Die Festlands-Achaz im Kemi-Reich
Über die genaue Anzahl der im Kemi-Reich lebenden Festlandsachaz gibt es keine detaillierten Zahlen, sondern nur Mutmaßungen. Sie dürfte zwischen 1000 und 3000 Echsenmenschen liegen. Vor allem in den kaum erschlossenen nördlichen und westlichen Gebieten des Kahet ni Kemi liegt der Lebensraum der "Chrr'Szin'rach", wie sie sich selbst nennen. Dieses für menschliche Zungen kaum auszusprechende Wort bedeutet soviel wie "Die, welche übrig sind" und bezieht sich auf die Tatsache, dass diese Achaz ihre Abstammung von den Überlebenden der südaventurischen Echsenreiche herleiten, welche von den Truppen der Diamantenen Sultane vernichtet wurden. Allerdings ist diese Geschichte den meisten Chrr'Szin'rach von heute kaum mehr bekannt.
Die Chrr'Szin'rach sind in sieben "Nationen" (zumindest entspricht diese Übersetzung ins Garethi am ehesten der Bedeutung des echsischen Wortes) untergliedert, die wiederum aus einer Vielzahl von Sippen- und Dorfgemeinschaften bestehen. An der Spitze jeder Nation steht ein Fürst (auch hier muss angemerkt sein, dass es sich hierbei um eine Übersetzung eines echsischen Wortes handelt, die aufgrund der unterschiedlichen Denk- und Lebensweise von Menschen und Achaz nicht exakt sein kann), während die einzelnen Dorf- und Sippengemeinschaften von einem Ältesten geleitet werden, dessen Titel man wohl am besten mit "Dorfschulze" übersetzen könnte.
Der Zusammenhalt zwischen den Nationen, Sippen und Dörfern wird durch die Priesterschaft hergestellt. In jedem Dorf gibt es mindestens einen Priester/Priesterin (Titel: "Sszar'Zin" - "Bewahrer des Erbes"), jedem Fürsten steht ein Hohepriester ("Rrrss'Sszar'Zin" - "Hoher Bewahrer des Erbes") zur Seite. Der oberste Priester der Festlandsachaz ist der Chin'Sszar'Zin ("Oberster Bewahrer des Erbes") Char Rst Kszint (Zu seiner Person und den genauen Befugnissen der Priester und Häuptlinge später mehr).
Die Sieben Nationen der Festlandsachaz
Tschor'Sssawr ("Die Fischesser")
Fürst: Krri'Wsss
Hohepriesterin: Shan Charr
Das Gebiet dieser Nation erstreckt sich entlang der Ostküste des als Echsenland bezeichneten Gebietes bis hinein ins Semjet Jábet. Diese Nation ist unter den Festlandsachaz insofern eine Besonderheit, als dass ihre Angehörigen eine tiefe Beziehung zum Meer haben. Die Dörfer und Sippen leben vor allem vom Fischfang und fahren, ähnlich wie ihre Verwandten von den Waldinseln, regelmäßig auf Flößen oder Katamaranen aufs Meer hinaus. Der Handel, den diese Nation mit den anderen Achaz und - sporadisch - auch mit den "Schuppenlosen" (also den Bewohnern des Kemi-Reiches) treibt, basiert dementsprechend vor allem auf den Gütern des Meeres: Schildkrötenpanzer, Schmuck und Gebrauchsgegenstände aus Schildpatt und Fischbein, Korallen, Perlen, Fisch und Meeresfrüchte.
Zwar ist auch diese Nation, wie eigentlich alle Achaz-Gemeinschaften, gegenüber Nichtechsen sehr verschlossen, doch pflegen ihre Mitglieder auf der anderen Seite eine sehr starke Tradition der Gastfreundschaft, was schon so manchem Schiffbrüchigen oder im Dschungel verirrten Reisenden das Leben gerettet hat. Diese Gastfreundschaft rührt wahrscheinlich daher, dass das Angewiesensein auf das unberechenbare Meer ein Maximum an gegenseitiger Hilfe und Unterstützung bedingt.
Tonch'Chrr'mar ("Die Reinen")
Fürst: Szon'Kharr'iwiss
Hohepriester: Mar'ussin'krr
Das Gebiet der Tonch'Chrr'mar ist das zentrale Echsenland inklusive Schattenspin.
