstrengungen der letzten Tage verlangten jedoch Tribut, so dass ich den Rest des Tages verschlief.
Ich erwachte erst wieder, als im Dorf Aufregung ausbrach und mir der Milizionär, der bei mir geblieben war, verkündete, daß die Jäger gerade erfolgreich zurückkehrten. Ich nahm noch etwas von meiner Medizin, woraufhin ich mich bereits stark genug fühlte, vor die Hütte zu treten um dem Geschehen zuzuschauen. Es waren bereits alle Einwohner und Krieger des Dorfes anwesend um die erfolgreiche Gruppe zu empfangen. Das Untier wurde bereits kopfüber baumelnd mit den Beinen an einen dünnen Baum gebunden hereingetragen. Es handelte sich um einen gewaltigen Säbelzahntiger, der von sechs Kriegern geschleppt werden musste. Und zu der Gruppe die den Tiger erledigt hatte gehörten auch unsere tapfere Nesetet Rhonda und der Herr Balinor! Sie wurden wahrlich gefeiert wie Helden, denn ihnen war es zu verdanken, dass es nicht noch mehr Todesopfer unter den Wilden gegeben hatte. Schließlich hatte der Tiger die Gruppe am frühen Nachmittag angegriffen und drei Keke-Wanaq schwer verletzt. Erst dem beherzten Eingreifen unserer geliebten Nesetet und des Herrn Balinor war es zu verdanken gewesen, dass das Ungetüm erledigt wurde. Dabei waren die Krieger der Keke-Wanaq besonders von den Fähigkeiten des Herrn Balinor beeindruckt. Unser Führer Takate erzählte mir in seiner bildhaften Sprache, der Krieger habe "mit Geist getanzt wie Mücke mit wildgewordenem Umba-Dol", was wohl ein großes Lob war, außerdem habe dazu die "Mücke gesummt und verrückt macht Geist", eine Anspielung auf das Glöckchen am Griff seines Tuzakmessers das ständig bimmelt. Jedenfalls gab es am Abend wieder ein großes Fest, ausgelassener diesmal als das Begrüßungsfest, und länger. Leider war ich noch zu schwach um direkt am Fest teilzunehmen, aber man dachte an mich und brachte mir Getränke und Speisen und anschließend nahm ich noch etwas von der Medizin, die die Eingeborenen "Kho-Kha" (was soviel heißt wie "Blatt des Lebensbaums") nennen, zu mir, so angenehm schlafen konnte. Übrigens wurde Herrn Balinor während des Festes der Titel "Pa Taka rani Tu" was soviel heißt wie: "Der mit dem Geist tanzt" verliehen.

Am nächsten Tag schlief ich lang und so erfuhr ich erst spät, dass die Nesetet und der Akîb eine Einladung zu einer Schamanin der Sabus erhalten hatten die sich Bremianista'alla nennt, und was eine besonders große Ehre sein soll. Da sie erst am übernächsten Tag zurückerwartet wurden hatte ich noch etwas Zeit mich vor der Heimreise zu erholen, aber das Fieber schien so schnell zu vergehen wie es gekommen war, nicht zuletzt mithilfe des Kho-Kha. So hatte ich doch noch ein bisschen Zeit mich im Dörfchen umzuschauen und mir einmal mehr die Geschichte von der Ogerschlacht (und noch mehr) anzuhören. Ich hatte sogar noch das Glück mir zwei Kho-Kha - Bäumchen zu besorgen, die ich inzwischen in meinen Garten gepflanzt habe und die wunderbar gedeihen.

Am Tag nachdem die Nesetet und der Akîb zurückgekommen waren verließen wir auch schon das Dorf der Keke-Wanaq. Wieder wurden Geschenke getauscht, wieder wurden Reden gehalten und wieder wurden die Reden durch das Johlen der Wilden unterbrochen. Dennoch gestaltete sich der Abschied erstaunlich schnell und das Reisen durch den Urwald erschien mir nun auch nicht mehr so bedrückend wie es anfangs gewesen war. Zum Glück verzichtete nun auch Akîb Menadis Mezkarai auf die ständigen Unterbrechungen um die Milizionäre zu unterweisen, so dass wir schneller vorankamen als bei der Hinreise. Bereits am dritten Tag erreichten wir Tanrat und nach einer erholsamen Nacht im Federbett konnten wir wiederum zu Pferde nach Ahet zurückreisen.

Eines weiß ich jetzt jedoch gewiss: auch wenn ich vermutlich nie mehr so tief in den Urwald reisen werde, so werden mich meine zwei Bäumchen immer an diese Reise erinnern und mir den Lebensabend versüßen.