Sie sind sicherlich der unzugänglichste von allen sieben Nationen der Festlandsachaz, da sie eine recht fanatisch-konservative Tradition der "Reinheit" pflegen. Das bedeutet, dass sie jeden Kontakt zu den Schuppenlosen meiden, ja, sie haben nur Verachtung für diese übrig, da sie sie mehr oder weniger als rebellische Sklavenrasse betrachten, welche hinterhältig die alten Echsenkönige vom Thron gestürzt hat. Wandernde, die sich allein in das innere Gebiet der "Reinen" wagen, verschwinden denn auch manchmal spurlos.
Diese Gemeinschaft hat sich von allen Festlandsachaz sicherlich das stärkste GeschichtsbeWUSstsein bewahrt, weshalb sie auch mit einer gewissen Arroganz auf die anderen sechs Nationen herabblicken. Sie fühlen sich als Aristokratie unter den Echsen und stellen die stolzesten Krieger der Festlandsachaz. Mit Landwirtschaft beschäftigen sie sich kaum, mit Handel gar nicht. So leben sie vor allem von der Jagd.
Ihr Fürst residiert nicht, wie die anderen Fürsten, in einem Dorf, sondern standesgemäß in einer alten echsischen Tempelzikkurat im tiefen Urwald, die er hat Instandsetzen lassen und wo er nun mit seinem Hohepriester und zwei Dutzend seiner besten Krieger lebt und dem "Großen Schlinger" Kr'Thon'Chh huldigt.
Var' Szalin ("Die Geprüften")
Fürst: Nam'chot'rrr
Hohepriester: Hssahan
Der Name dieser Nation geht darauf zurück, dass vor mehreren hundert Jahren der Großteil dieses Echsenvolkes von einer verheerenden Seuche dahingerafft wurde, worauf ein Zusammenbruch der Landwirtschaft und eine Hungersnot folgten, die weitere Tote zur Folge hatte. Diese Katastrophe wurde als Prüfung der Standhaftigkeit durch die Götter interpretiert, woraus der Name der Nation entstand.
Hier handelt es sich um ein friedliches, sanftes Völkchen, welches das südliche Echsenland und Ujak bewohnt und vor allem Landwirtschaft betreibt. Hierzu roden sie rund um ihre kleinen Dörfer, die zumeist aus halbkugeligen Hütten bestehen, kleine Flächen des Urwalds und pflanzen dort verschiedene Wurzeln und Nutzpflanzen. Auch für ihre Kunstfertigkeit im Auffinden und Verarbeiten von Heilkräutern sind "Die Geprüften" unter den Achaz berühmt. Und nicht nur dort: Ihre Heilkräuter werden auch in den Dörfern des Kemi-Reiches für ihre Wirksamkeit gegen allerlei Krankheiten und Gebrechen geschätzt.
Nur mit ihren Nahrungsmitteln handeln sie nicht, da sie einen Teil davon an die Tonch'Chrr'mar abliefern, die sich im Gegenzug verpflichtet haben, ihnen im Fall des Falles Schutz durch ihre Krieger zu gewähren.
Korr'Ssan Thiss ("Die Kinder des Riesenkaimans")
Fürst: Chron' Tzar
Hohepriester: Ness'krrr'ssav
Die Bewohner dieser zahlenmäßig kleinsten der sieben Nationen besiedeln das Grenzgebiet zwischen dem Káhet ni Kemi und dem Königreich Brabak, dazu noch Gebiete in Djuimen und Rekáchet.
Ihr Hauptdorf liegt nahe eines Sees, der für dieses Volk hohe mythische Bedeutung hat. Dort lebt nämlich ein besonders großer Riesenkaiman, den diese Achaz als ihren mythischen Ahnherrn - oder zumindest als seine Reinkarnation - betrachten. Am Ufer des besagten Sees halten sie denn auch regelmäßig vielerlei Rituale ab und bringen dem furchterregenden Kaiman Opfergaben (vor allem Opfertiere) dar. Interessanterweise ist der Riesenkaiman, wie alle seine Artgenossen, ein ausgesprochen aggressives Tier, doch ist nicht bekannt, das er jemals einem Mitglied der Korr'Ssan Thiss etwas zuleide getan hätte...
Sskran'Zahev ("Die Windbändiger")
Fürst: Arrzan Krrch
Hohepriesterin: Xch'za'thon
Das Territorium der "Windbändiger" umfasst Támenev und Sechem Dewa. Zwar ist auch diese Gemeinschaft zahlenmäßig nicht besonders stark, doch haben die Stimmen ihres Fürsten und der sanftmütigen Hohepriesterin großes Gewicht unter den Festlandsachaz, und das aus zwei Gründen:
Zum einen sind sie die einzige der sieben Nationen, der sich noch auf die alte Kunst des Abrichtens von Flugechsen versteht, zum anderen hat diese Nation einige vorzügliche Magier in ihren Reihen, die viele uralte Geheimnisse der Manipulation des Elementes Luft bewahrt haben und beherrschen.
Die etwa zwei Dutzend Flugechsen, über die diese Nation zur Zeit verfügt, werden vor allem bei der Jagd, zu Erkundungs- oder Botenflügen eingesetzt, oder auch einfach dazu, dem Fürsten oder der Hohepriesterin eine standesgemäße Reise zu ermöglichen. Dass sie, ebenso wie die Fähigkeiten der Elementarbeschwörer, auch eine vorzügliche Kriegswaffe abgeben, mussten die Waldmenschen bei den - wenn auch seltenen - Konflikten mit den "Windbändigern" zuweilen am eigenen Leib erfahren...
Xucharr'Ssver ("Die Hüter der Tempel")
Fürst: Ukrech'Zhoss
Hohepriesterin: Ixkressu'charr
In Câbas, Irakema und dem westlichen Echsenland kann man auf Dörfer und Sippen dieser Nation treffen, deren prominentestes Mitglied wohl der Oberste Bewahrer des Erbes Char Rst Kszint selbst ist. Im Territorium der "Hüter der Tempel" (der Name gibt bereits einen Hinweis darauf) liegen einige der heiligsten und ehrwürdigsten, wenn auch großenteils zu Ruinen verfallenen Heiligtümer der Festlandsachaz. Alte, vom Dschungel überwucherte oder von Sümpfen bedeckte Tempeltürme, Zikkurate, Altäre - und die vergessene Tempelstadt Xol'Chot (dazu später mehr).
Dieses Volk stellt denn auch traditionsgemäß die meisten Tempelwächter und einen nicht unbeträchtlichen Teil der Priesterschaft. Auch die meisten Obersten Bewahrer des Erbes waren Xucharr'Ssver. Hier hat sich das Wissen um die Glorie der Alten Echsenreiche noch stark bewahrt, und so versuchen die Xucharr'Ssver mit geradezu heiligem Eifer, die althergebrachten Bräuche und Traditionen, vor allem aber das Wissen ihrer mächtigen Vorfahren zu bewahren. Und da Wissen Macht ist, zählt das Wort der Xucharr'Ssver sehr viel unter den Nationen der Festlandsachaz.
Ykrra'Slaz'kzahan ("Die, welche verstreut sind")
Fürst: Mon'zzar'zach
Hohepriester: Shuun'sskch
Die verschiedenen Dörfer und Sippen dieses Volkes, welches das nördliche Echsenland und das Grenzgebiet des Kemi-Reiches mit Al'Anfa bewohnt, sind es seit alters her gewohnt, unabhängig und ohne viel Kontakt mit anderen zu leben. Insofern hält sich der Einfluss ihres Fürsten auf die einzelnen Sippenverbände auch stark in Grenzen. Des weiteren ist die Anzahl der Bewohner in der jüngeren Vergangenheit stark gesunken, was im Durchmarsch der al'anfanischen Truppen zur Zeit der Besetzung des Káhet durch die Schwarze Perle begründet liegt. Die Al'Anfaner waren meistens nicht gerade tolerant gegenüber den friedlich lebenden Achaz...
So hat die Nation "derer, die verstreut sind", die wichtige und ehrenvolle Aufgabe, fürderhin Aggressionen durch al'anfanische Truppen abzuwehren, sprich: Sklavenhändlertrupps aufzureiben und Kolonisten zu vertreiben, die zu tief in den von den Achaz beanspruchten Dschungel eindringen. Man könnte sie also als Grenzwächter an der Nordgrenze ansehen.