Dein Vater,

Mer'lot da Tarent


Menadis Mezkarai
Akîb ni Ahami

Gegeben zu Ahet im Jahre 29 Sa Gereh

Zu senden an

Seine Excellenz Trudpert Mezkarai
Seines Zeichens Botschafter des
nisutlichen Königreichs Kemi in Aranien

Liebes Bruderherz,

als erstes liebe Grüße von zu Hause. Die Tánrat ist nur unwesentlich ruhiger, als zu den Familienfeiern, zu denen wir sie sonst zu Gesicht bekommen. Es gibt halt ständig viele Kinder hier. Aber sie hat nichts von ihrer Ausstrahlung eingebüßt. Wie ich schon sagte, es ist, als wäre ich nach Hause zurückgekehrt, was ich ja im Grunde auch bin. Aber ich möchte Dich nicht in melancholisches Heimweh stürzen.
Unsere Cousinen werden auch immer hübscher, vor allem die zweite Generation. Es ist immer wieder erstaunlich, wie sie sich von Wiedersehen zu Wiedersehen steigern, wenn man doch schon längst glaubte, ihre volle Blüte bereits erkannt zu haben.

Aber nun von anderen, weniger erfreulichen Dingen:
Als ich vor einem viertel Götterlauf die Nachricht aus Ahami bei Dir bekam, ich solle mich auf der Tánrat einfinden, es ginge um Pläne, die Heimat neu zu belehnen, da schwante mir schon einiges. Als ich dann vor Ort erfuhr, daß man mich als neuen Akîb auserwählt hatte, schwankte ich zwischen glückseliger Euphorie, denn immerhin ging es hier um unsere Erblande, die nun nach scheinbar ewigen Zeiten wieder in die Hände der Familie zurückkehren sollten, und vorsichtig zögernder Zurückhaltung, denn ich wußte nicht genau, was von mir erwartet wurde. Als ich die Wahl, die im Sinne unserer Erziehung nicht wirklich eine war, dann annahm und ich herausfand, wie übel es um unsere Heimat wirklich stand, kamen mir die ersten Zweifel, ob ich der Aufgabe gewachsen sein würde, Ahami zu neuer Blüte zu führen. Panik schien mich überkommen zu wollen, angesichts der im ersten Augenblick ungeheuren Fülle an Aufgaben, die meiner Aufmerksamkeit zu bedürfen schienen.
Doch dann gewann Erziehung und Drill wieder die Oberhand und ich dachte mir: Keine Panik, Menadis. Ganz ruhig. Erinnere Dich, Du bist nicht alleine. Die Familie steht immer hinter Dir. Das war mir in Aranien nicht mehr so bewußt. Die Familie war weit weg, ich hatte nur Dich und die Aufgaben erschienen mir auch nicht so unüberwindlich. Dort war mehr schnelles Handeln gefragt. Sicher auch vorausschauendes Planen, aber es hingen nicht so viele Menschen davon ab. Natürlich war es Dein und mein Leben, aber das war kein Problem, dafür war ich ausgebildet, das konnte ich überschauen.
Aber hier, hier werden Dinge von mir erwartet, auf die ich nicht vorbereitet war. Aber ich denke, ich schaffe das. Du weißt ja, ich werde mich vor der Pflicht nicht drücken.
Und ich bin nicht alleine !

Der See ist etwas kleiner geworden, seit Du ihn das letzte Mal gesehen hast, aber er ist auch so noch groß genug. Das Wasser hat sich auch etwas erwärmt, angeblich soll man sogar wieder Fische fangen können. Zumindest meint das der alte Olpert, ein Bauer und Fischer aus Ahet. Wenn dem wirklich so ist, dann möchte ich die Sache noch etwas forcieren.
Ich habe sowieso noch einige Pläne im Kopf, mit denen ich es versuchen will, aber dazu später. Tel Mar'bah liegt immer noch so verlassen, wie seit unserem letzten Besuch. Ich konnte mich leider selbst davon überzeugen, aber vielleicht kann ich das irgendwie ändern. Aber das sollen Dir meine Pläne später verdeutlichen .