Sssrah "Die Geschwister des Meeres")
Fürst: Srszzir'tzzrszch
Hohepriesterin: Ksss'rssssth
Eine Sonderstellung nehmen die Achaz ein, die heute die ehemalige kem'sche Provinz Démyúnem bewohnen. Es handelt sich bei der etwa 500 Köpfe zählenden Population durchweg um Waldinselachaz; aus diesem Grund werden sie nicht zu den Nationen der Festlandsachaz gezählt.
Ihr Fürst Srszzir'tzzrszch hat lange unter den Menschen gelebt und unter Nisut Peri III. in der Schwarzen Armee, der Verwaltung und letztlich sogar viele, viele Jahre als Gesandter am Vinsalter Hof gewirkt; alles zu dem Zwecke, die "Schuppenlosen" und "ihr bizarres Verhalten" zu studieren. Mit der Krönung Nisut Elas trat Zir, wie er von den Kemi genannt wird, von allen Ämtern und Posten zurück und legte in seiner fernen Inselheimat ein zwölfbändiges Forschungswerk vor, das auf über 20.000 Seiten die echsische Sicht der Menschenvölker beschreibt. Sicher hätte Zir nicht gedacht, daß sein Werk solchen Anklang findet, daß sich bald eine große Gruppe Waldinselachaz um ihn scharte, um noch mehr über die "Schuppenlosen" zu erfahren. Die Achaz beschlossen, sich auf dem Festland anzusiedeln, um dort die Mittlerfunktion zwischen ihrem Volk und den Menschen zu wahren. Als Siedlungsort wurde dem Auswanderervolk von Nisut Ela Démyúnem abgetreten, auf das die Achaz seit dem Auffinden von Charybbs Kelch, einem echischen Artefakt, schon länger Anspruch erhoben und das die Kemi nach schweren Erdbeben ohnehin aufgeben wollten. So entwickelt sich dort ein unabhängiges, kleines Fürstentum der Waldinselachaz inmitten des dichten Regenwaldes Mysobiens...
Die Lebensweise der Festlandsachaz
Die Festlandsachaz innerhalb des Káhet ni Kemi pflegen eine sehr einfache Lebensweise. Zumeist leben mehrere Sippenverbände in einem Dorf zusammen, manche Dörfer werden aber auch nur von Mitgliedern einer Sippe bevölkert. Die Angelegenheiten des täglichen Lebens werden meist von einem Dorfrat geregelt, in dem jeder Bewohner (und jede Bewohnerin) seine (ihre) Stimme erheben darf. Geleitet werden diese Räte vom Dorfältesten. Die Dörfer bestehen meist aus einfachen Hütten aus den Baustoffen, die die Umgebung zu bieten hat, nur Steine werden zum Hausbau nicht mehr verwendet (was aber beileibe nicht bedeutet, dass das Wissen um die Kunst der Steinbearbeitung verloren gegangen wäre).
Ihren Bedarf an Nahrungsmitteln decken die Echsenmenschen vor allem durch Jagd und Fischfang, seltener auch durch Ackerbau und das Halten einiger Nutztiere. Alles, was sie sonst noch brauchen, stellen sie selbst her, seien es Werkzeuge, Schmuck oder Kleidung. Nur selten erwerben sie wünschenswerte oder benötigte Güter durch Handel mit den "Schuppenlosen". Hierbei haben die Achaz vor allem die Produkte des Regenwaldes, also in erster Linie seltene Gewürze und Heilkräuter, aber auch Felle, Elfenbein und kostbare Hölzer, zu bieten Kleidung wird bei den Festlandsachaz selten getragen und dient ausschließlich zeremoniellen Zwecken. So kommt es, dass eigentlich nur die Mitglieder der Priesterschaft dauerhaft gekleidet anzutreffen sind.
Umso mehr Wert wird deshalb auf Schmuck gelegt, wobei einige der sieben Nationen der Festlandsachaz es zu äußerster Kunstfertigkeit im Bearbeiten von Edelsteinen gebracht haben - diese sind aber fast nur im Besitz der Magier und der Priesterschaft.
Ansonsten schmücken sich die Festlandsachaz mit allerlei Ketten, Armreifen und Amuletten aus Knochen, Elfenbein, Holz oder anderem Material, und auch die Bemalung der Körperschuppen hat lange Tradition.
Die Krieger und Jäger der Festlandsachaz bewaffnen sich zumeist mit Speeren, Blasrohren, Äxten, kurzen Hornbögen, Dolchen und Netzen. Auch Steinschleudern werden zuweilen verwendet, die sie mit tödlicher Präzision gegen die Köpfe ihrer Gegner oder Beute zu richten wissen. Zum Schutze benützen die Krieger der sieben Stämme lederbespannte Schilde und tragen ab und an eine Art Waffenrock aus Baumwolle oder festen Pflanzenfasern, der ihren Körpern einen gewissen Schutz bietet. Die Kampfesweise (und ähnlich geht es bei den Jagden zu) besteht darin, das sich kleinere Gruppen von Kriegern (bis zu 12 Mann) - im Dschungel gut getarnt- an ihre Gegner heranpirschen oder ihnen auflauern, um sie dann aus dem Hinterhalt anzugreifen. Zumeist beginnt ein solcher Angriff mit einem Hagel von Wurfgeschossen und Pfeilen aus Schleudern, Blasrohren oder Bögen (zuweilen mit Morfugift versehen). Auf Flüssen und Seen rudern sie mit Einbäumen oder Flössen umher.
Man sieht also, dass es sich um eine sehr naturverbundene Lebensweise handelt (ein Garether oder Vinsalter würde wohl "primitiv" sagen), doch muss nochmals betont werden, dass zumindest einige Stämme der Festlandsachaz sich ihrer glorreichen Vergangenheit beWUSst sind und einiges vom Alten Wissen der Echsenreiche bewahrt haben - doch wählen sie freiwillig die einfache, zurückgezogene Lebensweise. Denn zumindest ihre Anführer (also in erster Linie Magier und Priesterschaft) wissen, dass das momentane Zeitalter den Menschen gehört - doch wenn sich das Rad der Geschichte weiterdreht, werden auch die Menschen irgendwann wieder einen Niedergang erleben...
Ein paar Worte sollten sicherlich noch über das Verhältnis zwischen den menschlichen Bewohner des Kemi-Reiches und den Festlandsachaz verloren werden. Im Allgemeinen meiden die Achaz den Kontakt zu den Menschen, nur wenig Handel und Wandel zwischen beiden Völkern findet statt. Das heißt aber nicht, dass die Achaz den "Schuppenlosen" feindselig gegenüberstünden - zumindest im Káhet ni Kemi ist dies nicht der Fall. Besser wäre es, von Neutralität der Achaz gegenüber den Händeln der Menschen zu sprechen.
Nur die Nation der Tonch'Chrr'mar steht den Menschen mit Arroganz und Feindseligkeit gegenüber.
Die Priester- und Magierschaft hat wieder eine etwas andere Einstellung: Sie sehen die Kemi eher wie unwissende Kinder, blicken wohl auch ein wenig von Oben auf sie herab - dies ist wohl der Stolz vergangener Größe.
Die soziale Ordnung der Festlandsachaz
Wie bereits beschrieben, herrscht innerhalb der Dorfgemeinschaften eine fast schon demokratische Lebensweise, doch fühlen sich die Dorfgemeinschaften und Sippen immer einer der sieben Nationen zugehörig, und diese werden jeweils von einem Fürsten geführt (der Titel lautet "K'onch'tar", was man auch mit "Oberhaupt" oder einfach "Hoher Herr" übersetzen könnte). Im Gegensatz zur Priesterschaft und im täglichen Dorfleben, wo männliche und weibliche Achaz gleichberechtigt sind, wird die Position des "K'onch'tar" immer männlich besetzt, es herrscht also eine patriarchalische Ordnung. Ein Fürst benennt, wenn er die Zeit dafür gekommen hält, einen geeigneten Nachfolger, meist einen Krieger oder Magier.