Zunächst aber zu den Geschehnissen, die mich nach Tel Mar'bah führten und die unsere Familie direkt betrafen.
Kannst Du Dir vorstellen, daß es so ein angeblicher Meister Rechan aus Brabak tatsächlich gewagt hat, ein Mitglied unserer Familie zu entführen und Lösegeld zu erpressen? Er hingegen konnte sich offensichtlich nicht wirklich vorstellen, mit wem er sich da angelegt hat, als er Cousine Dajara - du weißt schon, unsere Botanikerin in der Familie - auf einem ihrer Ausflüge überwältigte und sie für Lösegeldforderungen festhielt.
In seinem unverschämten Brief verlangte er, daß wir 250 Suvar in einer Holzkiste einem Wilden in Tel Mar'bah aushändigen und sparte auch nicht mit zwar blumigen, aber nichts desto trotz unverhohlenen Drohungen, sollten wir mit Verstärkung anrücken. Kaum einen Mond war ich in Ahami und dann sowas. Aber da kam er genau an den Richtigen. Unser ehrwürdiger Onkel war nicht da, genauso wenig Mechara oder sonst irgend jemand auf der Tánrat. Nur Yohîl konnte ich antreffen und ihr von dem unverschämten Angriff auf die Familie berichten. Sie war auch sofort bereit, das Geld zu holen und mich zum Übergabeort zu begleiten, was mir erst gar nicht so zusagte, da ich die Sache doch für einigermaßen gefährlich hielt.
Deshalb entschloß ich mich dann auch, der mit mir nach Ahami gereisten Hoheit und Gardekriegsherrin Chanya Al'Mout'pekeret, sowie der ebenfalls mitgereisten Nesetet ni Ordoreum, Francesca dell'Aquina, von der Sache zu erzählen und um Unterstützung zu bitten. Denn so verrückt war ich nicht, anzunehmen, diese Sache ganz alleine bewältigen zu können. Und Eile tat not. Außerdem nahmen wir noch einen Magister Jarrêt Dur Avarc-Syn aus der Dekata in Khefu mit, ließen ihn aber über die Hintergründe weitgehendst im Unklaren, so wie Du es mich gelehrt hast.

Was soll ich weiter viel erzählen? Es gelang uns schließlich die Entführer in einem alten Echsenheiligtum in der Nähe von Tel Mar'bah aufzustöbern, sie zu stellen und Dajara zu befreien. Wir konnten dabei fast das ganze Gesindel ihrer gerechten Strafe zuführen, wenn leider auch nicht der kem'schen Gerichtsbarkeit (angesichts der etwas delikaten Sachlage vielleicht auch ganz gut so!) Der Rest der Bande wurde durch diverse Sicherungen des Echsentempels erledigt. Auf dem Weg nach draußen sahen wir uns dann einer überwältigenden Übermacht an Echsen gegenüber, denen wir dann durch Verhandlungen unseren freien Abzug abringen konnten. Wir mußten ihnen auf Grund eines leichten Frevels am Heiligtum seinerseits nur den Magister für einige Zeit überlassen, wobei uns versichert wurde, daß ihm nichts geschehen würde. Außerdem wurde das Gebiet um das Heiligtum zur Tabu-Zone erklärt, was ich auch bereitwillig bestätigte. Du siehst also, angesichts dieser Übermacht und der schlechten Verhandlungsposition habe ich mich gar nicht schlecht geschlagen. Das Lösegeld konnten wir wie beabsichtigt behalten, die Cousine war am Leben und bei, den Umständen entsprechender, guter Gesundheit und über die Diskretion der Beteiligten brauchen wir uns, denke ich, auch keine Sorgen machen.
Die Hoheit benahm sich gewohnt souverän in dieser ganzen Geschichte, nur von der Nesetet war ich positiv überrascht. Nach allem, was man mir so über sie erzählt hat, erscheint sie mir nach dieser Geschichte doch in einem etwas anderem Lichte.
Sie haben übrigens beschlossen, die Hauptstadt von Ordoreum nach Ahet zu verlegen und mir diese Nesetet sozusagen direkt vor die Nase zu setzen, aber nach dieser ganzen Begebenheit stehe ich der Sache nicht mehr ganz so ablehnend gegenüber. Sie scheint eine Person zu sein, mit der es sich auskommen läßt.

Da wir jetzt wieder bei Ahet angekommen sind, will ich Dir nun einige meiner zukünftigen Pläne Ahet und Ahami betreffend schildern.
Wie Du ja weißt, hat dieser unselige Dämonenpakt nicht nur dafür gesorgt, daß der See über die Ufer getreten ist und uns kostbares Ackerland überschwemmt hat, sondern er hat uns außerdem noch ein ganzes Dorf und viele Leben treuer Untertanen gekostet. Nach dem Rückgang des Sees auf sein jetziges Ausmaß hat er uns zwar wieder einiges an jetzt fruchtbaren Boden zurückgegeben, aber selbstverständlich nicht die teuren Seelen der Ertrunkenen und an den Seuchen gestorbenen. So bin ich zu der Überzeugung gekommen, daß unsere Zukunft nur in einem Anwachsen der jetzigen unzureichenden Bevölkerungszahl liegt.
Also habe ich mit der Hoheit, der Nesetet und dem Reichszehntprüfer gesprochen und wir sind zu der Übereinkunft gekommen, jedem interessierten und engagierten Einwanderer nach Ahami für einen Götterlauf die Steuern zu erlassen, um sie mit einem so zu ermöglichten Neuanfang nach Ahami zu locken und damit die Bevölkerung in der Heimat wieder auf ein auf Dauer lebensfähiges Maß zu erhöhen.
Sicher gilt es auszuwählen, und ich bin gerade dabei, mir dahingehend fähige Dorfschulzen und Verwalter zu suchen, aber ich gehe davon aus, daß sich überwiegend ehrbare Leute als Einwanderer melden. Meine Zielgruppe sind vor allem Zweit- und Drittgeborene, die sich daheim mangels ausreichendem Erbe sicher nur als halbe Tagelöhner verdingen können. Ihnen biete ich damit eine Zukunft, die eigenes Land und Eigentum verspricht.
Natürlich sind diese Leute weitgehend mittellos, deshalb werden ja gerade sie diese Chance wahrnehmen und ich muß sie darum auch finanziell unterstützen, sowohl was Saatgut als auch Gerätschaften betrifft. Ich hoffe dahingehend auf Unterstützung durch die Familie. Aber wenn die Sache erst einmal ins Rollen gekommen ist, dann werden wir alle davon profitieren, einschließlich der vielleicht noch zu überzeugenden bisherigen Einwohner.
Um unnötigen Streit zu vermeiden, werde ich versuchen erst einmal die anderen ordoreer Baronien zu mobilisieren. Ihnen gegenüber herrscht vielleicht die größte Toleranz und Akzeptanz. Nur wenn das nicht ausreicht, werde ich mich an die anderen Grafschaften wenden, wobei ich Paesta-Land natürlich solange wie möglich aussparen werde. Aber man muß den armen Leuten dort doch immerhin eine bessere Alternative bieten.
Um den wahrscheinlich unvermeidbaren Auseinandersetzungen Herr zu werden, möchte ich einen Antrag stellen, ein paar Mann regulärer Truppen nach Ahami zu stationieren. Die Nesetet schloß sich mir an, da auch für ihre Person einige Leibwächter von Nöten wären. Ich hoffe auf eine baldige positive Antwort der Gardekriegsherrin.
Außerdem wäre es praktischer, für ähnliche Fälle, wie dem vorhin berichteten, auf ein paar Soldaten und nicht nur auf die unzureichend ausgebildeten Dorfbüttel zurückgreifen zu können. Die dafür nötige Garnison (ein leicht übertriebener Ausdruck für eine Unterkunft von wahrscheinlich maximal zehn Mann) kann im Zuge der allgemeinen Ausbauarbeiten von Ahet sicherlich ebenfalls bewerkstelligt werden. Es sollen ja immerhin die Palisaden erneuert, ergänzt und erweitert werden, sowie das alte Gasthaus im Namen der Hoheit in ein Yah umgewandelt werden, was für die einfache Dorfbevölkerung eine neue, einfache Schenke nötig macht.
Außerdem wurde jetzt endlich in Angriff genommen, ein Straße von Djaset nach Tel Akhbar zu bauen, wo es angeblich ein ausgezeichnetes einheimisches Bier geben soll, dessen Brauerin als Dorfschulzin bisher keine schlechte Wahl gewesen zu sein schien. Ich möchte das auch noch etwas ankurbeln.
Nun gut, Bruderherz, ich melde mich nach der anstehenden Rundreise durch Ahami wieder bei Dir. Ich muß mich schließlich meinen neuen Untertanen zeigen und meine Präsenz und Anteilnahme an dem Leben in unseren Erblanden kundtun.
Ich hoffe, Dir im nächsten Brief schon einige Ergebnisse meiner Planungen mitteilen zu können..

Bis dann
Dem Raben und der Nisut zum Gruße
Dein Dich liebender Bruder

Menadis

PS:Paß auf Dich auf! Ich habe Dir zwar gute Leute dagelassen, aber trotzdem! Du weißt ja, Vorsicht ist die Mutter der Edelsteinhändlerin, wie die Aranierinnen sagen. Und grüße die anderen von mir!

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