Der Fürst führt die Krieger und Jäger einer Nation und hat auch sonst eine einflussreiche Stimme, doch kann er keine Gesetze machen oder hat die Gerichtsbarkeit inne - diese Kompetenzen liegen bei der Priesterschaft, so dass dem Fürsten nurmehr die Position eines Generalissimus zukommt, während die eigentliche Herrschaft bei den Priestern liegt. Somit ist denn auch der Oberste Priester, der Oberste Bewahrer des Erbes, als der eigentliche Herr der Festlandsachaz anzusehen. Sein Wort ist Gesetz, und kein Fürst kann dagegen anstehen. Doch einmal im Jahr treffen sich die Fürsten und Hohepriester mit dem Obersten Bewahrer des Erbes zu einem großen Rat, wo wichtige Entscheidungen besprochen, Vorhaben diskutiert und allerlei andere Dinge geregelt werden können (wobei aber der Oberste Bewahrer des Erbes immer die entscheidende Autorität ist).
Man kann also, wenn man den Vergleich ziehen will, den Obersten Priester als Monarchen ansehen (was keiner der Achaz tut, aber zu diesem Thema später mehr), die Fürsten, Hohepriester und Magier als Adelsschicht, und alle anderen als das einfache Volk. Das Territorium, in welchem die Festlandsachaz leben, wäre somit als Bundesstaat aus sieben halb unabhängigen Fürstentümern zu betrachten, die von der Priesterschaft und dem Höchsten Souverän, dem Obersten Bewahrer des Erbes, zusammengehalten werden.
Die Magier der Festlandsachaz
Da etwa ein Fünftel aller Achaz magisch begabt ist, gehören eine ganze Reihe veritabler Magier zu den Reihen der Festlandsachaz. Sie sind als Gelehrte hoch angesehen, wobei sie sich weniger mit der Geschichte und dem Herkommen ihres uralten Wissens beschäftigen (dies obliegt der Priesterschaft), als vielmehr mit der praktischen Ausübung und Verfeinerung desselben.
Die Hauptgebiete, in denen die Magier der Festlandsachaz brillieren, sind Elementarmagie (vor allem der Elemente Luft, Wasser und Humus), Verständigungsmagie, Verwandlung von Lebewesen und Kristallomantie. Einige von ihnen verfügen auch über uralte Zauberkünste, die noch keinem menschlichen Magus bekannt sind.
Im Gegensatz zu den meisten menschlichen Magiern sind die Magier der Festlandsachaz nicht organisiert, es gibt sie vielmehr in allen Bereichen der Achazgesellschaft (z.B. gibt es Kriegermagier und magiebegabte Priester), wobei sie, wie schon gesagt, immer besonderes Ansehen und Respekt genießen.
Die Priesterschaft, der Glaube und die Traditionen der Festlandsachaz
Die Priester sind die eigentlichen Machthaber bei den Festlandsachaz: Ihr Wort ist Gesetz, sie erhalten höchsten Respekt, und sie üben die Gerichtsbarkeit aus.
Der Oberste Bewahrer des Erbes führt die Priester und Priesterinnen wie ein König seine Herzöge. Regelmäßig konferiert er mit den sieben Hohepriestern der Stämme (wobei das Gerücht geht, dass sie dies häufig mittels magischer Kristalle auch über weite Entfernungen hinweg und ohne Zeitverzögerung vermögen...), welche sich wiederum regelmäßig mit den Dorfpriestern treffen.
Allerdings haben die Priester nicht nur die Herrschaft inne, sondern sie bewahren und erhalten das Wissen über und aus der Vergangenheit ihres Volkes, sie pflegen die Traditionen und Opfern den alten Echsengöttern. Doch darf man nun nicht denken, dass sie all ihr Wissen über die Vergangenheit mit ihren Artgenossen teilten, im Gegenteil! Nur manches geben sie weiter, denn zum einen wollen sie die Legitimation ihrer Macht nicht gefährden, zum anderen ist ihrer Meinung nach die Zeit noch nicht reif dafür - erst wenn die Herrschaft der Menschen deutliche Zeichen des Zerfalls zeigt, wollen sie das alte Wissen wieder offenbaren. Zwar meinten einige Magier und Priester, die Wiederkehr Borbarads und die Errichtung der Heptarchien sei ein solches Zeichen, doch der Oberste Bewahrer des Erbes entschied, dass man noch geduldig sein und abwarten müsse.
Welchen Gottheiten opfert nun diese Priesterschaft? Nun, hier gibt es verschiedene Glaubensrichtungen, die gleichberechtigt nebeneinander existieren: Es gibt diejenigen, welche zu den alten Göttern beten (H'Ranga, Kr'Thon'Chh etc.) - sie haben ihre Anhänger vor allem bei den Traditionalisten unter den Achaz-, es gibt solche, die die Natur selbst verehren (sie nennen sie die "große Mutter"), meist in Form von besonderen Bäumen, Felsen, Flüssen, Quellen o.ä., und es gibt eine kleine Gruppe (die allerdings keine Anhängerschaft außerhalb der Priesterschaft hat), die an eine reine Schöpferkraft als abstraktes Gottesprinzip glaubt. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe aus etwa zwei Dutzend Priestern, die in einem alten Ruinentempel zurückgezogen leben und sich der Kontemplation, Askese und Meditation hingeben, um die "Höheren Sphären des Geistes und die Ewige Wahrheit" zu finden. Ein Prinzip, an dass hingegen alle Achaz unerschütterlich glauben, ist ihre Wiedergeburt.
Jeder Achaz (männliche und weibliche sind vollkommen gleichberechtigt) kann der Priesterschaft beitreten, so er von einem Kollegium aus mehreren altgedienten Priestern für würdig befunden wird. Er durchläuft daraufhin eine Novizenzeit (die, besonders aufgrund der hohen Lebenserwartung der Achaz, durchaus zwei oder drei Jahrzehnte dauernd kann), in welcher er in den alten Traditionen geschult wird und allerlei Dienste (durchaus auch niedrigste Hausarbeit) für die anderen Priester erledigen muss. Am Ende wird er vom Hohepriester seines Stammes geprüft und, so er vor diesem besteht (besonders im Wissen über die Ausübung der alten Sitten und Gebräuche), in den Priesterstand erhoben. Er kann dann in einem Dorf die Kulthandlungen ausüben (so gerade eine "Stelle frei geworden ist", weil ein Dorfpriester gestorben ist), oder in einem der alten Tempel das Wissen der Ahnen studieren und den Göttern opfern. Eine ganz besondere Ehre ist es, erwählt zu werden, um dem Obersten Bewahrer des Erbes in der Tempelstadt Xol'Chot zu dienen (zu dieser mythenumrankten Örtlichkeit später mehr), ein Privileg, welches nur den besten und ehrgeizigsten Priestern zuteil wird.
Die Insignien eines Priesters der Festlandsachaz sind stets dieselben: Der muschelbesetzte Stab des Rechts, das Buch der Gesetze und die gefältelte Tunika mit der priesterlichen Bemalung aus zeremoniellen Glyphen. Allerdings gilt: Desto höher der Rang des betreffenden Priesters, desto edler und kunstfertiger sind die Verzierungen an eben diesen Insignien. So besteht der Stab des Rechts des Obersten Bewahrers Char Rst Kszint aus Elfenbein, während sein Buch der Gesetze einen Einband aus purem Gold hat (keiner weiß im Übrigen, wie alt dieses Buch ist - außer dem Obersten Bewahrer, welcher sich hierzu nicht äußert).
Manch unwissendes Menschlein stellte, wenn ihm die Ehre zuteil wurde, einen Priester zu sprechen, die Frage, warum der Oberste Bewahrer des Erbes, wenn er doch de facto über die Festlandsachaz herrsche, nicht den Titel eines Königs annehme. Hierauf gibt es eine recht simple Antwort: Da die alten Echsenreiche (noch) nicht wiedererrichtet wurden, habe kein Achaz das Recht, sich König oder gar Großkönig (wie es in ferner Vergangenheit Brauch war) zu nennen. Wenn der Oberste Bewahrer des Erbes die Zeit für Reif halte, so wird er irgendwann auch wieder einen König ernennen...
Sicherlich erwähnenswert ist es noch, dass der Oberste Bewahrer des Erbes eine 50 Achaz starke Leibwache unterhält, die in der Tempelstadt Xol'Chot stationiert ist und aus den besten Kriegern der Festlandsachaz besteht. Ihre Aufgabe ist es, dass Leben des Obersten Bewahrers und natürlich die Stadt selbst zu schützen.
Die Hohepriester der Sieben Stämme unterhalten meist ebenfalls eine kleine Leibwache, die sich aber aus den "normalen" Kriegern des jeweiligen Stammes rekrutiert.
Besondere Orte im Land der Festlandsachaz
C'ara'zul
Diese vom Dschungel vollständig überwucherte Ruinenstadt stammt aus der Zeit der alten Echsenreiche und ist schon lange verlassen - bis auf eine kleine Gruppe von Kriegern und Priestern der Tonch'Chrr'mar, die dort mit ihrem Fürsten Einzug gehalten haben. Einige der verfallenen Gebäude wurden wieder Instand gesetzt, und nun residiert der Fürst der "Reinen" dort in der Art und Weise, wie sie ihm zuzustehen dünkt.
Ein Mensch, der sich nun zufällig dorthin verirrt, sollte mit seinem Leben abschließen, denn die Tonch'Chrr'mar lassen eine Entweihung der ihnen heiligen Stätte nicht zu.
Doch schon vorher war es gefährlich, sich nach C'ara'zul zu begeben. Zwar gab es den einen oder anderen Schatzsucher, der von der Stadt erfuhr und, gierig nach dem Echsengolde, dorthin aufbrach - doch nur wenige von ihnen kehrten wieder, und die, die es taten, brachten kein Gold mit, sondern höchstens Krankheit und Wahn. Denn nicht nur giftiges und siechenbringendes Ungeziefer gibt es dort, sondern es scheint, als hätten die Echsenmagier vor Jahrtausenden, als die Stadt verlassen werden musste, die inneren Kammern nicht ungeschützt zurückgelassen...
Die Stadt im Jalob
Im Mündungsdelta des Jalob gibt es ebenfalls eine uralte Stadt der Echsen - schon lange versunken, nahm sie alle Schätzen (und vielleicht auch ihre Einwohner?) mit in ihr nasses Grab. Nur noch einige Spitzen von Obelisken, mit steinernen, sich windenden Schlangen verziert, ragen aus dem Strom und dem Sumpf an seinem Ufer.
Unter den Festlandsachaz gilt diese Stadt, welche sie Vrr'Ssan Ulxach ("Die Ertrunkene") nennen, als verflucht. Dies ist wohl einer der Gründe, warum die Mitglieder der Nation der "Fischesser" niemals das Delta des Jalob befahren, befürchten sie doch, von den Geistern der Versunkenen ebenfalls ersäuft oder in den Wahn getrieben zu werden. Natürlich gibt es unter den Menschen auch hier Gerüchte über große Schätze, die dort auf dem Grund des Jalob liegen müssten, aber bisher war noch kein Schatztaucher so irr, in das schlammige Wasser, das die alte Stadt bedeckt, einzutauchen.
Xol'Chot, die Tempelstadt
An einer keinem Menschen bekannten Stelle im Dschungel des Echsenlandes liegt Xol'Chot, das religiöse und damit auch machtpolitische Zentrum der Festlandsachaz. Zwar ist auch diese Stadt seit Jahrtausenden im Urwald versunken, doch haben die Festlandsachaz unter Anleitung der kundigen Priesterschaft in jahrhundertelanger Arbeit versucht, zumindest einen Großteil der alten Tempel und Bauwerke wieder herzurichten und zu erhalten. So kommt es, dass dort, in einer Tempelpyramide, auch der Oberste Bewahrer des Erbes seinen Sitz hat. Ja, was dem Praioten die Stadt des Lichts, ist dem Achaz Xol'Chot. Hier halten sich immer etwa 100 Priester und Priesterinnen auf, dazu kommen noch etwaige Bedienstete und etwa 50 gutbewaffnete Kämpfer, die Tempelwachen.
Hier wird in etwa einem Dutzend verschiedener Tempelkomplexe den alten und neuen Göttern der Achaz gehuldigt, mit Gebeten, rituellen Tänzen und allerlei Dankesgaben, von Früchten und Milch bis hin zu Tieropfern. Dann steigt der Rauch der Opferfeuer über dem Dschungel auf, und nachts ist manchmal der Klang der Trommeln und Gongs meilenweit zu hören. Aber wehe dem, der unbefugt nach Xol'Chot vordringt! Er wird gnadenlos niedergemacht, denn auf gar keinen Fall darf das Wissen um diesen Ort den "Schuppenlosen" bekannt werden, auf das nicht auch dieser letzte "reine" Tempelplatz aufgegeben werden muss!
von Leon Stross
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